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Plenoptische Kameras: Die Zukunft der Fotografie?

23.10.2014 | 12:36 Uhr |

Seit einiger Zeit geistern geheimnisvolle Worte durch die Fotowelt: Lichtfeldkamera, Lytro, plenoptisch. Und immer wieder in dem Zusammenhang wird von einer Revolution der Fotografie gemunkelt. Warum eigentlich?

Eine normale Digitalkamera erfasst mit ihrem Sensor Licht. Und zwar dessen Intensität und Farbe. Der Lichtweg und auch die Lichtmenge werden dabei vom Objektiv und der Blende reguliert. Unter anderem lässt sich so auch die Tiefenschärfe beeinflussen – allerdings legt sich der Fotograf hier fest. Sowohl, was den Schärfepunkt angeht als auch die Tiefenschärfe. Zwar lässt sich ein Foto mit hoher Tiefenschärfe nachträglich mit Unschärfemaskenund/oder Weichzeichner künstlich auf weniger Tiefenschärfe trimmen, aber umgekehrt besteht nahezu keine Chance.

Dieser Artikel stammt aus der FotoWelt 1/2014

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Fast wie variable Tilt-Shift-Bilder

Eine neue Kameratechnik allerdings macht es möglich, die Schärfe variabel zu handhaben. Denn hier sorgen Mikrolinsen vor dem Sensor dafür, dass auch die Richtung, aus der das Lichtauftrifft, erfasst wird. Diese Art der Fotografie, bei der ein so genanntes 4D-Lichtfeld aufgenommen wird, bietet einige Vorteile. Unter anderem entfällt der komplette Fokussiervorgang im klassischen Sinne, die Kamera ist sofort einsatzbereit und fotografiert ein Bild mit maximaler Tiefenschärfe. Das könnte man zwar theoretisch auch mit einer klassischen Kamera und kleiner Blendenöffnung, allerdings ist das Lichtfeld-Foto anschließend dynamisch veränderbar. Sie können also die Schärfeebenen beliebig verschieben. Und auch die Perspektive kann bis zu einem gewissen Grade variiert werden. Der Effekt allerdings ist deutlich geringer als bei der Schärfe. Tatsächlich kann man sich das als eine Art 3D-Aufnahme vorstellen, bei der man mit dem Fokuspunkt von vorne nach hinten durch das gesamte Bild wandern kann oder auch variable Tilt-Shift-Aufnahme. Ein weiterer Vorteil dieser Technik: Durch die problemlos veränderbare Perspektive lassen sich per Knopfdruck 3D-Aufnahmen erzeugen, ohne dassdafür eine stereoskopische Kamera oder zwei Kameras auf einer Schiene nötig wären.

Den Schärfebereich dort hinlegen, wo man will, entweder nach vorne oder nach hinten. Allerdings funktioniert das nur mit der speziellen Lytro-Software.
Vergrößern Den Schärfebereich dort hinlegen, wo man will, entweder nach vorne oder nach hinten. Allerdings funktioniert das nur mit der speziellen Lytro-Software.

Bis vor etwa zwei Jahren waren waren entsprechende Kameras für Endkunden völlig uninteressant, weil einfach viel zu teuer. Seit 2012 bietet die US-amerikanische Firma Lytro allerdings ein relativ günstiges Modell an, das für etwa 180 Euro erhältlich ist, je nach Farbe und Speicherausstattung. Nun steht mit der Lytro Illum der Nachfolger in den Startlöchern. Und während die erste Lytro noch eher den Charakter eines Gadgets hatte, ist die Illum mit leistungsfähigem Zoom und Magnesium-Gehäuse eine vollwertige Kamera. Der Preis entspricht etwa demeiner besseren D-SLR, sie soll rund 1.500 Euro kosten. Mit 40 Megaray erfasst sie, einfach gesagt, fast vier Mal so viele Lichtstrahlen wie die Lytro, bei der von Nutzern immer wieder die geringe „Auflösung“ beklagt wurde.

Der Prototyp: Die erste Lichtfeldkamera von Lytro im Test

Umwege in die sozialen Netze

Allerdings bleiben die „Living Pictures– lebenden Bilder“, wie Lytro sie nennt, in der Form zunächst einmal in ihrer Welt beheimatet. Denn letztlich sind die Funktionen wie Perspektivänderung oder Refokussierung nur mit der Lytro-eigenen Software, dem Lytro-Desktop, oder dem entsprechenden Viewer im Webbrowser möglich. Immerhin gibt es den Desktop sowohl für Mac als auch Windows zum kostenlosen Download, und der bietet dann – wenn auch über einen kleinen Umweg - die Option, die Lytro-Aufnahmen mit der Welt zu teilen. Zwar lassen sich Bilder theoretisch auch als JPEG exportieren, dann aber eben statisch oder ggf. als Stereo-Jpeg zur 3D-Betrachtung. Soll der „Living“-Effekt dabei erhalten bleiben, ist es sinnvoller, ein Lytro-Fotoaus dem Desktop in die Lytro-Gallery hochzuladen und von dort dann über die sozialen Netzwerke (Facebook, Google+ oder auch Pinterest zu teilen). Außerdem ist es problemlos möglich, das Bild samt Viewer via iFrame ineine eigenen Webseite oder den eigenen Blog einzubinden, den Quellcode bekommen Sie in der Lytro-Gallery miteinem Mausklick.

Die Lichtfeldfotografie ist mehr als nur reizvoll. Tatsächlich ist sie, wenn die Technik ausgereifter wird, mindestens eine kleine fotografische Revolution. Aktuell kann die Bildqualität noch nicht ganz mit der hochwertiger konventioneller Kameras mithalten, aber man darf gespannt sein, ob sich das mit der Illum und deren Nachfolgern zügig ändern wird.

Die Illum ist die erwachsene Version der ersten Lichtfeldkamera von Lyytro. Sehr viel leistungsfähiger, eine bessere Auuflösung aber auch deutlich teurer.
Vergrößern Die Illum ist die erwachsene Version der ersten Lichtfeldkamera von Lyytro. Sehr viel leistungsfähiger, eine bessere Auuflösung aber auch deutlich teurer.
© Lytro

Weitere Infos im Internet

Mehr über Lichtfeldfotografie finden Sie auf lichtfeldkamera.net. Unter pictures.lytro.com gibt es eine Galerie mit zahlreichen „living pictures“, die zum Ausprobieren einladen. Und wer den Effekt selber einmal ausprobieren möchte, kann dies auch mit seinem Smartphone. Es gibt Apps wie zum Beispiel Touch Focus, die Fotos im Lytro-Stil simulieren.

Die App Touch Focus in Aktion.
Vergrößern Die App Touch Focus in Aktion.
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