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Raspberry Pi mit WLAN ausstatten - so geht's

21.01.2015 | 12:55 Uhr |

Im kabelgebundenen Netzwerk ist der Raspberry Pi mit Modell B/B+ dank Ethernet-Port von Haus aus gut aufgehoben. Mit einem zusätzlichen WLAN-Adapter für den USB-Anschluss nimmt der Ein-Platinen-Rechner auch am Funknetz teil.

Ein Mini-PC mit ARM-Prozessor auf einer einzigen Platine muss bei einem Verkaufspreis von 30 Euro (Modell A) oder 35 Euro (Modell B) zwangsläufig Kompromisse eingehen. Wer einen Raspberry Pi ins Drahtlosnetzwerk bringen will, braucht zusätzlich einen unterstützten WLAN-Adapter an einem der USB-Ports. Und da die Platine zumeist mit einer Linux-Distribution als Betriebssystem läuft, sind noch manuelle Anpassungen der Konfiguration nötig, damit der Raspberry Pi auch in das WLAN kommt.

Der richtige WLAN-Adapter

Die Unterstützung der Kernel-Treiber für WLAN-Chips hat sich in den letzten Jahren stark gebessert, aber es gibt immer noch üble Ausreißer wie etwa Marvell-Chipsätze. Falls Sie einen WLAN-Adapter für USB aber sowieso unbenutzt in der Schublade haben, sollten Sie diesen natürlich am Raspberry Pi testen. Wer den Mini-PC aber mit einem neu gekauften WLAN-USB-Adapter ergänzen will, sollte gezielt ein unterstütztes Gerät wählen, um sich Frust zu ersparen. Infos liefert die offizielle Webseite für den Raspberry Pi . Linux-Unterstützung ist generell keine Frage der Kosten. So funktionieren etwa die Billigadapter Edimax EW-7811UN für acht Euro oder CSL 300 MBit/s WLAN-Stick für 12 Euro fabelhaft am Raspberry Pi.

Tipp: Display am Raspberry Pi anbringen

Anschluss: Wo ist der WLAN-Adapter?

Ein WLAN-Adapter besteht immer aus drei Komponenten: Aus dem Host-Bus (beispielsweise PCI, Card-Bus oder USB), dem Signalprozessor und dem Funkbaustein. Der Host-Bus und der Signalprozessor sind Hardware, während der Signalprozessor als Software in der Firmware implementiert ist. Genau genommen handelt es sich um Software-Modems, für die das Betriebssystem einen Treiber mitbringen muss. Unter Linux kümmert sich das USB-Subsystem des Kernels um die Erkennung der angeschlossenen USB-Geräte und entscheidet, um was für ein Gerät es sich laut der Hersteller-ID handelt.

Hier ist der Adapter: Der Befehl lsusb, den auch die Distribution Raspbian kennt, listet alle erkannten Geräte am USB-Bus mit ID, Hersteller und Typenbezeichnung auf.
Vergrößern Hier ist der Adapter: Der Befehl lsusb, den auch die Distribution Raspbian kennt, listet alle erkannten Geräte am USB-Bus mit ID, Hersteller und Typenbezeichnung auf.

Ob ein Stick korrekt erkannt wird und der Kernel einen Treiber für den Chipsatz lädt, finden Sie in den folgenden Schritten heraus. Diese Anleitung gilt für die Distribution Raspbian:

1. Booten Sie Raspberry Pi mit dem bereits eingerichteten Linux-System. Es ist vorteilhaft, den Mini-PC mit bereits angestecktem WLAN-Adapter zu starten. Zwar ist USB Hotplug-fähig, jedoch erzeugen manche WLAN-USB-Geräte beim Einstecken eine Spannungsspitze, die einen Reboot des Raspberry Pi auslöst.

2. Gehen Sie zur Kommandozeile des Raspberry Pi. Wenn die Platine ohne angeschlossenen Bildschirm über den Ethernet-Port im Netzwerk hängt, muss ein SSH-Server aktiviert sein, damit Sie sich per SSH anmelden können. Falls Sie zu einer grafischen Oberfläche booten, dann öffnen Sie ein Terminal-Fenster.

3. Geben Sie in der Kommandozeile lsusb ein, um die erkannten USB-Geräte anzuzeigen. In der Ausgabe des Befehls sehen Sie nun die die Bus-ID und dahinter Hersteller und Typenbezeichnung des WLAN-Adapters. Ist der WLAN-USB-Adapter in der Liste nicht auffindbar, dann müssen Sie einen anderen Adapter verwenden.

4. Um zu überprüfen, ob der Kernel einen Treiber für den Chip des WLAN-Adapters geladen hat, können Sie

ip addr show

eingeben, um die Netzwerkschnittstellen anzuzeigen. Hat soweit alles geklappt und wird der WLAN-Chip unterstützt, dann sollten Sie hier die Gerätebezeichnung der noch unkonfigurierten WLAN-Schnittstelle als „wlan0“ sehen.

Die WLAN-Schnittstelle Konfigurieren 

Bisher haben Sie kontrolliert, ob das System den WLAN-USB-Adapter erkennt, einen Treiber geladen hat und die neue Netzwerkschnittstelle verfügbar ist. Jetzt geht es daran, die Schnittstelle zu konfigurieren. Auf der grafischen Oberfläche von Raspbian gibt es dafür über die Desktop-Verknüpfung „Wifi Config“ ein menügesteuertes Konfigurations-Tool. Damit können Sie den WLAN-Adapter im Feld „Adapter“ auswählen und mit „Scan“ nach Drahtlosnetzen suchen. In den „Scan Results“ der Netzwerke in Reichweite klicken Sie die gewünschte SSID doppelt an und geben dann die Zugangsdaten ein.

Ethernet am Modell B: Für die Einrichtung des WLAN-Adapters ist eine Kabelnetzverbindung für die Anmeldung per SSH nötig. Die Konfiguration erledigen Sie dann in der Shell.
Vergrößern Ethernet am Modell B: Für die Einrichtung des WLAN-Adapters ist eine Kabelnetzverbindung für die Anmeldung per SSH nötig. Die Konfiguration erledigen Sie dann in der Shell.

Eine grafische Oberfläche mit Tastatur und Maus ist am Raspberry Pi aber eher die Ausnahme. Damit das WLAN auch unbeaufsichtigt automatisch nach dem Einschalten des Raspberry zur Verfügung steht, ist dessen Einrichtung in der Shell per Konfigurationsdateien nötig. Der einfachste Weg ist jener, den die mitgelieferte Standard-Konfiguration bereits in den Grundzügen vorgibt: Dabei kommen die allgemeinen Einstellungen zur Netzwerkschnittstelle in die Datei „/etc/network/interfaces“ und die WLAN-Zugriffsdaten für die WPA/WPA-Verschlüsselung in die separate Datei „/etc/wpa_supplicant/wpa_supplicant.conf“. Beide Dateien existieren in Raspbian bereits. Die ergänzende Konfiguration erstellen Sie in diesen Schritten:

1. Öffnen Sie mit dem Editor nano

sudo nano /etc/network/interfaces

die Konfigurationsdatei interfaces. Hier sollten im unteren Teil die Zeilen

allow-hotplug wlan0 iface wlan0 inet manual wpa-roam /etc/wpa_supplicant/wpa_supplicant.conf iface default inet dhcp

stehen. Ergänzen Sie diese Zeilen, falls nötig, aber ändern Sie nicht die bereits vorhandenen Einträge, welchen mit „auto lo“, „iface lo“ und „iface eth0“ beginnen. Speichern Sie die Datei in Nano mit Strg-X und „Ja“. War eine Änderung nötig, dann lesen Sie die Netzwerkkonfiguration mit

sudo /etc/init.d/networking reload

neu ein.

Die besten Verwendungsmöglichkeiten für den Raspberry Pi

2. Die WLAN-Schnittstelle wartet jetzt darauf, mit einem Drahtlosnetzwerk verbunden zu werden. Suchen Sie mit

sudo iwlist wlan0 scan

nach den verfügbaren Drahtlosnetzen. In der ausgegeben Liste sollte auch Ihr eigenes WLAN auftauchen, wobei das Feld „ESSID“ den Netzwerknamen angibt.

3. Hinterlegen Sie jetzt die Anmeldedaten für das gewünschte Netzwerk. Dazu öffnen Sie mit

sudo nano /etc/wpa_supplicant/wpa_supplicant.conf

die Datei „wpa_supplicant.conf“. Dort finden Sie zwei Zeilen vor, die mit „ctrl_“ und „update_“ beginnen. Darunter ergänzen Sie folgenden Eintrag, der den gewünschten Namen (ESSID) des WLANs sowie das Passwort für WPA/WPA2 enthält:

network={ ssid="WLAN-Name" psk="WLAN-Passwort" key_mgmt=WPA-PSK }

Statt den Platzhaltern „WLAN-Name“ und „WLAN-Passwort“ geben Sie die tatsächlichen Daten an – ebenfalls in Anführungszeichen. Vergessen Sie nicht, die Datei in Nano mit Ctrl-X zu speichern.

4. Die so ergänzte Konfiguration aktivieren Sie mit dem folgenden Befehl, wonach Sie mit dem WLAN verbunden sind:

sudo /etc/init.d/networking reload

Geben Sie zur Kontrolle der Verbindung iwconfig ein. Wenn die Zugangsdaten stimmen, meldet der Befehl eine Verbindung zum Drahtlosnetzwerk unter „wlan0“. Nach Reboots wird diese Verbindung automatisch aktiviert, sofern das Drahtlosnetzwerk verfügbar ist.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 6/2014

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