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Pepper Flash statt Adobe: So bringen Sie das Chrome-Plug-in zum Linux-Firefox

27.04.2016 | 14:55 Uhr |

Obwohl Adobe Flash bereits angezählt ist, hält es sich im Web erstaunlich hartnäckig. Neue Linux-Versionen von Flash gibt es nur in Form von Pepper-Flash für Google Chrome. Dieses Plug-in kann auch unter Firefox arbeiten.

Nicht erst seit der Einführung von HTML5, die Ende 2014 offiziell abgeschlossen war, gilt Adobe Flash als überholte Technologie. Apple machte vier Jahre zuvor Stimmung gegen Flash und Facebook forderte kürzlich von Adobe ein offizielles Ende des Browser-Plug-ins, zumal Flash in letzter Zeit immer wieder gravierende Sicherheitslücken enthielt. Sogar Adobe räumt ein, dass Flash und das nah verwandte Shockwave als Webtechnologie schwer angeschlagen und auf dem Weg auf das Abstellgleis sind: Aus der Animationssoftware Flash Professional des Herstellers wurde jetzt Animate CC, das HTML5 mit Javascript als Standard nutzt und Flash nur noch aus Gründen der Abwärtskompatibilität unterstützt.

Lese-Tipp: Adobe warnt vor Sicherheitslücke in Flash

Pepper-Flash als Ausweg

Obwohl über Flash die Geier kreisen, hält es sich hartnäckig in einigen Winkeln des Webs. Linux-Anwender, die auf Flash nicht komplett verzichten können, mussten in Firefox bisher mit der alten Flash-Version 11.2 samt ihrer Instabilitäten vorliebnehmen. Denn das Flash-Plug-in für Linux, das in Firefox zur Darstellung dieser Inhalte dient, wird schon seit 2012 nicht mehr weiter entwickelt.

Die Versionsnummer ist auf 11.2 eingefroren: Es gibt nur noch Sicherheitspatches und keine neuen Funktionen oder größere Bugfixes mehr. Lediglich Pepper-Flash, das in Googles Chrome-Browser vorinstalliert ist, steht unter Linux noch in der aktiven Entwicklung.

Es gibt unter Firefox trotzdem einen Weg zur aktuellen Flash-Version: Das Plug-in Freshplayer ist ein Softwareadapter, der das neuere Pepper-Flash von Chrome in Firefox verfügbar macht. Was als Experiment begann, ist inzwischen stabil genug, um das native Flash-Plug-in für Firefox unter Linux zu ersetzen.

Zudem ist die Einrichtung in Ubuntu und seinen Derivaten nicht mehr kompliziert und setzt neben dem Freshplayer nur eine zusätzlich installierte Bibliothek des Chrome-Browsers voraus, der die Pepper-Flash-Bibliothek liefert.

Lese-Tipp: Browsertest: Vivaldi vs Firefox, Chrome, Edge und Opera im Vergleich

Installation in Debian und Ubuntu

Pepper-Flash steht unter keiner Open-Source-Lizenz, darf aber als Binary weitergegeben werden. In den Ubuntu-Paketquellen ist es (ohne Google Chrome) im Standard-Repository „Multiverse“ vorhanden. Der Befehl

sudo apt-get install pepperflash plugin-nonfree

installiert Pepper-Flash als einzelnes Paket. In dieser Form funktioniert es unter Firefox noch nicht, sondern verlangt den Freshplayer. Diesen gibt es im Quelltext von der Github-Webseite des Entwicklers ( https://github.com/ i-rinat/freshplayerplugin ) und als fertiges Paket über ein PPA. Fügen Sie die Quelle mit

sudo add-apt-repository ppa:nilarimogard/webupd8

hinzu, und installieren Sie dann den Freshplayer:

sudo apt-get update
sudo apt-get install freshplayer plugin

Ab dem nächsten Start von Firefox ist Pepper-Flash anstatt des alten Flash-Plug-ins aktiv, was sich beispielsweise über einen Besuch auf der offiziellen Testwebseite www.adobe.com/de/software/flash/about prüfen lässt.

Auf der Adobe-Testseite lässt sich die Funktion von Flash sowie die Version überprüfen.
Vergrößern Auf der Adobe-Testseite lässt sich die Funktion von Flash sowie die Version überprüfen.

Freshplayer für andere Distributionen

Debian: Für Debian gibt es kein PPA, aber der Freshplayer kann mit etwas höherem Aufwand auch zuverlässig eigenhändig kompiliert werden.

1. In Debian liefert das Repository „non-free“ ebenfalls Pepper-Flash von Google, das wie in Ubuntu mit

sudo apt-get install pepperflash plugin-nonfree

zu installieren ist.

2. Zum Kompilieren von Freshplayer holen Sie mit

sudo apt-get install cmake gcc g++ git pkg-config ragel libasound2-dev libssl-dev libglib2.0-dev libconfig-dev libpango1.0-dev libgl1-mesa-dev libevent-dev libgtk2.0-dev libxrandr-dev libxrender-dev libxcursor-dev libv4l-dev libgles2-mesa-dev libavcodec-dev libva-dev libvdpau-dev libdrm-dev libpulse-dev git

alle benötigten Abhängigkeiten.

Freshplayer kompilieren: In Fedora muss der Freshplayer aus dem Quelltext gebaut werden.
Vergrößern Freshplayer kompilieren: In Fedora muss der Freshplayer aus dem Quelltext gebaut werden.

3. Danach holen Sie sich den Quellcode des Freshplayers für Firefox mit diesem Befehl von Github:

git clone https://github.com/i-ri nat/freshplayerplugin.git

4. Wechseln Sie dann mit

cd freshplayerplugin

in das Verzeichnis des zuvor heruntergeladenen Quellcodes und kompilieren Sie den Freshplayer mit

mkdir build && cd $_
cmake ..
make

5. Sobald der Compiler fertig ist, befördern Sie den Freshplayer mit dem Kommando

sudo cp libfreshwrapper-flashplayer.so /usr/lib/mozilla/plugins/

in das Plug-in-Verzeichnis von Firefox/Iceweasel.

Lese-Tipp: Linux-Top-20 - So finden Sie Ihr Lieblings-Linux

Fedora: In dieser Distribution liefert Google Chrome die benötigte Bibliothek für Pepper-Flash. Gehen Sie zur Installation auf www.google.de/chrome/browser/desktop , und installieren Sie das dort angebotene RPM-Paket des Browsers. In Fedora ist dann zum Kompilieren die Installation mehrerer Pakete erforderlich:

sudo dnf install cmake gcc gcc-c++ pkgconfig ragel alsa-lib-devel openssl-devel glib2-devel pango-devel mesa-libGL-devel libevent-devel gtk2-devel libXrandr-devel libXrender-devel libXcursor-de vel libv4l-devel mesa-libGLES-devel ffmpeg-devel libva-devel libvdpau-devel libdrm-devel pulseaudio-libs-devel

Anschließend kann Freshplayer so kompiliert und eingerichtet werden wie unter Debian (ab Schritt 3). Mit

cp libfreshwrapper-flashplayer.so ~/.mozilla/plugins/

wird der Freshplayer dann ins Plug-in-Verzeichnis kopiert.

Open Suse: Ein Kompilieren ist in Open Suse 13.2 und Leap nicht notwendig. Installieren Sie zuerst Google Chrome. Danach liefert der Build-Service auf https://build.opensuse.org/package/show/multimedia:apps/freshplayerplugin ein inoffizielles Paket zur komfortablen 1-Klick-Installation.

Klicken Sie rechts oben auf den Link „Download Package“, um das Repository und das Paket einzurichten.

Flash und DRM

Einige Anbieter von Video on Demand schützen ihre Inhalte im Web über DRM (Digital Rights Management), damit nur Geräte mit passender Lizenz die Inhalte wiedergeben dürfen. Adobe Flash ist neben Silverlight und HTML5 einer der Wege, DRM-Inhalte abzuspielen. Unter Linux ist Flash und DRM kein gutes Paar: Die DRM-Fähigkeiten von Flash sind in allen Linux-Versionen des Plug-ins deaktiviert – ausgenommen unter Chrome-OS. Der Grund ist, dass es unter Linux nicht möglich ist, die Aufzeichnung eines geschützten Streams mit DRM auf dem Client-PC zu verhindern. Auch Pepper-Flash wird also unter Linux keine DRM-Inhalte abspielen. Für Linux-Anwender, die Videos von Amazon Prime oder Netflix abspielen möchten, ist aktuell (Stand Dezember 2015) nur die Wiedergabe in Google Chrome möglich. Dieser Weg nutzt nicht Flash, sondern HTML5-Videos mit DRM-Erweiterungen.

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