Ratgeber Internet

Internet-Tarife zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Mittwoch, 16.01.2013 | 09:23 von Daniel Behrens
Fotostrecke Internet-Tarife, Flatrate, Surfen, Geschwindigkeit
© iStockphoto.com/holgs
Manchmal sind Youtube-Videos augenblicklich geladen – zu anderen Zeiten hingegen läuft der Download nur stockend und Sie müssen ewig auf Ihre Daten warten. Warum das so ist, erklären wir hier.
Deutschland, einig Flatrate-Land. Von der Kneipe bis zur Autowerkstatt, vom Smartphone- bis zum DSL-Tarif locken die Pauschalangebote. Einmal zahlen und bei gleichbleibender Geschwindigkeit so viel surfen, wie man möchte – das sollte bei Internet-Flatrates eigentlich gelten. Aber die Realität sieht oft anders aus. Insbesondere Mobilfunk-Anbieter (UMTS & LTE) drosseln den Datenverkehr, wenn der Kunde zu viel surft. Aber auch (V)DSL und sogar die neuen Glasfaser-Anschlüsse sind betroffen. Manche Provider bremsen auch nur einzelne Dienste (zum Beispiel Tauschbörsen) oder Websites (zum Beispiel Youtube) aus. Welche Anbieter wie, wann und warum das Tempo rausnehmen, erfahren Sie hier.

Offensichtliche Drosselungen
Wir starten mit Tarifen, bei denen die Anbieter einigermaßen deutlich auf Geschwindigkeitseinschränkungen hinweisen. Ob man hier von Flatrates sprechen kann, sei einmal dahingestellt, aber zumindest weiß der Kunde, woran er ist.


Das wird gedrosselt: Bei UMTS- und LTE-Flatrates ist es üblich, dass nach einem bestimmten Datenverbrauch die Geschwindigkeit von zum Beispiel 7,2 MBit/s radikal ausgebremst wird, normalerweise auf mickrige 64 KBit/s. Und zwar bis zum Anfang des nächsten (Abrechnungs-)Monats. Außer zum Verschicken von E-Mails (ohne Anhänge!) oder für Textchats kann man dann das Internet nicht mehr wirklich sinnvoll nutzen.

Transparenz, wie sie sein soll: Vodafone und die meisten
anderen Anbieter von UMTS-Flatrates geben inzwischen klar an, dass
es Highspeed-Surfen nur mit Limit gibt. Nicht prominent: Auf der
Produktinformationsseite im Web findet sich kein
Vergrößern Transparenz, wie sie sein soll: Vodafone und die meisten anderen Anbieter von UMTS-Flatrates geben inzwischen klar an, dass es Highspeed-Surfen nur mit Limit gibt. Nicht prominent: Auf der Produktinformationsseite im Web findet sich kein

Waren die Hinweise auf diese Drosselung in der Anfangszeit der UMTS-Flatrates nur im Kleingedruckten zu finden, so stehen sie inzwischen prominent bei der Tarifbeschreibung. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Ein positives Beispiel für Transparenz ist etwa der DSL-Tarif „1&1 Surf & Phone Flat Special“. Er wird ab einem Volumenverbrauch von 100 GB bis zum nächsten Monat von 16.000 KBit/s auf 1000 KBit/s gebremst. Auf diesen Umstand weißt 1&1 auf seiner Website unmissverständlich hin.

Darum wird gedrosselt: Bei Mobilfunk (UMTS & LTE) drosseln die Anbieter, weil Funkfrequenzen und damit die zur Verfügung stehende Bandbreite ein sehr knappes Gut sind. Alle Anwender, die in die gleiche Funkzelle eingebucht sind, teilen sich die vorhandene Gesamtkapazität. Und die lässt sich (auch aus wirtschaftlichen Gründen) nicht beliebig steigern. Gäbe es keine Volumenbegrenzung, würden einige Nutzer über die Stränge schlagen und „saugen, bis der Arzt kommt.“


Die Konsequenz wäre, dass bei den anderen Nutzern der gleichen Funkzelle die Daten nur noch tröpfeln würden. Letztendlich handelt es sich bei der Drosselung im Mobilfunk also – neben wirtschaftlichen Gesichtspunkten – um eine Art Erziehungsmaßnahme, die Benutzer dazu bringen soll, mit der vorhandenen Bandbreite zu haushalten. Bei dem DSL-Tarif „1&1 Surf & Phone Flat Special“ erfolgt die Drosselung aus rein wirtschaftlichen Gründen. Der Provider erhält dadurch eine stabile Kalkulationsgrundlage – er weiß also wie viel Datenverkehr die Kunden maximal verursachen – und kann den Tarif daher besonders günstig anbieten.

Mittwoch, 16.01.2013 | 09:23 von Daniel Behrens
Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (0)
1664239