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Position beziehen am ergonomischen Arbeitsplatz

06.04.2016 | 10:23 Uhr |

Wer Bürotätigkeiten mal stehend und mal sitzend erledigen kann, ist produktiver und reduziert gesundheitliche Risiken.

Für viele Menschen ist es nicht ungewöhnlich, mehr als den halben Tag sitzend zu verbringen. Das birgt auf Dauer jedoch schwerwiegende gesundheitliche Risiken. Angestellte, die den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, sind weniger produktiv.

Arbeitsergonomie ist damit gleichermaßen ein Thema für Angestellte wie Arbeitgeber und es ist an der Zeit, nach geeigneten Lösungen zu schauen. Insbesondere für Menschen in den Industrienationen gilt, dass die Mehrzahl nicht mehr körperlich arbeitet, sondern als Knowledge Worker/Wissensarbeiter den Tag über sitzend am Schreibtisch und Computer verbringt. Dadurch entsteht das Paradoxon, dass etwas im Grunde Positives – eine angenehme Tätigkeit statt schwerer körperlicher Arbeit – sich negativ auf den Gesundheitszustand eines Großteils dieser Beschäftigten auswirkt. Das Wort von der „Sitzkrankheit“ macht die Runde.

Wissenschaftler haben inzwischen Zusammenhänge zwischen zu langem Sitzen mit einer höheren Anfälligkeit für Diabetes Typ 2, vermehrten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Krebs und vorzeitiger Sterblichkeit nachgewiesen. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch Anzeichen des metabolischen Syndroms (hohe Blutfett- und Zuckerwerte) zeigt, ist umso größer, je mehr Zeit er täglich im Sitzen verbringt.

Erst das Bewusstsein, dann die Gewohnheiten ändern

Um die Folgen übermäßigen Sitzens am Arbeitsplatz zu minimieren, gilt es zunächst, ein Bewusstsein für die zugrundeliegenden Fakten zu schaffen. Der menschliche Stoffwechsel kann sich nicht so schnell anpassen wie es Arbeitsumfeld und Kultur tun. Diese Veränderung ist ein langsamer kontinuierlicher Prozess.

Aus physiologischer Sicht unterscheidet sich der moderne Mensch nicht sonderlich von seinen Vorfahren der Steinzeit. Hier war der Gedanke, Tätigkeiten mit immer weniger Energie auszuüben und dadurch das Überleben zu sichern. Höchstleistungen, heute sprechen wir von Sport, waren auch damals schon Ausnahmesituationen bei Flucht oder Kampf, da sie viel zu viel Energie verbrauchten.

Den Körper in Bewegung halten, weil er es braucht

So ist es nicht ausreichend, einfach nur Sport zu machen, um die Folgen der langen Sitzphasen zu kompensieren, wie es neueste Studien belegen. Je länger Menschen sitzend verbringen, desto mehr Fette und Zucker sammeln sich im Blut. Sport hat darauf keinen nennenswerten Einfluss. Allerdings besteht ein signifikanter Unterschied bei den Blutwerten zwischen Menschen, die wenig sitzen und solchen, die mehr als den halben Tag im Sitzen verbringen. Blutfett- und Blutzuckerwerte sind bei den Menschen am niedrigsten, die täglich am wenigsten Zeit im Sitzen verbringen.

Es hat sich herausgestellt, dass der Mensch zwei Arten von körperlicher Aktivität benötigt. Analog zu den Bewegungsprofilen unserer Vorfahren brauchen wir sowohl Phasen, in denen wir stehend Tätigkeiten nachgehen (obwohl wir dabei relativ wenig Energie verbrauchen) als auch zusätzlich Zeiten mäßiger bis starker körperlicher Aktivität wie beim Sport.

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Nicht zu sitzen versetzt den Körper in einen Zustand permanenter Mikrobewegungen - schon allein, um das Gleichgewicht zu halten - mit erstaunlichen Auswirkungen. Es hilft dabei, Enzyme in der Muskulatur zu aktivieren, die Zucker und überflüssige Fette im Blut aufspalten. Der einfachste Weg, um diese Low-Level- Aktivitäten zu erhöhen, ist also, die Zeit, die wir sitzend verbringen, zu verringern und mehr Tätigkeiten stehend zu erledigen.

Aufstehen – eine rentable Angelegenheit

Es ist an der Zeit, im wahrsten Sinne des Wortes Position zu beziehen und falsche Lebensgewohnheiten zu ändern. Sitzen hat sich in die Lebensroutine eingeschlichen. Wir sitzen im Auto, auf dem Weg zur Arbeit, tagsüber auf dem Bürostuhl und erneut auf dem Weg nach Hause, beim Essen und anschließend auf dem Sofa. Da gibt´s nur eine Lösung: Aufstehen!

Eine Investition in ergonomische Möbel, um den Mitarbeitern ein Arbeiten im Stehen zu ermöglichen, ist eine lohnende Sache für das Unternehmen, die sich merklich an der Produktivitätssteigerung messen lässt. Studien belegen eine mindestens 18-prozentige Steigerung der Produktivität, allein durch die Umstellung und das Angebot von Stehschreibtischen in Büros.

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Interessanterweise zeigte sich zudem, dass nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Qualität der Arbeit zunahm. Aus Sicht der Mitarbeiter gab es positive Effekte, indem sie ihre Arbeitssituation als weniger stressanfällig bewerten und somit zufriedener arbeiten können.

Wer noch überlegt, ob er so viel in seine Mitarbeiter investieren möchte: Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Zuschüssen und Fördermöglichkeiten für Firmen, die eine Investition in ergonomische Arbeitsplätze attraktiver machen.

Einfache Tipps zum Aufstehen im Büro

Es ist leicht, sich an einen Steharbeitsplatz zu gewöhnen, wenn man ein paar einfache Tipps beherzigt. Wichtig ist: Langsam anfangen und sukzessive umstellen. Man kann zum Beispiel erst einmal Anrufe im Stehen entgegennehmen. In der Anfangsphase sollte man tägliche Routinen festlegen. Experten raten, zunächst mit kleinen Zeitintervallen des Stehens zu beginnen anstatt sich gleich zu zwingen, den ganzen Tag zu stehen.

Ziel innerhalb von vier Wochen sollte sein, etwa die Hälfte des Arbeitstages im Stehen zu verbringen. Dies kann über einen allmählich zunehmenden Zeiteinsatz von 10 Minuten pro Stunde in der ersten Woche bis zu 20 Minuten pro Stunde in der zweiten Woche und schließlich 30 Minuten Stehen in der dritten Woche gehen.

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Es gibt auch Möglichkeiten, die Motivation der Mitarbeiter und ihr Bewusstsein dafür mit Tools zu unterstützen, bevor sie wieder in alte Gewohnheiten verfallen, etwa mittels Warnungen per Apple Watch oder Fitness-Tracker. Diese Tools unterstützen Mitarbeiter dabei, neue und gesunde Gewohnheiten anzunehmen, einzuhalten und die Einstellung zu diesem Thema zu verändern. Bei allem, was plötzlich neu ist, wie das Konzept des Arbeitens im Stehen, etablieren sich tägliche Routinen recht schnell und werden gerne angenommen.

Ratgeber: Fitness-Tracker

Win-Win für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Arbeitsplätze, die es den Mitarbeitern erlauben, zwischen sitzenden und stehenden Tätigkeiten bequem zu wechseln und selbst zu entscheiden, wie sie arbeiten wollen, bieten Vorteile für alle Beteiligten. Aus Sicht des Unternehmens steigt die Produktivität und der Krankenstand sinkt. Der einzelne Mitarbeiter fühlt sich deutlich gesünder und weniger gestresst. Eine Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Diese Erkenntnisse bewirken derzeit einen Wandel in vielen Unternehmen, die aktiv auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter nach gesunden Arbeitsplätzen eingehen und davon doppelt profitieren: Der zukunftsorientierte Ansatz sorgt für ein besseres Betriebsklima und weniger Fluktuation unter den Beschäftigten.

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