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Die neue Oracle Virtualbox

08.01.2016 | 14:30 Uhr |

Virtualbox ist eine bewährte Virtualisierungs-Software für Linux. Die neue Version 5 bietet unter anderem USB-3.0-Unterstützung und Paravirtualisierung.

Oracle hat eine neue Version der Virtualisierungs-Software Virtualbox veröffentlicht. Neben der üblichen Produktpflege mit kleinen Änderungen der Oberfläche und der Beseitigung von Fehlern bietet Virtualbox 5 eine Reihe interessanter neuer Funktionen. Die Software ist für Linux und Windows für die private Nutzung gratis erhältlich.

1. Das leistet Virtualisierungs-Software

Virtualisierungs-Software erlaubt die Nutzung eines virtuellen Zweit-PCs, der innerhalb des von Ihnen genutzten Host-Systems arbeitet. Der virtuelle PC beziehungsweise das Gastsystem in der virtuellen Maschine (VM) läuft wahlweise im Fenster oder im Vollbildmodus. Virtualbox bietet außerdem einen nahtlosen Modus, der einzelne virtualisierte Programme wie Anwendungen des Hauptsystems in einem eigenen Fenster darstellt.

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Die Virtualisierungs-Software weist dem Gastsystem eigene Instanzen von Hard- und Software zu. Hardware-Zugriffe werden möglichst immer an die tatsächlichen Systemkomponenten wie Prozessor, Grafikkarte und Festplatte durchgereicht und von der Virtualisierungsumgebung nur verwaltet. Aus Sicht des Gastsystems handelt es sich um einen eigenständigen PC mit eigener Hardware. Es gibt beispielsweise eine virtuelle Grafikkarte, die nichts mit dem in Ihrem PC verbauten Grafikadapter zu tun hat. Das hat allerdings zur Konsequenz, dass nicht die volle Leistung zur Verfügung steht. Für Office-Programme, Bildbearbeitungs-Software oder die Steuererklärung bietet eine virtuelle Maschine jedoch genug Leistung. Sie werden kaum einen Unterschied gegenüber realer Hardware feststellen. Ein virtueller PC bietet daher die ideale Umgebung, um andere Betriebssysteme oder neue Software auszuprobieren.

Virtualbox unterstützt fast alle verbreiteten Betriebssysteme wie Linux, Solaris, BSD oder Windows 3.1 bis 10. Windows XP, Vista, 7, 8 und 10 müssen für die dauerhafte Nutzung aktiviert werden. Sie benötigen für die Installation daher eine Lizenz beziehungsweise einen gültigen Produktschlüssel.

Virtualbox 5 kann jetzt auch USB-3.0-Geräte in das Gastsystem einbinden.
Vergrößern Virtualbox 5 kann jetzt auch USB-3.0-Geräte in das Gastsystem einbinden.

2. Das ist neu in Virtualbox 5.0

Bisher ließen sich in einem Virtualbox-Gastsystem nur Geräte am USB-2.0-Port nutzen. Virtualbox 5.0 unterstützt jetzt auch USB 3.0. Das sorgt für einen beschleunigten Zugriff und erweitert die Anschlussmöglichkeiten. Denn vor allem bei neueren Notebooks gibt es inzwischen nur noch wenige USB-2.0-Buchsen. Sie finden die Option in den Einstellungen einer virtuellen Maschine unter „USB“.

Eine weitere Verbesserung ist die Unterstützung für Drag & Drop bei allen Betriebssystemen. Sie können jetzt etwa vom Linux-Desktop oder Dateimanager eine Datei auf den Desktop des Gastsystems ziehen und umgekehrt. Dazu müssen die Gasterweiterungen aktiviert sein (-> Punkt 5). Damit das funktioniert, aktivieren Sie in den Einstellungen einer virtuellen Maschine unter „Allgemein -> Erweitert“ bei „Drag’n’Drop“ die Option „bidirektional“.

Ferner bietet Virtualbox 5 jetzt Paravirtualisierung. Dabei greift der Kernel des Gastsystems über eine abstrakte Verwaltungsschicht auf die Hardware-Ressourcen zu, was zu einer Verbesserung der Geschwindigkeit führen kann. Der Kernel muss dafür speziell angepasst sein, was aber bei aktuellen Linux- und Windows-Systemen standardmäßig der Fall ist. Wenn Sie eine neue virtuelle Maschine einrichten, verwendet Virtualbox 5 automatisch Paravirtualisierung. Stammt die Installation von einer Vorgängerversion, können Sie in den Einstellungen unter „System -> Beschleunigung“ entweder „voreingestellt“ für den automatischen Modus wählen, oder Sie stellen „Hyper-V“ für Windows-Systeme und „KVM“ für Linux ein.

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Für mehr Sicherheit sorgt eine Funktion, über die sich virtuelle Festplatten mit AES (Advanced Encryption Standard) mit 128 Bit oder 256 Bit verschlüsseln lassen. Der Start einer virtuellen Maschine ist dann nur nach einer Passwortabfrage möglich. Um die Funktion zu nutzen, setzen Sie in den Einstellungen unter „Allgemein -> Verschlüsselung“ ein Häkchen vor „Verschlüsselung aktivieren“ und vergeben ein Passwort.

Vor allem für Server sind zwei neue Startmodi gedacht, die Sie über den Pfeil neben der Schaltfläche „Start“ aufrufen. „Ohne GUI starten“ führt die virtuelle Maschine im Hintergrund aus. Über einen RDP-Client (Remote Desktop Protocol) wie Rdesktop stellen Sie eine Verbindung her. „Abkoppelbarer Start“ arbeitet ähnlich. Darüber lässt sich das virtuelle System wie gewohnt im Fenster starten, das Sie dann aber schließen können, ohne die virtuelle Maschine zu beenden. Auf einem Server können Sie virtuelle Maschinen auch komplett ohne grafische Oberfläche über das Kommandozeilen-Tool Vboxmanage einrichten und starten.

Paravirtualisierung: Einstellungen für optimale Leistung.
Vergrößern Paravirtualisierung: Einstellungen für optimale Leistung.

3. Virtualbox 5 unter Linux installieren

Bei der Installation von Virtualbox muss die Paketverwaltung einige Kernel-Module kompilieren. Damit das reibungslos funktioniert, installieren Sie alle verfügbaren Updates für Ihr Linux-System. Prüfen Sie außerdem im Bios/Uefi-Setup Ihres PCs, ob Optionen wie „Intel Virtualization Technologie“, „AMD-V“, „VT-x“ oder „VT-d“ aktiv sind. Virtualbox funktioniert auch ohne diese Virtualisierungsunterstützung, bietet dann aber beispielsweise unter einem 64-Bit-System nur die Installation von Gastsystemen mit 32 Bit an.

Bitte beachten Sie: Eine Parallelinstallation von Virtualbox 5 neben einer älteren Version ist nicht möglich. Bei einem Upgrade bleiben jedoch Einstellungen und virtuelle Maschinen erhalten.

Sollte Virtualbox 5 noch nicht über die Paketverwaltung Ihrer Linux-Distribution verfügbar sein, gehen Sie auf https://www.virtualbox.org , klicken links in der Navigation auf „Downloads“ und dann auf „Virtual-Box 5.0.2 for Linux hosts“. Sie finden hier Download-Links für Distributionen wie Ubuntu 14.04, Debian 8, Open Suse 13.2 oder Fedora 22. Es gibt jeweils einen Download für 32-Bit- und 64-Bit-Systeme („i386“ beziehungsweise„AMD64“). Die deb- oder rpm-Pakete lassen sich per Doppelklick installieren.

Besser als die direkte Installation ist es jedoch, die Paketquelle in das System einzubinden. Sie erhalten dann nämlich automatische Updates. Bei Debian-basierten Systemen wie Ubuntu und Linux Mint verwenden Sie folgenden Terminal-Befehl:

wget -q https://www.virtualbox.org/download/oracle_vbox.asc -O- | sudo apt-key add -

Damit importieren Sie den Oracle-Schlüssel in die Liste der vertrauenswürdigen Software-Anbieter. Dann öffnen Sie die Datei „/etc/apt/sources.list“ in einem Editor

sudo nano /etc/apt/sources.list

und fügen folgende Zeile am Ende der Datei ein:

deb http://download.virtualbox.org/virtualbox/debian trusty contrib

Ersetzen Sie „trusty“ (Ubuntu 14.04) durch den Codenamen der gewünschten Distribution. Wenn Sie diesen nicht kennen, sehen Sie in der Datei „lsb-release“ (Ubuntu) oder „os-release“ (Debian) nach. Speichern Sie die Datei mit Strg-O, und verlassen Sie den Editor mit Strg-X. Danach installieren Sie Virtualbox mit

sudo apt-get update sudo apt-get install dkms virtualbox-5.0

und fügen alle Benutzer, die Virtualbox verwenden sollen, zur Gruppe „vboxusers“ hinzu:

sudo adduser name vboxusers

Ersetzen Sie „name“ durch den Log-in-Namen des gewünschten Benutzers. Melden Sie sich bei Linux ab und wieder an, oder starten Sie das System neu.

Schritt-für-Schritt-Assistent bei der Installation eines neuen Betriebssystems.
Vergrößern Schritt-für-Schritt-Assistent bei der Installation eines neuen Betriebssystems.

Nach einem Kernel-Upgrade sollte DKMS (Dynamic Kernel Module Support) dafür sorgen, dass die Kernel-Module für Virtualbox automatisch neu erstellt werden. Das klappt jedoch nicht immer zuverlässig. Sollte beim Start einer VM eine Fehlermeldung auftauchen, die ein fehlendes Kernel-Modul bemängelt, führen Sie folgende Befehlszeile aus:

sudo /etc/init.d/vboxdrv setup

Andere Linux-Distributionen: Nutzer von Red Hat Linux, Fedora oder Open Suse finden auf der Download-Seite Links zu „repo“-Dateien. Kopieren Sie die für Ihr System passende Datei nach „/etc/zypp/repos.d“ (Open Suse) oder „/etc/yum.repos.d2 (Red Hat/Fedora). Die Installation ist unter diesen Systemen etwas komplizierter, weil einige Voraussetzungen fehlen. Unter Open Suse verwenden Sie die folgenden Befehle:

wget -q https://www.virtualbox.org/download/oracle_vbox.asc sudo rpm --import oracle_vbox.asc sudo zypper refresh sudo zypper in kernel-default kernel-source kernel-devel sudo zypper gcc make automake autoconf sudo zypper in VirtualBox-5.0 sudo /usr/sbin/usermod -a -G vbo xusers name

In der letzten Zeile ersetzen Sie „name“ durch den Benutzer, der Virtualbox verwenden darf. Sollten Probleme auftreten, analysieren Sie die Logdatei „/var/log/vbox-install.log“. Nach einem Kernel-Update müssen Sie mit

sudo /etc/init.d/vboxdrv setup

die Kernel-Module neu kompilieren.

4. System in einer virtuellen Maschine installieren

Beim ersten Start von Virtualbox wird Ihnen das „Oracle VM VirtualBox Extension Pack“ angeboten. Klicken Sie auf „Herunterladen“ und noch einmal auf „Herunterladen“ und dann auf „Installieren“. Folgen Sie den Anweisungen des Assistenten. Das Extension Pack ist vor allem nötig, wenn Sie USB-Geräte im Gastsystem nutzen möchten.

Eine virtuelle Maschine erstellen Sie über die Schaltfläche „Neu“. Tippen Sie hinter „Name:“ eine aussagekräftige Bezeichnung ein. Wählen Sie hinter „Typ:“ den Eintrag „Linux“ oder „Microsoft Windows“ und darunter die Version des Systems. Bei Linux sind nicht alle bekannten Distributionen aufgeführt. Nehmen Sie den Eintrag, der der gewünschten Version am nächsten kommt, etwa „Ubuntu (32-bit)“ für Xubuntu oder Lubuntu. Klicken Sie auf „Weiter“, folgen Sie den Anweisungen des Assistenten, und übernehmen Sie die Vorgaben.

Wählen Sie für die Festplatte des Gastsystems einen größeren Wert als vorgeschlagen.
Vergrößern Wählen Sie für die Festplatte des Gastsystems einen größeren Wert als vorgeschlagen.

Für die virtuellen Festplatte empfiehlt es sich, deutlich mehr Speicherplatz als die vorgeschlagenen acht oder 25 GB zu verwenden. Der Platz wird ohnehin erst belegt, wenn er vom System benötigt wird.

Nach Abschluss des Assistenten klicken Sie auf „Ändern“ und dann auf „Anzeige“. Stellen Sie hinter „Grafikspeicher:“ mindesten „64 MB“ ein, und setzen Sie Häkchen vor „3D-Beschleunigung aktivieren“ und bei Windows auch vor „2D-Video-Beschleunigung aktivieren“. Gehen Sie auf „Massenspeicher“, klicken Sie auf das CD-Icon und dann rechts im Fenster auf das CD-Icon mit dem Pfeil. Geben Sie über „Datei für virtuelles CD/DVD-Medium auswählen...“ den Speicherort einer ISO-Datei der Windows- oder Linux-Installations-DVD an. Oder Sie wählen „Hostlaufwerk“ bei einer Installations-DVD, die im DVD-Laufwerk des PCs liegt. Klicken Sie dann auf „Starten“. Der virtuelle PC bootet vom Installationsmedium. Danach erledigen Sie eine Windows- oder Linux-Installation wie gewohnt.

Tipp: Sollte der Mauszeiger in der virtuellen Maschine gefangen sein, befreien Sie ihn über die „Host-Taste“. Das ist standardmäßig die rechte Strg-Taste.

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5. Gasterweiterungen installieren

Damit das Gastsystem in Virtualbox optimal funktioniert, sind zusätzliche Treiber erforderlich. Bei einigen Linux-Systemen sind diese standardmäßig vorhanden, Sie sollten aber immer die aktuellste Version installieren. Bringen Sie zuerst das Gastsystem auf den aktuellen Stand. Als Ubuntu-Nutzer verwenden Sie dazu folgende Befehle:

sudo apt-get update sudo apt-get upgrade sudo apt-get install dkms

Der letzte Befehl installiert das Paket für die dynamische Erstellung von Kernel-Modulen. Starten Sie dann das Gastsystem neu. Gehen Sie im Fenster der laufenden virtuellen Maschine auf „Geräte -> Medium mit Gasterweiterungen einlegen“. Bei Ubuntu oder Linux Mint erscheint dann ein Fenster, in dem Sie auf „Ausführen“ klicken und dies mit dem root-Passwort bestätigen. Ein Script erstellt die nötigen Kernel-Module automatisch. Sollte das Installations-Script nicht automatisch starten, führen Sie im Terminal-Fenster

sudo ./VBoxLinuxAdditions.run

im Verzeichnis des eingehängten Mediums mit den Gasterweiterungen aus. Meist ist dieses in einem Order unterhalb von „/media“ oder „/run/media“ zu finden.

Die zusätzlichen Kernel-Module installieren Sie von einer virtuellen CD.
Vergrößern Die zusätzlichen Kernel-Module installieren Sie von einer virtuellen CD.

Bei einigen Linux-Distributionen fehlen allerdings die Tools für die Kernel-Entwicklung. Was Sie nachinstallieren müssen, hängt von der verwendeten Distribution ab. Bei Fedora müssen Sie zusätzlich die Pakete dkms und gcc installieren, bei Open Suse 13.2 make, gcc und kernel-desktop-devel. Kommt Windows als Gastsystem zum Einsatz, starten Sie „VBox-WindowsAdditions.exe“ vom Medium mit den Gasterweiterungen und folgen den Anweisungen des Assistenten.

Nach einem Neustart des Gastsystems stehen Ihnen jetzt weitere Funktionen zur Verfügung. Sie können eine höhere Bildschirmauflösung wählen, und der Mauszeiger löst sich automatisch, wenn Sie ihn aus dem Fenster ziehen. Außerdem lässt sich das Gastsystem über Strg-L in den „nahtlosen Modus“ schalten. Dann sind nur die im Gastsystem geöffneten Fenster auf dem Linux-Desktop zu sehen. Die Windows-Taskleiste beispielsweise blendet Virtualbox am unteren Bildschirmrand ein.

Datenaustausch mit dem Host-System

Virtuelle Maschinen sind in der Standardkonfiguration vom Host-System weitestgehend abgekoppelt. Sie haben Internetzugriff, aber keinen Zugang zum lokalen Netzwerk. Das kann erwünscht sein, etwa um potenziell gefährliche Software in einer abgeschotteten Umgebung auszuprobieren, hat aber auch Nachteile. Wenn Sie Dateien zwischen Host- und Gastsystem übertragen wollen, können Sie dazu einen gemeinsamen Ordner verwenden. Voraussetzung dafür sind die im Gastsystem installierten Gasterweiterungen (-> Punkt 5).

Gehen Sie im Fenster der virtuellen Maschine auf „Geräte -> Gemeinsame Ordner -> Gemeinsame Ordner“. Über die „+“-Schaltfläche bestimmen Sie einen Ordner für den Datenaustausch auf dem Host-System.

Setzen Sie Häkchen vor „Automatisch einbinden“ und „Permanent erzeugen“. Damit ein Nutzer im Gastsystem den gemeinsamen Ordner nutzen kann, fügen Sie ihn beispielsweise unter Ubuntu mit folgender Befehlszeile zur Gruppe „vboxsf“ hinzu:

sudo adduser name vboxsf

„name“ ersetzen Sie durch den tatsächlichen Benutzernamen. Starten Sie das Gast-Betriebssystem neu. Den gemeinsamen Ordner finden Sie unter Linux im Verzeichnis „/media“ mit dem Prefix „sf_“. Ist Windows installiert, erreichen Sie den Ordner im Windows-Explorer über „Netzwerk“ und „Vboxsrv“.

Lokales Netzwerk verwenden: In Virtualbox-Gastsystemen können Sie auch auf Freigaben in Ihrem lokalen Netzwerk zugreifen. Gehen Sie in den Einstellungen der VM auf „Netzwerk“. Hinter „Angeschlossen an:“ stellen Sie „Netzwerkbrücke“ und darunter das gewünschte Netzwerk-Interface ein, beispielsweise „eth0“. Danach können Sie über den Linux-Dateimanager oder den Windows-Explorer auf Freigaben zugreifen oder Freigaben im Gastsystem einrichten.

Ein Tutorial zum Testen von Windows 8 unter VirtualBox finden Sie hier.

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