Zwei Runden unseres Turniers reichen wir auf den folgenden Seiten nach. Sie vergleichen die beiden Betriebssysteme aus der Sicht von Profis, denen ein leistungsfähiges, stabiles System wichtig ist, das effizientes Arbeiten ermöglicht: Windows und Linux müssen in den Disziplinen Datenorganisation und Kommandozeile gegeneinander antreten.
Die Art der Datenorganisation unter Linux und Windows entstammt völlig unterschiedlichen Welten: Während Linux ein Unix-Ableger ist und sich an die dort üblichen Methoden hält, merkt man Windows noch deutlich seine DOS-Vergangenheit an. Wir vergleichen Linux aber nicht mit den DOS-basierten Windows-Versionen 95/98/ME, sondern lassen der Fairness halber nur Windows 2000 und XP antreten.
Physik und Logik
Die Datenorganisation unter Windows orientiert sich an den Laufwerken: Ohne Laufwerksbuchstaben können Sie von keiner Datei sagen, wo sie sich befindet. Diese richten sich nach den eingebauten Festplatten und den darauf eingerichteten Partitionen sowie den anderen Datenträgern - werden also von den physischen Gegebenheiten festgelegt. Ist das System auf Laufwerk D: installiert statt auf C:, müssen das alle Pfade in der Registry und sonstigen Konfiguration berücksichtigen.
Im Laufe der Jahre haben sich die Windows-Benutzer zwar daran gewöhnt, benutzerfeindlich ist es trotzdem: Haben Sie Programme und Daten sowohl auf C: als auch auf D:, müssen Sie im Kopf verwalten, was denn wo ist. Teilen Sie das sinnvoll auf, also etwa Programme nach C:, Daten nach D:, sollten Sie bei der Planung der Partitionsgrößen sorgfältig vorgehen: Falls Sie die Zukunft nicht genau genug voraus sehen konnten, haben Sie eventuell bald eine halb leere Partition und eine, die überläuft. Tools wie Partition Magic, die Partitionsgrößen anpassen können, verdanken ihre Beliebtheit vor allem diesem Windows-Mangel.
Nun können Sie seit Windows 2000 auf die Laufwerksbuchstaben - bis auf den der Systempartition - verzichten und ihre Datenträger unter beliebigen Namen in ein leeres Verzeichnis mounten. Damit können Sie auch bei Überfüllung einer Partition einfach eine zweite Festplatte installieren, das zu volle Verzeichnis auf diese verschieben und sie anschließend so mounten, dass die Daten wieder an der alten Stelle erscheinen. In der Praxis ist das allerdings nicht für alle Verzeichnisse problemarm: In "\Programme" sind zum Beispiel immer Dateien geöffnet, so dass Sie den Inhalt nicht einfach so verschieben können. Die einzelnen Mount-Punkte stehen in der Registry und sind nicht lesbar: Haben Sie sich vertan und Windows will nicht mehr booten, haben Sie auch keine Datenträgerverwaltung mehr und die Reparatursitzung wird länger.
Anders unter Linux: Hier gibt es keine Laufwerksbuchstaben, Partitionen und Datenträger werden immer in Verzeichnisse gemountet. Dem entsprechend heißt das Wurzelverzeichnis unter Linux "/", ohne Angabe eines Datenträgers. Die Lage von Programme und Dateien ist durch die Angabe ihres Verzeichnisses komplett beschrieben, und es ist für das System unerheblich, auf welche Weise sich diese über diverse Datenträger verteilen. Die einzige Voraussetzung, damit das reibungslos funktioniert, ist die Textdatei /etc/fstab. Hier sind die Zuordungen von Datenträgern zu Verzeichnissen, den jeweiligen Mount-Punkten, eingetragen, und nur hier spielen erstere eine Rolle. Diese Textdatei ist auch im Notfall einfach zu reparieren, falls Sie sich "vermountet" haben.
Müssen Sie nun Daten oder Teile des Systems aus Platzmangel auf eine neue Festplatte verschieben, ändern Sie nach dem Kopieren oder Verschieben nur den Mount-Punkt und Sie finden die Programme am alten Platz vor. Was außerdem ein dicker Pluspunkt für Linux ist: Sie können vorübergehend festlegen, dass für bestimmte Programme ein anderes Verzeichnis das Wurzelverzeichnis werden soll. Dieses Verfahren, chroot genannt, baut um das betreffende Programm dann praktisch einen Käfig, denn es "sieht" nur das festgelegte Verzeichnis und dessen Unterverzeichnisse als existent an. Selbst wenn dieses Programm, etwa ein Mail- oder Webserver, von einem Angreifer geknackt wird, kann er nur in diesem Bereich Schaden anrichten. Das restliche Sytem sieht er gar nicht.
Ein weiteres Anwendungsbeispiel ist das Klonen von Systemen: Sie mounten ein Verzeichnis und kopieren sämtliche Daten des alten Systems hinein. Das geht unter Windows auch, nur können Sie dort keine Kommandos ausführen, die sich auf das gerade kopierte, noch gar nicht laufende System beziehen, wie etwa Installationsprogramme. Diese würden immer das alte System verwenden und ihre Dateien und Einstellungen dorthin schreiben. Unter Linux weisen Sie einem solchen Programm das Verzeichnis, in das Sie das neue System kopiert haben, einfach als Wurzelverzeichnis zu, führen es aus und fertig.
Langjährige Windows-Benutzer finden es eventuell unpraktisch, jede eingelegte CD oder anderen Datenträger erst in ein Verzeichnis mounten zu müssen, ehe sie auf den Inhalt zugreifen können. Dieser Umbequemlichkeit wurde mit Automounter-Diensten abgeholfen: Sie überwachen bestimmte Verzeichnisse, und mounten ihnen zugeordnete Datenträger bei jedem Zugriff automatisch.
Wertung: Der Punkt geht an Linux
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