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So richten Sie sich den Raspberry Pi als Backupserver ein

25.09.2016 | 09:44 Uhr |

In vielen Haushalten lagern Daten auf mehreren Geräten, deren Verlust nicht nur ideellen Schaden bedeutet. Ein kostengünstiger und stromsparender Backupserver im heimischen Netz ist die beste Vorbeugung gegen Datenverluste.

Der Raspberry Pi ist eine der preiswertesten Möglichkeiten , einen Server im heimischen Netzwerk zu unterhalten. Die Platine benötigt wenig Platz und die anfallenden Stromkosten sind auch im Dauerbetrieb marginal. Der kleine Rechner gehört nicht zu den schnellsten Geräten, aber bei automatisierter Datensicherung kommt es ja nicht so sehr auf Geschwindigkeit, sondern auf Zuverlässigkeit an.

Das benötigen Sie noch um den Raspberry Pi als Backupserver einzusetzen

Für die individuelle Backuplösung benötigen Sie neben dem Raspberry Pi mindestens eine externe Festplatte, die Sie per USB an den Rechner anschließen. Für die grundlegende Konfiguration schließen Sie an den Raspberry einen Monitor und eine Tastatur an. Es ist aber auch möglich, alle Vorarbeiten ausschließlich auf der Konsole per SSH-Verbindung über das Netzwerk durchzuführen.

Für das Backup selbst ist der seit Jahren bewährte Klassiker Rsync zu empfehlen. Es gleicht die Inhalte eines Quellordners mit einem Ziel ab. Das Ziel kann ein Verzeichnis auf dem gleichen System oder eben auch auf einem entfernten Rechner sein.

Praktisch an Rsync ist ohne Zweifel, dass nicht alle Dokumente übertragen werden müssen, sondern nur die, die sich seit dem letzten Abgleich geändert haben.

Lese-Tipp: Einfache Raspberry-Pi-Mini-Projekte

Legen Sie auf dem System, das Sie sichern wollen, einen Schlüssel für SSH-Verbindung an.
Vergrößern Legen Sie auf dem System, das Sie sichern wollen, einen Schlüssel für SSH-Verbindung an.

Das System vorbereiten

Rsync ist ein Programm für die Konsole, wird also über Kommandos und Befehlsschalter bedient. Da ist es von Vorteil, wenn Sie Ihrem Raspberry vorab einen Namen zuweisen, über den er im Netzwerk schnell zu identifizieren ist. Das erleichtert die Übersicht, wenn die Kommandos eingegeben werden müssen.

Ändern Sie dazu den Hostnamen des Raspberry-Servers mit diesem Terminalbefehl:

sudo nano /etc/hostname

Dort tragen Sie anschließend den gewünschten Namen ein – zum Beispiel „syncserver“. Wenn Sie auf Ihrem Router eine Portweiterleitung einrichten und der DSL-Anschluss auch extern erreichbar ist, etwa durch den Einsatz eines dynamischen DNS-Eintrags, könnte der Raspberry auch als Ziel für externe Sicherungen dienen. Dann ist es aus Sicherheitsgründen ratsam, einen speziellen Backupnutzer anzulegen, der für den Zugriff auf das System genutzt wird:

sudo useradd backupuser -m -G users

Danach vergeben Sie noch ein Passwort für diesen Nutzer. Geben Sie dazu das nachfolgende Kommando ein und folgen Sie den Anweisungen auf dem Bildschirm.

sudo passwd backupuser

Jetzt bringen Sie noch die Paketquellen auf den neuesten Stand und installieren die notwendige Software:

sudo apt-get update
sudo apt-get upgrade
sudo apt-get install rsync

Damit sind die ersten grundlegenden Arbeiten abgeschlossen.

Hardware anschließen und Sicherungsverzeichnis festlegen

Damit der Raspberry zuverlässig als Ziel für die Backups zur Verfügung steht, müssen die externen Datenträger immer unter dem gleichen Pfad zur Verfügung stehen. Dazu werden sie über die eindeutige UUID in das Benutzerverzeichnis des Backupnutzers eingebunden, der im vorherigen Abschnitt angelegt wurde. Die Sicherungen landen also immer im Ordner „/home/backupuser“. Zunächst müssen Sie die die UUID der externen Platte herausfinden. Das geht am einfachsten, indem Sie den Datenträger zunächst vom Raspberry trennen. Öffnen Sie dann ein Terminal und geben Sie dort

ls -al /dev/disk/by-uuid

ein. Achten Sie auf die Ausgabe. Danach wiederholen Sie das Kommando mit angeschlossener USB-Platte. In der Ausgabe taucht nun ein zusätzlicher Eintrag auf, der den Mountpunkt und die Gerätedaten der externen Platte anzeigt. Notieren Sie sich alle Angaben und vor allem die UUID-Zeichenkette. Während sich Device-Bezeichnungen wie „/dev/sda2“ ändern können, wenn Sie neue Geräte anschließen, bleibt die UUID immer konstant.

Damit der Datenträger nach jedem Neustart des Systems zuverlässig bereitsteht, tragen Sie ihn in die Datei „/etc/fstab“ ein. Diese Datei öffnen Sie mit root-Rechten in einem Editor wie etwa nano. Im folgenden Beispiel ist die Festplatte mit dem Dateisystemen Ext4 formatiert:

UUID=eac53de3-XXXX-4e46 /home/backupuser ext4 defaults 0 2

Die Beispielwerte müssen Sie an Ihre Gegebenheiten anpassen (abgesehen von den Parametern „defaults 0 2“).

Lese-Tipp: Die besten kostenlosen Backup-Tools

Der Schlüssel in den Schlüsselsatz des Backupusers kopieren. Danach Verbindung testen.
Vergrößern Der Schlüssel in den Schlüsselsatz des Backupusers kopieren. Danach Verbindung testen.

Gesicherte Verbindung nutzen

Im Prinzip könnten Sie jetzt jederzeit mit den Backups loslegen, müssten dann allerdings stets das Passwort für den Backupnutzer eintragen. Das ist unpraktisch, insbesondere wenn Sie den Vorgang automatisieren möchten. Bei einer Verbindung per SSH besteht die Möglichkeit, sich über einen Schlüssel zu autorisieren. Öffnen Sie auf Ihrem Linux-System, das Sie sichern wollen, ein Terminal. Erzeugen Sie zunächst einen neuen öffentlichen Schlüssel für SSH (wenn Sie bereits einen besitzen, entfällt dieser Schritt):

ssh-keygen -t rsa -b 4096 -C "ihr_benutzer@domain.tld"

Nutzen Sie Ihre E-Mail-Adresse oder eine andere Kombination. Folgen Sie den Anleitungen auf dem Bildschirm. Da Sie ja kein Passwort eingeben wollen, dürfen Sie bei der Erzeugung der Schlüssel auch keines hinterlegen. Den Schlüssel müssen Sie auf den Raspberry übertragen. Dieser muss also im Netzwerk erreichbar sein. Im Terminal des zu sichernden Systems geben Sie

ssh-copy-id -i ~/.ssh/id_rsa.pub [backupuser]@[raspihostname]

ein. Ändern Sie diesen Befehl auf Ihren konkreten Fall ab. Falls der Computer unter dem Namen (noch) nicht erreichbar ist, nutzen Sie dessen IP-Adresse. Das Kommando hängt den erzeugten Schlüssel an die Schlüsseldatei des Nutzers auf dem Raspberry an.

Haben Sie Ihren Rsync-Aufruf manuell überprüft, hinterlegen Sie ihn als Cronjob.
Vergrößern Haben Sie Ihren Rsync-Aufruf manuell überprüft, hinterlegen Sie ihn als Cronjob.

Die Datensicherung beginnen

Sie können jetzt mit der Datensicherung beginnen. Öffnen Sie auf dem PC, den Sie sichern wollen, ein Terminal:

rsync -avzpH --delete ~/ [backupuser]@[syncserver]:/home/[backupuser]/

Diese rsync-Schalter sichern alle Verzeichnisse und Dateien aus dem Benutzerverzeichnis („~/“). Die Option „--delete“ sorgt dafür, dass Dateien, die inzwischen auf dem Linux-System fehlen, auch auf dem Raspberry gelöscht werden. Das sorgt für eine nicht immer risikolose 1:1-Sicherung; Unerfahrene sollten auf „--delete“ verzichten.

Wenn alles nach Wunsch funktioniert, automatisieren Sie den Prozess als Cronjob. Das geht am schnellsten, wenn Sie sich eine Oberfläche dafür installieren, etwa das Paket „gnomeschedule“. Sie öffnen das Programm mit root-Rechten und legen dort fest, in welchen Zeitintervallen die Sicherung starten soll. Wenn das System keine grafische Oberfläche besitzt, editieren Sie die Crontabelle mit

sudo crontab -e

manuell. Bei der nicht ganz trivialen Parameterfolge kann Sie die Seite www.cronmaker.com unterstützen.

Tipp: Sie können den Raspberry auch als Backup-Lösung für Ihr NAS einsetzen.

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