Raspberry Pi Pi Modell B 512MB (rev. 2.0)

23.07.2012, 14:55

Peter Stelzel-Morawietz

Raspberry Pi und Co

Mini-PCs ab 30 Euro liegen im Trend

Die neuen Mini-PCs lassen sich als Mediaplayer und für Smart-TV zum Nachrüsten einsetzen – fertige Settop-Boxen Lösungen wie die von Videoweb sind jedoch bequemer zu handhaben. ©Videoweb

Ein vollwertiger PC im Wohnzimmer ist ziemlich overkilled. Denn für die meisten Smart-TV-Funktionen reicht ein Minirechner völlig aus. Raspberry Pi und Computer in der Form eines USB-Sticks sind die Vorreiter eines neuen Trends.
Kleine Computer, die ohne optisches Laufwerk gerade einmal so groß wie eine CD sind, gibt es bereits seit einiger Zeit. Ein Beispiel ist die Zbox Nano AD10 von Zotac . Doch es geht noch deutlich kleiner: In den vergangenen Monaten hat sich ein regelrechter Trend zu preisgünstigen Mini-PCs herauskristallisiert, deren bekanntester Vertreter der Raspberry Pi ist.
Die Platine dieses Rechners – um mehr handelt es sich nicht – ist gerade einmal so groß wie eine EC- oder Kreditkarte. Da ist vom Prozessor, über den Speicher, den SD-Kartenschacht, die Audiobuchse bis zu den Anschlüssen für USB, Netzwerk, Video und HDMI alles drauf – und das für gerade einmal für umgerechnet gut 30 Euro.

Raspberry Pi nach wenigen Minuten ausverkauft

Entsprechend groß ist die Nachfrage nach dem Minirechner, der Ende Februar erstmals über die beiden Online-Shops Premier Farnell und RS Components verkauft wurde: Die erste Charge von 10.000 Stück war ruckzuck vergriffen.
Wer jetzt einen Raspberry Pi bestellt, wird mit einer Lieferzeit von drei bis vier Monaten vertröstet, obwohl nach Angaben der Raspberry Pi Foundation derzeit rund 4.000 Kleinrechner hergestellt werden. Das erklärt, dass bereits ausgelieferte Exemplare bei Ebay im Wiederverkauf fast 100 Euro kosten. In den nächsten Wochen soll sich die Situation aber entspannen, hofft man. Zudem soll noch im Herbst eine Kamera folgen.

Android-PC und Co: Die Konkurrenz schläft nicht

Doch der Raspberry Pi ist keineswegs der einzige Rechner dieser Art, mittlerweile existiert fast ein Dutzend solcher Mini-PC – zumindest als Prototyp. So hat Via Technologies seinen Android-PC  – kurz APC – im Neo-ITX-Format (ca. 8,5 x 17 cm) vorgestellt. Der Rechner soll inklusive Netzteil 49 US-Dollar kosten und war für Anfang Juli angekündigt. Ordern lässt sich der APC derzeit aber nicht, man kann nur sein Interesse bekunden, indem man seine Mail-Adresse hinterlässt.
So ähnlich diese beiden Mini-PCs auf den ersten Blick scheinen, so stark unterscheiden sie sich im Detail. Das billigere Modell arbeitet mit einem 700 MHz schnellen ARM11MARM11-Prozesser und 256 MByte RAM und ist für verschiedene Linux-Distributionen konzipiert. Auf dem APC dagegen ist ein für den Desktop angepasstes Android in der Version 2.3 vorinstalliert. Nach Angaben des Herstellers gibt es allerdings keinen direkten Zugang zum Play-Store von Google.
Während Raspberry PI und der APC als nackte Platine ohne Gehäuse ausgeliefert werden, gibt es solche Mini-PCs mittlerweile auch komplett. Beispiele sind der Cotton Candy von FXI Technologies mit 1,2 GHz schnellem ARM-Cortex-A9-Prozessor, einem GByte RAM und Bluetooth sowie der Android 4.0 Mini-PC mit neuer Version des Google-Betriebssystems, den diverse asiatische Online-Shops zum Preis von rund 70 US-Dollar verkaufen. Ein Video zeigt, wie der Mini-Rechner produziert wird.
Weitere Vertreter dieser neuen Rubrik Mini-PCs sind der Tizzbird N1, der FVD-11 sowie das Modell Always Innovating HDMI Dongle.
Die meisten fix und fertigen Rechner ähneln einem USB-Stick, sind aber etwas größer als die herkömmlichen Speichersticks. Sonst würden auch die Anschlüsse gar nicht drauf passen. Gemeinsam ist diesen Modellen neben dem HDMI-Stecker ein Micro-SD-Kartenslot, ein USB-Anschluss sowie WLAN statt LAN wie bei den Platinenlösungen von Raspberry Pi und APC.
Noch handelt es sich zum Teil um Prototypen, die Preise für die bereits erhältlichen Modelle liegen in Übersee-Shops zwischen 60 und 100 US-Dollar plus Zollgebühren und je nach Händler zudem Versandkosten. Bei Aliexpress und Deal Extreme ist das Porto immerhin im Preis enthalten. Deutsche Importeure verlangen bei Ebay für die gleichen Rechner mindestens 100 Euro.

In der Ruhe liegt die Kraft

Schön und gut, dass es nun diese Mini-PCs gibt. Doch natürlich stellt sich sofort die Frage, wozu die Geräte überhaupt zu gebrauchen sind und was sie leisten. Zwar unterscheidet sich die Hardware der einzelnen Modelle zum Teil deutlich, doch die Rechenleistung der verbauten Prozessoren liegt immer deutlich unter der moderner Smartphones oder der Atom-CPUs, wie sie vielfacht in Netbooks verbaut sind.
Als Desktop-Office-Ersatz dürften die Rechner vielen ausschließlich mit Windows vertrauten Anwendern zu wenig komfortabel sein – wer will sich schon mit den Eigenarten von Linux herumschlagen? Und Android muss sich für den effizienten Büroeinsatz erst noch beweisen.
Weiter eignen sich die Mini-PCs als Media-Player am Fernseher und zum Nachrüsten mit Smart-TV-Funktionen. Das gilt vor allem für die fertigen Stickmodelle mit WLAN, die Videos überwiegend in Full-HD abspielen können. Für den Raspberry Pi steht mit dem Raspbmc  zudem eine einfach handhabbare Media Center Software für den Fernseher. Steuern lässt sich das Ganze per Smartphone beziehungsweise Tablet-PC oder per Tastatur und Maus über einen USB-Bluetooth-Adapter.
Doch viel teurer sind auch die dezidierten Settop-Boxen für die Nachrüstung eines vorhandenen Fernsehers mit Smart-TV-Funktionen nicht. Selbst das aktuelle Apple TV 3 gibt es für unter 100 Euro, die Videoweb-Box kostet rund 20 Euro mehr. Da werden es Raspberry Pi und Co schwer haben, wenn man einmal vom Bastelfaktor absieht.
Genau darum geht es derzeit im Programmierwettbewerb für Kinder und Jugendliche, den die Raspberry Pi Foundation ausgerufen hat: Der Einsendeschluss ist der 1. September, der Hauptpreis beträgt 1.000 US-Dollar – Hardware benötigt man im Übrigen dank Emulationspaket für Windows in einer virtuellen Maschine nicht
 
 
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