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Photoshop, Reader und Air unter Linux nutzen - ein Überblick

19.12.2014 | 09:45 Uhr |

Adobe Photoshop nutzen? Mit dem originalen Adobe Reader PDFs ausfüllen? Das aktuellste Flash-Plugin verwenden? Spiele mit Air-Basis daddeln? Das ist mit Linux alles ein Problem. Ein Überblick.

Linux-Nutzer feierten kürzlich die Veröffentlichung eines „echten“ Photoshop für Linux. Richtig gelesen: Seit Adobes Photoshop-Streaming über die Creative Cloud die Beta-Phase für Chrome hinter sich gelassen hat, dürfen Linux-User die Software endlich offiziell gebrauchen.

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Das liegt aber nicht daran, dass Adobe sich plötzlich Hals über Kopf in Linux verliebt hätte. Im Gegenteil scheint jedwede Unterstützung, die Adobe dem Betriebssystem und seinen Nutzern zusichert, geradezu zufällig und willkürlich. Adobe ist Linux seit jeher aus dem Weg gegangen und hat sein Software-Repertoire für die Plattform in den vergangenen paar Jahren immer weiter abgebaut: Reader, Flash und AIR für Linux wurden allesamt ersatzlos gestrichen. Was so manchen Linux-Nutzer aber nicht stören dürfte, insbesondere soweit es Flash betrifft.

Adobe Reader

Der Adobe Reader war noch nie der beste PDF-Reader für Linux. Die Plattform stand aus Adobes Sicht immer hinter Windows und Mac zurück. Immerhin gab es ihn aber, den Adobe Reader für Linux. Doch während die Versionen für Windows und Mac schon bei Update 11 angelangt waren, dümpelten Linux-Nutzer noch immer mit Versionsnummer Neun herum. Vor einiger Zeit ist der Adobe Reader für Linux aber komplett aus dem Download-Archiv des Herstellers geflogen. Keine große Überraschung, denn offiziell bietet Adobe auch keine Unterstützung für den Linux-Reader mehr an. Sicherheitslücken, die niemals durch einen Patch behoben werden, sind daher unvermeidlich.

Das Ausfüllen eines PDF-Formulars mit dem mittlerweile eingestellten Adobe Reader für Linux.
Vergrößern Das Ausfüllen eines PDF-Formulars mit dem mittlerweile eingestellten Adobe Reader für Linux.
© PC World

Als „normaler“ Linux-Nutzer stört Sie diese Tatsache vermutlich wenig. Denn Linux bringt von Haus aus gute, integrierte PDF-Software wie Evince für Gnome und Okular für KDE mit. Chrome und Firefox haben ebenfalls ihre eigenen PDF-Tools. Gut möglich also, dass Sie den Adobe Reader ohnehin nie benutzt haben.

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Unglücklicherweise wird der Adobe Reader aber immer noch gebraucht. Denn er unterstützt die „erweiterten Formulare“, die oft benutzt werden, um behördliche Dokumente in PDF-Form auszufüllen – und kein Open-Source-PDF-Reader für Linux besitzt derzeit ebenfalls diese Funktion. Zudem bringt der Adobe Reader noch andere Features mit, etwa Animationen und eingebettete 3D-Modelle. Für all das gibt es noch keine Alternative auf Linux.

Adobe Flash

Adobe hat sein Flash-Player-Plug-in für Linux bereits 2012 eingefroren und auf reinen „Erhaltungsmodus“ umgeschaltet. Wenn Sie Firefox auf Windows oder Mac verwenden, nutzen Sie den Flash Player in Version 15. Firefox auf Linux läuft dagegen noch mit Version 11.2. Glücklicherweise stellt Adobe immerhin noch Sicherheitsupdates für diese Version für die nächsten 3 Jahre zur Verfügung. So haben Nutzer immerhin noch Zeit bis 2017, bis das Plug-in unbrauchbar wird. Allerdings benötigt mancher Flash-Inhalt schon jetzt eine modernere Version des Flash-Players…

Linux-User haben hier also keine große Wahl. Die Linux-Version von Chrome bringt ein aktuelles Flash-Plug-in mit, welches die Pepper Plug-in API nutzt. Mozilla hingegen plant derzeit nicht ein neues Plugin für Flash einzuführen. Somit können Linux-Anwender nur mit dem Chrome-Browser das aktuelle Flash-Plugin verwenden.

Adobe AIR

Adobe hat auch den Support für die Laufzeitumgebung Adobe Air für Linux eingestellt. Und zwar mit Version 2.6. Diese Entscheidung dürften die meisten Linux-Anwender mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen haben – wer braucht schon Air? Allerdings sehen das Spiele-Entwickler etwas anders, insbesondere Steam nutzt Adobe Air. Somit laufen alle Spiele, die die Air-Runtime voraussetzen nur auf Windows und MacOS, nicht aber auf Linux-Maschinen. Einige Spiele wie beispielsweise Defender's Quest bekommt man unter Umständen mit einem Workaround mit Adobe AIR auf Linux-PCs zum Laufen.

Defender's Quest läuft mit Adobe AIR auf Linux-PCs. Es gibt einen Workaround dafür, wie man AIR für Linux separat herunterlädt und zum Laufen bekommt – meistens.
Vergrößern Defender's Quest läuft mit Adobe AIR auf Linux-PCs. Es gibt einen Workaround dafür, wie man AIR für Linux separat herunterlädt und zum Laufen bekommt – meistens.
© PC World

Fazit: Adobe Photoshop lässt sich zumindest auf Chromebooks nutzen. Und das neueste Flash-Plugin gibt es für den Chrome-Browser auf Linux-Rechnern. Das war es dann aber auch schon mit Adobes Unterstützung für das quelloffene, kostenlose, nahezu virenfreie und zuverlässige Betriebssystem Linux.

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