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Tauschbörsen legal nutzen

18.04.2009 | 09:11 Uhr |

Die Gesetzeslage scheint eindeutig: Nutzer von P2P-Netzen verletzen Urheberrechte und riskieren hohe Strafen. Also Finger weg von Tauschbörsen? Wir sagen Ihnen, was Sie tauschen dürfen - ganz legal.

Browser und Mailprogramm setzt wahrscheinlich jeder mehrmals täglich ein. Trotzdem ist der Anteil von Web-Seiten und Mails am gesamten Datenaufkommen im Internet relativ gering. Auch Internet-Telefonie und Video-Streaming fallen bisher kaum ins Gewicht. Die größte Datenflut (50 bis 95 Prozent, Stand: Ende 2007, Quelle: ipoque.de/ ) erzeugen nach wie vor Peer-to-Peer-Netzwerke (P2P) wie Bit Torrent oder Edonkey 2000. Das Austauschen von Videos, Musik, Software und E-Books spielt also eine größere Rolle als alle anderen Internet-Dienste zusammengenommen. Dazu kommen noch die Dateien, die über Newsgroups heruntergeladen werden.

Legal oder illegal? Viele dieser Dateien sind wahrscheinlich illegalen Ursprungs. Aktuelle Kinofilme, TV-Mitschnitte, MP3s und geknackte Software werden millionenfach über P2P-Netze verteilt. Aber nicht alles ist illegal. Im Angebot befinden sich auch Open-Source-Programme und Linux-Distributionen, private Videos und Fotos, selbst erstellte MP3s und Software-Demo-Versionen. Besonders bei umfangreichen Dateien geht das Herunterladen über P2P oft schneller als mit dem Web-Browser. Beim Anbieter verringert das Verfahren die Datenmenge, die übertragen werden muss, was Kosten sparen hilft. Um an P2P-Netzen teilzunehmen, braucht man spezielle Software, einen P2P-Client, dessen Einsatz völlig legal ist. In Konflikt mit der Justiz kommen Sie erst, wenn Sie urheberrechtlich geschütztes Material anbieten oder herunterladen. Wir zeigen Ihnen, wie P2P-Netze und Newsgroups funktionieren, wie Sie die P2P-Software einrichten und nutzen und wie Sie legale von illegalen Inhalten unterscheiden.

Infrastruktur im P2P- und Server-basierten Netz
Vergrößern Infrastruktur im P2P- und Server-basierten Netz
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P2P: Die Technik
Peer to Peer (P2P) steht für eine gleichberechtigte Verbindung zwischen mehreren (privaten) Computern. Jeder Teilnehmer nimmt Dienste des Netzwerks in Anspruch und bietet sie gleichzeitig selbst an. Damit der Dateitausch funktioniert, gibt es einen Zwangs-Upload. Sobald die ersten Teile einer Datei auf Ihrer Festplatte liegen, werden sie auch schon wieder an andere Teilnehmer weitergegeben.
Das P2P-Verfahren steht im Gegensatz zum Server-basierten Netzwerk, wie es beispielsweise beim Download einer Datei von einer Internet-Seite (Web-Server) über den Web-Browser zum Einsatz kommt. Es ist allerdings auch etwas komplizierter, weil Sie zuerst Client-Software und Firewall konfigurieren müssen. Dafür werden Sie aber durch ein reichhaltiges Angebot und bei Programmen wie Emule auch durch eine unkomplizierte und schnelle Suchfunktion entschädigt.

Geben und nehmen: So funktionieren Peer-to-Peer-Netze
Ganz ohne Server kommen aber auch P2P-Netzwerke nicht aus, denn das Tauschprogramm muss ja erfahren, bei welchem Mitglied des Netzwerks die gewünschte Datei zu finden ist. Wie die Kommunikation zwischen Client und Server genau abläuft, ist bei jedem P2P-Netz etwas anders. Nachfolgend finden Sie zwei Beispiele.
Emule: Dieser verbreitete Tauschbörsen-Client unterstützt mit Edonkey 2000 (eD2k) und Kademlia zwei unterschiedliche Netzwerk-Infrastrukturen, die in der Regel gleichzeitig zum Einsatz kommen. Im eD2k-Netz verbindet sich jeder Client erst einmal mit einem Server, und der Server überprüft, ob der Datenaustausch problemlos möglich ist. Danach übermittelt das Programm die Liste der für den Tausch freigegegeben Dateien. Jede Datei ist durch einen eindeutigen Hash-Wert (Prüfsumme) gekennzeichnet, der eine Identifikation auch bei abweichenden Dateinamen ermöglicht. Der Server speichert Dateilisten und zugehörige Clients und stellt diese für die Suche zur Verfügung. Der Transfer der Dateien erfolgt dann ausschließlich zwischen den Clients. Der Server ist daran nicht beteiligt. Das Kademlia-Netzwerk funktioniert etwas anders, denn es kommt ohne Server aus. Nur die Adresse eines anderen Emule-Clients muss bekannt sein. Jeder PC übernimmt hier Server-Aufgaben und verwaltet dabei Dateilisten und Suchanfragen.

Bit Torrent: Bit-Torrent-Netzwerke benötigen in der Regel ebenfalls einen Server, der hier den Namen Tracker trägt (englisch "to track": verfolgen). Die Tracker dienen nur dazu, Informationen über eine Datei und der am Download beteiligten Rechner (Schwarm) zu vermitteln. Eine Suchfunktion gibt es nicht. Für jeden Download benötigen Sie zuerst eine Torrent-Datei, die Sie über eine Web-Seite oder ein Forum herunterladen und mit dem Bit-Torrent-Client öffnen. Die Torrent-Datei enthält Infos über den Tracker und die Datei, die Sie herunterladen möchten. Ist der Tracker nicht mehr verfügbar, können Sie die gewünschte Datei auch nicht mehr herunterladen.

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