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Innovative Fotoperspektiven - dank WLAN und Apps

14.03.2015 | 10:09 Uhr |

Was mussten Fotografen mitunter tricksen, um mancher Aufnahme durch eine originelle Perspektive den besonderen Kick zu verleihen. Da legte man sich mit der Kamera schon mal tief ins Gras oder zauberte mit Fernauslöser und Teleskop über Kopfhöhe herum. Mit WLAN und Apps ist das alles viel einfacher.

Wer einmal den Versuch gemacht hat, senkrecht von oben etwas fotografieren zu wollen, das etwa Tischhöhe hat, der weiß, dass diese Aufnahme gewisse Tücken birgt. Auch der Wunsch, dem Katzennachwuchs fotografisch auf Augenhöhe zu begegnen, bekommt mitunter Züge einer militärischen Übung, wenn der Fotograf, bäuchlings und hinter dem Sofa eingekeilt, krampfhaft bemüht ist, die Kamera ruhig zu halten und den richtigen Augenblick abzupassen. Das mag amüsant klingen, aber tatsächlich ist das Arbeiten mit der Kamera deutlich über Kopfhöhe oder aber auch in extremen Froschperspektiven ein Problem.

Auch das Selbstporträt stellte eine Herausforderung dar. Denn es gab bislang zwar Fernauslöser, auch per Funk oder mit Intervall. Aber mit Ausnahme einiger seht teurer Exemplare haben die Fernbedienungen alle ein Problem: Der Fotograf muss bei Justieren der Kamera improvisieren, um den richtigen Bildausschnitt zu finden; steht er dann von der Kamera entfernt, ist eine Kontrolle der Bildlage und Belichtung nicht mehr möglich. Auch das Ergebnis lässt sich meist erst dann betrachten, wenn die Kamera sich wieder in der Hand des Besitzers befindet.

Ein paar wenige Fernauslösesysteme übertragen auch Livebilder, allerdings wird dies nur von einer übersichtlichen Zahl Kameras auch unterstützt. Einige Fotografen haben sich bei Shootings gerne damit beholfen, dass sie mittels langem USB-Kabel ein Notebook an die Kamera gehängt haben, um zumindest die Bilder sofort zu Gesicht zu bekommen.

So fotografieren Sie besser mit Gegenlicht

WLAN macht vieles möglich

Nun bietet mittlerweile eine Reihe von Kameras die Möglichkeit zur drahtlosen Verbindung, sei es mit dem PC oder aber, was viel spannender ist, mit dem Smartphone bzw. Tablet. Dabei stehen dem Fotografen im Prinzip zwei Varianten zur Verfügung, die jeweils eine unterschiedliche Herangehensweise bedingen. Die gängigere Option besteht darin, die Kamera mit einer Eye-Fi oder FlashAir-Karte nachzurüsten.

Praktisch: Die Kamera muss zum Auslösen nicht mehr zugänglich sein, die Steuerung erfolgt im Idealfall aus der App.
Vergrößern Praktisch: Die Kamera muss zum Auslösen nicht mehr zugänglich sein, die Steuerung erfolgt im Idealfall aus der App.

Diese Option bieten inzwischen sehr viele Kameras vom Kompaktmodell bis hin zur DSLR, weil es letztlich sehr simpel ist, die technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Denn nahezu die gesamte Logik sitzt in der Karte, nicht in der Kamera. Die stellt im besten Fall nur innerhalb des Menüs ein Interface zur Verfügung, mit dem das WLAN der Karte aktiviert und konfiguriert wird, oft ist aber auch nur die Aktivierung-/Deaktivierung möglich. Die Konfiguration erfolgt meist am PC.

Entsprechend ist auch die Funktionalität etwas eingeschränkt, aber was immer möglich ist, ist das Betrachten der Aufnahmen auf dem Smartphone oder Tablet. Das bedeutet, dass in Verbindung mit einem einfachen Fernauslöser eine komfortable Ergebniskontrolle möglich ist, auch wenn die Kamera so postiert ist, dass Sie deren Display garantiert nicht erkennen können.

Weitaus mehr bieten einige Kameras mit eingebautem WLAN. Im Idealfall ist der Fotoapparat komplett vom Handy fernbedienbar, Zoomsteuerung oder Wahl des Betriebsmodus inklusive.

Der Clou ist dabei, dass dann auch das Livebild auf das Smartphone-Display übertragen wird. Sie bedienen also die Kamera vom Handy aus genauso, als hielten Sie sie in der Hand. Leider ist die Menge der Kameras, die dies unterstützen, weitaus kleiner als

die, die mit dem WLAN-Speicherkarten zusammenarbeiten. Allerdings haben die meisten Hersteller ein oder mehrere Modelle in den höherwertigen Serien, die per App fernbedienbar sind.

Wer schon immer mal wissen wollte wie eine Wiesenblume aus Sicht einer anfliegenden Biene aussieht, für den bietet sich die Fernbedienung via App an.
Vergrößern Wer schon immer mal wissen wollte wie eine Wiesenblume aus Sicht einer anfliegenden Biene aussieht, für den bietet sich die Fernbedienung via App an.

Wie das im Detail funktioniert, zeigt unser Workshop. Und es bleibt festzuhalten, dass es funktioniert. Und zwar ziemlich gut, sofern die Kamera mitspielt. Auf jeden Fall ist das die deutlich preiswerte Variante im Vergleich zu Liveview-Fernauslösern, denn selbst, wenn Sie extra ein leidlich brauchbares Smartphone dafür kaufen würden, wären Sie mit 150 Euro dabei. Im Vergleich: Die Funk-Fernauslöser mit Echtzeitbild kosten zwischen 170 und etwa 300 Euro.

Beeindrucken Landschaftsaufnahmen schießen

Kein WLAN – (k)ein Problem

Was nun, wenn die Kamera kein WLAN besitzt und einem der Funktionsumfang der WLAN-Karten zu gering ist. Dann existiert tatsächlich die Möglichkeit, das Ganze auch via Kabel zu realisieren.

Mit der App Helicon-Remote lässt sich die Kamera fernbedienen.
Vergrößern Mit der App Helicon-Remote lässt sich die Kamera fernbedienen.

Mit Apps wie etwa Helicon Remote lassen sich zahlreiche Canon und Nikon-DSLRs fernbedienen. Unter heliconsoft.com gibt es eine Kompatibilitätsliste. Ähnliches leistet DslrDashboard, die App dürfte etwa die gleichen Kameras unterstützen wie die von Helicon. Wichtig ist dabei, dass das Smartphone einen USB-Host-Modus anbietet, also über ein entsprechendes Adapterkabel beispielsweise auch USB-Sticks lesen kann. Vor allem bei vielen Android-Geräten kann das zum Problem werden, im Zweifelsfall empfiehlt sich eine Nachfrage beim Hersteller. (Quelle: Helicon )

Dieser Artikel stammt aus der FotoWelt 1/2014

Die Highlights der Photokina, die Tricks der Profis, 20 Systemkameras im Test - das und mehr lesen Sie in der neuen FotoWelt 1/2014 !

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