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PROZESSOREN: WIE WIR TESTEN

05.10.2004 | 10:00 Uhr |

Die PC-WELT bewertet Prozessoren in vier Kategorien, wobei diese gewichtet in die Qualitätsnote eingehen (vergleiche Tabelle 1): Rechenleistung (50 Prozent), Ergonomie (25 Prozent), Ausstattung (15 Prozent) und Service (10 Prozent).

Rechenleistung

Wir testen die Prozessoren auf folgender Basis-Testplattform: 2 x 512 Megabyte PC-400-DDR-SDRAM CL 2,5 (Corsair TWINX1024-3200LL) respektive für Intels LGA775-Plattform 2 x 512 Megabyte PC-533-DDR2-SDRAM CL 4 (Corsair CM2X512-4300) im Zweikanal-Modus sowie für Intels 479M-Plattform 2 x 512 Megabyte PC-400-DDR-SDRAM CL 2 (Corsair TWINX1024-3200LL) im Einkanal-Modus mit 333 MHz. Als Grafikkarte kommt die MSI Geforce FX 6800 GT (Treiber: 61.34) zum Einsatz sowie die U160-SCSI-Festplatte Seagate ST336705LW. Die Tests führen wir unter Windows XP Professional SP1a durch, 32 Bit mit Single- (AMD-CPUs sowie Intel Celeron und Pentium M) respektive Multiprozessor-Kernel (Intel Pentium 4), da wir bei allen Intel-Prozessoren Hyper-Threading aktivieren - sofern dies möglich ist. Abhängig vom CPU-Steckplatz kommen folgende Hauptplatinen zum Einsatz:

Sockel 478 : Intel D875PBZ R1 (Intel 875P-Chipsatz)

Sockel 479 : A-Open i855GMEm-LFS (Intel 855-Chipsatz)

Sockel 754 : MSI K8T Neo (VIA K8T800-Chipsatz)

Sockel 775 : Intel D925XCV (Intel 925X-Chipsatz)

Sockel 775 : Intel D925XE (Intel 925XE-Chipsatz)

Sockel 939 : MSI MS-6702E (VIA K8T800-Pro-Chipsatz)

Sockel 940 : MSI K8T Master1 (VIA K8T800-Chipsatz)

Die Rechenleistung ermitteln wir - nach dem Einsatzgebiet aufgeschlüsselt - mit folgenden Benchmarks:

Office :
- Sysmark 2002
- Sysmark 2004

Multimedia :
- Cinebench 2003
- Xmpeg 5.01

Verschlüsselung :
- Science Mark 2.0

3D-Spiele :
- 3D Mark 2001 SE
- 3D Mark 2003
- Quake III
- Unreal Tournament 2003
- X2

Over-All :
- Spec CPU2000

Um so praxisnah wie möglich zu testen, basieren unsere Tests auf weit verbreiteten Applikationen.

Office
Wie schnell ein Prozessor bei typischen Büroanwendungen wie Acrobat Reader, Excel, Outlook, Photoshop, Powerpoint und Word ist, messen wir in jeweils drei Durchläufe mit dem populären Sysmark 2002 Pro von Bapco ( www.bapco.com ) sowie dessen Nachfolger Sysmark 2004 , der aktuelle Versionen der genannten Büroanwendungen einsetzt. Wir werten die Ergebnisse der zwei Teilbereiche ”Office Productivity”, also klassische Büroanwendungen wie Textverarbeitung und Tabellenkalkullation sowie den Block ”Internet Content Creation”, in den etwa die Bildbearbeitung fällt. Die Messung erfolgt beim Sysmark 2002 Pro bei einer Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten und 32 Bit Farbtiefe, beim Sysmark 2004 bei einer Auflösung von 1280 x 1024 Bildpunkten und 32 Bit Farbtiefe.

Multimedia
Wie schnell die CPU Lichtquellen und deren Schattenwurf berechnet, überprüft der Raytracing-Test von Cinebench 2003 von Maxon ( www.maxon.net/index_d.html ). Hier ist besonders Fließkomma-Leistung gefragt. Im zweiten Cinebench-Test Open GL HW sind zwei Animationen zu berechnen, die aus 1046 Objekten mit 37.000 Polygonen beziehungsweise zwei Objekten mit insgesamt 70.000 Polygonen bestehen. Beim dritten Test Open GL SW erfolgt zusätzlich die Lichtberechnung für die beiden Animationen.
Wie schnell der Prozessor Videofilme transcodiert , prüfen wir mit Xmpeg 5.0.1 von Xis ( www.mp3guest.com ). Wir lassen die Freeware automatisch die optimalen Parameter für den Prozessor einstellen und schalten die ”Audio-Bearbeitung” ab. Alle anderen Einstellungen bleiben unverändert. Dabei muss die CPU unsere 200 MB große VOB-Filmdatei, die Episode 34 ”Indianer” der Kultserie Raumschiff Gamestar des gleichnamigen Spielemagazins (www.gamestar.de), mit dem Codec Xvid 0.9.2 ( www.xvid.org ) in eine AVI-Datei mit voller PAL-Auflösung transcodieren. Für Xvid stellen wir den Encodierungsmodus auf ”1 Pass –CBR” und die Bitrate auf 900 KBit/s. Die Umwandlung erfolgt mit höchster Priorität.

Verschlüsselung
Mit dem symmetrischen Kryptographie-Verfahren AES (Advanced Encryption Standard) des Benchmarks Science Mark 2.0 prüfen wir, wie schnell der Prozessor Daten verschlüsselt. Bei dem AES-Test kommen variable Schlüssellängen zwischen 128 bis 256 Bit zum Einsatz.

3D-Spiele
Die synthetische Leistung des Prozessors unter Direct X 8 messen wir mit 3D Mark 2001 SE Pro von Futuremark ( www.futuremark.com ) bei einer Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten und 32 Bit Farbtiefe mit den Default-Einstellungen.
Für Direct X 9 prüfen wir die CPU mit dem 3D Mark 2003 , ebenfalls von Futuremark ( www.futuremark.com ), bei einer Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten und 32 Bit Farbtiefe mit den Default-Einstellungen.
Was der Prozessor bei echten Spielen drauf hat, checken wir mit dem Benchmark Botmatch des 3D-Spiels Unreal Tournament 2003 bei einer Auflösung von 1024 x 768 sowie 1600 x 1200 Bildpunkten mit jeweils 32 Bit Farbtiefe. Die Messwerte liefern einen Anhaltpunkt, wie gut die CPU bei Spielen unter Direct X 8 abschneidet.
Der zweite Spiele-Benchmark FOUR.DM_68 stammt aus Quake III 1.32. Wir testen bei einer Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten sowie 1600 x 1200 Bildpunkten mit jeweils 32 Bit Farbtiefe. Der Benchmark steht stellvertretend für alle Spiele unter Open GL 1.4.
Im dritten Spieletest verwenden wir X2: The Threat . Der integrierte X2-Benchmark läuft mit den Qualitäteinstellungen "Automatic Quality", "Bumpmaps", "Shadows" sowie 4fachem Full Screen Anti-Aliasing (4xFSAA) bei einer Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten sowie 1600 x 1200 Bildpunkten mit jeweils 32 Bit Farbtiefe. X2 steht stellvertretend für moderne Direct-X-9-Spiele.
Bei allen Spielen gewichten wir die Rechenleistung wie folgt: Die Messergebnisse bei einer Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten gehen zu 70 Prozent und bei einer Auflösung von 1600 x 1200 Bildpunkten zu 30 Prozent in die Gesamtwertung des jeweiligen 3D-Spiels ein.

Over-All
Das Benchmark-Paket Spec CPU2000 1.2 besteht aus insgesamt 26 praxisnahen Programmen, die den Einsatz von Software am Arbeitsplatz und Zuhause recht gut widerspiegeln. Detaillierte Infos gibt’s unter www.specbench.org/osg/cpu2000 . Wir ermitteln den Base-Wert, der mit identischen Compiler-Einstellungen zustande kommen muss. Damit sich sowohl der Pentium 4 als auch AMDs Athlon-64-Duo optimal in Szene setzen können, haben wir die 12 Integer-Tests mit Intel C++ 7.1 (Option –QxW) und MS Visual Studio kompiliert. Bei den 14 Fließkomma-Tests kommt zusätzlich Intel Fortran 7.1 zum Einsatz.
Die Gewichtung der Benchmarks ist in Tabelle 2 aufgeschlüsselt.


Ergonomie

Die Kategorie Ergonomie umfasst die Leistungsaufnahme sowie die Energie- und Recheneffizienz eines Prozessors. Extrapunkte gibt’s für eine dynamische Takt- und Spannungsregelung sowie einen mechanischen Schutz des Prozessorkerns, den so genannten Heat-Spreader , der die Verlustwärme des CPU-Kerns an den Kühlkörper überträgt. Die Leistungsaufnahme trägt mit 40 Prozent zur Ergonomie-Note bei. Die Energie- und Recheneffizienz geht mit jeweils 15 Prozent ins Gesamtergebnis ein. 20 Prozent ist uns eine dynamische Takt- und Spannungsregelung wert und der Head Spreader findet mit 10 Prozent Eingang in die Ergonomie-Note.
Der ergonomischste Prozessor erhält 100 Punkte, die Punktzahlen der anderen Geräte werden entsprechend skaliert.

Ausstattung

Zu den wichtigsten Wertungskriterien gehört die Kapazität der CPU-internen Caches (siehe Tabelle 2). Hinzu kommen die Befehlssatzerweiterungen , die der Prozessor unterstützt. Befehlssatzerweiterungen, die zahlreiche Anwendungen unterstützen, aber nur wenig zur Leistungssteigerung eines Prozessors beitragen, erhalten 5, hohe Effizienz belohnen wir mit 20 Punkten. Befehlssatzerweiterungen mit geringer Verbreitung aber Leistungspotential wie SSE3 sind uns 10 Punkte wert.
Wir zählen die Einzelwertungen zusammen, die in der Summe über 100 liegen können. Aus all diesen Testergebnissen setzt sich die Note ”Ausstattung” zusammen. Alle Testkandidaten messen wir an der aktuell besten CPU und skaliert entsprechend.
Hinweis: Die Taktraten der CPU und des Front-Side-Buses gehen nicht in die Bewertung ein. Sie haben Einfluss auf die Rechenleistung, werden also bereits bei den Benchmarks mit beurteilt.

Service


Hier bewerten wir vor allem die Garantiezeit (60 Punkte). Den zweiten Schwerpunkt bilden die Service-Leistungen der Hersteller (40 Punkte). In dieses Kriterium gehen mit maximal 24 Punkten die Ergebnisse unserer Brand-Awareness-Studie ein. Bei dieser Studie befragt die PC-WELT Endanwender, wie zufrieden sie mit den Service-Leistungen ihres Herstellers waren. Maximal 8 Punkte kann sich ein Hersteller mit einem guten Internet-Auftritt verdienen – dazu gehört beispielsweise eine gut strukturierte Seite, auf der sich auch aktuelle Firmware - oder Treiber-Updates für die eigenen Geräte finden. Ein strukturierter FAQ-Bereich ist uns ebenfalls wichtig. Natürlich ist auch eine deutschsprachige Website positiv. Letztlich bewerten wir die Hotline des Herstellers mit bis zu 8 Punkten. Wichtig ist hierbei beispielsweise, ob sich die Hotline-Nummer problemlos auf der Website finden lässt, wie lange die täglichen Sprechzeiten sind, an wie vielen Tagen die Hotline offen ist und was sie den Anrufer kostet .
Der beste Prozessor in dieser Kategorie erhält 100 Punkte, die übrigen werden entsprechend skaliert.

Preis-Leistungs-Note

Die aktuellen Preise recherchieren wir Monat für Monat anonym , weil wir uns nicht auf die wenig aussagefähigen Listenpreise der Hersteller stützen wollen. Dazu rufen wir bundesweit Versandhändler und Fachgeschäfte an und errechnen aus den Angaben den Mittelwert . Zusätzlich durchforsten wir die Angebote der Internet-Händler. Aus den recherchierten Angaben bilden wir den Durchschnittspreis . Anhand dieses Preises vergeben wir Punkte. Die günstigste CPU bekommt 100 Punkte. Alle übrigen bekommen entsprechend skaliert weniger Punkte. Nachdem wir aus den Punkten die Preisnote für ein Gerät gebildet haben, berechnen wir die Preis-Leistungs-Note. In diese Note gehen die Rechenleistung zu 40 Prozent, die Ergonomie zu 20 Prozent, die Ausstattung zu 15 Prozent, der Service zu 5 Prozent und der Preis zu 20 Prozent ein. In der Top-Tabelle der besten Geräte spielt der Preis allerdings keine Rolle. Hier geht es lediglich um Qualität und Leistung. Zusätzlich präsentieren wir Ihnen die drei Geräte mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis, bei denen Sie der Hersteller keinesfalls über die Ladentheke zieht.

Gesamtbewertung

Alle Ergebnisse werden in eine umfangreiche Tabelle eingetragen. Der zuständige Redakteur wertet diese aus und berechnet in einer weiteren Tabelle das Endergebnis und damit den Testsieger. Die Tabellen und Testberichte erscheinen tagesaktuell auf unserer Website www.pcwelt.de mit dem zu diesem Zeitpunkt gültigen Straßenpreis. Für das Heft aktualisieren wir einmal im Monat kurz vor Druckbeginn alle Preise der Top-200-Geräte. Zudem arbeiten wir kontinuierlich eventuelle technische Änderungen ein. Damit wir frühere Testgeräte mit den neuen vergleichen können, normieren wir auf das jeweils beste Ergebnis (maximale Punktzahl). Die anderen Geräte werden am Spitzenreiter gemessen und entsprechend skaliert. So entsteht die Top-5-Liste.

Bewertungsschema der CPU-Top-5 im Überblick

Tabelle 1: Prozentualer Anteil der einzelnen Kriterien am Gesamtergebnis

Tabelle 2: Punktevergabe innerhalb der einzelnen Kriterien

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