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Raspberry Pi: Die 8 häufigsten Probleme einfach lösen

06.02.2016 | 10:01 Uhr |

Wer achtsam mit dem kleinen Platinenrechner umgeht, wird lange seine Freude am Raspberry Pi haben. Aber wie jede Hardware hat auch dieser seine typischen Fehlfunktionen. Wir haben Probleme, Ursachen und Lösungen zusammengestellt.

Bei einem typischen Bastler-Board wie dem Raspberry Pi lassen sich Fehlfunktionen und Probleme nie völlig ausschließen. Die Suche nach der Ursache ist nicht immer ganz leicht, da im Zweifel auch ein externes Bauteil Schuld am aufgetretenen Problem sein kann. Im Folgenden besprechen wir die nach unserer Erfahrung häufigsten Fehlerquellen. Ein Tipp vorneweg: Sollte ihr alter Raspberry sich trotz aller Versuche nicht wiederbeleben lassen, greifen Sie am besten gleich zum neuen Modell für das gleiche Geld.

1. Kein Systemstart: Der Datenträger scheint beschädigt

Wenn sich der Raspberry Pi, Model A oder  Model B spielt hier keine Rolle, weigert, überhaupt zu starten, sind Probleme mit der SD-Karte die wahrscheinlichste Ursache. Wenn Sie den Minicomputer gerade erstmals in Betrieb nehmen wollen und er nicht reagiert, prüfen Sie zunächst, ob Sie beim Aufspielen des Betriebssystems einen Fehler gemacht haben. Wird die Karte in das Lesegerät eines PCs gesteckt, müssen Sie dort die Bootpartition für den Raspberry sehen. Diese besteht unter anderem aus den Dateien „start.elf“ und „kernel.img“. Fehlen diese Dateien, kann der Pi definitiv nicht starten. Versuchen Sie in diesem Fall, das Image des Betriebssystems zurückzuspielen (siehe Kasten „Backup der SD-Karte“).

Sind die Dateien vorhanden, der Pi startet aber trotzdem nicht, verwenden Sie möglicherweise eine inkompatible Karte. Einige wenige Modelle funktionieren (aus welchen Gründen auch immer) nicht mit dem Pi. Von Agfa über Amazon bis zu Kingston, Transcend oder Sandisk reicht die Liste der Hersteller. Die einfachste Lösung: Versuchen Sie es mit einer anderen SD-Karte. War die Karte dagegen bereits einmal erfolgreich im Betrieb, wurde wohl die Karte korrumpiert. Das kann passieren, wenn die Karte entfernt wird, während das System noch arbeitet. Eine weitere Ursache ist eine unterbrochene Stromversorgung bei laufendem System. Um solche Probleme zu vermeiden, sollten Sie den Pi immer entweder über die grafische Oberfläche herunterfahren oder bei SSH-Fernwartung das Kommando

sudo shutdown -h now

verwenden.

Beobachten Sie bei Startproblemen ferner genau die LEDs der Platine: Der Raspberry gibt mit dem Blinken der LEDs Hinweise auf die Problemursache.

Wird die SD-Karte des Raspberry in den Kartenleser eines Rechners gesteckt, sollte der Dateimanager diese zum Start notwendigen Dateien anzeigen.
Vergrößern Wird die SD-Karte des Raspberry in den Kartenleser eines Rechners gesteckt, sollte der Dateimanager diese zum Start notwendigen Dateien anzeigen.

2. Raspberry-Display bleibt dunkel

Sie haben einen externen Monitor angeschlossen, aber nach dem Start des Systems ist darauf nichts zu sehen? Dann wiederholen Sie den Startvorgang, und behalten Sie die LED im Blick. Liefert das System auf diesem Weg keine Hinweise, kann auch schlicht ein Fehler in der Kommunikation mit dem Display die Fehlerursache sein. Da der Raspberry kein Bios im üblichen Sinn besitzt, nehmen Sie auf einem Linux- oder Windows-Rechner Einstellungen in einer Textdatei vor, die auf der Speicherkarte liegt. Öffnen Sie die Datei „config.txt“ auf der Karte mit einem Texteditor Ihrer Wahl. Fügen Sie die Zeile

hdmi_safe=1  

hinzu. Speichern Sie die Datei, und legen Sie die Karte wieder ein. Verbinden Sie danach das Kabel des externen Geräts mit der Platine. Kontrollieren Sie dabei den Sitz des Kabels. Einige Gehäuse setzen das Kabel unter Zug und verhindern damit die optimale Übertragung. Verbinden Sie den Raspberry dann mit der Stromversorgung, und kontrollieren Sie, ob das Problem damit behoben ist.

Viele Hardware-Probleme lassen sich in der Datei „config.txt“ entschärfen.
Vergrößern Viele Hardware-Probleme lassen sich in der Datei „config.txt“ entschärfen.

3. Wacklige Stromversorgung

Wenn die rote LED des Raspberry blinkt oder unregelmäßig leuchtet, stimmt etwas mit der Stromversorgung nicht. Ein anderes Symptom mit der gleichen Ursache zeigt sich in einem Abbruch der Netzwerkverbindung, sobald ein Gerät in den USB-Anschluss gesteckt wird. Wenn die Stromversorgung nach dem berüchtigten „Blinkerprinzip“ arbeitet, kontrollieren Sie das Kabel zunächst auf einen Bruch. Nutzen Sie zur Stromversorgung des Pi ein externes Netzteil, das stabil fünf Volt abliefert. Andere Anschlüsse, auch wenn diese passend erscheinen, wie die Verbindung mit einem aktiven USB-Hub, liefern nicht ausreichend Energie. Schließen Sie Maus und Tastatur immer direkt an den Raspberry an. Wollen Sie einen starken Verbraucher wie eine externe Festplatte am Raspberry einsetzen, verbinden Sie dieses Gerät mit seiner eigenen externen Stromversorgung oder einem USB-Hub mit eigener Stromversorgung. Hegen Sie den Verdacht, dass ein Schaden auf der Platine schuld ist, nutzen Sie ein Voltmeter. Das Modell der ersten Generation besitzt zwei Messpunkte TP1 und TP2. Die gemessene Spannung sollte nicht unter 4,97 Volt liegen. Die beiden Punkte sind ordentlich beschriftet und befinden sich direkt neben dem Videoausgang und unterhalb des Flachbandanschlusses unter dem Raspberry-Logo. Auf dem Board des Pi 2 sind statt der Buchsen zwei Pads auf der Rückseite vorhanden. Sie sind mit PP3 und PP7 markiert und liegen in der rechten unteren Ecke der Platinenrückseite.

Den Messpunkt TP1 auf dem Raspberry Pi der ersten Generation benötigen Sie zur Arbeit mit dem Voltmeter, um Spannungsabfälle zu bemerken.
Vergrößern Den Messpunkt TP1 auf dem Raspberry Pi der ersten Generation benötigen Sie zur Arbeit mit dem Voltmeter, um Spannungsabfälle zu bemerken.

Kleines buntes Quadrat auf dem Display: Der neue Raspberry 2 signalisiert eine unzureichende Stromversorgung mit dem Löschen der Power-LED. Nutzen Sie etwa Raspbian als Betriebssystem, wird das Signal des Pi aufgegriffen und in Form eines bunten kleinen Vierecks in der rechten oberen Ecke des Monitors ausgegeben. Es handelt sich nicht um einen Pixelfehler, sondern um die Visualisierung der Systemmeldung. Ein besseres USB-Ladekabel, eine Reduzierung des Stromverbrauchs durch externe Komponenten oder der Einsatz eines besseren Ladegeräts sollten das Quadrat zum Verschwinden bringen.

Die Raspberry-LED-Signale beim Startvorgang

LED rot

LED grün

Display

Bedeutung

Abhilfe

Dunkel

dunkel

dunkel

Gerät ohne Strom

Verkabelung überprüfen. Anderes Netzteil einsetzen

An/aus im Wechsel

dunkel/an

dunkel

Störung (rote LED „blinkt“ nicht)

Netzteil liefert nicht stabil Strom: Netzteil wechseln oder Peripherieverbraucher anderweitig versorgen

An

blinkt nicht

dunkel

kein bootfähiges Image

Karte auf Bootimage überprüfen

An

blinkt nicht

dunkel

Problem mit Peripherie-Gerät

Raspberry ohne Peripherie starten. Wenn grüne LED für 20 Sekunden blinkt, Peripherie Stück für Stück anschließen und neu booten

An

blinkt 3x

dunkel

„Loader.bin“ nicht gefunden

Inhalt der SD-Karte kontrollieren

An

blinkt 4x

dunkel

„Loader.bin“ nicht geladen

Start erneut versuchen. Anderes Image ausprobieren

An

blinkt 5x

dunkel

„start.elf“ nicht gefunden

Inhalt der Karte kontrollieren

An

blinkt 6x

dunkel

„start.elf“ nicht geladen

neues Image erstellen

An

egal

bunt

„kernel.img“ kann nicht geladen werden

buntes Display und Wechsel zur Konsole deutet auf inkompatibles System. Verwenden Sie ein anderes OS

4. Artefakte, Schleier, Balken auf dem HDMI-Display

Wenn sich auf dem Monitor Artefakte, also gröbere quadratische Pixel oder Schleier zeigen, deutet das auf eine zu lange Signalstrecke. Einfachste Lösung: Sie verbinden den Rechner mit einem kürzeren HDMI-Kabel mit dem Monitor oder TV-Gerät. Ist kein kürzeres Kabel vorhanden oder eine Verringerung der Distanz nicht möglich, dann verstärken Sie zumindest das Signal mit einer Systemeinstellung. Dazu müssen Sie die bereits erwähnte Datei „config.txt“ bearbeiten. Folgende Konfigurationszeile

config_hdmi_boost=4  

erlaubt Werte zwischen 1 und 7. Versuchen Sie es zunächst mit einer moderaten „4“. Diese Lösung kann auch der richtige Weg sein, wenn auf dem Monitor Falschfarben dargestellt werden oder das Bild verschwindet.

Der Messpunkt TP2 liegt etwas versteckter in der Nähe des Composite- Anschlusses.
Vergrößern Der Messpunkt TP2 liegt etwas versteckter in der Nähe des Composite- Anschlusses.

Wenn Sie einen DVI-Monitor mit einem Adapterkabel anschließen und dabei eine falsche Darstellung erhalten, probieren Sie es ebenfalls mit dieser Option.

Schwarze Balken neben dem Bild: Ein recht häufig auftretendes Problem im Zusammenspiel mit einem externen Monitor sind deutlich sichtbare schwarze Balken auf der linken und rechten Seite des Bildschirms. Auch in diesem Fall führt der Weg über die Konfiguration des Systems. Versuchen Sie es mit dem Eintrag „disable_overscan= 1“ in der Datei „config.txt“. Alle anderen Parameter mit dem Zusatz „Overscan“ kommentieren Sie mit dem Zeichen „#“ am besten aus.

5. Teile des Raspberry-Desktops sind außerhalb des Bildschirms

Wenn die Ränder unscharf dargestellt werden oder ganze Teile des Bildschirms nicht abgebildet werden, sondern sich außerhalb des Displays zu befinden scheinen, editieren Sie ebenfalls die „config.txt“. In diesem Fall ändern Sie die Werte für den Overscan ab. Probieren Sie es dann einmal mit positiven Werten, um das Bild „zu verkleinern“. Dazu tragen Sie positive Werte ein.

overscan_left=10  overscan_right=10  overscan_top=30  overscan_bottom=30  

Experimentieren Sie mit den Werten so lange, bis die Darstellung zufriedenstellend ist.

Der Raspberry Pi der zweiten Generation besitzt auf der Rückseite Pads für Messungen mit dem Multimeter.
Vergrößern Der Raspberry Pi der zweiten Generation besitzt auf der Rückseite Pads für Messungen mit dem Multimeter.

6. Kein Sound über HDMI

Das am HDMI-Anschluss hängende Gerät spielt keinen Ton ab? Wenn die Verkabelung keine Auffälligkeiten aufweist, kann wieder ein Griff in die Konfiguration Abhilfe schaffen. Tragen Sie dort die Zeile

hdmi_drive=2  

ein. Bringt auch das nach einem Neustart keinen Erfolg, editieren Sie die Datei erneut und tragen zusätzlich

hdmi_force_hotplug=1  

ein. Diese Anweisung kann auch helfen, wenn sich beim Verbinden des Raspberry mit einem HDMI-Monitor nichts tut, beide Geräte aber sonst korrekt funktionieren.

Tipp: Die besten Raspberry Pi-Alternativen im Überblick

7. HDMI-Bildauflösung des Raspberry Pi stimmt nicht

Das Zusammenspiel von Fernsehgeräten und dem kleinen Ein-Platinen-PC wird häufig durch falsche Auflösungen getrübt. Wenn Sie ein HDMI-Gerät erstmals an das System anschließen, schalten Sie es am besten als Erstes ein und starten erst danach den Raspberry-PC. Haben Sie die Optionen aus dem Abschnitt „Kein Sound bei der HDMI-Übertragung“ in der Konfigurationsdatei eingetragen (also die Kommentarzeichen davor entfernt) und kommt es zu einer sichtlich falschen Auflösung, kann es sinnvoll sein, in der „config.txt“ den HDMI-Modus zu verändern.

Eine Liste der Auflösungen und deren Übersetzung in einen HDMI-Modus hilft weiter. Probieren Sie es mit einer der dortigen Einstellungen.

8. Wenn dem Bild die Farbe fehlt

Wann immer möglich, sollten Sie beim Anschluss eines externen Displays der aktuellen HDMI-Technik den Vorzug geben. Wenn allerdings über den Composite-Ausgang des Raspberry Pi eine Darstellung ohne Farben erfolgt, kommt der Bildschirm offensichtlich nicht mit dem NTSC-Format klar (Standard des National Television Systems Committee). Dann wirkt die Einstellung

sdtv_mode=2  

Wunder. Diese setzt das Ausgangssignal auf das ältere PAL-Format.

Störungsfreier Raspberry Pi - so geht's

Wenn Sie nach der Lektüre dieses Artikels den Eindruck gewonnen haben, dass die meisten Probleme beim Raspberry Pi durch die Stromversorgung und im Zusammenspiel mit HDMI-Komponenten hervorgerufen werden, liegen Sie richtig. 95 Prozent aller Störungen sind durch folgende Maßnahmen zu beheben:

  • Die Investition in ein gutes Netzteil lohnt sich: Anwender berichten allzu häufig, wie sich nach dem Wechsel auf eine andere Stromquelle unerklärliche Probleme und Phänomene in Luft auflösen.

  • Das Raspberry-Netzteil sollte das Gerät möglichst alleine versorgen. Ein USB-Stick ist noch vertretbar, aber externe Stromnehmer wie USB-Festplatten ohne eigenes Netzteil sollten Strom über einen USB-Hub erhalten.

  • Ein qualitativ hochwertiges und möglichst kurzes HDMI-Kabel ist Voraussetzung für gute Bildqualität (sofern der Raspberry Monitor oder TV-Gerät beliefern muss).

  • Im Dauerbetrieb drohen jedem Platinenrechner Schäden, wenn er ohne Gehäuse betrieben wird: Der Staub setzt sich auf den Leiterbahnen fest, und das unabsichtliche Überbrücken von Kontakten kann zu einem irreparablen Kurzschluss führen. Die Investition in ein Gehäuse (unter zehn Euro im Handel) lohnt sich auf alle Fälle.

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