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Die Akte Apple

29.11.2010 | 12:05 Uhr |

iMac, iPod, iPhone und iPad brachten den Computerhersteller Apple auf die Überholspur. Doch rund um den Konzern ist inzwischen nicht mehr nur Friede, Freude, Eierkuchen.

Apple-Produkte sind die Stars der Unterhaltungselektronik. Nach dem weltweiten Siegeszug des Musikabspielers iPod und des vielseitigen Mobiltelefons iPhone erobert nun der Tablettcomputer iPad den Planeten. Nicht nur Apple-Fans feiern Firmengründer und -chef Steve Jobs als „iGod“ und fallen angesichts seiner Lifestyle-Produkte in Ekstase, sondern auch gestandene Verleger auf die Knie. So schwärmte Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner unlängst im US-TV: „Jeder Verleger der Welt sollte sich einmal am Tag hinsetzen, um zu beten und Steve Jobs dafür zu danken, dass er die Verlagsbranche rettet.“ Hintergrund: Zeitungen und Zeitschriften sollen zu kostenpflichtigen Apps für das iPad werden und so der Verlagsbranche zu neuen Erlösen im Online-Geschäft verhelfen.

Und auch die Börsen klatschen begeistert Beifall. Jens Hasselmeier, Analyst von Independent Research, Frankfurt am Main: „Im dritten Quartal hat Apple 15,7 Milliarden Dollar Umsatz gemacht. Das operative Ergebnis liegt bei 4,3 Milliarden Euro. Das ergibt eine Umsatzrendite von 27 Prozent. IBM erreicht hier 14 Prozent, Microsoft 30 Prozent und Google 27,6 Prozent.“ Laut einer Studie der Finanzanalysten von Millward Brown Optimor ist Apple nach Google und IBM die drittwertvollste Marke der Welt.

Skandale, Pech und Pannen rund um Apple
Also alles Friede, Freude, Eierkuchen? Nein. Denn mit den letzten Siegeszügen von iPhone und iPad kamen auch Kritik und Zweifel an Apple hoch: Zuerst vergaß ein Apple-Mitarbeiter im Suff den Prototyp des neuen iPhone 4 in einer Kneipe. Der Perfektionist und Geheimniskrämer Steve Jobs schäumte vor Wut, als das neue Gerät von einem Internetdienst ausführlich beschrieben wurde.

Kurz nach dem Verkaufsstart im Juni 2010 kam es weit schlimmer: Linkshänder klagten über Empfangsprobleme beim iPhone 4. Apple vollführte einen öffentlichen Eiertanz um falsche Signalanzeigen der Empfangsstärke, wiegelte ab: Nur wenige Kunden seien betroffen. Trotzdem gibt es seitdem kostenlose Gummi-Hüllen, die das Abdecken der Antenne an der Außenseite des Mobiltelefons verhindern und den Empfang so verbessern sollen. Drei Wochen später wurde der Hardware-Manager gefeuert, der für das iPhone 4 zuständig war.

Apple-Kenner und Buchautor Joachim Gartz („Die Apple Story“) zu PC WELT: „Es ist nicht zu leugnen, dass Apple insbesondere in jüngster Zeit immer wieder peinliche Qualitäts- und Sicherheitsmängel bei seinen Produkten, wie zum Beispiel dem neuen iPhone, zugeben musste.“ Im aktuellen Smartphone-Test der Stiftung Warentest landete das iPhone hinter günstigeren Geräten von Nokia und Blackbery nur auf Platz fünf.

Kurz vor dem Verkaufsstart des iPad im Mai sorgte eine Selbstmordwelle beim taiwanesischen Apple-Zulieferer Foxconn für weltweite Schlagzeilen. Abgründe der Ausbeutung taten sich auf: Die Mitarbeiter müssten zwölf Stunden täglich an sechs Tagen arbeiten – für 230 Euro inklusive Überstunden. Foxconn-Mitarbeiter, so Informanten, würden in kleinen Baracken kaserniert und dürften das Firmengelände nur mit Genehmigung verlassen. „Profit um jeden Preis“ wird Apple vorgeworfen. Wegen dieses Skandals riefen Verbraucherschützer zum Boykott der i-Produkte auf. Apple kündigte danach an, die Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern zu überprüfen.

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