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Porsche Panamera mit Porsche Communication Management im Test

08.11.2014 | 09:29 Uhr |

Webradio hören. das nächste Hotel aufsuchen, die Position des kostspieligen Fahrzeugs überwachen, den Energiefluss des Hybrid-Systems verfolgen oder sich den Wetterbericht vorlesen lassen - im Porsche Panamera kein Problem. Wir haben das Porsche Communication Management (PCM) mit Touchscreen, Aha-App und Car Connect-App im 110.000-Euro-Boliden getestet.

Hinweis: Dieser Test stellt das Infotainmentsystem im Porsche Panamera vor, wie es Porsche im Winter 2013/2014 verkauft hat. Das heute in Neuwagen von Porsche eingebaute Infotainmentsystem kann davon etwas abweichen.

Funktionsüberblick zu PCM
 
Porsche Communication Management (PCM) heißt das Infotainmentsystem im Porsche Panamera. Es stellt zusammen mit der Aha-App und der Car Connect App, die der Fahrer auf dem iPhone installieren muss, folgende Funktionen zur Verfügung: Tuner (AM- und FM-Radio), Media (Musikstreaming vom Smartphone, AUX, USB, iPod, Tonspur von Film-DVDs, Audio-CD), Phone (Telefonie via Bluetooth mit Freisprechanlage), Info (Verkehrslageinformationen via TMC), Car (diverse Fahrzeugdaten, Parkassistent, Rückfahrkamera, Surround View etc.), Navi (Navigation mit TMC-Daten), Map (gleiche Karte wie bei Navi), Webradio, Online-Suche und Wetterdaten sowie diverse Fernzugriffs-Möglichkeiten. Optional gibt es gegen Aufpreis auch eine Sprachsteuerung.

Ein Plug-in: Porsche Panamera S E-Hybrid beim Aufladen der Akkus
Vergrößern Ein Plug-in: Porsche Panamera S E-Hybrid beim Aufladen der Akkus
© Porsche

Wir haben das Porsche Communication Management in einem Porsche Panamera S E-Hybrid getestet. Für den 416 PS starken Antrieb dieser Limousine - Porsche stuft den Panamera ausdrücklich nicht(!) als Sportwagen ein - sorgt also eine Kombination aus Otto-Motor und Elektromotor. Per Knopfdruck kann man den Panamera in den reinen Elektro-Modus schalten. Dann fährt man bis zirka 135 km/h nur mit Strom - so lange, bis die Akkus entleert sind. Der Panamera kann zudem auch an einer Haushaltssteckdose sowie an speziellen Ladestationen aufgeladen werden, es handelt sich also um einen Plug-in-Wagen.

Ladezustand der Akkus auf dem Smartphone prüfen
Vergrößern Ladezustand der Akkus auf dem Smartphone prüfen

 
Hardware des PCM
 
Der Fahrer bedient das PCM entweder über den Touchscreen oder über klassische Dreh-Drück-Instrumente in der Mitte des Armaturenbretts. Der große Farb-Touchscreen lässt sich gut ablesen, alle Druckflächen inklusive des Ziffernblocks für die Eingabe von Telefonnummern sind ausreichend groß dimensioniert und lassen sich zuverlässig per Fingertipp treffen. Der Touchscreen reagiert zudem rasch auf Eingaben, man kann flott drauflos tippen. Die gesamte Eingabe empfanden wir als sehr übersichtlich, sowohl beim Eintippen von Telefonnummern als auch bei der Eingabe von Navigationszielen.

Zusätzliche Anzeige im Cockpit: Hier der Abbiege-Assistent für die Autobahn
Vergrößern Zusätzliche Anzeige im Cockpit: Hier der Abbiege-Assistent für die Autobahn

Die Anzeige im Touchscreen wird noch durch ein kleines zusätzliches Display im Cockpit des Panamera rechts vom Porsche-typisch zentral angeordneten Drehzahlmesser ergänzt.

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Direkt unter dem Touchscreen hat Porsche den CD-/DVD-Slot eingebaut, darunter wiederum die Bedientasten für die einzelnen Menüs/Funktionen: Tuner, Media, Anruf annehmen, Phone, Anruf ablehnen/auflegen, Navigation, Karte. Darunter kommen Tasten für die Wahl der Audio-Quelle, der Soundeinstellungen, Vor- und Zurückspulen beziehungsweise Radiosenderwahl, Lautstärkeregler/Mute/Ein- und Ausschalten, Info, Car, Drehregler für die Menüpunkteauswahl (als Alternative zum Touchscreen), Zurücktaste und Optionen.

Unter der Mittelkonsole befindet sich zudem ein USB-Anschluss. Außerdem befindet sich hier ein Slot für eine SIM-Karte. Sie können also auch ohne angeschlossenes Smartphone telefonieren, sofern die Telefonvorrichtung vorhanden ist. Alles in allem ist die Mittelkonsole gut mit Schaltern gefüllt, der Touchscreen macht klassische Bedienelemente also nicht völlig überflüssig. Nach einer kurzen Eingewöhnzeit findet man sich aber problemlos zurecht.

Tuner: Große Auswahl beim Radio-Empfang

Denn neben dem klassischen AM- und FM-Empfang bietet der Porsche auch Webradio, sofern ein Smartphone mit dem PCM verbunden ist. Hier dreht sich dann alles um die Aha-App, die allerdings mehr als nur Webradio kann. Mehr dazu siehe weiter unten. Für den Aha-Dienst muss man sich gratis anmelden. Zur Radio-Funktion kann man nur sagen: Alles funktioniert einwandfrei.

Tipp: In dieser Foto-Galerie stellen wir Ihnen das PCM samt den beiden Apps Aha und Car Connect ausführlich vor:

 
Media: Alles außer Filme

Unter dem Menü-Punkt Media findet man alles, was zur Unterhaltung gehört – ausgenommen Radio. Hier spielt man also CDs ab oder Musik vom USB-Stick oder via Bluetooth vom Smartphone.
 
Das Musiktreaming von unserem doch schon sehr betagten HTC Desire klappte auf Anhieb, Vor- und Zurückspulen über die Tasten auf der Mittelkonsole ging ebenfalls. Wer also seine Liedersammlung vom Smartphone im Porsche genießen will, kann das ohne Probleme machen.

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Das PCM spielt grundsätzlich auch Film-DVDs ab. Allerdings mit einer nicht unerheblichen Einschränkung: Von den Filmen wird nur die Ton-Spur wiedergegeben. Also sozusagen ein Hörspiel statt eines cineastischen Vergnügens. Das ist beispielsweise im BMW 740 xDrive mit ConnectedDrive, im Mercedes-Benz E 250 CDI mit Comand Online oder im Lexus IS250 anders: Dort kann man auch Filme von DVDs auf dem Bildschirm genießen.
 
Die Lautstärke kann das PCM übrigens automatisch an die Fahrgeschwindigkeit anpassen. Gegen Aufpreis kann man auch DVB-T im Porsche anschauen. In unserem Testfahrzeug stand allerdings kein Fernsehen zur Verfügung. TV im Auto stellen auch ConnectedDrive von BMW und Comand Online von Mercedes-Benz gegen Aufpreis zur Verfügung.

Telefonnummer eingeben
Vergrößern Telefonnummer eingeben

Phone

Um vom Porsche aus telefonieren zu können, gibt es zwei Möglichkeiten: Sie telefonieren über ein via SIM Access SAP-Bluetooth angeschlossenes Smartphone oder indem Sie eine SIM-Karte in den Slot im PCM einschieben. Für Letzteres stellt Porsche optional auch ein Handteil zur Verfügung. Wir telefonierten im Test ausschließlich über das via Bluetooth verbundene iPhone.

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Telefonate starten Sie über die Hörer-Abheben-Taste auf der Mittelkonsole. Sobald ein Smartphone gekoppelt ist, stehen auf dem Bildschirm die gewohnten Funktionen wie Anrufliste, Wahlwiederholung oder das Telefonbuch des iPhones zur Verfügung. Das Telefonieren klappte im Test einwandfrei. Mit der Bluetooth-Koppelung gab es ebenfalls keine Probleme, allerdings dauert es nach dem Einsteigen schon immer einige Sekunden, bis sich das Porschesystem mit dem bereits gekoppelten Handy wieder verbunden hatte. Anrufe lassen sich bequem per Lenkradtasten annehmen und abweisen und natürlich auch starten.

Verkehrsmeldungen zeigt das PCM übersichtlich an
Vergrößern Verkehrsmeldungen zeigt das PCM übersichtlich an

Info

Unter Info stellt PCM die Verkehrslageinformationen zur Verfügung. Hier muss das erste Mal Kritik geübt werden: Für die Navigation stehen nur die vergleichsweise einfachen und relativ ungenauen TMC-Daten zur Verfügung und keine exakteren Daten wie TMCpro/Navteq Traffic (Toyota Touch & Go Plus, bei Audi Connect als Alternative zu Inrix; derzeit noch bei Mercedes-Benz Comand Online), TomTom HD Traffic (Renault R-Link; demnächst auch bei Mercedes-Benz Comand Online) oder Inrix (Audi Connect) sowie RTTI (BMW ConnectedDrive).

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Porsche hält es bei der Genauigkeit von Echtzeitverkehrsinformationen somit ähnlich locker wie Jeep oder Lexus, die ebenfalls nur TMC zur Verfügung stellen. Käufer eines ausgesprochen hochpreisigen Porsche Panamera müssen also damit leben, dass sie weniger exakte Verkehrslageinformationen nutzen können als der Besitzer eines vergleichsweise preiswerten Renault Clio. Und eher beziehungsweise länger im Stau stehen als der Clio-Fahrer. Von diesem grundsätzlichen Nachteil von TMC einmal abgesehen hat die Anzeige der Verkehrslageinformationen gut funktioniert: Sie kamen schnell, ließen sich leicht ablesen, waren genau auf unsere aktuelle Route zugeschnitten und lieferten ausreichend Detailinformationen.

Car

Der Bordcomputer des Porsche Panamera versorgt den Fahrer mit einer Vielzahl von Informationen wie Fahrtzeit, zurück gelegte Strecke sowie – beim Porsche nicht ganz unwichtig – Durchschnittsgeschwindigkeit und Durchschnittsverbrauch. Das Car-Menü informiert außerdem darüber, wie lange Sie nur mit Strom gefahren sind (sofern es sich um ein Hybrid-Fahrzeug handelt).
 
Für den Hybrid stehen außerdem anschauliche Animationen bereit, die den Energiefluss zeigen: Wird der Akku aufgeladen oder treibt er gerade das Fahrzeug an? Fährt man mit Strom oder mit Benzin? Das Ganze dürfte im Alltag mehr Spielerei sein als ein echtes Nutzwerttool, spannend anzuschauen ist diese Anzeige aber allemal. Und gerade bei einem Porsche sollte man den Spaß-Faktor nicht außer Acht lassen. Eine gute Rückfahrkamera mit Spuranzeige gehört ebenfalls zur Ausstattung – und ist angesichts der großen Abmessungen und der eingeschränkten Sicht nach hinten beim Panamera auch unverzichtbar.

Fahrtrichtungsanzeige
Vergrößern Fahrtrichtungsanzeige

Navi und Map

Das Navigationsgerät bietet alle gewohnten Funktionen, inklusive der oben erwähnten Verkehrslageinformationen. Die Anzeige von Verkehrsbehinderungen ist übersichtlich und liefert ausführliche Detailinformationen zum Grund der Verzögerung.
 
Eine gezielte POI-Suche beispielsweise nach Tankstellen, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und Hotels ist im Navi möglich, optional kann man bei einer bestehenden Internetverbindung auch eine Onlinesuche bemühen. Diese erfolgt dann über die Aha-App, dazu lesen Sie gleich mehr.

Kartendarstellung in 3D
Vergrößern Kartendarstellung in 3D

Die Kartenansicht steht unter anderem in 3D zur Verfügung, eine automatische Umschaltung zwischen Tag- und Nachtansicht gibt es ebenso wie Abbiegeassistenten und Sprachanweisungen. Die Kartendarstellung ist grundsätzlich in Ordnung und durchaus optisch ansprechend; wenn man viele POIs einblenden lässt, wird sie aber etwas unübersichtlich. Eine peppige Google Earth-Ansicht wie bei Audi Connect mit zur schnellen Orientierung durchaus sinnvollen Zusatz-Funktionen wie Google Street View und Panoramio steht dagegen im Panamera nicht zur Verfügung. Letzteres sind keineswegs nur witzige Gimmicks, sondern helfen bei der Orientierung an fremden Orten.
 
Der Bildschirm liefert neben der Karte alle wichtigen Informationen wie Straßennamen, Uhrzeit und Entfernung zum Ziel und zeigt die Fahrtrichtung an. Für die Routenwahl kann man Kriterien wie schnellste oder kürzeste festlegen. Ebenso ist eine Umfahrung von Staus möglich.
 
Praktisch und optisch ansprechend: Die Routenführung wird nicht nur auf dem großen Hauptbildschirm, sondern ergänzend auch noch im Cockpit direkt vor dem Fahrer angezeigt. Inklusive Stauwarnung. Ebenso erscheint im Cockpit der Abbiege-Assistent. Das ist nicht nur sehr nützlich, sondern sieht auch gefällig aus.

Virtuelle Tastatur anstelle eines Spellers: So machen Eingaben Spaß
Vergrößern Virtuelle Tastatur anstelle eines Spellers: So machen Eingaben Spaß

Besonders angenehm empfanden wir die Bedienung des Navigationsgerätes: Anders als bei Audi, BMW, Mercedes-Benz und vielen andere Konkurrenten kann man das Ziel bequem auf dem Touchscreen eintippen und muss sich nicht mit einem Speller - einer Drehscheibe, auf der jeder einzelne Buchstabe mühsam ausgewählt werden muss - herumärgern. Einfacher als mit dem Touchscreen lassen sich Ziele nur noch per Sprachsteuerung eingeben – diese stand in unserem Testwagen aber nicht zur Verfügung.
 
Witzig: Die Off-Road-Navigation ermöglicht es Ihnen, in nicht digitalisierten Bereichen (für die also keine digitalen Kartendaten auf der Festplatte vorhanden sind) eine Navigation durchzuführen. Mit der Off-Road-Navigation haben Sie außerdem die Möglichkeit, auch in nicht digitalisierten Bereichen eine Strecke während der Fahrt aufzuzeichnen. Ob man einen Panamera tatsächlich oft auf solchen Wald- und Wiesenwegen bewegen wird, sei einmal dahingestellt…

Sprachbedienung

In unserem Testfahrzeug fehlte die Sprachbedienung. Sie gehört nicht zum Standardumfang von PCM, sondern muss extra bestellt werden.

Aha-Suche
Vergrößern Aha-Suche

Online-Suche und Webradio mit Aha-App

Ohne Smartphone gibt es kein Internet im Porsche. Denn die gesamte Internetverbindung läuft über ein Smartphone, auf dem zudem unbedingt die kostenlose Aha-App installiert werden muss (übrigens setzt auch Mazda beim MZD Connect im Mazda 3 auf die Aha-App). Porsche verbaut also keine SIM-Karte im Fahrzeug, wie BMW es macht. Ist die Aha-App installiert, dann müssen Sie das iPhone noch mit dem PCM über das USB-Kabel verbinden.
 
Danach können Sie über Aha Webradio hören und eine Online-Suche nutzen. Sie können mit Aha zum Beispiel nach Restaurants und Gaststätten suchen und Übernachtungsmöglichkeiten in der Umgebung aufspüren und den Wetterbericht abrufen. Mit dem Anzeigen der Trefferlisten ist es aber nicht getan, Aha liest mit Siris Hilfe alle Texte auch vor, stellt also beispielsweise die Hotels vor und liest auch den Wetterbericht vor. Die Auswahl der Treffer erfolgt geobasiert nach den Vorgaben des Benutzers.

Die Aha-App bietet Online-Suche, Wetterbericht und Webradio
Vergrößern Die Aha-App bietet Online-Suche, Wetterbericht und Webradio

Aus der Trefferliste kann man den für sich passendsten Eintrag auswählen und in die Navigationsfunktion übernehmen lassen. Und sich sofort dorthin lotsen lassen. Ebenso ist es möglich bei einem über die Aha-Suche ermittelten Treffer direkt anzurufen. Genauso kennt man das auch von BMW ConnectedDrive, Audi Connect oder Mercedes-Benz Comand Online aber auch von Toyota Touch & Go Plus.
 
Die Hauptfunktion von Aha ist aber das Webradio. Die Porsche-Insassen können hierbei wie bei Webradio immer üblich unter verschiedenen Kategorien wählen. Also beispielsweise Hörbücher, Musiksender oder Nachrichtensender oder Kanäle mit historischen Themen. Wie immer bei Webradio muss man nach der Wahl eines Senders ein paar Sekunden Geduld aufbringen, bis man etwas hört – die Daten müssen erst geladen werden. Zudem kann es beim Webradio während der Fahrt immer wieder zu Unterbrechungen kommen. Einmal streikte während des Tests der Aha-Server jedoch komplett, die App lief noch, lieferte aber keine Treffer mehr. Am nächsten Tag funktionierte Aha dann wieder.

Car Connect App
Vergrößern Car Connect App
© Porsche

Car Connect App: Fernzugriff auf den Panamera

Neben Aha spielt noch eine weitere App eine wichtige Rolle beim Porsche Panamera: Die Car Connect App. Nachdem Sie diese auf Ihrem iPhone installiert haben, müssen Sie sich noch auf www.porsche.com/Connect registrieren. Porsche Car Connect ist derzeit verfügbar für den Panamera Modelljahr 2014, den nagelneuen SUV Macan und für den 918 Spyder. Die Car Connect App gibt es derzeit aber nur für das iPhone (dafür ist sie optimiert; außerdem soll die App auch noch das iPad und den iPod touch unterstützen) ab iOS 6.0. Im 911er oder in einem Cayenne gibt es diese Fernzugriffsmöglichkeiten derzeit also nicht. Ebenso bleiben Android-Nutzer außen vor.
 
Klimaregelung

Mit der Car Connect App können Sie per Fernzugriff die Außenspiegel einklappen, die Blinker einschalten und das Aufladen der Akkus überwachen. Per Remote-Zugriff können Sie auch die Klimaanlage vorheizen beziehungsweise vorkühlen lassen. Ein Timer steht hierfür ebenfalls zur Verfügung. Wobei im Test das Anklappen der Außenspiegel nicht funktionierte. Das Einschalten der Klimaanlage sowie das Aktivieren der Warnblinkanlage klappte dagegen einwandfrei.
 
Über die App kann man auch den Kilometerstand und den Tankinhalt sowie die daraus resultierende Reichweite anzeigen lassen. Ebenso sieht man, wie viele Kilometer man zuletzt zurückgelegt hat und wie schnell man im Durchschnitt gefahren ist und wie viel Superbenzin der Panamera dabei verbraucht hat. Auch die Fahrgestellnummer und das KFZ-Kennzeichen sowie – für besonders vergessliche Zeitgenossen vielleicht hilfreich – die Wagenfarbe und das Modell kann die App anzeigen. Das Ganze hat durchaus spielerischen Charakter und spricht das Kind im Manne an.
 
E-Mobility

Sofern man ein Hybrid-Fahrzeug fährt, liefert die App Informationen zum Akku-Ladestand und zu der daraus resultierenden Reichweite im Elektro-Betrieb. Per Fernzugriff kann man für ein an die Steckdose angehängtes Fahrzeug den Ladevorgang starten. Wichtig und komfortabel ist besonders der Timer für programmierte Ladevorgänge.

Dieser Bereich ist für ein Hybridfahrzeug durchaus nützlich. Schließlich ist die Reichweite beziehungsweise der Ladezustand der Batterie ein wesentlicher Aspekt, wenn man nachhaltig fahren will. Ganz so wichtig wie bei einem Elektro-Auto wie dem i3 von BMW sind die Daten aus „E-Mobility“ aber doch nicht, weil sich der Porsche ja jederzeit und hauptsächlich mit Hilfe seines Verbrennungsmotors fortbewegt. Ein Liegenbleiben wegen leerer Batterie droht hier also nicht.

Schutz vor Dieben

Wichtig gerade bei einem so teuren Wagen wie dem Panamera: Sie können sich auf der App jederzeit die Fahrzeugposition des Wagens anzeigen lassen. Oder besser gesagt: Fast immer. Denn im Test lieferte die App einmal kein Ergebnis, obwohl wir eine Internetverbindung besaßen. Nach einigen Minuten funktionierte die Kartenanzeige dann wieder. Grundsätzlich sehen Sie auf der Karten-App des iPhones aber nach einer kurzen Update-Phase jederzeit, wo Ihr Panamera steht. Und können sich zudem die Fahr- oder Fußgänger-Route von Ihrem Standort zum Porsche anzeigen lassen. Beide Routen wurden im Test zuverlässig und optimiert angezeigt.
 
Außerdem können Sie eine Verbotszone um Ihr Fahrzeug einrichten. Wird der Panamera dann ohne Ihr Wissen daraus bewegt, erhalten Sie einen Alarm. Zu guter Letzt gibt es hier auch eine Notruffunktion
 
Die Remote und PVTS Services (Porsche Vehicle Tracking System) können ab Kauf des Neuwagens sechs Monate lang kostenlos genutzt werden. Danach ist eine Verlängerung des Nutzungsvertrages notwendig. Für die E-Mobility-Services, die für Porsche E-Hybrid-Fahrzeuge zur Verfügung stehen, ist eine kostenlose Nutzungsdauer für diese Services von fünf Jahren enthalten. Danach ist eine Verlängerung des Nutzungsvertrages über das PCC Kunden-Webportal notwendig. Eine vollständige Funktionsübersicht stellt Porsche hier zur Verfügung.

Fazit zu Porsche Communication Management, Car Connect und Aha

Lob: Der große, übersichtliche und zuverlässig auch auf schnelle Fingereingaben reagierende Touchscreen sowie das zweite, kleinere Display im Cockpit passen zur Wertigkeit des Interieurs, erfreuen das Auge und sind durchwegs benutzerfreundlich. Porsche verdient ausdrücklich dafür Lob, dass es auf umständliche Controller zur Bedienung verzichtet und stattdessen der Bedienung per Fingertipp den Vorrang gibt. Das ist zeitgemäß und intuitiv. Wer das PCM trotzdem lieber klassisch bedienen möchte, kann das jederzeit mit den unter dem CD-/DVD-Player angeordneten Bedienelementen tun. Dass Porsche keinen Browser für das Surfen im Internet zur Verfügung stellt, ist kein Nachteil: Alle bisher von uns getesteten Browser bei BMW, Mercedes-Benz und Volvo machen keinen Spaß und sind nicht benutzerfreundlich.

Das Musikstreaming vom Smartphone funktioniert sogar mit älteren Androiden tadellos. Die Car Connect-App ist nicht nur optisch sehr gut gelungen, sondern bietet einen echten Mehrwert. Und mit der Aha-App hat Porsche einen einfachen Weg genutzt, um Webradio und eine umfangreiche Online-Suche samt Wetterbericht zu integrieren.

Kritik: Und doch gibt es selbst in dieser Premium-Limousine Kritikpunkte. Ein Online-Entertainment-Angebot wie bei BMW vermissen wir, denn gerade Porsche-Fahrer dürften mit ihrem Wagen sicherlich öfters im Ausland unterwegs sein und würden dabei vielleicht gerne eine Musik-Flatrate mit ihren Lieblingsliedern nutzen können. Und warum spielt das PCM bei Film-DVDs nur die Tonspur ab? Wieso gibt es für die Navigation nicht exaktere Verkehrslageinformationen als nur TCM? Wieso gibt es die Car Connect-App nur für iPhone und nicht auch für Android? Bei der Navigation würde man sich zudem pfiffige Extras wie eine Google Earth-Darstellung, Street View und Panoramio wünschen. Denn auch Porsche-Fahrer finden sich in einer fremden Stadt leichter zurecht, wenn Ihnen das Navigationsgerät Fotos von Ihrem Zielobjekt zeigt.

Ein Mail-Client wäre ebenfalls eine sinnvolle Ergänzung. Ob man dagegen Facebook- und Twitter-Anwendungen im Auto tatsächlich braucht, muss jeder für sich entscheiden, wir vermissen sie jedenfalls nicht im Porsche. Wünschenswert wäre aber eine Hotspot-Funktion, denn gerade im Panamera, der „Familien-Kutsche“ von Porsche, dürfte ja öfters mehr als eine Person unterwegs sein. Da macht es Sinn und passt auch zur Wertigkeit des Fahrzeugs, wenn man allen Insassen die Möglichkeit bietet, mit ihren mobilen Geräten selbst dann im Internet surfen zu können, wenn in diesen keine eigene SIM-Karte verbaut ist. Das passt durchaus zum Premium-Anspruch der Sportwagenschmiede.

Porsche geht beim Funktionsumfang des PCM zudem einen Sonderweg, indem es anders als die meisten oder sogar alle anderen Hersteller die Sprachsteuerung nicht automatisch in das Infotainmentsystem integriert, sondern sie als separate Option anbietet. Das finden wird nicht gut, weil eine gute Sprachsteuerung definitiv nicht nur den Komfort erhöht, sondern auch erheblich zur Verbesserungen der Verkehrssicherheit beiträgt.

 

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