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Praxistest: Was bringt ein 11ac-WLAN-Extender?

16.05.2016 | 09:56 Uhr |

Der AVM Fritz!Wlan Repeater 1750E erweitert ein WLAN-11ac mit 3x3-MIMO-Speed und mit bis zu 1.300 Mbit/s. Ein Praxistest.

Wer einen ziemlich starken WLAN-Router in einer ziemlich kleinen Wohnung aufstellt, wird kaum Probleme mit der WLAN-Vollversorgung haben. Doch schon in mittleren bis größeren Wohnungen gibt es fast immer das verflixte dritte, vierte oder fünfte Zimmer, das vom zentralen WLAN-Router her nur mäßig oder überhaupt nicht bedient wird. Wir testen am Beispiel einer Galeriewohnung mit zwei Etagen, ob dieses Problem ein mit dem WLAN-Router verbundener WLAN-Repeater mit wenig Kosten und Mühen lösen kann.

Die ersten WLAN-11ac-Repeater mit 3x3-MIMO

WLAN-Repeater alias WLAN-Range-Extender mit dem Gigabit-WLAN-Speed-Level 11ac wurden bereits auf der IFA 2014 angekündigt, etwa der Linksys AC1200 MAX WiFi Range Extender (RE6500), mit Geschwindigkeiten bis zu 300 Mbit/s 11n auf 2.4GHz und 2x2-MIMO-AC bis 867 Mbit/s auf 5 GHz. Asus, D-Link, Netgear und TP-LINK haben ebenfalls schon lange 11ac-Repeater im Angebot (siehe Tabelle).

11ac-Repeater gibt es bereits von Asus, AVM, D-Link, Netgear und TP-Link
Vergrößern 11ac-Repeater gibt es bereits von Asus, AVM, D-Link, Netgear und TP-Link
© Harald Karcher

AVM aus Berlin hat ebenfalls bereits zur letztjährigen IFA gleich zwei neue Repeater mit dem vollen 11ac-Speed von 3x3-MIMO bis1300 MBit/s gezeigt: Und zwar den AVM FRITZ!WLAN Repeater 1750E sowie den AVM FRITZ!WLAN Repeater DVB-C , die laut Hersteller rein WLAN-technisch identisch sein sollen. Seit Oktober 2014 sind beide lieferbar.

Die Testumgebung

Der WLAN-Router AVM 7490 (Mitte) hat einen Gigabit-Switch mit vier gelben LAN-1.000-Ports. Darüber konnten die zwei Gigabit-Laptops große Datenpakete mit knapp 890 Mbit/s brutto austauschen. Links hängt ein Sony Vaio S13A als Daten-Zuspieler mit 8.000-Mbit-schneller Raid-0-SSD, rechts ein Dell Latitude E6520 als Daten-Empfänger mit 4.000-Mbit-Normal-SSD.
Vergrößern Der WLAN-Router AVM 7490 (Mitte) hat einen Gigabit-Switch mit vier gelben LAN-1.000-Ports. Darüber konnten die zwei Gigabit-Laptops große Datenpakete mit knapp 890 Mbit/s brutto austauschen. Links hängt ein Sony Vaio S13A als Daten-Zuspieler mit 8.000-Mbit-schneller Raid-0-SSD, rechts ein Dell Latitude E6520 als Daten-Empfänger mit 4.000-Mbit-Normal-SSD.
© Harald Karcher

Wie testet man einen 11ac-WLAN-Repeater? Das steht in keinem Lehrbuch. Am Anfang eines jeden WLAN-Durchsatztests stellt sich erst mal die Frage: Wie können wir dem schnellen WLAN-Funker überhaupt GB-große Datenpakete derart schnell zuspielen, dass die Leistungsunterschiede des Funknetzes in den verschiedenen Räumen klar messbar werden? Dazu gab es mehrere Überlegungen:

  • Ein VDSL-50-Anschluss von der Deutschen Telekom als Daten-Zuspieler für die AVM 7490? Dann wäre die schwankende Download-Leistung von 40 bis 48 Mbit/s aber ein potenzieller Engpass in den Messungen. Das doppelt so schnelle VDSL-Vectoring bis 100 Mbit/s hatte der Autor noch nicht. Aber auch das wäre zu langsam gewesen, weil 11ac-3x3-MIMO-Funkstrecken rein theoretisch bis zu 1.300 Mbit/s brutto und rein praktisch bis über 800 Mbit/s netto leisten können. Selbst ein Vectoring-Anschluss hätte die Power von 11ac nur zu einem Achtel ausreizen können.

  • Ein Kabel-100-Anschluss von Kabel Deutschland (Vodafone)? Dann wäre auch damit die stark schwankende Download-Leistung von 30 bis 95 Mbit/s ein potenzieller Engpass in den 11ac-Messungen gewesen.

  • Übertragung einer Testdatei aus dem internen NAS-Speicher der AVM 7490? Diese hätte dann aber maximal 400 MB groß sein dürfen. Eine so "kleine" Datei flutscht jedoch derart schnell über gute 11ac-Strecken, dass man kaum die Stoppuhr zücken kann, bevor der Transfer zu Ende geht. Der Autor nutzt bei 11ac-Messungen nämlich Test-Dateien ab 1,0 GB pro Messung. Sonst wäre die 11ac-Messung schon vorbei, bevor man das Funkverhalten überhaupt richtig studieren kann.

  • Verbindung eines lokalen NAS mit 4 oder 8 TB über den Gigabit-LAN-Port an die AVM 7490? Das wäre sicher ein praxisnahes Beispiel dafür, wie man eine ganze Wohnung per Funk mit großen Datenbeständen kostengünstig versorgen könnte: Etwa mit hochauflösenden 2K- oder 4K-Filmen für das Video-Streaming auf WLAN-Laptops und WLAN-Fernseher. Viele preiswerte NAS-Systeme spucken ihre Daten aber so langsam aus, dass sie die 800 Mbit/s netto einer sehr guten 11ac-Strecke gar nicht voll auslasten können.

  • Am Ende haben wir einen Laptop Sony Vaio S13A mit Intel Core i7-CPU und Raid-0-SSD über ein Gigabit-Kabel an einen LAN-Port der AVM 7490 angeschlossen. Auf dessen pfeilschneller SSD lagern 10x 1GB Testdateien, die wir bei Bedarf einzeln oder im Zehnerpack über die zu messenden Funkstrecken jagen können. Die verbaute Raid-0-SSD von Samsung bringt dem Sony interne Leseraten von knapp 1.000 MB, also knapp 8000 Mbit. Am Gigabit-LAN-Port des Laptops wird dieser brachiale Speed allerdings auf knapp 1.000 Mbit herunter gebremst.

Am "anderen Ende" der Teststrecke nutzen wir einen Business-Laptop Dell Latitude E6520 mit einer SanDisk Extreme PRO SSD 480GB. Die SSD nutzt zwar kein Raid-0 wie im Sony, schafft aber trotzdem mehr als 500 MB pro Sekunde, also über 4.000 Mbit/s, schreibend und lesend. Damit könnte sie unsere Test-Daten um ein Mehrfaches schneller aufnehmen, als die beste 11ac-Strecke den Datenfluss derzeit überhaupt zuliefern kann. Will sagen: Auch diese SSD wirkt nicht als Bremsklotz in der zu messenden Kommunikations-Kette. Allerdings haut auch der Gigabit-LAN-Port des Dell die Bremse bei knapp 1.000 Mbit rein.

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