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PC-WELT-Interview mit der Telekom zur DSL-Drosselung

03.05.2013 | 11:20 Uhr |

Im Interview mit der PC-WELT beantwortet Philipp Blank, Sprecher der Deutschen Telekom, die wichtigsten Fragen zum kontrovers diskutierten Thema DSL-Drosselung.

Die DSL-Drosselung der Deutschen Telekom bewegt nicht nur die Gemüter der PC-WELT-Leser, sondern im ganzen Web wird seit Tagen darüber diskutiert. Die Deutsche Telekom hat zum 2. Mai die Leistungsbeschreibungen für die neu geschlossenen (V)DSL-Verträge geändert . In die Tarife werden damit ab sofort Volumengrenzen integriert. Wer etwa mit DSL 16.000 über 75 GB verbraucht , der muss sich für den Rest des Monats mit 384 Kbit/s begnügen oder Highspeed-Volumen dazukaufen. Am Donnerstag ist bekannt geworden, dass die Deutsche Telekom langfristig die Einführung der Internet-Drosselung auch für alle Bestandskunden plant.

PC-WELT hat zu diesem Thema ein Interview mit Phillip Blank, Sprecher der Deutschen Telekom, geführt. Im Interview erläutert Blank die Gründe für die Einführung der Volumengrenzen, verrät, was die Telekom unter "Heavy Usern" versteht und gibt einen Ausblick auf die weiteren Pläne der Telekom. Am Schluss beantwortet Blank auch einige drängende Fragen der Leser zu diesem Thema. Wir hatten die Leser auf der PC-WELT-Facebook-Seite dazu aufgerufen, Fragen einzureichen.

PC-WELT: Seit dem 2. Mai hat die Deutsche Telekom die Tarifbedingungen der DSL-Verträge geändert: Statt einer echten Flatrate gibt es nun nur noch ein Volumenpaket. Ab welcher Datenmenge wird gedrosselt und zu welchen Konditionen können bzw. müssen Ihre Kunden gegebenenfalls nachkaufen?
 
Phillip Blank, Telekom-Sprecher: Faktisch ändert sich bis frühestens 2016 gar nichts. Wenn wir die Volumenbegrenzung dann technisch umsetzen, werden Kunden für ein paar Euro weiteres Hochgeschwindigkeitsvolumen hinzubuchen können. Die genauen Preise dafür stehen heute noch nicht fest. Eine Orientierung bietet aber der Mobilfunk, wo Kunden das Highspeedvolumen ab 5 Euro verdoppeln können. Wie viel Volumen bereits inklusive ist, hängt von den Paketen ab: Das soll bei 75 Gigabyte starten und bis zu 400 Gigabyte gehen.  
 
PC-WELT: Wie können Ihre Kunden feststellen, wie viele Datenvolumen Sie im laufenden Abrechnungsmonat bereits verbraucht haben? Gibt es einen Warnhinweis, beispielsweise bei 80 Prozent des verbrauchten Volumens, wie bei einigen Mobilfunkpaketen?
 
Blank: Zunächst werden wir den Kunden ein Tool bereitstellen, mit dem sie ihr benötigtes Volumen abschätzen können. Noch vor der technischen Einführung können sie es dann genau nachvollziehen. Und rechtzeitige Information vor Ablauf des Inklusivvolumens ist sehr sinnvoll, damit dann beispielsweise nicht während eines Filmes die Geschwindigkeit gebremst wird. Dafür werden wir passende Lösungen entwickeln. Aber das hat ja noch Zeit.
 
PC-WELT: Vorerst gelten die neuen Tarifbedingungen nur für Neukunden, allerdings plant die Deutsche Telekom, alle klassischen Analog- und ISDN-Anschlüsse bis 2016 auf All-IP umzustellen. Bedeutet diese Umstellung automatisch einen „neuen Vertrag“ und damit Volumenpaket mit Drosselung?
 
Blank: 2018 wollen wir den Wechsel auf die neue IP-Plattform abschließen. Aber kein Kunde wird zum Vertragswechsel gezwungen. Und wie in fünf Jahren die AGB oder die Tarife aussehen, kann heute niemand seriös vorhersagen. Die Telekommunikationsbranche ist äußerst dynamisch.
 
PC-WELT: Wie verfahren Sie bei den Anschlüssen, die bereits auf All-IP umgestellt sind? Können diese Kunden ihre aktuellen Vertragsbedingungen ohne Drosselung behalten?
 
Blank: Es gelten immer die Bedingungen des aktuell gültigen Vertrags. Neue Bedingungen gibt es nur zu neuen Verträgen.
 
PC-WELT: Im Raum steht der Vorwurf, die Deutsche Telekom verletze die „Netzneutralität“, weil das Unternehmen die Nutzung ihrer eigenen Entertain-Angebote nicht auf das monatliche Datenkontingent anrechnet. Auch die verbrauchten Daten für Sprachtelefonie über den Telekom-Anschluss werden nicht mitgezählt – im Gegensatz zum Telefonieren über alternative VoIP-Anbieter. Die Bundesnetzagentur prüft, ob ein regulatorischer Eingriff vorliegt. Wie begegnen Sie diesen Vorwürfen?
 
Blank: Die Telekom steht für das offene und freie Internet. Entertain ist allerdings kein Internetdienst sondern Fernsehen – Kunden nutzen das über den Fernseher und nicht über den Laptop und bezahlen dafür zehn Euro extra. Auch die Telefonie nutzen sie nicht über Computer oder Laptop, sondern über ihren Telefonapparat. Reguläre Internetdienste behandeln wir diskriminierungsfrei, Telekomdienste - beispielsweise aus der Cloud - machen da keine Ausnahme.
 
PC-WELT: In diesem Zusammenhang auch: Der durch Entertain verursachte Traffic ist bei der Volumenbegrenzung ausgenommen. Können Sie die genauen Gründe dafür nennen? Und haben auch andere Anbieter von Online-Video-Diensten die Möglichkeit, ihr Angebot weiterhin so ihren Kunden anzubieten?
 
Blank: Wie bereits erläutert ist Entertain kein klassischer Internetdienst, sondern Fernsehen. Darüber hinaus werden wir Unternehmen so genannte Managed Services anbieten. Diese Dienste werden in einer höheren und gesicherten Qualität produziert und gesondert bezahlt.
 
PC-WELT: Was bewegt die Telekom dazu, Deutschland in Sachen Internet um 20 Jahre zurückzuwerfen, während Länder wie Estland ein Grundrecht auf freies Internet gesetzlich verankert haben?

Blank: Die Telekom investiert Milliarden, um den Netzausbau weiter voranzutreiben. Allerdings sinken die Umsätze in der Telekommunikationsbranche dramatisch und das passt nicht zu höheren Investitionen. Irgendwoher muss das Geld für den Netzausbau kommen. Wer die Infrastruktur stärker nutzt, soll deshalb einen größeren Beitrag dazu leisten. Wir finden das fairer, als die Preise pauschal für alle Kunden zu erhöhen.
 
PC-WELT: Wie viele Kündigungen sind bei ihnen schon eingegangen?
 
Blank: Wir bemerken keine verstärkten Kündigungen.
 
PC-WELT: Wie kommt die Deutsche Telekom darauf, dass der Durchschnittsverbrauch der Nutzer bei 20 GB liegt?

Blank: Wir sehen ja, was die Kunden verbrauchen und der Schnitt liegt heute zwischen 15 und 20 Gigabyte.
 
PC-WELT: Wie definiert die Telekom „Heavy User“? Ab welchem Datenvolumen zählt man nach Ansicht der Telekom dazu?

Blank: Uns geht es nicht darum, Kunden zu diskreditieren. Es ist völlig OK, wenn Kunden deutlich mehr verbrauchen als der Schnitt. Nur sollten diese Kunden dann auch bereit sein, für mehr Leistung mehr zu bezahlen.
 
PCWELT: Wie sieht das mit dem Aufpreis für mehr Traffic aus? Wird es eine Staffelung geben?

Blank: Wie gesagt ändert sich bis 2016 gar nichts. Welche Preise dann gelten und im Markt akzeptiert werden, können wir heute noch nicht sagen. Eine erste Orientierung liefert der Mobilfunk, wo Kunden ab 5 Euro ihr Highspeedvolumen verdoppeln können. 
 
PC-WELT: Können Spieleanbieter wie EA einen Vertrag abschließen, damit Online-Gaming auch nicht zum Volumen zählt?

Blank: Wir sind offen für Kooperationen zu Managed Services und werden das diskriminierungsfrei anbieten. Bei Online-Spielen kann eine gesicherte Qualität sehr sinnvoll sein. Wenn Kunden bereit sind, für diese Option extra zu bezahlen, warum nicht? Das Internet wird in Zukunft viel differenzierter sein als heute. Der Kunde entscheidet, welche Angebote attraktiv für ihn sind. Wichtig ist auch: Es wird immer unterstellt, dass sich nur große Anbieter diese Managed Services leisten können. Fakt ist aber: Die Partner müssen dafür keinen Cent vorab bezahlen, sondern wir teilen uns die Umsätze. Gerade Newcomer haben so erst die Chance, neue und empfindliche Dienste zu starten.
 
PC-WELT: Warum wird eher der Traffic limitiert, statt über eine generelle Kostenerhöhung von beispielsweise drei Prozent nachzudenken, welche das angebliche Volumen der „Heavy User“ wieder ausgleichen dürfte?

Blank: Wir finden, es ist fair, dass die Kunden, die mehr Leistung beanspruchen, auch mehr dafür bezahlen. Sie können dann zusätzliches Highspeedvolumen flexibel hinzubuchen, wenn sie beispielsweise im Winter mehr benötigen als in den Sommermonaten.
 

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