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PC aus der Ferne via LAN & WAN aufwecken

17.02.2015 | 13:19 Uhr |

Teamviewer, Chrome Remote Desktop, FTP-Server – wie auch immer: Viele Wege führen zum Fernzugriff auf den heimischen Server. Doch nicht alle funktionieren ohne Hindernisse.

Der Netzwerkstandard Wake on LAN (oder kurz „WOL“) ermöglicht das Starten eines ausgeschalteten PCs beim Empfang eines speziellen Datenpaketes (Magic Packet). Dabei kann der PC komplett heruntergefahren sein oder sich in einem Energiesparzustand befinden. Die Voraussetzung dafür ist, dass sowohl das Mainboard (Hauptplatine) als auch die Netzwerkkarte diesen Standard unterstützen. Das ist bei den meisten halbwegs aktuellen PCs der Fall. Der PC muss am Stromnetz hängen und über Ethernet-Adapter und Netzwerkkabel mit dem Router verbunden sein. WLAN-Adapter beherrschen die WOL-Technik nicht. Der Beitrag erklärt, wie Sie WOL erfolgreich einrichten.

Dieser Artikel stammt aus dem Sonderheft PC-WELT WLAN & Heimnetz

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Vorbereitungen und Einstellungen

Um Wake on LAN unter Windows zu aktivieren, konfigurieren Sie zunächst die Netzwerkkarte: Starten Sie dazu in der Systemsteuerung den Gerätemanager. Unter „Netzwerkadapter“ erhalten Sie nach Doppelklick auf die Ethernet-Netzwerkkarte Einblick in deren „Eigenschaften“. Eventuell finden Sie unter „Erweitert“ einen Eintrag wie „Aktivierung durch Magic Packet“ oder „Wake Up Capabilities“, den Sie auf „Aktiviert“ setzen. Zusätzlich gibt es bei allen jüngeren Netzwerkkarten auf der Registerkarte „Energieverwaltung“ die Option „Gerät kann den Computer aus dem Ruhezustand aktivieren“. Schalten Sie diese mit einem Häkchen scharf.

Die weitere Option „Nur Magic Packet kann Computer aus dem Ruhezustand aktivieren“ lassen Sie inaktiv, wenn der Rechner im lokalen Netzwerk auch durch den Zugriff auf Freigaben geweckt werden darf.

Eventuell müssen Sie auch das Bios aufsuchen, weil auch das Mainboard bei Wake on Lan mitspielen muss. Bei neuerer Uefi-Firmware ist die Funktion Standard, bei nicht allzu altem Bios ist sie zumindest standardmäßig aktiv.

Eine der entscheidenden Hardware-Voraussetzungen für Wake on Lan: Die Ethernet-Netzwerkkarte muss den Empfang eines Magic Packet beherrschen.
Vergrößern Eine der entscheidenden Hardware-Voraussetzungen für Wake on Lan: Die Ethernet-Netzwerkkarte muss den Empfang eines Magic Packet beherrschen.

Trotzdem sollten Sie älteres Bios sicherheitshalber kontrollieren.

Die Einstellung, sofern vorhanden, werden Sie unter „Power“ oder „Power Management“ finden und lautet „Power On By PCI Device“, „Wake Up On Lan“ oder ähnlich. Die Option muss aktiv sein, also „Enabled“. Das Magic Packet enthält die eindeutige MAC-Adresse des Zieladapters und wird daher nur von diesem akzeptiert und von allen anderen Rechnern verworfen (beim Broadcast).

Daher brauchen Sie zum Versenden der WOL-Nachricht die MAC-Adresse des Zielrechners. Diese ermitteln Sie am schnellsten in der Eingabeaufforderung (cmd.exe) mit dem Befehl ipconfig /all. Die MAC-Adresse erscheint als „Physische Adresse“ unter dem „Ethernet Adapter“ und hat die Form XX-XX-XX-XX-XX-XX mit den Hex-Werten 0 bis F.

Schließlich benötigen Sie noch die lokale IP-Adresse des Zielrechners. Da Sie sich beim Fernzugriff auf diese IP verlassen müssen, ist es zwingend erforderlich, dass dieser PC keine wechselnde IP (über DHCP) bezieht, sondern eine feste IP besitzt. Die lässt sich am PC selbst unter Windows in der Systemsteuerung („Netzwerkverbindungen“ > Eigenschaften > Internetprotokoll Version 4“) anfordern, aber auch in der Router-Konfiguration („DHCP-Reservierung“ oder ähnlich).

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Aufwecken via Internet über DDNS: Wake on Lan schickt sein Magic Packet öffentlich an einen definierten Port, der im internen Netz auf Port 9 des Zielrechners geschickt wird.
Vergrößern Aufwecken via Internet über DDNS: Wake on Lan schickt sein Magic Packet öffentlich an einen definierten Port, der im internen Netz auf Port 9 des Zielrechners geschickt wird.

Rechner im lokalen Netz aufwecken

Im lokalen Netz brauchen Sie nach den obigen Vorbereitungen nur noch das Tool Wakeonlan unter Windows oder Gwakeonlan unter Linux. Diese Tools verwenden Sie auf einem anderen PC als dem Zielrechner. Beim Windows-Tool gehen Sie auf „Datei > Neu“, geben oben neben „Name“ eine beliebige Bezeichnung für den zu weckenden PC ein, neben „MAC Adresse“ die vorher ermittelte hexadezimale Zeichenfolge.

Als Sendemodus nehmen Sie „Broadcast IP“ und neben „RQDN / IP“ die feste IP-Adresse. Alles andere im Konfigurationsfenster können Sie ignorieren. Fahren Sie dann den Zielrechner testweise herunter oder in einen Energiesparzustand. Dazu klicken Sie mit rechter Maustaste auf den Eintrag zu Ihrem PC und wählen „Wake“. Der PC sollte starten.

Portweiterleitung im Router: Das Prinzip ist bei allen Routern identisch, Vorgehensweise und Terminologie unterscheiden sich aber oft erheblich.
Vergrößern Portweiterleitung im Router: Das Prinzip ist bei allen Routern identisch, Vorgehensweise und Terminologie unterscheiden sich aber oft erheblich.

Der Fernstart über das Internet

Deutlich schwieriger wird es, einen PC außerhalb des lokalen Netzwerks über das Internet aufzuwecken. Zunächst brauchen Sie eine feste Adresse, über die Sie Ihren Router von außen erreichen können. Da sich die externe WAN-IP Ihres Routers täglich sowie bei jedem Gerätestart ändert, benötigen Sie ein Konto bei einem dynamischen DDNS-Dienst, der die wechselnde WAN-IP in eine feste URL übersetzt. Beliebt und gratis ist Noip. Das Registrierungsformular finden Sie unter www.noip.com/newUser.php . Für Dlink-Kunden gibt es kostenlose Adressen auf dlinkddns.com.

Sobald Sie das DDNS-Konto haben, tragen Sie dessen Adresse in Ihrem Router als dynamische DNS-Domäne ein. Alle halbwegs jüngeren Router besitzen diese Funktion, typischerweise etwa unter „Extras“ oder „Erweitert“ und einem Unterpunkt wie „Dynamischer DNS“. Im nächsten Schritt müssen Sie in der Konfiguration des Routers einen beliebigen öffentlichen Port öffnen.

Die einschlägige Stelle im Router lautet „Portfreigaben“, „Port-Weiterleitung“ oder auch „Virtueller Server“. Am besten verwenden Sie als öffentlichen Port eine hohe fünfstellige Nummer zwischen 49152 und 65535. Als privaten Port tragen Sie Port 9 ein, auf den der öffentliche Port weitergeleitet wird. Damit dies beim gewünschten Zielrechner ankommt, tragen Sie dessen (feste) IP ein. Im Tool Wakeonlan sind nun im Unterschied zum lokalen Weckruf folgende Änderungen nötig: Neben „Send WOL to“ nutzen Sie die Option „FQDN / IP“, und darunter neben „FQDN / IP“ tragen Sie den Namen – nicht die IP – Ihrer DDNS-Adresse ein, etwa „mustermann.dlinkddns.com“. Beim „UDP-Port“ setzen Sie statt Port „9“ den im Router freigegebenen Port mit der fünfstelligen Nummer ein.

Wake on Lan ist Bastelarbeit

Die Broadcast-Nachricht an alle Rechner im lokalen Netz, die dann den PC mit der richtigen MAC-Adresse aufweckt, arbeitet bei geeigneter Hardware meist zuverlässig. Wake on Lan via Internet hat hingegen seine Tücken: Da mehrere Hardware-Komponenten mitspielen müssen und eine ganze Reihe von Konfigurationsschritten notwendig ist, ist die Fehlersuche nicht trivial. Im Rechner muss die Netzwerkkarte die Option anbieten, den PC aus dem Ruhezustand wecken zu können, und sein Motherboard muss die Funktion beherrschen.

Der Router muss DynDNS und Portweiterleitung anbieten; das ist in der Regel keine Hürde, jedoch „vergessen“ viele Billig-Router PCs im Netz, sobald diese einige Zeit abgeschaltet waren. Dann funktioniert das Aufwecken zwar theoretisch, aber nicht praktisch. Manchmal hilft es, dem PC, der in jedem Fall eine feste IP für die Portweiterleitung braucht, diese IP im Router zu reservieren (nicht am PC selbst).

Wenn das Aufwecken technisch einwandfrei funktioniert, gilt es noch einige zusätzliche Fallen zu beachten, vor allem, wenn der Rechner komplett heruntergefahren wird: Dann muss etwa in einer Multibootkonfiguration das richtige Betriebssystem automatisch starten. Ferner muss eine automatische Anmeldung eingerichtet sein, was Windows nach Win-R im Ausführen-Dialog mit dem Aufruf von "control controlpasswords2" ermöglicht. Dort gibt es die normalerweise aktive Option „Benutzer müssen Benutzernamen und Kennwort eingeben“. Und schließlich muss sichergestellt sein, dass das benötigte Server-Programm automatisch gestartet wird.

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