1879838

Problemlöser

Praktische Hardware-Tipps für Linux

01.07.2014 | 16:09 Uhr |

Auch auf Linux ist man nicht völlig frei von typsichen Hardware-Marotten. Wir verraten, wo verlorener Speicherplatz auf USB-Datenträgern abgeblieben ist und wie Sie CPU-Kerne von Intels Core-i-Prozessoren überwachen.

Prozessor - i7z: Mehr Infos zu Intels Core-i-CPU

Jedes Linux-System gibt allgemeine Leistungsdaten und Informationen zur CPU wie Name, Anzahl der CPUKerne und aktuelle Taktung über eine Geräteinfo-Datei im Verzeichnis „/proc“ preis, der Kernel nach der Hardware-Erkennung beim Systemstart anlegt. Mit dem Befehl cat / proc/cpuinfo in der Shell fragen Sie diese Infos ab. Für Prozessoren der Intel-Core-i-Serie liefert das Überwachungstool i7z detailliertere Informationen in Echtzeit.

TIPP: Das Tool i7z (auf DVD) für die Kommandozeile ist speziell für die Core-i-CPUs von Intel zugeschnitten und zeigt zu jedem physikalischen Kern die aktuelle Taktfrequenz sowie Temperatur und C-States. Die C-States verraten das interne Energiemanagement von Intel-CPUs und geben die Ruhezustände von Prozessorkernen an. Der Zustand C0 bedeutet, dass der Kern mit voller Leistung und höchster Taktung läuft. Die tieferen C-States C3 bis C6, bei neuen Sandybridge-CPUs auch C7, sind Stromsparzustände mit verminderter Taktfrequenz.

In der Ausgabe von i7z sind die CStates und Taktfrequenzen nach physikalischen Kernen aufgeschlüsselt; das Tool eignet sich damit zur Überwachung der CPU-Auslastung und der internen Stromsparfunktion der CPU.

In die aktuellen Distributionen hat es das Tool noch nicht geschafft – Ubuntu wird es ab Version 13.10 in seine Paketquellen aufnehmen. Die Installation ist dennoch nicht aufwendig, denn der Entwickler bietet auf der Projektwebseite nicht nur den Quelltext an, sondern auch fertig kompilierte Programmdateien (Binaries) für 32 Bit und 64 Bit, die unter jedem Linux-System laufen. Um eine der Binaries nach dem Download ausführbar zu machen, dient der Befehl:

chmod +x i7z_64bit

Das Beispiel gilt für die 64-Bit-Version. Starten Sie i7z dann mit root-Rechten oder mit sudo.

i7z 0.27.2: Monitoring-Tool für Intel-Core-i-CPUs (i3, i5, i7). Open Source (GPL2), Download für 32 Bit und 64 Bit als Binary und im Quelltext unter https://code.google.com/p/i7z .

Müllabfuhr: Da Linux-Systeme mit fremden
Papierkorb-Ordnern, hier mit dem Namen „.Trash-1000“, nichts
anfangen können, müssen Sie die Überreste selbst
entsorgen.
Vergrößern Müllabfuhr: Da Linux-Systeme mit fremden Papierkorb-Ordnern, hier mit dem Namen „.Trash-1000“, nichts anfangen können, müssen Sie die Überreste selbst entsorgen.

USB-Wechselmedien - Unsichtbare Platzverschwender

Ein großzügig dimensionierter USBDatenträger verweigert unvermittelt, weitere Dateien zu speichern – ganz offensichtlich aus Platzgründen. Nach der Menge der Dateien, die ein Dateimanager auf dem Datenträger anzeigt, sollte aber noch genügend freier Speicherplatz verfügbar sein. Verantwortlich für die fehlende Kapazität ist meist ein versteckter, gut gefüllter Trash-Ordner, den ein anderes Linux-System auf dem Medium angelegt hat.

TIPP: Wenn Sie Dateien und Verzeichnisse in einem Dateimanager wie Nautilus unter Gnome oder Dolphin in KDE löschen, verschieben sich die Löschkandidaten immer in den Papierkorb. Dieser liegt aber nicht an einer zentralen Stelle auf dem System, sondern wird nach dem ersten Löschen einer Datei stets auf dem Datenträger selbst untergebracht, und zwar pro Benutzer des Systems. Der Name des Papierkorb-Ordners lautet „.Trash-[Benutzer-ID]“, wobei der vorangestellte Punkt dafür sorgt, dass dieser Ordner unsichtbar ist.

Alles anzeigen: Wenn ein USBStick verdächtig wenig Platz
bietet, dann aktivieren Sie im Dateimanager die Anzeige versteckter
Dateien – hier beispielsweise in Nautilus.
Vergrößern Alles anzeigen: Wenn ein USBStick verdächtig wenig Platz bietet, dann aktivieren Sie im Dateimanager die Anzeige versteckter Dateien – hier beispielsweise in Nautilus.

Das Verhalten ist von der Freedesktop-Arbeitsgruppe festgelegt, und sowohl Gnome als auch KDE folgen dem Standard. Allerdings gibt es eine kon zeptionelle Schwäche: Trash-Ordner anderer Linux-Systeme werden nicht erkannt, und ein Leeren des Papierkorbs belässt die gelöschten Dateien weiterhin auf Wechseldatenträgern. Um den Platz wieder frei zu bekommen, müssen Sie den Trash-Ordner manuell löschen: Stellen Sie den Dateimanager so ein, dass versteckte Dateisystemobjekte angezeigt werden, bei Nautilus etwa über „Dateien fi Eigenschaften fi Ansichten fi Verborgene Dateien und Sicherheitskopien anzeigen“. Entfernen Sie die Trash-Ordner dann mit der Tastenkombination Umschalten-Entf, was bei jedem Löschvorgang den Papierkorb umgeht. Diese Löschmethode eignet sich in Nautilus und Dolphin bei Wechselmedien übrigens immer, da sie keine Trash-Ordner anlegt.

Server - Fernwartung mit KVM-over-IP-Switch

Wer für einen Server verantwortlich ist, muss sich für Notfälle rüsten und dafür sorgen, dass es auch bei Ausfällen Wartungs- und Analysemöglichkeiten gibt. Bei Servern, die zu Hause oder im eigenen Büro stehen, ist eine Fernwartungslösung selten nötig. Server, welche die meiste Zeit nur über das Internet erreichbar sind, brauchen dagegen ein zuverlässiges Remote-Management-Konzept.

Aus der Ferne: Ein KVM-over-IP-Switch sorgt für den
Zugriff auf Tastatur, Maus und Bildschirmausgabe eines Servers über
das Netzwerk, um Hardware- und Startprobleme zu
analysieren.
Vergrößern Aus der Ferne: Ein KVM-over-IP-Switch sorgt für den Zugriff auf Tastatur, Maus und Bildschirmausgabe eines Servers über das Netzwerk, um Hardware- und Startprobleme zu analysieren.

TIPP: Um auch bei Hardware-Ausfällen oder Boot-Problemen an einen entfernten Server zu kommen, bietet ein KVM-over-IP-Switch über eine Netzwerkkonsole den Fernzugriff auf einen Server.

Unabhängig von dessen Netzwerkkonnektivität kann der KVMSwitch dabei helfen, Boot-Probleme zu analysieren, Laufwerksdefekte zu entdecken, an das Bios zu gelangen, Hardware-Ausfällen auf die Spur zu kommen und Warmstarts auszuführen. Ein KVM-over-IP-Switch verbindet sich dazu direkt mit den VGA-, Tastatur- und Mausausgängen eines Servers und stellt diese dann über eine Management-Konsole bereit, die über das Netzwerk erreichbar ist – entweder aus dem eigenen LAN oder auch über das Internet.

Dieser Remote-Zugriff erfolgt meist über eine Java-Anwendung oder über eine SSL-verschlüsselte HTTPS-Verbindung im Browser. Der dafür nötige Server ist im KVM-Over-IP-Switch integriert. Hoster bieten bei Mietservern meist temporäre KVM-over-IP-Zugänge gegen Servicegebühren an, damit Kunden in Notfällen an ihre Server kommen.

Neben den teuren, professionellen Lösungen, die ein ganzes Server-Rack mit KVM-Switches verbinden, gibt es auch kleinere Geräte für den Anschluss eines einzelnen Servers. Der Einsatz dieser Technik bei eigenen, selbst gehosteten Servern ist dann von Vorteil, wenn ein längerer Ausfall verheerende Folgen hätte und der Anfahrtsweg zu lang wäre, um den Server stets vor Ort zu warten. So ganz billig ist aber auch ein kleiner KVM-Over-IP-Switch nicht: Modelle für einen einzigen Server, wie etwa der KVM-Over-IP Access Switch Classic USB von Lindy kosten zwischen 380 bis 500 Euro.

Empfehlenswert ist diese Lösung, wenn Kosten und Konsequenzen eines Ausfalls bei einem entfernten Server den finanziellen Aufwand schnell in den Schatten stellen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1879838