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Radios mit DAB+ ab 30 Euro: Preisverfall beim Digitalempfang

01.03.2013 | 10:04 Uhr |

In Zeiten von 10.000 Radiosendern im Internet, Flatrates beim Musik-Streaming und eigenen Songs in der Cloud steht das Digitalradio scheinbar auf verlorenem Posten. Doch jetzt könnte DAB+ der Durchbruch gelingen.

Digital-was? Während digitaler Fernsehempfang über Antenne (DVB-T), Satellit (DVB-S) und Kabel (DVB-C) längst selbstverständlich ist, hat sich Digitalradio bisher kaum durchgesetzt: 200 bis 300 Millionen analogen UKW-Empfängern in Deutschland stehen nur einige Hunderttausend DAB-Radios gegenüber – immerhin sind 2012 nach Angaben der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik hierzulande rund 350.000 dieser Digitalgeräte verkauft worden, Tendenz stark steigend.

Das klassische Henne-Ei-Problem also: Zwar ist DAB, die Abkürzung steht für Digital Audio Broadcasting, schon seit 1995 auf Sendung, doch lange Zeit tat sich nur wenig. Warum sollte man in ein DAB-Radio investieren, wenn es kaum Sender gab und das Sendegebiet löchrig war? Warum sollten ihrerseits die Sender in neue Technik investieren, wenn der Großteil der Menschen ohnehin analoges UKW-Radio hörte? Und irgendwann schien DAB zumindest für den stationären Einsatz zuhause ohnehin überholt, weil die Webradios längst mehr als 10.000 Sender in exzellenter Qualität in die eigenen vier Wände holen.

Autoradios mit digitaler Empfangstechnik und CD-Spieler zum Nachrüsten gibt es schon ab 100 Euro aufwärts, die größeren Doppel-DIN-Geräte kosten etwas mehr.
Vergrößern Autoradios mit digitaler Empfangstechnik und CD-Spieler zum Nachrüsten gibt es schon ab 100 Euro aufwärts, die größeren Doppel-DIN-Geräte kosten etwas mehr.
© JVC

Doch tot ist das Digitalradio damit aber längst nicht. Die Preise für die Empfänger sind zuletzt stark gefallen und einfach ausgestattete tragbare Radios wie das Pure ONE Mi gibt es schon ab 30 Euro. Unter 50 Euro stehen schon rund drei Dutzend Modelle mit der neuesten Technik DAB+ zur Verfügung. Dieser erweiterte, mit „+“ gekennzeichnete Digitalstandard ist hierzulande seit August 2011 in Betrieb und benötigt durch die Verwendung des Codec AAC HE v2  bei gleicher Qualität weniger Bandbreite, bietet also Platz für mehr Sender.

Das Angebot an DAB+ Sendern variiert je nach Bundesland: In Bayern ist das regionale Anzahl besonders groß, hinzukommen die Stationen aus dem bundesweiten Multiplex.
Vergrößern Das Angebot an DAB+ Sendern variiert je nach Bundesland: In Bayern ist das regionale Anzahl besonders groß, hinzukommen die Stationen aus dem bundesweiten Multiplex.

Im Autoradio nie mehr die Frequenz umstellen

Doch es sind nicht nur günstige Gerätepreise und die bessere Soundqualität, die prinzipiell für DAB+ sprechen. So ist es im Autoradio praktisch, dass man die Sendefrequenz nicht mehr umstellen muss. Bei den bundesweit ausgestrahlten Stationen wie Deutschlandfunk , Deutschlandradio Kultur , den Fußballkanälen 90elf , der alle Fußballbundesligaspiele live parallel überträgt, und fast einem Dutzend weiterer Sender kann man also in Garmisch-Partenkirchen das Autoradio einschalten bis Flensburg ohne Unterbrechung hören.

Insgesamt, so muss man aber konstatieren, ist der Digitalempfang regional noch sehr unterschiedlich entwickelt. Auf der aktuellen Übersichtskarte zeigen sich insbesondere weite Teile von Mecklenburg Vorpommern völlig unversorgt, während die DAB-Ausstrahlung in den deutschen Ballungsräumen ausgezeichnet ist. Im Internet lässt sich nach Eingabe von Postleitzahl oder Ort sofort prüfen, welche Sender in den Digital-Ensembles lokal ausgestrahlt werden: Dabei sind auch viele Privatsender sowie die Regionalfenster der öffentlich-rechtlichen Anstalten.

Im Internet kann man ortsgenau die ausgestrahlten Digitalsender suchen. Bundesweit existieren zirka 130 DAB-Radiostationen.
Vergrößern Im Internet kann man ortsgenau die ausgestrahlten Digitalsender suchen. Bundesweit existieren zirka 130 DAB-Radiostationen.

Vorteile bietet digitaler Empfang im Ausland nicht zuletzt auch deshalb, weil dort mobiles Internet und damit Webradio wegen fehlender Flatrates nur sehr begrenzt oder nur gegen hohe Kosten zur Verfügung steht. So kann man beispielsweise im italienischen Südtirol gleich mehrere öffentlich-rechtliche deutsche Sender rauschfrei hören, auch in anderen europäischen Ländern senden die Stationen zunehmend digital.

Dazu zeigen die Digitalradios programmbegleitende Zusatzinformationen, also kurze Nachrichten und Lauftexte wie den aktuellen Musiktitel und den Interpreten oder sogar Bilder wie das Album-Cover.

Im Digitalradio alle Bundesligaspiele live in voller Länge

Aktuell listet das Interessen-Portal Digitalradio.de rund 250 Digitalempfänger für die unterschiedlichsten Zwecke auf, vom Smartphone-Adapter bis zum Radiowecker. Praktisch ist der Konfigurator , der über den Gerätetyp, die Preisspanne, Sonderfunktionen wie die Aufnahmemöglichkeit oder zusätzliches Webradio schnell die passende Geräteauswahl anzeigt.

Dazu unser ein Tipp: Bei den dort genannten Preise handelt es sich um die unverbindlichen Herstellerpreise, die „Straßenpreise“ im Internet liegen bis zu 50 Prozent darunter. Falls Sie sich für ein Digitalradio entscheiden, wählen Sie auf jeden Fall eines, das den aktuellen Standard DAB+ unterstützt.

Rund 250 verschiedene Digitalempfänger listet das Internet-Portal Digitalradio.de auf. Die Auswahl lässt sich über Preis, Bauform und weitere Kriterien eingrenzen.
Vergrößern Rund 250 verschiedene Digitalempfänger listet das Internet-Portal Digitalradio.de auf. Die Auswahl lässt sich über Preis, Bauform und weitere Kriterien eingrenzen.

Sinnvoll ist DAB+ insbesondere dort, wo man unterwegs am meisten Radio hört, also im Auto. Bisher taten sich die Automobilhersteller in Sachen Digitalradio eher schwer und boten die Technik wenn überhaupt nur als Zusatzoption für zum Teil erheblichen Aufpreis an. Der VW-Konzern hat nun Ende 2012 angekündigt , DAB+ erstmals serienmäßig in ein Auto einzubauen. Die  tschechische Konzerntochter Skoda hat für erste Modelle beziehungsweise Ausstattungslinien nachgezogen.

Wer sein vorhandenes Fahrzeug nachrüsten möchte, kann mittlerweile zwischen rund 20 Geräten in der klassischen Autoradiogröße (1-DIN-Schacht) und denen mit doppelter Größe (2-DIN-Schacht) wählen. Vorausgesetzt natürlich, der Wagen verfügt nicht über ein im Armaturenbrett oder in der Mittelkonsole fest eingelassenes Gerät. Günstige Modelle mit CD-Player wie das Dual-Gerät „DAB CAR 1“ kosten ab rund 100 Euro, Doppel-DIN-Empfänger wie der KW-DB60AT von JVC ab ca. 180 Euro.

UKW-/DAB-Radio und Dockingstation für den iPod oder das iPhone in einem: Dem Sangean DDR-33 fehlt nur das Modul für Internetradio.
Vergrößern UKW-/DAB-Radio und Dockingstation für den iPod oder das iPhone in einem: Dem Sangean DDR-33 fehlt nur das Modul für Internetradio.
© Sangean

Schließlich gibt es zahlreiche Kombinationsgeräte zum Hören von Radio und Musik, in denen ein Digitalmodul eingebaut ist: Die Auswahl umfasst zum Beispiel kombinierte Web-/DAB-Radios und Docking-Stationen insbesondere für iPhone und iPod. Ein Beispiel ist das Gerät Peaq PDR 300 , das die Elektronikkette Saturn für ca. 180 Euro verkauft.

 

 

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