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So setzen Sie Ihren Raspberry Pi als Druckerserver ein

04.09.2016 | 10:22 Uhr |

Der Router steht im Wohnzimmer, der PC im Arbeitszimmer, doch der Drucker soll an einem anderen Ort aufgestellt werden? Wenn Sie keine Stolperfallen in Form eines Ethernet-Kabels verlegen wollen, bietet sich der Raspberry als Druckerserver an.

Kabelkanäle für das lokale Netzwerk gehören in Bürogebäuden zur Grundausstattung, sind aber im privaten Umfeld eher die Ausnahme. Um die Verlegeprobleme der Nutzer zu lösen, werden im Fachhandel allerlei besondere Netzwerkkabel angeboten, beispielsweise in besonders flacher Bauform, die dann auch unter geschlossenen Türen hindurch verlegt werden können. Stolperfallen bleiben sie aber dennoch. Ein Raspberry Pi mit WLAN-Adapter erweist sich als Problemlöser.

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Vorbereitungen für den Raspberry-Druckerserver

Neben dem Raspberry selbst benötigen Sie noch einen WLAN-Adapter für dessen USB-Schnittstelle, den Sie auch bereits eingerichtet und konfiguriert haben sollten. Solche Adapter (zu empfehlen sind Modelle von Edimax oder TP-Link) kosten zwischen acht und 15 Euro und funktionieren mit aktuellen Versionen von Raspbian ohne Installation weiterer Treiber.

Damit der Raspberry die Druckaufträge anderer Computer im gleichen Netzwerk verarbeiten kann, wird Cups (Common Unix Printing System) auf dem kleinen Computer installiert. Die Software verwaltet dann alle mit dem System verbundenen Drucker. Und dank Cups kann der Drucker zusätzlich noch als Ziel für Druckaufträge vom iPad (via Airprint) eingesetzt werden. Die Einrichtung von Cups können Sie wahlweise mit angeschlossener Tastatur und Bildschirm unter einer grafischen Oberfläche erledigen oder per SSH-Konsole übers Netzwerk. Bringen Sie zuerst die Pakete und Paketquellen auf den aktuellsten Stand:

sudo apt-get update
sudo apt-get upgrade

Jetzt können Sie sicher sein, dass Sie mit den aktuellsten Programmen arbeiten. Damit Windows-Clients den am Raspberry angeschlossenen Drucker nutzen können, müssen Sie mit

sudo apt-get install samba

Samba installieren. Jetzt richten Sie ein paar weitere Pakete ein:

sudo apt-get install avahi-daemon cups cups-pdf python-cups

Avahi ist für die reine Druckfunktion nicht notwendig, bildet aber die Basis für den Zugriff via Airprint.

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Cups-Konfiguration in der Datei „cupsd.conf“: Port 631 öffnen und Option „Local“ hinzufügen.
Vergrößern Cups-Konfiguration in der Datei „cupsd.conf“: Port 631 öffnen und Option „Local“ hinzufügen.

Das Drucksystem Cups einrichten

Aus Sicherheitsgründen kümmert sich Cups zunächst nur um Drucker, die lokal angeschlossen sind. Damit Druckaufträge von Netzwerkteilnehmern bearbeitet werden, müssen Sie die Konfiguration ändern. Öffnen Sie auf dem Raspberry die Datei „cupsd.conf“ in einem Editor:

sudo nano /etc/cups/cupsd.conf

Sie finden dort einen Eintrag, der mit „Listen localhost:631“ beschriftet ist. Diesen ändern Sie wie folgt:

Port 631

Danach müssen Sie noch ein paar Zeilen Text eingeben gemäß der Abbildung zur „cupsd.conf“ auf der nächsten Seite. Wichtig ist die Option „Allow @Local“. Danach starten Sie das Drucksystem mit

sudo service cups restart

neu. Mit root-Rechten müssen Sie den Benutzer, mit dem Sie auf dem Raspberry arbeiten, der Gruppe der Druckadministratoren hinzufügen:

sudo adduser [BENUTZRR] lpadmin

Jetzt können Sie Cups über jeden Browser aufrufen. Nutzen Sie dazu den Hostnamen des Raspberry oder dessen IP-Adresse („https://[IP]:631“). Wechseln Sie in den Abschnitt „Verwaltung“. Dort aktivieren Sie die Option „Freigeben von Druckern, welche mit dem System verbunden sind“ und bestätigen dies mit der Schaltfläche „Einstellungen ändern“. Um dies zu autorisieren, geben Sie anschließend den Benutzernamen und das Passwort des Nutzers ein, den Sie in die Gruppe der Druckeradministratoren aufgenommen haben.

Nun schließen Sie den Drucker an den Raspberry mit seinem USB-Kabel an und schalten ihn ein. In der Cups-Verwaltung nutzen Sie dann die Funktion „Verfügbare Drucker auflisten“. Der Drucker sollte nach einer Weile auftauchen. Wählen Sie dann „Diesen Drucker hinzufügen“. Entscheiden Sie sich für das passende Modell. Möglicherweise benötigen Sie einen Treiber für Cups. Dann müssen Sie beim Hersteller recherchieren, ob er entsprechende PPD-Dateien anbietet. Im Dialog des Drucker müssen Sie auch die Option „Drucker freigeben“ aktivieren.

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Nach den Vorarbeiten verbinden Sie den Drucker mit dem System und suchen nach verfügbaren Druckern.
Vergrößern Nach den Vorarbeiten verbinden Sie den Drucker mit dem System und suchen nach verfügbaren Druckern.

Drucker unter Windows einbinden

Sollen auch Windows-Rechner den Drucker benutzen, müssen Sie die Samba-Konfiguration anpassen. Dazu öffnen Sie die Datei „/etc/samba/smb.conf“ und entfernen Kommentarzeichen vor den Zeilen „printing = cups“ sowie „printcap name = cups“. Die wesentlichen Passagen sollten dann wie folgt lauten:

printing = cups
printcap name = cups
[...]
# Windows clients look for this share name […]
[print$]
comment = Printer Drivers
path = /usr/share/cups/drivers

Suchen Sie in der Datei außerdem den Eintrag „workgroup“ und ändern Sie bei Bedarf den Namen auf die von Ihnen genutzte Arbeitsgruppe ab. Außerdem fügen Sie

wins support = yes

hinzu. Speichern Sie dann die Datei. Unter Windows erfolgt die Einrichtung des Druckers dann als Netzwerkdrucker unter „Systemsteuerung -> Geräte und Drucker -> Drucker hinzufügen“.

Powerline-Adapter für Ethernet-Drucker

Hat der Drucker einen Ethernet-Anschluss ist der Einsatz eines Powerline-Adapters eine Alternative.
Vergrößern Hat der Drucker einen Ethernet-Anschluss ist der Einsatz eines Powerline-Adapters eine Alternative.
© devolo.com

Die vorgestellte Lösung mit dem Raspberry als Druckerserver bringt Drucker ins WLAN, die überhaupt nicht netzwerkfähig sind oder nur für das Kabelnetzwerk gerüstet. Hat der Drucker einen Ethernet-Anschluss, kommt noch eine deutlich einfachere Alternative in Betracht, die ebenfalls ohne Kabelverlegung auskommt – der Einsatz eines Powerline-Adapters an gewünschter Stelle: Steckdose genügt. Dies ist vor allem dann attraktiv, wenn Sie Powerline bereits nutzen und nur einen einzelnen Ergänzungsadapter brauchen. Diese Lösung ist dann mit circa 30 bis 35 Euro für ein Qualitätsprodukt nicht nur einfacher, sondern sogar günstiger als ein Raspberry Pi plus WLAN-Stick. Wenn Sie mit Powerline neu starten müssten (also mit mindestens zwei Geräten), bleibt der Raspberry die kostengünstigste Alternative. Hinzu kommt natürlich, dass der Kleinstrechner neben seiner Rolle als Druckerserver noch andere Aufgaben übernehmen kann.

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