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Problemhilfe: Wenn der Ton unter Linux streikt

08.02.2015 | 09:55 Uhr |

Ohne Sound macht der Computer keinen Spaß, und bei manchem Sammler digitaler MP3- und Flac-Tracks ersetzt der PC die klassische Stereoanlage. Dieser Beitrag hilft weiter, falls die Audiowiedergabe unter Linux mal nicht funktioniert.

Probleme mit dem Soundsystem sind unter Linux nicht allzu häufig. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass es in den vergangenen Jahren auf diesem Gebiet relativ konservativ zuging und die bewährten Systemkomponenten als ausgereift gelten dürfen. Treten dennoch Schwierigkeiten auf, dann sind diese leider nicht immer ganz leicht und auch nicht immer vollständig zu beheben.

Wenn es plötzlich still wird …

Wenn Sie bisher problemlos Musik hören konnten und nun plötzliche Stille eintritt, dürfte in den meisten Fällen ein Update schuld sein. Probieren Sie zunächst aus, ob das gesamte Soundsystem davon betroffen ist. In diesem Fall erhalten Sie nämlich in keiner Anwendung Ton. Ist die Tonwiedergabe dagegen nur in einem bestimmten Programm gestört, hilft es wahrscheinlich bereits, einen früheren Versionsstand dieses Programms zu installieren. Bevor Sie sich die Mühe machen, das Programm zu ersetzen, kontrollieren Sie aber unbedingt trivialere Ursachen: Ist der Sound aktiviert? Ist auch die Lautstärke hoch genug eingestellt? Tritt das Problem im gesamten System auf, nachdem die Update-Funktion einen neuen Kernel eingespielt hat, machen Sie mit diesen Schritten ein Rollback:

1. Starten Sie Ihr System neu. Auf dem Bildschirm des Bootmanagers wechseln Sie zu „Erweiterte Optionen für Ubuntu“. Dort finden Sie die Option, ältere Kernel-Versionen zu starten. Wählen Sie einen solchen Eintrag aus. Wenn die Soundprobleme damit behoben sind, ist der Schuldige eindeutig gefunden.

2. Machen Sie im Terminal weiter: Zunächst lassen Sie sich anzeigen, welche Kernel auf Ihrem System verfügbar sind:

sudo dpkg --get-selections | grep linux-image.

3. Entfernen Sie dann den neuen Kernel mit dem Kommando:

sudo apt-get remove --purge linuximage-3.13.0-34-generic linuxheaders-3.13.0-34-generic

Es handelt sich um eine Beispielzeile. Die exakte Versionsnummer müssen Sie gegebenenfalls anpassen.

4. Damit beim nächsten Systemstart automatisch der geänderte Kernel geladen wird, aktualisieren Sie Ihren Bootloader mit:

sudo update-grub

Damit haben Sie erfolgreich einen älteren Kernel reaktiviert.

Satter Sound für Mini-PCs und Notebooks

Alsamixer im Terminal: Dieses Tool hilft Ihnen bei der Kontrolle, ob alle Soundquellen auf einen vernünftigen und hörbaren Wert eingerichtet sind.
Vergrößern Alsamixer im Terminal: Dieses Tool hilft Ihnen bei der Kontrolle, ob alle Soundquellen auf einen vernünftigen und hörbaren Wert eingerichtet sind.

Kein Ton nach Installation und weitere Probleme

Gibt es unmittelbar nach der Installation des Systems keinen Sound, überprüfen Sie am besten zunächst, ob der Rechner überhaupt die Soundkarte gefunden hat. Rufen Sie die „Systemeinstellungen“ (Ubuntu, Mint) auf, und klicken Sie dort auf „Klang“. Im Register „Ausgabe“ sollten Einträge unter „Tonausgabe über“ zu sehen sein. Ist das nicht der Fall, dann ist das Problem bereits bei der Ersteinrichtung des Systems aufgetreten. Öffnen Sie ein Terminal und geben Sie

cat /proc/asound/cards

ein. Jetzt meldet Ihnen das System die gefundenen Karten zurück. Erfolgt hier keine Ausgabe, sitzt das Problem leider tief. In einem solchen Fall können Sie auf der Konsole nur den PCI-Bus und die USB-Schnittstellen nach gefundener Hardware absuchen und sich die Rückgabe notieren, um im Internet nach bekannten Problemen mit diesen Komponenten zu suchen. Um die PCI-Schnittstellen abzufragen, leiten Sie die Ausgabe des Kommandos an das Suchprogramm grep um, das nach dem Begriff „audio“ sucht:

lspci | grep -i audio

Notieren Sie sich die Angabe vollständig, oder markieren Sie diese mit der Maus. Nutzen Sie eine externe Soundkarte am USB-Bus, nutzen Sie stattdessen das Kommando lsusb .

Haben Sie mit dem cat-Befehl eine Ausgabe erhalten, hat das System die Soundkarte im Prinzip erkannt. In diesem Fall prüfen Sie, ob das Soundsystem Daten empfängt. Auch das erledigen Sie direkt im Terminal:

aplay /usr/share/sounds/alsa/Front_Center.wav

Das System sollte Ihnen jetzt zeigen, dass es gerade dabei ist, die Datei abzuspielen. Wiederholen Sie Aktion als „root“, stellen Sie dem Kommando also ein sudo voran. Spielt der Soundchip jetzt klaglos, müssen Sie den Benutzer der Gruppe hinzufügen, die Audiodaten wiedergeben darf:

sudo addgroup [Benutzer] audio

Sind beide Proben positiv verlaufen, dann ist meist nur eine Kleinigkeit verstellt. Rufen Sie im Terminal das Programm alsamixer auf. Kontrollieren Sie damit die Werte der verschiedenen Regler. Vielleicht steht hier aus Versehen etwas sehr niedrig oder auf null.

Nachdem Sie dies geprüft haben, aber immer noch kein Ton zu hören ist, sollten Sie das Pulse-Audio-System zurückzusetzen. Verschieben Sie in der Konsole am besten zunächst die gespeicherten Einstellungen zur Sicherheit an einen anderen Ort:

mv ~/.pulse ~/.pulse-sicherung

Mit pulseaudio –k starten Sie dann den Soundserver vollständig neu. Probieren Sie im Anschluss, ob die Wiedergabe nun funktioniert.

Scheitern alle bisher genannten Maßnahmen, dann versuchen Sie, die Sound-Software Pulse Audio ganz zu deaktivieren und auf das ältere Alsa umzuschalten. Dazu benötigen Sie das Paket „gstreamer-properties“. Rufen Sie es nach der erfolgreichen Installation auf, und stellen Sie unter „Audio-System“ alles auf Alsa um.

„Klang“ unter „Systemeinstellungen“: Hier ist alles in Ordnung. Fehlen aber auf der Registerkarte „Ausgang“ die Angaben, so hat Linux die Soundkarte nicht korrekt erkannt.
Vergrößern „Klang“ unter „Systemeinstellungen“: Hier ist alles in Ordnung. Fehlen aber auf der Registerkarte „Ausgang“ die Angaben, so hat Linux die Soundkarte nicht korrekt erkannt.

Der Ton ist generell zu leise

Hersteller von Notebooks kochen bei der verbauten Hardware gern ihre eigenen Süppchen: Exotische Chipsätze oder Architekturen, um aus kaum dafür gedachter Hardware Surround-Klänge zu entlocken. Das alles macht die Installation von System und Treibern nicht ganz einfach.

In der Vergangenheit mussten deshalb viele Anwender die Erfahrung machen, dass das Soundsystem auf dem Notebook zwar grundsätzlich funktioniert, aber der Ton viel zu leise ist. Ein Workaround, der häufig zum Erfolg führt, aber einen kompletten Neuanfang fordert: den Ton unter Windows auf 100 Prozent aufdrehen und erst dann Linux installieren. Die maximale Lautstärke konnte dann auch unter Linux ausgegeben werden. Unter Ubuntu dürfen Sie neuerdings in den Systemeinstellungen des Audio-Systems eine höhere Lautstärke als 100 Prozent einrichten, was zumindest dieses Problem pragmatisch löst.

Bei externen Soundkarten, die per USB angeschlossen werden, kommt es möglicherweise zu Problemen mit dieser Schnittstelle. Wie Sie solche USB-Probleme analysieren, lesen Sie in diesem Artikel .

Soundsystem unter Linux

Was Soundprobleme unter Linux kompliziert, ist das für Einsteiger schwer verständliche Zusammenspiel der Komponenten – vom Klangerzeuger (Abspielprogramm) bis zur Ausgabe (Soundkarte mit Boxen). Die Basis bildet stets Alsa (Advanced Linux Sound Architecture), und bei sehr hartnäckigen Problemen kann es hilfreich sein, das System nur noch mit Alsa zu betreiben und auf einige elaboriertere Funktionen zu verzichten. Auf Alsa setzt nämlich die zusätzliche Systemkomponente Pulse Audio als Sound-Server auf. Die Aufgabe des Sound-Servers besteht darin, verschiedene Quellen zusammenzumischen und Funktionen anzubieten, um den Klang zu beeinflussen. Das Zusammenspiel der Bausteine (Soundquelle zu Pulse Audio, weiter zum Alsa-Treiber, schließlich zur Soundkarte) sollte Linux-Nutzern bewusst sein, um im Fehlerfall analytisch vorgehen zu können.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 6/2014

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