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Pannen und Lösungen in Linux

27.06.2014 | 11:09 Uhr |

Auch unter Linux gibt es Pannen. Dieser Beitrag befasst sich mit einigen lästigen Problem-Klassikern, die häufiger auftreten, aber leicht in den Griff zu bekommen sind.

Unity-Desktop restaurieren

Problem: Nach einer Deinstallation des Unity-Desktop und der Verwendung einer anderen Oberfläche als Gnome 3 ist die Rückkehr zu Ubuntus Standard-Desktop meist nicht ganz problemlos. Nach

sudo apt-get install unity sudo apt-get install ubuntu-desktop

lässt sich Unity nicht korrekt starten: Die Starterleiste fehlt ebenso wie das Haupt-Panel, Programmfenster zeigen keine Titelleisten.

Lösung: Bis Ubuntu 12.04 hilft dieser Troubleshooting-Befehl:

unity –replace

In neueren Versionen setzen Sie mit

dconf reset -f /org/compiz/

zunächst die Fensterverwaltung zurück. Danach können Sie Unity direkt aus dem Terminal starten und dabei mit diesem Kommando

unity --reset-icons & disown

die Starterleiste mit den Standard-Icons restaurieren. Wenn sich bestimmte Einstellungen wie etwa die Icon-Größe in der Starterleiste auf normalem Weg über „Systemeinstellungen -> Darstellung“ nicht mehr beeinflussen lassen, verwenden Sie den Compiz-Config-Einstellungs-Manager (ccsm). Über dessen „Ubuntu Unity Plugin“ sollten alle Einstellungen gelingen.

Praktische Tricks für Linux-Desktops

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Nach Unity-Desktop-Problemen: Ein reinstalliertes Unity ist oft zickig und nur noch über das Ubuntu Unity Plugin des Compiz-Config-Einstellungsmanagers zu steuern.
Vergrößern Nach Unity-Desktop-Problemen: Ein reinstalliertes Unity ist oft zickig und nur noch über das Ubuntu Unity Plugin des Compiz-Config-Einstellungsmanagers zu steuern.

Störrische Programme beenden

Problem: Grafische Programme lassen sich normalerweise über das Menü oder über „x“-Control in der Titelleiste beenden. Wenn sich das Programm aber aufgehängt hat, funktioniert diese normale Art des Beendens nicht. Ein Sonderfall ist ferner das grafische X-Window-System, das Sie nach einem Hänger irgendwie neu starten müssen.

Lösung: Grafische Programme inklusive des Terminals kann das Tool xkill zuverlässig beenden. xkill hat gegenüber Kommandozeilen-Varianten wie killall den großen Vorteil, dass Sie den Programmnamen nicht wissen müssen und keine Prozess-ID benötigen. xkill können Sie mit dem gleichnamigen Befehl im Terminal aufrufen. Dabei verwandelt sich der Mauszeiger in ein Kreuz, mit dem Sie das störrische Programmanklicken und damit beenden.Idealerweise sollte xkill mit einer globalen Tastenkombination verknüpft sein, die es jederzeit aufruft. Einige Distributionen verwenden den Hotkey Strg-Alt-Esc, in den meisten Linux-Varianten ist allerdings kein globaler Hotkey voreingestellt. Holen Sie das unter „Systemeinstellungen -> Tastatur -> Tastaturkürzel“ nach, indem Sie dort xkill unter „Eigene Tastaturkürzel“ eintragen und dem Programm durch Drücken der Tastenkombination Strg-Alt-Esc diese zuweisen.

Um die grafische X-Window-Oberfläche zu beenden, gehen Sie mit der Tastenkombination Strg-Alt-F2 zur Konsole. Dort beenden Sie mit:

sudo killall Xorg

die Oberfläche. Die Aktion bringt Sie zurück zur grafischen Anmeldung.

Kontenanmeldung scheitert

Probleme: Die häufigsten Ursachen einer scheiternden Kontenanmeldung sind ein defekter Desktop oder ein Zugriffsproblem auf eine wichtige Datei des X-Servers. Im ersten Fall erscheint typischerweise eine Fehlermeldung wie „Failed to load session…“. Dem zweiten Fall geht in der Regel ein Systemabsturz oder Stromausfall voraus; dann startet das System zwar bis zum Anmeldebildschirm. Danach geht’s aber nicht mehr weiter: Nach der Eingabe des korrekten User-Kennworts erscheint erneut der Anmeldebildschirm.

Lösung 1: Wenn Linux den Desktop nicht laden kann, wurde dieser versehentlich deinstalliert – etwa nach einer nicht beachteten Paketabhängigkeit. In diesem Fall kommen Sie vom Anmeldebildschirm an eine grafische Oberfläche, indem Sie einfach eine andere „Sitzung“ oder „Session“, also einen anderen Desktop anwählen. Von dort oder auch auf einer Konsole (nach Tastenkombination Strg-Alt-F1) können Sie den Standard-Desktop mit:

sudo apt-get install ubuntu-desktop

wieder nachladen.

Lösung 2: Wenn Sie nach einem Systemabsturz ohne jede Fehlerangabe immer wieder auf den Anmeldebildschirm zurückfallen, liegt es meist daran, dass beim Absturz die Datei „.Xauthority“ im „home“-Verzeichnis nicht ordnungsgemäß terminiert wurde. Sie gilt dem System noch als geöffnet, und dadurch scheitert der notwendige Zugriff beim Log-on. Diese Zugangssperre ist irritierend, aber relativ einfach zu beheben: Dazu starten Sie die Konsole mit der Tastenkombination Strg-Alt-F1. Dort geben Sie Kontonamen und Kennwort ein. Wenn die Anmeldung hier im Terminal gelingt, löschen Sie mit

sudo rm ~/.Xauthority

die Zugangsdatei für den grafischen X-Server. Danach gelangen Sie mit der Tastenkombination Strg-Alt-F7 und Eingabe des Kennworts oder mit einem Neustart wieder problemlos zur grafischen Oberfläche.

Sound-Probleme unter Ubuntu

Problem: Fehlender Sound oder fehlerhafte Sound-Ausgabe ist auf heutigen Linux-Distributionen nicht häufig, aber nach wie vor schwer zu beheben. Insbesondere Ubuntu bietet praktisch keine Werkzeuge, um solchen Problemen auf den Grund zu gehen.

Lösung: Der Terminal-Befehl

gstreamer-properties
Audioprobleme beseitigen: Dieser nützliche Dialog ist unter Ubuntu nur über den Aufruf gstreamer-properties zu erreichen. Er erlaubt das Umstellen des Sound-Systems.
Vergrößern Audioprobleme beseitigen: Dieser nützliche Dialog ist unter Ubuntu nur über den Aufruf gstreamer-properties zu erreichen. Er erlaubt das Umstellen des Sound-Systems.

startet den grafischen Dialog „Multimedia System Selector“. Hier können Sie zwischen Alsa-Ausgabe (Treiber), Pulseaudio (Software-Schicht) und alternativen Sound-Systemen umschalten. Damit stellen Sie schnell fest, ob eine dieser Software-Komponenten Probleme verursacht, und können gegebenenfalls auf eine andere ausweichen. Falls Sie auf Alsa umschalten, entfallen einige Vorteile von Pulseaudio wie etwa die Integration der Medienwiedergabe im System-Panel. Dann sollten Sie alternativ das durchaus schicke Terminal-Programm alsamixer zur Steuerung der Ein- und Ausgabegeräte nutzen.

Die harte Methode: Wenn sanftere Methoden scheitern, lässt sich die Sound-Ausgabe ohne Pulseaudio-Schicht über die Alsa-Treiber erzwingen:

sudo killall pulseaudio sudo apt-get remove pulseaudio sudo apt-get autoremove pulseaudio

Über den oben genannten Befehl gstreamer-properties setzen Sie dann unter „Audio“ alles auf „ALSA“.

Nützliches für die Linux-Shell

Boot-Probleme vermeiden

Problem: Obwohl technisch gut machbar, sind Pannen bei der Parallelinstallation von Linux und Windows ein Klassiker.

Lösung: Wer Linux als Zweitsystem nutzen will und einen geringen Komfortverlust in Kauf nimmt, kann Boot-Probleme vermeiden. Einzige Voraussetzung: Linux befindet sich auf einem zweiten unabhängigen Datenträger.

Der entscheidende Schritt bei der Installation ist die Auswahl der Zielpartition und die Wahl der Festplatte, wohin der Bootloader installiert werden soll. Standardmäßig wird die erste Festplatte („/dev/sda“) für den Bootloader vorgeschlagen. Wählen Sie hier für den Bootloader das andere Laufwerk, wo Sie auch das System installieren – also etwa „/dev/sdb“, wenn Sie Linux auf „/sdb“ installieren.

Der Nachteil der Maßnahme ist klar: Das Bios sucht nur auf der primären Platte nach Boot-Sektoren, und folglicherscheint Linux nicht automatisch im Boot-Menü, wenn Sie den PC starten. Stattdessen müssen Sie sich vom Bios alle Datenträger anzeigen lassen und den richtigen manuell auswählen.

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