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Anonymität im Web - So bleiben Sie unsichtbar

07.11.2011 | 10:34 Uhr |

Alle paar Monate verlangen deutsche Politiker aufs Neue das Ende der Anonymität im Internet. Kann man also bald jeder IP ein Gesicht zuordnen? So bleiben Sie anonym.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich forderte in einem Interview einen Klarnamenzwang im Internet. Im politischen Diskurs – egal ob in der realen Welt oder in Auseinandersetzungen im Internet – sei es erforderlich, dass jeder mit offenem Visier kämpfe und mit seinem Namen für seine Aussagen geradestehe. Friedrich zog Parallelen zu den Anschlägen in Norwegen: „Politisch motivierte Täter wie Breivik finden heute vor allem im Internet jede Menge radikalisierter, undifferenzierter Thesen. Sie können sich dort von Blog zu Blog hangeln.“

Angriff auf Meinungsfreiheit der Bürger
Für die Grünen ebenso wie für die Piratenpartei ist Friedrichs Ansinnen ein Angriff auf die Meinungsfreiheit und auf das Recht, diese auch anonym zu äußern. Die SPD bezeichnet eine Ausweispflicht als zutiefst naiv. „Das internationale Netz richtet sich nicht nach der Meinung des deutschen Innenministers“, so SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz.

In der Tat zeigt der Vorstoß des Ministers, wie wenig er offenbar vom Internet versteht: Selbst wenn Blogs in Deutschland nur noch nach Legitimierung betrieben werden könnten, etwa durch den elektronischen Personalausweis, gibt es eine Großzahl von Möglichkeiten, im Ausland ohne diese Restriktionen die eigene Meinung zu veröffentlichen – auch und gerade außerhalb von Blogs. Neben Gratis-Homepage-Anbietern, die oftmals gar nicht nach der Identität ihrer Kunden fragen oder deren Angaben zumindest nicht überprüfen, gibt es auch eine Reihe von Foren, die dann zum Sammelbecken abweichender politischer Meinungen würden.

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Wer unerkannt im Internet unterwegs sein will, kann zudem Anonymisierungdienste nutzen. Zum Beispiel den VPN-Dienst SAD Cyberghost : Dieser wird zwar in Deutschland über ein deutsches Unternehmen angeboten, der Betreiber sitzt aber in Rumänien. Daten werden dort laut SAD nicht protokolliert, so dass selbst auf Anfrage keine Nutzerinformationen preisgegeben werden könnten. Lediglich bei begründetem Verdacht, der eine Überwachung rechtfertigt, könnten die zukünftigen Aktionen protokolliert werden.

Insbesondere dann, wenn die Anonymisierungs-Server außerhalb der EU stehen, wird es für deutsche Behörden schwierig, strafbare Handlungen zu dokumentieren. Denn selbst wenn der Dienst preisgibt, dass er einen Nutzer an einen bestimmten Server umgeleitet hat, müsste dessen Betreiber die fraglichen Aktionen bestätigen. Und spätestens hier laufen die Nachfragen oft ins Leere, wie ein Ermittler für Internetkriminalität bestätigt.

Noch weiter gehen Anonym-Browser wie Tor . Das auf der Anonymisierungstechnik TOR basierende Internetzugriffsprogramm leitet die Seitenaufrufe und Aktivitäten über eine Vielzahl von Servern um und macht es dadurch technisch unmöglich, den Urheber nachzuvollziehen.

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Firmen wollen vollständige Namen ihrer Kunden
Auch Unternehmen wie Facebook und Google fordern, dass ihre Nutzer den richtigen und vollständigen Namen verwenden, wenn auch aus gänzlich anderer Motivation. Andernfalls, so sehen es die AGB vor, sperre man das jeweilige Nutzerkonto. Nicht verboten ist es, einen eventuell vorhandenen zweiten Vornamen zu verwenden und diesen als Rufnamen zu definieren.

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