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Podcasts in Linux produzieren und veröffentlichen

08.05.2015 | 12:01 Uhr |

Eine eigene Radiosendung im Internet? Ein Computer, eine Internetverbindung und etwas Know-how genügen, um auf Sendung zu gehen. Lesen Sie in diesem Beitrag, wie Sie unter Linux eigene Podcasts produzieren.

Podcasts sind rein technisch Audiodateien, die per RSS abonniert werden können. Der Hörer muss sich also nicht darum kümmern, die aktuellste Datei zu suchen, sondern wird von seinem Audioprogramm darauf hingewiesen. Die technische Erklärung verrät aber nichts über die Faszination der Podcasts selbst. Sport, Politik, Technik und Kultur, Unterhaltsames und Lehrreiches – Podcasts bieten Vielfalt. Auf einem Linux-Rechner produzieren Sie mit verhältnismäßig wenig Aufwand eine eigene Sendung.

Erster Check in den Systemeinstellungen: Mit dem Applet „Klang“ prüfen Sie, ob das externe Mikrofon korrekt erkannt wurde. Interne Notebook-Mikrofone schalten Sie stumm.
Vergrößern Erster Check in den Systemeinstellungen: Mit dem Applet „Klang“ prüfen Sie, ob das externe Mikrofon korrekt erkannt wurde. Interne Notebook-Mikrofone schalten Sie stumm.

Die Basis: Notwendige Hardware-Ausstattung

Notebooks verfügen über ein internes Mikrofon, dessen Aufnahmequalität für einen Podcast aber nicht ausreicht. Einerseits ist es schwierig, permanent die optimale Position in Richtung des Geräts zu halten, zum anderen beeinträchtigen Umgebungsgeräusche die Qualität. Dagegen können Sie wenig machen, da interne Mikrofone oft an ungünstigen Stellen angebracht sind, wie in der Nähe des Lüfters. Ohne externes Mikrofon geht es daher kaum. Achten Sie beim Einkauf auf die Beschreibungen der Hersteller und deren Empfehlungen. Sprache erfordert eine andere Aufnahmecharakteristik als die Aufnahme von Instrumenten. Ab 50 Euro finden Sie solide Geräte. Für Podcasts genügt auf jeden Fall ein Mikrofon mit USB-Anschluss.

Die Ausstattung wird komplettiert durch ein Stativ und einen Plopp- oder Popschutz: Dies ist eine dünne Membran, die direkt am Mikrofon befestigt werden kann und störende Zischlaute herausfiltert. Nachdem Sie die Komponenten aufgebaut haben, verbinden Sie das Mikrofon mit dem Rechner. Öffnen Sie unter Ubuntu und Co. in den Systemeinstellungen das Applet „Klang“ und dort das Register „Eingang“. In der Liste sollte Ihr Mikrofon auftauchen. Richten Sie es aus und machen Sie eine Stimmprobe. Sprechen Sie mit normaler Stimme. Wenn der Ausschlag bis zur Mitte reicht, dürfte dies bereits für die Produktion ausreichen. Ein zusätzliches internes Mikrofon sollten Sie „Stummschalten“, damit es als Klangquelle nicht berücksichtigt wird.

Musik professionell mit Linux produzieren - so geht's

Achtung: Die erste Aufnahme

Zum Aufnehmen brauchen Sie eine Software. Der Audiorecorder unter Gnome liefert kein brauchbares Ergebnis. Ein guter Kompromiss zwischen Leistungsfähigkeit und einfacher Bedienung ist Audacity. Da Audacity fast überall in den Standard-Repositories verfügbar ist, sind Sie nach wenigen Minuten einsatzbereit.

Audacity konfigurieren: Über die winzigen Listenfelder in der Symbolleiste von Audacity stellen Sie Klangquellen und das Soundsystem ein.
Vergrößern Audacity konfigurieren: Über die winzigen Listenfelder in der Symbolleiste von Audacity stellen Sie Klangquellen und das Soundsystem ein.

Nach dem Programmstart blicken Sie auf einen recht leer wirkenden Bildschirm. In der Mitte des Programmfensters bearbeiten Sie später die Tonspuren. Vor der ersten Aufnahme legen Sie mit „Spuren, Neue Spur erzeugen“ zunächst eine Tonspur an. Entscheiden Sie sich je nach Ihrer Aufnahmequelle für eine Mono- oder Stereospur. Über die Listenfelder am oberen Rand nehmen Sie Einfluss auf die Klang- und Aufnahmequellen. Nutzen Sie als Soundsystem „Alsa“ und zur Wiedergabe „pulse“. Mit dem dritten Feld legen Sie die Aufnahmequelle fest. Betriebsbereite und aktive USB-Mikrofone werden in der Liste als separater Eintrag angezeigt. Andernfalls sind „Pulse Line 0“ oder „Pulse Mic 0“ zu empfehlen. Im rechten Bereich neben den Schaltern mit den bekannten Aufnahme-und Wiedergabeschaltern sehen Sie einen kleinen Pfeil neben dem Symbol eines Mikrofons. Aktivieren Sie in diesem Menü den Eintrag „Aussteuerungsanzeige aktivieren“.

So können Sie bereits während der Aufnahme erkennen, wenn das Signal übersteuert. Drücken Sie jetzt auf den Schalter mit dem roten Kreis, um die Aufnahme zu beginnen. Wenn Sie in das Mikrofon sprechen, sehen Sie einerseits Ausschläge in der Aussteuerung und außerdem einen Frequenzgang in der Tonspur.

Die Aufnahme können Sie jederzeit mit einem Druck auf das rechteckige Symbol beenden. Es ist unwahrscheinlich, eine „Sendung“ ohne Versprecher oder zu lange Pausen zu produzieren. Daher gliedern Sie den Podcast in einzelne Teile (Takes), die Sie separat aufnehmen. Dazu nutzen Sie einzelne Tonspuren, die Sie später kombinieren oder wieder aufteilen.

Vorsicht bei Musik: Sicher, das Einspielen von Musik macht einen Podcast kurzweiliger. Erliegen Sie aber nicht der Versuchung, einfach ein Stück aus Ihrer MP3-Sammlung im Hintergrund abzuspielen oder beim Schneiden zu integrieren. Wenn es sich um kommerzielle Musiktitel handelt, müssen Sie mit Ärger von Seiten der Gema rechnen. Über die – gar nicht einfachen – Details informiert www.gema.de , wenn Sie dort nach „Podcast“ suchen.

Mit Audacity Tonspuren bearbeiten

Das Schneiden von Spuren ist mit Audacity einfach. Dazu vergrößern Sie die Ansicht auf die Tonspur und hören sich den Abschnitt an. Klicken Sie bei gedrückter Umschalttaste auf den Anfang der Sequenz, die Sie löschen wollen. Halten Sie die Umschalttaste gedrückt, und klicken Sie danach auf die Stelle, an der das zu entfernende Stück endet. Mit der Schaltfläche der „Schere“ ist das betreffende Stück entfernt. Um ein vorhandenes Stück zu verschieben, klicken Sie auf die Tonspur der Zeitleiste, deren Position Sie verändern möchten, und danach noch einmal doppelt. Wählen Sie das Verschiebewerkzeug (Icon mit Doppelpfeil), und ziehen Sie die markierte Spur an den Anfang einer anderen Tonspur. Audacity ist so eingestellt, dass der neue Bereich automatisch einrastet.

Die Tonspur zeigt den Verlauf der Aufnahme. Sie ist auch wichtig, wenn Sie aus einzelnen Takes einen Podcast zusammenschneiden wollen.
Vergrößern Die Tonspur zeigt den Verlauf der Aufnahme. Sie ist auch wichtig, wenn Sie aus einzelnen Takes einen Podcast zusammenschneiden wollen.

Den fertigen Podcast bereitstellen

Mit „Datei, Exportieren“ übertragen Sie den Podcast mit Audacity in ein Format, das von den gängigen Programmen wiedergegeben werden kann – in der Regel MP3 oder OGG. Nach Auswahl des Dateiformats erreichen Sie mit „Optionen“ noch weitere Einstellungen, die typisch für das gewählte Format sind, wozu etwa die Sampling-Rate gehört.

Um den Podcast zu veröffentlichen, gibt es diverse Wege: Bei einer eigenen Wordpress-Instanz auf einem Server ist die Installation eines Plug-ins zu empfehlen, damit die Daten auch korrekt übertragen werden . Noch einfacher ist die Veröffentlichung bei einem Spezialanbieter wie Podhost , Podcaster oder Podster . Das kostet zwar eine geringe monatliche Gebühr, erfordert aber sonst keine weiteren Kenntnisse.

Bildergalerie: Die Top 20 der beliebtesten Linux-Distributionen

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 2/2015

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