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Platz auf der Linux-Systempartition schaffen

17.03.2015 | 17:09 Uhr |

Ihr Rechner weigert sich, auf der Systempartition Daten zu speichern? Und Sie erhalten die Rückmeldung, dass zu wenig Speicherplatz zur Verfügung steht? Mit den folgenden Maßnahmen bekommen Sie das Problem in den Griff.

Sie wollen eigentlich nur ein Dokument unter Libre Office speichern, aber das Programm meldet Ihnen, dass kein Speicherplatz mehr zur Verfügung steht? Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass sich Ihre Partition tatsächlich schleichend langsam mit immer mehr Benutzerdaten gefüllt hat. Jedoch laufen auf einem Linux-System mit modernem Desktop zahlreiche Prozesse und Programme, die ständig Daten auf die Festplatte schreiben. Und es gibt Szenarien, wo der Plattenplatz quasi im Sekundentempo dahinschmilzt, weil ein Prozess außer Kontrolle in der Endlosschleife auf die Platte schreibt.

Auf die Schnelle Platz schaffen

Ubuntu ist so konfiguriert, dass heruntergeladene Pakete in einem Zwischenspeicher auf dem System verbleiben. Das bietet den Vorteil, dass eine Neuinstallation des gleichen Pakets später ohne Download und somit viel schneller geht. Dieser Service kostet aber auch Speicherplatz. Dieser Zwischenspeicher bietet sich als erster Kandidat an, um rasch viel neuen Plattenplatz zu gewinnen. Starten Sie ein Terminal und geben dort folgenden Befehl ein:

sudo apt-get clean

Üblicherweise kommen so schon einmal einige Gigabyte zusammen, die Ihnen helfen, einen akuten Notstand zu beseitigen. Wenn Sie dies ausgeführt haben, sollten Sie der Sauberkeit halber auch die zugehörigen Logdateien löschen. Das geht am einfachsten mit dem Dateimanager Nautilus mit root-Rechten:

sudo nautilus

Unter „/var/log“ finden Sie zahlreiche Protokolle. Sobald die Dateinamen mit einer Zahl ergänzt worden sind, handelt es sich um Protokolle für das Archiv. Diese können Sie ebenfalls löschen.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 6/2014

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Plattenbelegung und Speicherfresser kontrollieren

Sehen Sie sich danach die Belegung der Systempartition an. Auf der Konsole können Sie sich mit

sudo du -hs /

den verbrauchten Speicherplatz des gesamten Systems ansehen. Hübscher ist sicherlich die grafische Darstellung eines Spezial-Tools: Installieren Sie sich mit

sudo apt-get install gdmap

die Software Graphical Disk Map. Nach dem Start des Programms müssen Sie mit Klick auf das Dateisymbol das Verzeichnis auswählen, das Sie untersuchen wollen.

Anschließend baut die Software eine Grafik zusammen, auf der viele Rechtecke angeordnet sind. Sie entsprechen in den Proportionen dem genutzten Speicherplatz. Durch Anklicken der besonders großen Felder finden Sie schnell besonders große Verschwender von Speicherplatz heraus.

Gelöschte Daten in Linux retten

Temporäre Dateien löschen

Der Browser benutzt einen Cache, und auch der Dateimanager greift auf einen Zwischenspeicher zurück. Das alles konsumiert Speicherplatz. Während Sie den Cache des Browsers über dessen Oberfläche löschen (etwa nach Strg-Umschalt-Entf unter Firefox und Chrome), erreichen Sie den Zwischenspeicher des Dateimanagers, wenn Sie mit „Ansicht -> Verborgene Dateien anzeigen“ die versteckten Dateien einblenden. In Ihrem Benutzerverzeichnis finden Sie den Ordner „.cache“, darin unter anderem „thumbnails“, die Sie unbeschadet löschen dürfen. Mit Ubuntu-Tweak gibt es ein praktisches Programm, das Ihnen beim Entfernen nicht benötigter Dateien hilft und die manuelle Suche abnimmt. Das Tool installieren Sie mit folgendem Dreischritt von der Projektseite:

sudo add-apt-repository ppa:tualatrix/ppa sudo apt-get update sudo apt-get install ubuntu-tweak

In der laufenden Software ist dann die Option „Hausmeister“ der einschlägige Bereich. Dort klicken Sie versuchsweise die verschiedenen Einträge auf der linken Seite an und sehen auf der rechten Seite, wie viel Speicher freigemacht werden könnte. Erst wenn Sie auf der rechten Seite die Elemente anhaken und auf „Aufräumen“ klicken, löschen Sie die Dateien.

„Hausmeister“: Diese Unterfunktion in Ubuntu Tweaks löscht temporäre und andere überflüssige Dateien. Dank des Probelaufs haben Sie die volle Kontrolle darüber, was passiert.
Vergrößern „Hausmeister“: Diese Unterfunktion in Ubuntu Tweaks löscht temporäre und andere überflüssige Dateien. Dank des Probelaufs haben Sie die volle Kontrolle darüber, was passiert.

Wild gewordene Prozesse zähmen

Platz schaffen gerät zur ineffektiven Sisyphus-Aktion, wenn ein fehlerhaftes Programm unkontrolliert auf die Platte schreibt. Sofern Sie feststellen, dass Plattenplatz erneut stetig schwindet, brauchen Sie einen Task-Manager zur Analyse. Unter Ubuntu und Linux Mint verwenden Sie dazu die „Systemüberwachung“ (gnome-systemmonitor). Gehen Sie dort auf die Registerkarte „Prozesse“ und unter „Ansicht“ auf „Alle Prozesse“. Die Festplattenzugriffe sind dort zwar nicht protokolliert (und auch unter „Bearbeiten -> Einstellungen -> Prozesse -> Informationsfelder“ nicht aktivierbar), aber die CPU-Auslastung ist meistens auch ein ausreichender Indikator. Wer es noch genauer wissen will, kann das Tool atop nachinstallieren, das in der Spalte „WRDSK“ Prozesse mit hoher Festplattenaktivität entlarvt. Suspekte oder fehlerhafte Prozesse lassen sich in der „Systemüberwachung“ nach Rechtsklick mit „Prozess beenden“ (SIGTERM) oder „Prozess abwürgen“ (SIGKILL) gewaltsam schließen.

Platz durch Umschichten von Partitionen

Sie haben keinen verdächtigen Prozess gefunden, Sie haben alles an temporären Dateien gelöscht, aber trotzdem ist der Speicherplatz knapp? Oft befinden sich auf der Platte noch weitere Partitionen mit genügend Kapazität. Dann können Sie diese verkleinern, um eine weitere Linux-Partition einzurichten. Auf dieser neuen Partition speichern Sie dann die Dokumente aus Ihrem Benutzerverzeichnis. Achtung: Die nachfolgend skizzierte Aktion gilt nur für das Home-Verzeichnis eines Benutzers, nicht für „/home“ insgesamt.

Machen Sie besser zunächst ein vollständiges Backup Ihrer Daten. Erst dann starten Sie das Live-System von Ubuntu und starten das Programm Gparted. In der Liste der gefundenen Einträge suchen Sie nach der Partition, die noch freie Kapazitäten bietet. Markieren Sie diese, und nutzen Sie die Option „Größe ändern / verschieben“ aus dem Menü „Partition“. Verkleinern Sie jetzt die Partition. Ist dies erfolgreich abgeschlossen, ergibt sich ein neuer Speicherbereich, den Gparted als „nicht zugeteilt“ kennzeichnet. Diesen klicken Sie an und anschließend auf das Symbol eines „Neuen Dokuments“ in der Werkzeugleiste. Wählen Sie nun in Gparted eine erweiterte Partition und als Dateisystem dasselbe, mit dem auch die Linux-Partition arbeitet. Danach starten Sie mit „Bearbeiten -> Alle Aktionen ausführen“ alle Aufgaben.

Beim Rest hilft das Kommando-Tool usermod weiter. Die Hilfeseiten nach man usermod bringen weitere Erklärungen, wie Sie die Benutzerdokumente verschieben können und Linux dazu bringen, den neuen Ordner zu verwenden. Dabei legen Sie mit dem Schalter „-d [Neues Verzeichnis]“ den gewünschten Ordner auf der neuen Partition fest. Mit dem Parameter „-m“ sorgen Sie zusätzlich dafür, dass die bisher genutzten Daten in das neue Verzeichnis verschoben werden.

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