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PC als Server nutzen - Netzwerk ohne NAS

15.08.2015 | 09:09 Uhr |

Ein zentraler Server sollte bei heutigen Hardware- und Software-Möglichkeiten kein Kopfzerbrechen bereiten. Aber es gibt Unterschiede zwischen einer irgendwie funktionierenden und einer optimalen Lösung.

Dieser Artikel beschreibt gängige Alternativen für einen Daten-Server im Heimnetz. Aber: Es muss nicht immer eine NAS sein. Auch ein anderweitig genutzter Desktop-Rechner mit Windows oder Linux kann diese Rolle übernehmen.

1. Windows-Heimnetzgruppe contra Server

Beginnen wir mit einer Gegenanzeige: Die Heimnetzgruppe unter Windows 7 und 8 verträgt sich nicht mit einer echten Server-Rolle. Diese Freigabetechnik ist Peer-to-Peer-mäßig konzipiert mit dem Ziel, allen Windows-PCs eines lokalen Netzwerks die Daten („Bibliotheken“) gegenseitig zur Verfügung zu stellen. Der konzeptionelle Unterschied zum klassischen Server müsste aber nicht weiter stören, wenn nicht handfeste andere Hindernisse auftauchten. Sobald nämlich ein Windows-PC als Server für Android-, iOS-Geräte und für Linux-PCs arbeiten soll, beginnen die Probleme: Da andere Betriebssysteme mit der Heimnetzgruppe nichts anfangen können, muss die Freigabe auf Ebene von Benutzerkonten und Kennwörtern erfolgen. Das ist zwar technisch neben der Heimnetzgruppe möglich, aber nicht zu empfehlen:

  • Eine erste Schwierigkeit ergibt sich schon in der Bedienung. Nach Rechtsklick auf einen Ordner und der Option „Freigeben für“ erscheint der Freigabe-Assistent, der für die Heimnetzgruppe optimiert ist. Die hier benötigte „Erweiterte Freigabe“ erhalten Sie erst, wenn Sie im Explorer unter „Optionen > Ansicht“ das Kästchen „Freigabe-Assistent verwenden“ abschalten und die Änderung „Übernehmen“.

  • Was Sie bei der Windows-Freigabe auf Benutzerebene beachten müssen, folgt im nächsten Abschnitt. Hier geht es um das Hauptproblem der Heimnetzgruppe: Auf eine saubere Freigabe mit Benutzer samt Kennwort wird jedes Linux, Android, Mac-OS X mühelos zugreifen können. Probleme gibt es ausgerechnet mit Windows-PCs: Diese sind nämlich durch die gleichzeitige Heimnetzgruppenzugehörigkeit bereits automatisch über das Hilfskonto „HomeGroupUser$“ mit dem Server verbunden – und die Anmeldung mit mehreren Konten auf einem Server ist nicht erlaubt.

Das heißt: Die Heimnetzgruppe kann zwar theoretisch neben klassischen Freigaben koexistieren, aber Windows-PCs, die klassische Freigaben nutzen sollen, dürfen dieser Gruppe nicht beitreten. Um den Problemen aus dem Weg zu gehen, ist es für Server wie Clients vermutlich am einfachsten, die Heimnetzgruppe komplett abzuschalten. Das ist in der Dienstekonsole „Services.msc“ durch Deaktivieren der Dienste „Heimnetzgruppen-Anbieter“ und „Heimnetzgruppen-Listener“ schnell erledigt.

2. Windows-PC als Daten-Server

Hauptproblem bei klassischen Freigaben auf Kontoebene ist der Zusammenhang zwischen Netzfreigaben und lokalen Rechten: Einem Netzteilnehmer, der keine lokalen NTFS-Rechte besitzt, hilft eine Freigabe nichts. Der Netzzugriff muss mit einem Konto erfolgen, das auf dem Server existiert und das dort die notwendigen NTFS-Rechte für die gewünschten Ordner besitzt.

Wenn Sie, wie in Punkt 1 empfohlen, auf den Freigabeassistent verzichten und über „Freigeben für > Erweiterte Freigabe“ Ordner freigeben, müssen Sie über die Schaltfläche „Berechtigungen“ einen Benutzer angeben. Das vorgeschlagene „Jeder“ führt immer wieder zu logischen Fehlschlüssen. Wir empfehlen, unter „Systemsteuerung > Benutzerkonten“ auf dem Server ein zusätzliches Konto anzulegen („Anderes Konto verwalten > Neuen Benutzer… hinzufügen“), über das sich später alle Clients anmelden. Diesen Benutzer geben Sie bei Freigaben unter „Berechtigungen“ an, wobei Ihnen Windows mit „Hinzufügen > Erweitert > Jetzt suchen“ einige Klicks abfordert.

Zusätzlich zur Netzfreigabe benötigt das Zugriffskonto auch die lokalen NTFS-Rechte. Sie müssen also für das Freigabeobjekt über Rechtsklick und „Eigenschaften > Sicherheit > Bearbeiten“ dafür sorgen, dass das Zugriffskonto vorhanden ist („Hinzufügen“) und die nötigen Dateirechte besitzt („Vollzugriff“ oder auch nur „Lesen, Ausführen“).

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3. Schlafender Windows-Server im Netz

Ein Server sollte möglichst permanent laufen. Ein Windows-PC hat hier immer Öko-Nachteile gegenüber einem genügsamen NAS oder Platinen-Server. Andererseits besitzt Windows vorbildliche Stromsparmöglicheiten („Systemsteuerung > Energieoptionen“). Das Problem dabei: Der Zugriff auf eine Freigabe weckt den PC nicht aus den typischen Ruhezuständen S3 oder S4 („Suspend to RAM“, „Suspend to Disk“). Wenn die Netzwerkkarte und das Mainboard mitspielen, müssen Sie aber auf die Stromsparzustände nicht verzichten. Folgende Maßnahmen sind nötig, um einen Windows-Server wecken zu können („Wake on LAN“):

1. Auf neuerer Uefi-Firmware ist „Wake on LAN“ Standard. Auch auf älterem Bios ist es unwahrscheinlich, dass Sie dort etwas umstellen müssen. Aber nachsehen schadet nicht, sofern das Bios überhaupt eine entsprechende Option anbietet („Power Management“ oder ähnlich lautend).

2. Kontrollieren Sie unter Windows im Gerätemanager („devmgmt.msc“) die Eigenschaften des Netzwerkadapters. Auf der Registerkarte „Energieverwaltung“ muss die Option „Gerät kann den Computer aus dem Ruhezustand aktivieren“ aktiv sein. Die weitere Einschränkung auf das „Magic Packet“ lassen Sie inaktiv. Wenn die Netzwerkkarte diese Optionen nicht anbietet, kann das Aufwecken nicht funktionieren.

3. Der bloße Zugriff auf die Freigabe wird den schlafenden Rechner nicht aktivieren. Dazu brauchen Sie auf den Client-PCs ein kleines Windows-Tool wie //oette.wordpress.com/wol2/:Wol2 . Hier können Sie mit „Neuer Host“ Ihren Windows-Server eintragen. Notwendig sind der Name (Host-Name) und die MAC-Adresse der Netzwerkkarte, optional die (möglichst feste) IPv4-Adresse und die Subnetzmaske. Alle Angaben liefert auf der Kommandozeile („Cmd.exe“) der Befehl ipconfig /all. Die MAC-Adresse wird – statt mit Bindestrichen bei Ipconfig – mit Doppelpunkten gegliedert. Das Aufwecken geschieht durch Klick auf „Aufwecken“. Wenn Sie die Rechnerdaten mit „Speichern“ in einer XML-Datei ablegen, vereinfacht eine Verknüpfung mit folgendem Befehl

[Pfad]wol2.exe -file [Pfad] [name].xml -close -wake [Rechnername]  

den Vorgang auf einen Doppelklick.

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4. Linux-PC als Daten-Server

Die fundamentalen Schritte zur Netzwerkfreigabe auf Linux-basierten Platinenrechnern kommen in späteren Fallbeispielen noch zu Wort. Auf einem Desktop-Linux unterscheidet sich der Vorgang nicht wesentlich. Eventuell hilft der jeweilige Dateimanager wie etwa Nautilus unter Ubuntu tatkräftig mit, installiert beim ersten Freigabeversuch automatisch Samba und sorgt ferner für nötigen Dateirechte auf dem Dateisystem. Mit solcher Mithilfe ist aber nicht auf jedem Linux zu rechnen. Die folgenden Schritte funktionieren auf jedem Debian/Ubuntu-basierten System.

Zunächst muss Samba installiert sein:

sudo apt-get install samba-common samba  

Alles Weitere entspricht im Prinzip dem Vorgehen unter Windows. Es muss ein Benutzerkonto geben, für welches Daten freigegeben werden:

sudo useradd -m sepp  sudo passwd sepp  

Schalter „-m“ ist optional und erstellt ein Home-Verzeichnis für den Benutzer. Der Benutzer benötigt dann die Aufnahme in die Samba-Gruppe und ein Samba-Kennwort, das mit dem Systemkennwort identisch sein darf. Das erledigt dieser Befehl:

sudo smbpasswd sepp  

Nun kann die Freigabe erfolgen:

net usershare add 4Sepp /home/sepp/ "" sepp:f  

Diese Freigabe wird als „4Sepp“ auf anderen Rechnern erscheinen und die Daten des Home-Verzeichnisses anbieten. Der Benutzer erhält mit „:f“ Vollzugriff („full“). Wie bei Windows muss auch hier dafür gesorgt sein, dass die lokalen Dateirechte mitspielen. Diese Arbeit kann der Dateimanager Midnight Commander mit „File > Chown“ (Besitzübernahme) und „File > Chmod“ (Rechteänderungen) übernehmen. Genau wie bei einem Windows-PC stellt sich auch hier das Problem, wie ein schlafender Linux-Datei-Server übers Netz aufzuwecken ist. Hier wird neben einem Weckprogramm auf Client-Seite auch auf dem Server ein Zusatz-Tool notwendig. Es nennt sich ethtool und ist für alle Linux-Distributionen verfügbar.

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