22.07.2011, 11:19

Tobias Weidemann

LTE-Ratgeber

LTE – Das neue mobile Internet für Deutschland

©iStockphoto/kryczka

Der UMTS-Nachfolger LTE soll Turbo-Internet per Funk auch in abgelegene Gegenden bringen. Wir verraten, was die neue Technik bringt und wie man sie schon heute als mobile DSL-Alternative nutzt.
Die Auktion für die Mobilfunkfrequenzen der „Long Term Evolution“ , kurz: LTE, im Jahr 2010 verlief deutlich ruhiger und entspannter als die Vergabe der UMTS-Lizenzen zehn Jahre zuvor. Damals hatten sich die Internetzugangsanbieter in einen regelrechten Bietwahn gesteigert. Und später feststellen müssen, dass es gar nicht so einfach ist, aus den Lizenzen Gewinne zu erwirtschaften. Angesichts fehlender Nutzungsvorteile waren die Kunden nicht bereit, die hohen Kosten zu tragen.
Ein Jahrzehnt später sieht die Welt gänzlich anders aus. Schnelle Internetanschlüsse gehören inzwischen zu einem Haushalt wie Strom und Telefon. Eine Wohnung in einem Viertel, in dem es kein DSL gibt, lässt sich schwerer vermieten, wenn im Umkreis DSL und Kabelanschluss vorhanden sind. Doch noch gibt es Regionen, in denen aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen keine schnellen Internetzugänge verfügbar sind.
Doch das soll mit dem LTE-Ausbau der Anbieter Vodafone, Telekom, O2 und E-Plus (hat nur Frequenzen im 2.6 GHz-Band) nun anders werden. Eine der Auflagen für die Versteigerung der LTE-Frequenzen war nämlich, dass die Internetzugangsanbieter zunächst die „weißen Flecken“ auf der Landkarte tilgen. Sie müssen also bevorzugt all jene Haushalte mit schnellem Internet versorgen, die bei DSL, Kabelanschluss & Co. leer ausgegangen sind. Erst wenn diese Gebiete mit einer Verfügbarkeit von mindestens 90 Prozent abgedeckt sind, darf mit der Versorgung der Ballungsräume begonnen werden. Dann wird man auch mobil so schnell surfen können wie bisher nur bei einem kabelgebundenen Festanschluss.
Technisch gesehen hat LTE mit dem ersten Upgrade "LTE Advanced" das Zeug dazu schnellste DSL-Leitungen zu ersetzen, möglicherweise sogar in Konkurrenz zu Glasfaserleitungen zu treten. Die im Verhältnis zu Glasfaserleitungen recht überschaubaren Kosten für den Ausbau versetzen nun kleine Gemeinden in die Lage, komplett auf teure und langwierige Baumaßnahmen für kabelgebundene Lösungen zu Gunsten von LTE zu verzichten. Schöne neue 4G-Welt...
So schnell surft man mit der LTE-Technik in der Praxis

Bei der Versteigerung der LTE-Lizenzen kamen Frequenzen unter den Hammer, die bislang militärisch genutzt wurden. Weit wichtiger aber sind die, auf denen bislang die analogen Fernsehprogramme übertragen wurden und die inzwischen aufgrund der Umstellung auf digitales Antennenfernsehen (DVB-T) frei geworden sind. Daher spricht man in diesem Zusammenhang oft von der „digitalen Dividende“, also dem Vorteil, der sich aus der Digitalisierung ergibt. Diese Frequenzen im 800-MHz-Bereich reichen besonders weit. Mit vier bis sechs Sendern lassen sich rund 400 Quadratkilometer abdecken.
Anders sieht dies in den Ballungsräumen aus, wo die Frequenzen im 2,6-GHz-Frequenzbereich zum Einsatz kommen. Der Wirkungsgrad ist hier deutlich geringer, was eine Vielzahl von Sendern nötig macht, um ein flächendeckendes Netz mit zufriedenstellendem Datenübertragungs-Tempo zu erhalten. Die Datengeschwindigkeit bei LTE hängt stark von der Entfernung zum Sendemast ab. Theoretisch ist ein Durchsatz von bis zu 50 MBit/s möglich. In der Praxis liegt die erreichbare Download-Rate aber bei unter 10 MBit/s. Immerhin bleibt dieser Wert dann konstant, auch wenn man sich weiter vom Sendemast entfernt.
Ähnlich wie bei DSL-Anschlüssen geben auch bei LTE die Anbieter keine Garantie für eine bestimmte Geschwindigkeit, sondern arbeiten mit der Formulierung „bis zu“. O2 hat beispielsweise im Testbetrieb bislang Werte zwischen 4 und 16 MBit/s erreicht und will daher in Zukunft, ähnlich wie Vodafone, Anschlüsse mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten anbieten. Fragen Sie Ihren Zugangsanbieter vor Abschluss eines Vertrags, auf welche Geschwindigkeit Sie voraussichtlich zurückgreifen können.
Etwas Boden gut machen könnte die neue Technik im Laufe der Zeit mit verbesserter Sende- und Empfangs-Hardware. Bislang sind nur wenige LTE-Router und noch weniger LTE-Sticks zum Anstecken an ein Notebook oder Netbook erhältlich.Für besseren Empfang in Randgebieten sind mittlerweile LTE-Antennen verfügbar, die sich als Außenantenne an der Hauswand, am Mast der Satellitenantenne oder einfach auf dem Balkon stehend auch bei widrigen Wetterverhältnissen wohltuend auf den Empfang auswirken.

Endgeräte für LTE - wann kommen sie?

Gerade erst angekündigt wurden Smartphones wie das Samsung Galaxy S2 LTE , Notebooks (Toshiba Satellite T130), Netbooks (HP Pavilion DM1 ) und natürlich Tablets wie das Samsung Galaxy Tab 8.9 LTE oder auch das wohl im Frühjahr 2012 zu erwartende iPad 3 mit integriertem LTE-Empfänger . Diese LTE-Endgeräte sind aber bislang, wenn überhaupt, nur in den USA erhältlich und werden Deutschland wohl im nächsten Jahr erreichen. Mit einer größeren Auswahl an Endgeräten ist jedoch erst in etwa einem Jahr zu rechnen, da hierbei auch die internationale Verbreitung der Technik eine wichtige Rolle spielen wird.
Mit Stand Oktober 2011 vermeldete die Bundesnetzagentur sechs Bundesländer mit einer Breitbandabdeckung von über 90%. Dort dürfen die Provider nun mit der Versorgung der Ballungsräume beginnen und sich so der großen Masse an Endkunden zuwenden.
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