Obwohl Microsoft durch immer tiefere Verbannung in das Start-Menü viel dafür tut, die Windows-Eingabeaufforderung aus dem Bewusstein der Benutzer heraus zu halten, baut es den Funktionsumfang von CMD.EXE immer weiter aus - und sie ist im Gegensatz zu COMMAND.COM, inzwischen zu einem leistungsfähigen Werkzeug geworden. Unter Linux ist die Bash als Kommandozeile üblich, eine der leistungsstärksten Interpreter überhaupt, unabhängig vom Betriebssystem.
Von Batch zu Script
Wenn Sie kein langjähriger Script-Experte sind und sich nur ab und zu eine kleine Hilfe für tägliche Aufgaben basteln, sind Sie mit CMD.EXE und Bash in etwa gleich gut bedient. Auch Power-Scripts, hinter denen man beim Zusehen ausgewachsene Programme vermuten würde, sind mit beiden möglich. Sowohl unter Linux als auch unter Windows ergibt sich so ein reichhaltiges Betätigungsfeld für Hobby-Scriptologen, die Drittsoftware durch Eigenkreationen zu ersetzen vermögen.
Interessant bei Linux: Auch wichtige Systemaufgaben, etwa die Erkennung der Hardware und das Starten der Dienste beim Booten, werden über Scripts geregelt. Der scriptwillige Einsteiger hat es somit ein wenig leichter, da sich für viele Aufgaben bereits hunderte von Beispielen auf der Festplatte befinden.
Wertung: unentschieden
Kommando-Power
Wenn Sie ihre Kommandozeile nicht programmieren, aber intensiv nutzen wollen, sind Sie mit der Bash besser dran. So gibt es zwar auch für CMD.EXE eine Namensvervollständigung, bei der Sie mittels der <Tab>-Taste aus den getippten Anfangsbuchstaben komplette Pfad- und Dateinamen machen können. In der Bash funktioniert sie aber mit allen Programmnamen, die sich im Pfad befinden.
Zusammen mit der im "Profirunde 1: Datenorganisation" genannten Organisation aller ausführbaren Dateien in einigen wenigen Standardverzeichnissen können Sie so jederzeit sämtliche Treffer ermitteln. Haben Sie etwa gerade Gnome frisch installiert, zeigt Ihnen ein "gnome-", gefolgt von einem <Tab>, alle ungefähr 100 dazu gehörigen Programme an.
Die Bash komplettiert darüber hinaus nicht nur Programm-, Pfad- oder Dateinamen, sondern etwa auch Environment-Variablen oder Kommandozeilen-Optionen anderer Programme. Wollen Sie einem Programm bestimmte Dateien übergeben, filtert sie gleich vor: "mplayer" gefolgt von einem <Tab> zeigt nur Audio- und Video-Dateien an.
Darüber hinaus übernimmt unter Linux die Kommandozeile auch die Kontrolle über laufende Tasks, wenn Sie das wollen. Hintergrund ist, dass Linux auch dann ein Multitasking-Betriebssystem ist, wenn die graphische Oberfläche gerade einmal nicht läuft. Hängen Sie ein "&" an einen Programmaufruf, startet es im Hintergrund. Ein im Vordergrund laufendes Programm können Sie jederzeit mit <Strg>-<Z> unterbrechen, ohne es komplett beenden zu müssen. Sie können es dann mit "fg" wieder erwecken, mit "bg" in den Hintergrund schicken oder sich mit "jobs" ansehen, welche Programme noch so alle darauf warten, von Ihnen wieder gerufen zu werden.
Wertung: Punkt für Linux
Fazit
Gegenüber der alten Kommandozeilen-Krücke COMMAND.COM hat CMD.EXE gar nicht schlecht zugelegt. Wenn es in die Tiefe geht, merkt man aber, dass Microsoft ziemlich spät anfing, sie auszubauen. Gegenüber einer Shell-Evolution, die bereits über 30 Jahre währt, kann es dann doch nicht ganz mithalten. Einen Punkt macht Microsoft aber: Des Scriptens Kundige bekommen ihre Chance und auch ihr Vergnügen.
Windows gegen Linux: Bonusrunde 2: 0:1
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Lesen Sie in diesem Beitrag