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Starten Sie mit der elektronischen Selbstvermessung

05.03.2013 | 10:55 Uhr |

Derzeit ist die elektronische Selbstvermessung im Kommen. Dabei werden nicht nur so viele körpereigene Daten wie möglich erfasst, sondern auch gleich online gestellt. Ein Blick in die neue Welt aktueller Selbstdarstellung.

Quantified Self“ ist der Name einer Bewegung, die nicht einmal fünf Jahre alt ist und die sich seither rasend schnell ausbreitet. Hinter dem Begriff verbirgt sich die technische Umsetzung, mittels Sensoren automatisch persönliche Daten zu sammeln, zu veröffentlichen und auszuwerten – kurz: sich selbst zu quantifizieren, also zu vermessen.

Doch ganz so neu ist die Quantified-Self-Bewegung nicht wirklich: Jeder halbwegs ambitionierte Trainer dokumentiert seit Jahrzehnten die sportlichen Aktivitäten seiner Schützlinge, wertet sie aus und erstellt dann daraus individuelle Trainingspläne, um ihre sportlichen Leistungen zu steigern. Die Athleten wiederum legen ihrem Trainer ihre Trainingsdaten offen: nicht nur zur Analyse, sondern auch zur Kontrolle.

Quantified Self: Bewährte Methoden, neue Dimension
Vor 20 Jahren musste man die beim Ausdauersport zurückgelegten Kilometer noch manuell in den Rechner übertragen. Das Gleiche galt für nahezu alle anderen Sportdaten: angefangen von der Herzfrequenz, über die Leistung bis hin zum Höhenprofil. Genauso führte mancher Mitbürger schon immer sein persönliches Schlaftagebuch, maß und notierte täglich sein Körpergewicht oder wusste einfach, dass eine Tafel Schokolade täglich gut für sein Wohlbefinden war.

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Prinzipiell lagen solche Daten also schon immer vor, nur waren sie mühsamer zu erfassen und blieben – vorausgesetzt, sie wurden überhaupt digitalisiert – überwiegend privat. Genau dies hat sich aber geändert. Zahlreiche Sensoren erfassen ständig die körperliche Aktivität: Schlaf, Puls, Sportdaten, Leistung, Kalorienverbrauch, Gewicht und so weiter. Dank WLAN, Netzwerk oder USB sind die Werte schnell dort, wo sie hin sollen, nämlich in der Cloud. Das ist die zweite große Veränderung beim Self-Tracking: Die Daten bleiben nicht mehr privat, sondern werden, sofern der Besitzer die Freigabe erteilt, über soziale Netzwerke oder auch spezielle Online-Communities öffentlich gemacht. Neu ist also einerseits die Datenmenge und -dichte, andererseits deren Öffentlichkeit.

Der Aktivitätssensor und Schrittzähler von Striiv speichert nicht nur die persönlichen Daten, sondern ist obendrein noch ein nettes Spielzeug mit allerlei Animationen zum Mitmachen.
Vergrößern Der Aktivitätssensor und Schrittzähler von Striiv speichert nicht nur die persönlichen Daten, sondern ist obendrein noch ein nettes Spielzeug mit allerlei Animationen zum Mitmachen.
© striiv

Quantified Self ist das Gegenteil von Datenschutz
Bundesrepublik Deutschland, Volkszählung 1987: Wie groß die Antipathie gegen alles Staatliche in breiten Bevölkerungsschichten damals war, lässt sich 25 Jahre später kaum noch nachvollziehen. Heute posten allein in Deutschland mehr als 25 Millionen Menschen auf Facebook, was sie tun und was sie bewegt. Und an der Supermarktkasse ist die Frage nach der Payback-Karte fast selbstverständlich. Damit geben Kunden ihr Einverständnis dazu, ihren Einkauf und ihre Gewohnheiten offenzulegen – alles freiwillig.
Die Facebook- und Payback-Beispiele verdeutlichen den entscheidenden Unterschied zur neuen Quantified-Self-Bewegung: Bisher musste man beim Sammeln und bei der Übergabe von Daten selbst aktiv werden, jetzt geschieht dies automatisch. Legt man einmal den Aktivitäts- oder Schlafsensor an oder schaltet man einmal vor Beginn einer Sporteinheit die App auf dem Smartphone ein, landen die Daten ohne weiteres eigenes Zutun in der Cloud – und je nach Einstellung und Freigabe auch bei Facebook und Co.

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Hürden und Aufwand beim Datensammeln sind damit extrem niedrig. Man muss weder etwas tun, noch merkt man das Ausmaß der Datenweitergabe. Angesichts dessen wirkte die Ankündigung des spanischen Telekommunikations-Konzerns Telefónica, der in Deutschland unter der Marke O2 agiert, die Bewegungsdaten seiner Handykunden anonymisiert zu vermarkten, fast schon antiquiert. Wo liegt denn der Nutzen für Werbepartner, wenn Menschen über Lokalisierungsdienste wie zum Beispiel Latitude oder Foursquare ohnehin veröffentlichen, wo sie sich gerade aufhalten? Unter diesem Aspekt erscheint Quantified Self wie „Social Media 3.0“ als ein vollautomatisiertes soziales Netzwerk, das die persönlichen Nutzerdaten ständig selbstständig preisgibt – das krasse Gegenteil der Bestrebungen von Datenschützern, die das Prinzip der Datensparsamkeit predigen.

Die gesellschaftliche Kontroverse ums „Vermessen“
Schon bevor Quantified Self als Bewegung populär wurde, waren zahlreiche Sportportale im Internet präsent. Jeder bedeutende Hardware-Hersteller hat seine eigene Online-Community, und insbesondere mit den leistungsfähigen Puls- und GPS-Uhren wurde die Dateneingabe weitgehend automatisiert. Anfangs tummelten sich dort insbesondere technikbegeisterte Gleichgesinnte. Diese frisierten höchstens ihre Werte, um dann damit in der Community gut dazustehen: Die Umstellung einer Trainingseinheit auf dem Rad in einen Lauf ist lediglich einen Mausklick entfernt, doch zwischen beiden Sportarten liegen natürlich Welten.

Das Messgerät Glucotel (Bodytel) sendet die gemessenen Blutzuckerwerte automatisch und ohne Zutun des Patienten aufs Handy und von dort in die persönliche Patientenakte im Internet.
Vergrößern Das Messgerät Glucotel (Bodytel) sendet die gemessenen Blutzuckerwerte automatisch und ohne Zutun des Patienten aufs Handy und von dort in die persönliche Patientenakte im Internet.
© Bodytel

Inzwischen ist die Nutzerzahl jedoch viel größer und damit das Publikum breiter geworden: Jeder Smartphone-Besitzer hält sich dort potenziell auf und somit ein Querschnitt der Gesellschaft. Dadurch steigt allerdings zugleich der soziale Druck. Sobald man seine persönlichen Daten mit anderen teilt, folgt die Reaktion der Community. Der Einzelne wird auf diese Weise – und sei es nur ganz subtil – genötigt, sich „richtig“ zu verhalten. Der Rest urteilt über „falsches Körperverhalten“: Wer ungesund lebt oder zu viel und
das Falsche isst, wird sozial abgestraft. Die ursprünglich persönliche Statistik ist damit längst zur Kontrolle mutiert.

Ein populäres Beispiel ist das Webportal „ Lose it !“ aus den USA mit Apps für Android und iOS sowie die Ebook-Reader Nook und Kindle. Dort gibt man sein persönliches Abnehmziel wie „ein halbes Kilogramm pro Woche“ vor. Der eigene Account wird zudem mit Infos zur Nahrungsaufnahme und Bewegung gefüttert. Dabei helfen die Lebensmitteldatenbank, der Barcodescanner für verpackte Lebensmittel und die Anbindung an Sport-Apps wie Runkeeper oder Nike+ sowie der Schlafmanager von Zeo. Das Tracking ist dadurch weitgehend automatisiert. Das Wichtigste aber ist: Man ist nicht allein und bekommt Feedback von der Community. „Gefällt mir“ und „Gefällt mir nicht!“ erhalten so eine ganz neue Bedeutung.

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