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Mehr Tempo fürs Heimnetz

Samstag, 25.05.2013 | 08:33 von Thomas Rau
Mehr Geschwindigkeit im Heimnetz.
Vergrößern Mehr Geschwindigkeit im Heimnetz.
© iStockphoto.com/holgs
Das Netzwerk ächzt aus allen Fugen: Hochauflösende Videos und immer mehr vernetzte Geräte fressen Bandbreite. Doch neue Standards für WLAN und Powerline sollen dem Heimnetz Beine machen.
Jetzt müssen Sie im Heimnetzwerk die nächste Tempostufe zünden: Es reicht nicht mehr, dass alle Geräte miteinander sprechen – sie sollen das mit hohem Tempo tun. Das beginnt beim dicken Internetanschluss mit 100 MBit/s und hört beim gleichzeitigen Streamen mehrerer Full-HD-Videos nicht auf. Für den Aufbau eines Hochgeschwindigkeits-Heimnetzes kommen drei Techniken in Frage: Gigabit-WLAN (802.11ac), 500-MBit-Powerline oder die klassische Verkabelung mit Gigabit-LAN.

Videodatenraten im Vergleich
Vergrößern Videodatenraten im Vergleich

Wer braucht eigentlich so viel Bandbreite?
Zwei große Trends im Heimnetz lösen den Hunger nach Bandbreite aus: Zum einen wird das lokale Netzwerk immer größer. Wo früher höchstens PC und Notebook verbunden waren, tummeln sich jetzt Smartphone, Tablet, Fernseher, Blu-ray-Player, Spielekonsole und NAS. Alle diese Geräte müssen sich die Netzwerk-Bandbreite teilen. Und es werden immer mehr: In Deutschland soll es 2016 pro Kopf 5,5 vernetzte Geräte geben, derzeit sind es 2,9. Außerdem werden nicht mehr nur E-Mails und Webseiten per Router im Heimnetz verteilt, sondern vor allem Videos – je höher aufgelöst, desto mehr Bandbreite benötigen sie (siehe Tabelle). 2016 sollen Videos 63 Prozent des gesamten Internetverkehrs ausmachen.


Netzwerktechnik im Tempovergleich
Hohe Datenraten sind kein Problem – möchte man meinen, wenn man einen Blick auf die Hersteller-Angaben wirft: Aktuelle 11n-WLAN-Router versprechen bis zu 900 MBit/s, neue 11ac-Router sogar 1,75 GBit/s. Das Kabelnetzwerk lockt mit Gigabit-Tempo, und selbst Powerline wartet bei aktuellen Geräten mit 500 MBit/s auf. Vergessen Sie diese Angaben am besten gleich wieder: Sie beziehen sich auf die maximale physikalische Datenrate einer Netzwerktechnik. Mit den tatsächlich übertragenen Nutzdaten hat das nichts zu tun. Denn in einem Netzwerk-Datenpaket stecken daneben auch Protokolldaten, die die Übertragung steuern. Die theoretische Datenrate wird außerdem in der Praxis auch deshalb nie erreicht, weil kein Transfer völlig ungestört abläuft: Die Geräte müssen etwa Datenpakete erneut senden oder länger auf die Bestätigung des Empfängers warten – entsprechend weniger tatsächliche Nutzdaten können sie übertragen.

In der Praxis ist daher die Netzwerktechnik am schnellsten, die sich am wenigsten stören lässt – und das ist das Kabelnetzwerk : Je nach Größe des Datenpakets liefert ein Gigabit-LAN zwischen 750 und 950 MBit/s – und zwar mit hoher Reichweite: Die Kabellänge zwischen zwei Netzwerkstationen kann maximal 100 Meter betragen. Dagegen leidet WLAN unter vielen Störungen: Wände, Möbel und Personen lenken die Funkwellen ab oder schwächen sie. Wenn andere WLANs auf den gleichen Kanälen wie das eigene funken, sinkt die Signalqualität ebenfalls.

11ac-Router wie der Asus RT-AC66U arbeiten über 5 GHz vor
allem deshalb schneller, weil sie breitere Funkkanäle
nutzen.
Vergrößern 11ac-Router wie der Asus RT-AC66U arbeiten über 5 GHz vor allem deshalb schneller, weil sie breitere Funkkanäle nutzen.
© Asus

Aktuelle 11ac-Router wie der Netgear R6300 oder die Buffalo Airstation 1750 schaffen unter guten Bedingungen rund 230 MBit/s: Dabei übertragen sie simultan auf den zwei Frequenzen 2,4 und 5 GHz (Dual-Band-Betrieb). Das Tempoplus gegenüber schnellen 11n-Routern fällt in der Praxis mager aus: Auch diese wie beispielsweise der Netgear WNDR4500 schaffen im Dual-Band-Betrieb rund 180 MBit/s. Ältere 11n-Router, die nur auf 2,4 GHz übertragen, erreichen lediglich rund 70 bis 80 MBit/s. Der Tempovorteil kommt also vor allem durch den Umstieg auf das relativ störungsfreie 5-GHz-Band. Dort können die WLAN-Geräte breitere Funkkanäle mit 40 (11n) beziehungsweise 80 MHz (11ac) nutzen und entsprechend mehr Daten transportieren. Außerdem übertragen die 11ac- und die 11n-Router bis zu drei Datenströme (Spatial Streams) gleichzeitig über unterschiedliche Antennen – viele Hersteller verdeutlichen dies durch die Angabe 3x3. Ältere oder sehr günstige Geräte unterstützen dagegen maximal zwei oder gar nur einen Spatial Stream (2x2 beziehungsweise 1x1).

Problematisch war es bei WLAN bisher immer, wenn Sie mehrere Stockwerke per Funk vernetzen wollten oder eine große Wohnung. Auch hier ist der Umstieg auf die 5-GHz-Frequenz die Lösung: Zwar bedeutet eine höhere Funkfrequenz an sich weniger Reichweite. Doch weil das 2,4-GHz-Band so überlaufen ist, mindern die vielen Störsignale auch die Reichweite der Router: In der Praxis erhalten Sie daher bei einer Entfernung von rund 40 Metern über 5 GHz bei einem aktuellen 11n-Router (3x3) Datenraten von 30 bis 50 MBit/s, während bei 2,4 GHz in diesem Fall meist nur 10 bis 30 MBit/s drin sind – für zuverlässiges Full-HD-Streaming reicht das nicht mehr aus. Noch mehr Tempo über 5 GHz machen 11ac-Router: Im Test schafften die ersten Geräte rund 100 MBit/s über 40 Meter – sie profitieren besonders von den breiten 80-MHz-Funkkanälen, die der neue Standard bietet. Bei 2,4 GHz leiden sie aber unter den gleichen Problemen wie 11n-Router: Daher liegt auch ihr Tempo ähnlich niedrig.


Auch Powerline ist störanfällig: Bei dieser Technik werden Datensignale über Trägerfrequenzen auf die Stromleitung moduliert. Die Übertragung kann beispielsweise durch andere Geräte im Stromnetz behindert werden: Besonders die Elektromotoren eines Föns oder Staubsaugers oder schlecht gefilterte Netzteile eines Akkuladegeräts oder einer elektrischen Zahnbürste drücken die Powerline-Datenrate. Außerdem hängt das Transfertempo von der Qualität und der Länge der Stromleitung ab und davon, ob die verbundenen Powerline-Adapter über dieselbe Phase übertragen. Unter guten Bedingungen erreichen aktuelle Powerline-Adapter rund 150 MBit/s: Das gilt für die Übertragung innerhalb eines Zimmers und ohne Störeinflüsse. Bei einer längeren Distanz kann die Transferrate auf rund 100 MBit/s sinken – wenn Sie darauf achten, dass keine störenden Geräte im Stromnetz aktiv sind. Sonst geht es auf 40 bis 60 MBit/s herunter.

Samstag, 25.05.2013 | 08:33 von Thomas Rau
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