27.01.2012, 10:24

Roger A. Grimes

Ratgeber Internet

Die Gründe für Internet-Kriminalität

Verbrechen lohnt sich leider manchmal doch - zumindest im Internet ©Polylooks

Internetverbrechen lohnen sich viel mehr als ein klassischer Bankraub. Denn nur selten wird ein Cyber-Krimineller gefasst. Wir erklären die fiesen Hintergründe.
Die Internetkriminalität boomt mehr denn je und die Gründe hierfür sind klar: Cyberkriminalität ist sehr lukrativ und mit weniger Risiken behaftet als beispielsweise ein altmodischer Bankraub. Um die Risiken und Gewinne der Cyber-Kriminellen gegenüber traditionellen Verbrechen beurteilen zu können, sollte Sie die folgende Statistik der US-Bundespolizei FBI für die USA betrachten: 2010 haben Bankräuber 5628 Überfälle begangen und dabei umgerechnet 34 Millionen Euro erbeutet. (diese Zahlen waren im ersten und zweiten Quartal 2011 konstant). Die Beute eines durchschnittlichen Banküberfalls betrug 6045 US-Dollar (knapp über 4700 Euro).
In 22 Prozent der Fälle konnte die Beute wieder beschafft werden. Häufig waren die Diebe bewaffnet, sodass diese im Falle einer Verurteilung für viele Jahre ins Gefängnis wandern müssen, weil es sich um einen bewaffneten Raubüberfall handelt. Verletzungen, Tote und Geiselnahmen sind ebenfalls vorgekommen, wenn auch nur bei der Minderheit der Fälle.
Ein klassischer Bankraub ist sehr riskant. Außer in Ausnahmefällen werden Sie als Krimineller nicht reich, haben aber eine hohe Wahrscheinlichkeit geschnappt und ins Gefängnis gesteckt zu werden. Ja, besteht sogar das Risiko, dass Sie erschossen werden.

Internetkriminalität mit weniger Risiko

Nun wollen wir dies mit der Internetkriminalitäts-Statistik vergleichen. Laut einem FBI Bericht aus dem Jahr 2011 wurden 300.000 Personen Opfer eines Geldraubes über das Internet. Hierbei wurden 1,1 Milliarden US-Dollar erbeutet (850 Millionen Euro). Obwohl dies "nur" 3666 US-Dollar (ca. 2860 Euro) pro Opfer sind, kann der Internetkriminelle damit viel Geld erbeuten. Dies liegt daran, dass ein Hacker tausende oder gar zehntausende solcher Vergehen begehen kann und dennoch fast nie geschnappt wird. Und diejenigen, die gefasst werden, müssen in den meisten Fällen nicht einmal ins Gefängnis. Und falls doch, dann meist nur für kurze Zeit.
Identitätsdiebstähle werden aber so gut wie nie aufgedeckt. In dem Zeitraum von 2003 bis 2006 war das FBI lediglich in der Lage zwischen 1200 und 1600 Identitätsdiebe festzunehmen (dieser Zeitraum wurde gewählt, weil wir hierfür Trenddaten gefunden haben). Ungefähr ein Drittel der festgenommenen Personen wurden schuldig gesprochen. Insgesamt haben diese Kriminelle 8,3 Millionen Identitäten gestohlen, das entspricht fast vier Prozent der gesamten erwachsenen U.S-Bevölkerung. Das bedeutet, dass ein Identitätsdieb für etwa 20.750 Vorfälle verantwortlich war.
Die Verurteilungszahlen waren 2010 sogar noch schlechter. Aus dem FBI-Internetkriminalitäts-Bericht für das Jahr 2010 geht hervor, dass es 30.809 Anzeigen gab und die 1420 verhandelten Kriminalfälle resultierten in lediglich sechs Schuldsprüchen. Und das sind auch nur diejenigen Fälle, die beim FBI eingereicht wurden.

Fazit: Internetverbrechen ist lukrativer als Bankraub

Wenn Sie eine Bank ausrauben, stehen die Chancen eins zu vier oder eins zu fünf, dass Sie im Gefängnis landen. Stehlen Sie hingegen die Identität von jemandem, dann ist die Wahrscheinlichkeit gefasst zu werden verschwindend klein. Des Weiteren sollten Sie beachten, dass der Identitätsdiebstahl lediglich 9,8 Prozent der gesamten Internetkriminalität ausmacht. Hierin ist der Diebstahl intellektuellen Eigentums noch gar nicht eingerechnet. Berücksichtigen Sie die gesamte Internetkriminalität und diese Zahlen sind vermutlich sehr, sehr viel schlimmer.
Einen Cyber-Kriminellen zu entdecken und zu verurteilen ist vermutlich schwieriger als in irgendeinem anderen Strafverfolgungs- Bereich. Die Gesetzlage, die Beweislast und die grenzüberschreitende Ausbreitung von Internetkriminalität führen dazu, dass die Cyberverbrecher besonders schwierig zu verfolgen und zu verurteilen ist.
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