11.05.2007, 15:01

Tobias Weidemann

Problematisch: Wenn der Druck misslingt

So praktisch das centgenaue Ausdrucken der virtuellen Briefmarken auch ist, es gibt einige kritische Punkte: Zwar kann der Kunde, wenn ein Druck misslingt – etwa der Drucker streikt oder der Druck verwischt – die falsch ausgedruckten Adress- und Portoaufkleber einschicken und bekommt das Porto erstattet. Ob sich der Aufwand lohnt, muss der Kunde abwägen – wahrscheinlich verzichten einige Kunden aus Bequemlichkeit darauf und bescheren der Post so Mehreinnahmen.
Kritisch wird’s vor allem, wenn der Druck gar nicht funktioniert hat. Dann muss der Kunde an die Kulanz des Unternehmens appellieren und schildern, wann welche Marke nicht gedruckt werden konnte. Lediglich bei Großkundenkonten kann der Kunde automatisiert Porto erstatten lassen.
Ein weiteres Gegenargument für Stampit, egal in welcher Version und Ausprägung: Der Kunde gibt dem Unternehmen Post ein hervorragendes Marketing- und Kundenkontrollsystem an die Hand. Anders als beim Kauf von Briefmarken am Automaten oder in der Filiale gibt der Kunde nämlich sein gesamtes Kaufverhalten preis. So lässt sich so Kundenverhalten studieren und beispielsweise solche Produkte oder Produktkombinationen verteuern, die häufig nachgefragt werden. Auch wenn die Post erklärt, dass im Rahmen des Ausleseprozesses nur die portorelevanten Daten ausgelesen werden, kann der Kunde dies nicht nachprüfen und er weiß auch nicht, was mit den Daten später passiert. Selbst wenn nur eine Nummer erfasst wird, ließen sich damit der Vorgang und die persönlichen Daten von Absender und Empfänger zuordnen.
Zwar werden auch herkömmlich frankierte Briefe maschinell erfasst, eine Zuordnung von Sender und Empfänger ist aber deutlich schwieriger als bei einem vereinheitlichten System wie Stampit. Anwender müssen daher selbst entscheiden, ob sie dieses Risiko eingehen wollen.
Ein dritter Schwachpunkt, der nicht nötig wäre: Bei Stampit Home und Web lassen sich pro Woche nur 50 Euro aufs Portokonto übertragen. Wer vor Weihnachten einige Weihnachtskarten und ein paar Pakete für Verwandte und Freunde verschicken will, stößt schnell an diese Grenze.
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