Effiziente Server

Planungsfehler frühzeitig erkennen

Ist die virtuelle Infrastruktur aufgebaut, offenbaren sich beim Überführen der physischen Server in virtuelle Maschinen (P2V) bereits die ersten Planungsfehler. Mangelhafte Inventarisierung der Virtualisierungskandidaten führt zu Leistungsengpässen, zu Problemen mit inkompatiblen Anwendungen oder zu Lizenzierungsproblemen. Noch vor der Hardware-Beschaffung muss also eine gründliche Kapazitätsplanung klären, welche Ressourcen die existierenden Systeme voraussetzen.
Der hoch ausgelastete Datenbank- oder Exchange-Server ist kein guter Virtualisierungskandidat. Zum einen wird er im Extremfall einen ganzen Host für sich allein beanspruchen, zum anderen erreicht er wegen des Virtualisierungs-Overheads nicht die optimale Leistung. Kandidaten mit sehr hohen Anforderungen sollten auch zukünftig auf "physischer Hardware" laufen.
Kriterien sind CPU-Last, Hauptspeicherbedarf, Netzwerkleistung und vor allem der Festplattendurchsatz. Allerdings residieren viele vorhandene Installationen oftmals auf älterer Hardware und laufen dank leistungsfähiger Hosts trotz Virtualisierung schneller als vorher.
Auch die Anforderungen gering ausgelasteter VMs summieren sich und können Leistungsengpässe auslösen. Noch schwieriger zu erkennen sind Lastspitzen einzelner Anwendungen, etwa Monatsläufe. Beim frühzeitigen Aufspüren solcher Probleme helfen Tools zur Kapazitätsplanung, wie Vmware Capacity Planner oder Platespin PowerRecon. Sie erfassen automatisch die Last der vorhandenen Systeme über einen repräsentativen Zeitraum. Vmware Capacity Planner bietet den Vorteil, dass er anhand der erfassten Daten über eine Auswertung im Vmware Data Warehouse konkrete Empfehlungen zum Aufbau der virtuellen Infrastruktur liefert. Capacity Planner steht Vmware-Partnern für deren Kunden zur Verfügung. Unter Vmware Infrastructure 3.5 ist der Capacity Planner in abgespeckter Version als Vmware Guided Consolidation bereits ins Virtual Center integriert und erleichtert in kleineren Umgebungen den geführten Einstieg in die Virtualisierung.
Kapazitäten sollten nicht zu knapp bemessen sein. Beim Ausfall eines Hosts müssen alle Gastsysteme auf den verbleibenden Servern laufen können. Auch zukünftige VMs sind einzuplanen, denn viele Umgebungen wachsen schneller als gedacht. Werden zusätzliche Kapazitäten in Form neuer Hosts hinzugefügt, dann sollten diese über gleiche CPU-Modelle verfügen, um weiterhin Live-Migrationen innerhalb der Serverfarm zu ermöglichen.
Hauptargument für die Virtualisierung ist die angestrebte Kostenersparnis. Deshalb muss eine intelligente Ressourcenverwaltung die vorhandenen Potenziale der angeschafften Hardware optimal nutzen. Ansonsten liegen an einer Stelle Ressourcen brach, die anderweitig benötigt werden. Vmware ESX-Server kann den Gästen Leistung per Reservierung zusichern, per Limit begrenzen und per Shares proportional verteilen. Das funktioniert für einzelne VMs oder für ganze Bereiche mittels so genannter Ressource-Pools. Die Funktion Distributed Resource Scheduler (DRS) fasst mehrere Hosts zu einem Cluster zusammen und sorgt für eine optimale Ausnutzung ihrer Ressourcen mittels Load Balancing. Gleichzeitig vereinfacht DRS die Einbindung neuer Server im laufenden Betrieb.
Inkompatible Hardware meiden
Neben der Leistung ist auch die Kompatibilität der Virtualisierungskandidaten zu betrachten, um bei der Planung keine Systeme zu übersehen, die gar nicht in einer VM funktionieren. So unterstützt kein Virtualisierer ISDN-Karten oder andere Spezial-Hardware. Der Virtualisierungslayer gaukelt den Gastsystemen immer einen standardisierten Satz virtueller Hardware vor und verhindert den direkten Zugriff auf physische Komponenten. Einzige Ausnahme bilden serielle und parallele Ports. Vmware ESX-Server unterstützt auch keine USB-Geräte. Mehr als einmal wurde erst nach dem P2V-Vorgang bemerkt, dass eine Gast-Applikation einen USB-Dongle benötigt.
Die emulierten Grafikkarten stellen ebenfalls nicht alle Funktionen zur Verfügung. Manche der genannten Beschränkungen lassen sich umgehen. Für eine Fax-Software in einer VM bietet sich ein LAN-CAPI an, und USB-Geräte oder Dongles können mittels USB-over-IP-Lösungen an den Gast durchgereicht werden. Bei speziellen Steckkarten im PCI-Slot ist allerdings Schluss, solche Applikationen lassen sich nicht virtualisieren.
Um auf nachträglich festgestellte Probleme reagieren zu können, sollte die alte Hardware noch einige Tage bereitstehen, um Systemeinstellungen zu überprüfen oder Fehler abzugleichen. Im Notfall kann das virtualisierte System wieder auf die ursprüngliche Hardware übertragen werden.

Im zweiten Teil dieses Beitrags lesen Sie über die häufigsten Probleme bei der Virtualisierung.
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