Hardware-Betrug

Vorsicht beim PC-Kauf: Händler-Tricks entlarven

Mittwoch, 08.02.2012 | 10:35 von Tobias Weidemann
Bildergalerie öffnen Betrug beim Hardware-Kauf vermeiden
© iStockphoto.com/JoKMedia
Im Preiskampf um die Gunst der Kunden greifen manche PC- und Technikhändler im Internet tief in die Trickkiste. Wir zeigen, wie Sie diese Fallen erkennen und sich dagegen wehren.
Volle Innenstädte, wenig Zeit und nicht zuletzt die nur vage Aussicht darauf, dass der gewünschte Artikel im Geschäft der Wahl tatsächlich verfügbar ist: Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, im Internet einzukaufen und sich die Fahrt in die überfüllten Innenstädte zu ersparen. Schließlich hat man im Datennetz den Überblick über das Angebot bei zahlreichen Händlern. Hinzu kommen nicht zuletzt oft aussagekräftige Bewertungen anderer Kunden, die das Gerät der Wahl bereits im Einsatz haben und nicht bloß das Datenblatt und die Verpackung kennen.

Anteil der Personen, die das Internet im ersten Quartal
2009 nutzten und innerhalb des letzten Jahres Käufe oder
Bestellungen über das Internet getätigt haben.
Vergrößern Anteil der Personen, die das Internet im ersten Quartal 2009 nutzten und innerhalb des letzten Jahres Käufe oder Bestellungen über das Internet getätigt haben.

Dennoch ist auch beim Kauf im Internet gesunde Vorsicht anzuraten. Denn zum einen ist gerade in Zeiten erhöhter Nachfrage oftmals nicht sichergestellt, dass die Ware noch rechtzeitig zum Fest ankommt. Zum anderen gibt es eine Reihe von Tricks und Kniffen, mit denen viele Internethändler arbeiten. PC-WELT erklärt, wie Sie tatsächliche von vermeintlichen Schnäppchen unterscheiden.

Trick 1: EU-Geräte statt deutscher Handelsware

Unternehmen stellen ihre Elektronik-Produkte inzwischen für den Europa- und weltweiten Einsatz mehr oder weniger identisch her. Oftmals werden nur die Netzteile und Bedienungsanleitungen ausgetauscht. Im Zeitalter von CDs mit Anleitungen im PDF-Format manchmal nicht einmal das. Deswegen greifen vor allem kleinere Händler zu einem beliebten Trick: Sie entscheiden nach den günstigsten Einkaufspreisen, wo sie die Ware beziehen, kaufen sie also nicht vom deutschen Vertrieb ein, sondern aus irgendeinem anderen EU-Land. Steuern fallen dafür nicht an.

Der europäische Wettbewerb lädt die Händler geradezu dazu ein, Großhandelspreise in verschiedenen Ländern zu vergleichen. „Das ist in der Branche absolut üblich und ja auch legitim“, erklärt der Pressesprecher eines größeren Technikversandhauses. Der Kunde bekomme hiervon meist nichts mit und habe ohnehin keine Nachteile. Das ist allerdings nur zum Teil richtig. Denn lediglich das kleine Schild mit der Seriennummer und dem Strichcode auf der Packung verrät in der Regel, für welchen Markt ein Gerät produziert wurde. Oft aber noch nicht einmal das, weil der Kunde anhand der Kürzel und Buchstabenkombinationen das Land nicht explizit und ohne Vorkenntnisse erkennen kann.


Faire Kennzeichnung: Dieser Online-Händler kennzeichnet
importierte EU-Ware durch eine kleine Europaflagge. So kann der
Kunde selbst entscheiden, welche Ware er kaufen und welches Risiko
er eingehen will.
Vergrößern Faire Kennzeichnung: Dieser Online-Händler kennzeichnet importierte EU-Ware durch eine kleine Europaflagge. So kann der Kunde selbst entscheiden, welche Ware er kaufen und welches Risiko er eingehen will.

Kritisch kann es im Garantiefall werden. Denn einige Unternehmen versuchen auch in Zeiten eines gemeinsamen europäischen Marktes, die Garantie auf nationale Geräte herunterzubrechen, also nur für Geräte mit deutscher Garantiekarte zu gewähren. Hinzu kommt, dass für manche Länder andere Garantiezusagen gelten. Die lassen sich aber nur direkt in diesem Land durchsetzen. Im Prinzip könnte das dem Käufer egal sein, weil er ja offiziell seine zwei Jahre Gewährleistungsanspruch an den Händler hat. Doch auch das ist ein juristisches Konstrukt mit einigen Einschränkungen (siehe „Trick 8: Beweislastumkehr bei Garantie und Gewähr-leistung“).

Eine weitere Einschränkung, die teilweise mit EU-Ware verbunden ist: Oft liegen keine deutschsprachigen Treiber- und Software-Pakete bei, und auch die Bedienungsanleitung ist nicht immer als deutschsprachige PDF-Datei vorhanden. Das kommt jedoch nur in Einzelfällen vor. Und dann hilft nahezu immer das Internet mit passenden Download-Angeboten des Herstellers weiter. Praktischer Nebeneffekt: Sie haben dann jeweils die aktuellsten Versionen. Tipp: Achten Sie bei der Frage „deutsche oder EU-Ware?“ auf die Angaben des Händlers. Einige Verkäufer betonen, dass sie nur deutsche Handelsware anbieten, bei anderen steht dagegen ausdrücklich dabei, wenn es sich um EU-Ware handelt.

Mittwoch, 08.02.2012 | 10:35 von Tobias Weidemann
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