2048133

Quantified self: Aktivitätsdaten sicher offline speichern

21.06.2015 | 16:09 Uhr |

Aktivitäts-Tracker, Fitnessarmbänder und Apps auf dem Smartphone sammeln mehr persönliche Daten, als vielen lieb sein dürfte. Doch die Selbstvermessung funktioniert auch offline.

Eine gesunde Lebensweise, die Verbesserung des gesamten Lebens oder gar die Vision, die Lebensqualität der Menschen zu schützen und zu steigern. Darunter geht es kaum, wenn Hersteller, Versicherer oder Cloud-Dienste für die elektronische Erfassung persönlicher Daten durch Apps, Aktivitäts-Tracker, Smartwatches und andere Sensoren werben. „Verhalte Dich nur richtig, dann wird alles gut“, so der Tenor der persönlichen und stets freundlichen Ansprache.

Nach einer aktuellen repräsentativen Umfrage kann sich in Deutschland derzeit etwa jeder Dritte (32 Prozent) grundsätzlich vorstellen, gesundheits- und fitnessbezogene Daten zu messen und mit der Krankenversicherung zu teilen, sofern er dadurch Vorteile erhält. 39 Prozent lehnen das ab, und mehr als 80 Prozent der Befragten fürchten, dass die einmal erfassten Daten auch für andere Zwecke verwendet werden, so die Studie von YouGov.

Mehr als 80 Prozent der Bundesbürger fürchten Datenmissbrauch

Willkommen in der Wirklichkeit von Big Data. Denn tatsächlich schreitet das Sammeln persönlicher Daten mit einer Geschwindigkeit voran, die noch vor wenigen Jahren kaum denkbar erschien. Im vergangenen Jahr haben mit Google Fit und Apple Health die beiden wichtigsten Anbieter mobiler Betriebssystemen Apps bzw. Plattformen geschaffen, die das Aggregieren der Körperdaten und -aktivität mit dem Smartphone wesentlich erleichtern.

Verfolgt auf Schritt und Tritt: Die Android-App Google Fit benötigt nicht einmal Internet oder GPS, selbst im Flugmodus zählt sie Schritte und Aktivität relativ zuverlässig.
Vergrößern Verfolgt auf Schritt und Tritt: Die Android-App Google Fit benötigt nicht einmal Internet oder GPS, selbst im Flugmodus zählt sie Schritte und Aktivität relativ zuverlässig.

Zudem beschränkt sich das Datensammeln keineswegs auf die körperlichen Aktivitäten im engeren Sinn, vielmehr werden längst beträchtliche Teile des Alltags „überwacht“. Vieles passiert ganz nebenbei und die Betroffenen merken gar nichts davon, auch weil ihnen diese oder jene Funktion als „Komfort“-Feature verkauft wird. So ist es für Leser von Ebooks natürlich bequem, dass sich Lesegerät und Reader-Apps stets synchronisieren. Aber Amazon und Co wissen aus dem Leseverhalten eben auch ganz genau, ob einem ein Buch gefällt oder eben nicht.

Quantified self: die elektronische Selbstvermessung

Ähnlich ist es bei persönlichen Assistenten wie Google Now auf dem Smartphone: Hier wirbt Google ausdrücklich mit „mit hilfreichen Informationen für Ihren Tagesablauf – und das sogar, bevor Sie danach suchen“.

Aktivitäts-Tracker: neue Dimension beim Datensammeln

Noch relativ am Anfang steht das Internet der Dinge, also die Vernetzung „intelligenter Gegenstände“. Dazu gehören auch die Aktivitäts-Tracker, schließlich bleiben die Messdaten meist nicht im Gerät, sondern landen beim Hersteller in der Cloud. Das Gleiche gilt für viele andere Dinge, z.B. vernetzte Geräte im Haushalt wie Thermostate oder Unterhaltungselektronik: Sie verraten eine Menge über die Gewohnheiten der Bewohner, vom Aufenthaltsort bis zum Medienkonsum.

Wie groß das Missbrauchspotential solcher Daten ist, zeigte sich zufällig beim umstrittenen Mitfahrdienst Uber . Dort hatten Mitarbeiter systematisch die Fahrdaten der Uber-Nutzer Freitag- und Samstagnacht analysiert und anhand der Zeit zwischen Hin- und Rückfahrt auf One-Night-Stands geschlossen. Den ursprünglichen Blog-Eintrag zu den „Rides of Glory“ hat Uber längst gelöscht, im Netz finden sich aber Kopien mit Details zur Datenauswertung.

Solche mathematischen Analysen dürften in zahlreichen Firmen gängige Praxis sein, denn darin liegt ja gerade der Wert von Big Data. Als privater Nutzer sollte man sich zumindest über die Dimension im Klaren sein. Eine Fitness-App (mit Cloud-Anschluss) zeigt eben nicht nur, wie man bestimmte Übungen absolviert hat oder wie lange man gejoggt ist. Die genaue Analyse verrät viel mehr. Das sind wertvolle Erkenntnisse, die sich von Unternehmen vermarkten lassen – auch zum persönlichen Nachteil, wenn einem die Krankenversicherung wegen „unsportlichem Verhalten“ den Beitrag erhöht.

Der Mitfahrdienst Uber wirbt mit Slogans wie „Gönn Dir was“. Dass er aufgrund des Buchungsverhaltens der Nutzer auch deren Sexualleben analysiert (hat), wird dagegen verschwiegen.
Vergrößern Der Mitfahrdienst Uber wirbt mit Slogans wie „Gönn Dir was“. Dass er aufgrund des Buchungsverhaltens der Nutzer auch deren Sexualleben analysiert (hat), wird dagegen verschwiegen.

Vom Risiko, Daten zur körperlichen Aktivität zu veröffentlichen

Kein Zweifel, die „Quantified Self“ genannte Selbstvermessung ist auf dem Vormarsch: Schlaf, körperliche Aktivität, Puls, Leistung, Kalorienverbrauch, Gewicht und so weiter lassen sich dank Smartphone-Apps, Fitnessarmbändern und -Trackern oder Smartwatches vergleichsweise einfach messen. Vorausgesetzt, dass man sich überhaupt für seine eigenen Daten interessiert, könnte man sagen: so weit, so gut.

Sechs Fitness-Tracker im Vergleichstest

Doch „gut“ ist hier relativ, denn die meisten dieser Geräte und Anwendungen sind mittlerweile smart, haben also eine Anbindung an die Cloud. Das ist zwar bequem, heißt aber auch, dass die Hersteller Zugriff auf die eigenen Daten haben. Was sie damit machen, entzieht sich meist sowohl der Kenntnis als auch dem tatsächlichen Einfluss der Nutzer.

Dazu ein Beispiel: Sie zeichnen beim Sport Ihren Puls auf und stellen ihn zusammen mit anderen Daten in die Cloud. Was für Sie nur ein paar Werte sind, ermöglicht eine genaue mathematische Analyse Ihrer Herzfunktion. Ob man dies möchte, ist die eigene freie Entscheidung. Man sollte sich zumindest der damit verbundenen Risiken bewusst sein.

Es gibt sie noch, die autonomen GPS-Sportuhren ohne Cloud-Anbindung: Die Garmin-Uhr Forerunner 210 kostet mit Pulsbrustgurt rund 150 Euro, im Bild das günstigere 110er-Modell.
Vergrößern Es gibt sie noch, die autonomen GPS-Sportuhren ohne Cloud-Anbindung: Die Garmin-Uhr Forerunner 210 kostet mit Pulsbrustgurt rund 150 Euro, im Bild das günstigere 110er-Modell.
© Garmin

Es geht auch anders: Selbstvermessung einmal offline

Doch es geht auch anders. Niemand ist gezwungen, seine Sportdaten irgendwo offenzulegen, selbst wenn man sie bequem automatisch erfasst. Vergleichsweise sicher funktioniert das mit „Offline“-GPS-Uhren, beispielsweise mit dem Modell Forerunner 210 von Garmin. Die Sportuhr kostet inklusive Pulsbrustgurt ca. 150 Euro und misst unter anderem Distanz, Geschwindigkeit, Herzfrequenz, Kalorienverbrauch und Trainingsintensität. Sämtliche Messwerte lassen sich ohne Benutzerkonto mit der Desktop-Software Garmin Training Center speichern, anzeigen und zur Trainingsplanung verwenden. Auch der aufgezeichnete Track bleibt auf dem eigenen PC.

Aktivitäts-Tracker ohne GPS-gestützte Messung, die eine Auswertung am PC ohne (!) Cloud-Anbindung erlauben, sind ausgesprochen rar. Ein solches Gerät ist der Aktivitätssensor AS 80 des deutschen Unternehmens Beurer, der neben dem internen 30-Tage-Speicher über einen USB-Anschluss verfügt. Angeschlossen am PC lassen sich so Schritte, Kalorienverbrauch, Fettverbrennung, Schlaf und die gesamte Aktivitätszeit ohne Online-Konto speichern.

Der Aktivitäts-Tracker Beurer AS 80 für ca. 60 Euro ist eines der wenigen Geräte, die eine Datenauswertung am PC ohne Anbindung an einen Cloud-Dienst erlauben.
Vergrößern Der Aktivitäts-Tracker Beurer AS 80 für ca. 60 Euro ist eines der wenigen Geräte, die eine Datenauswertung am PC ohne Anbindung an einen Cloud-Dienst erlauben.
© Beurer

Ganz exakte Messungen darf man von solchen Trackern nicht erwarten, weil sie Bewegung und Aktivität nur durch einen mehrdimensionalen Beschleunigungssensor erfassen. Fehler bis zu fünf Prozent sind durchaus üblich, die Werte damit aber ein guter Richtwert.

Schließlich kann man seinen Kalorienverbrauch anonym auch über Excel-Tabellen errechnen, in denen für diverse körperliche Aktivitäten Formeln für die Verbrennungsenergie hinterlegt sind. Noch mehr Möglichkeiten bieten Webseiten im Internet. Ein Online-Dienst ohne Anmeldung ist Fitrechner.de : Abhängig von Körpergewicht, Alter, Größe und Geschlecht lassen sich unzählige Tätigkeiten auswählen: vom Rasenmähen bis zum Essen im Stehen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2048133