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Open Suse 13.2: Installation und Bedienung

17.03.2015 | 12:01 Uhr |

Die folgenden Schritte zeigen die Einrichtung von Open Suse 13.2 mit KDE als installierbarem Live-System. Dabei stellen wir Ihnen einige Besonderheiten der neuen Version vor.

Etwas länger Zeit als sonst ließ sich die Entwicklergemeinde mit dem neuen Open Suse 13.2 , das ein Jahr nach dem Vorgänger erschien. Nicht ohne Grund, denn das traditionsreiche Linux tut einen größeren Schritt: Das Dateisystem BTRFS, das kürzlich noch den Status einer Dauerbaustelle hatte, ist jetzt auf Systempartitionen Standard. Obwohl andere Distributionen damit noch einige Ausgaben warten werden, bekam BTRFS von seinen Machern grünes Licht und gilt jetzt als stabil, auch wenn die Arbeit an Details und an den begleitenden Tools noch weitergeht. Das ist bei Dateisystemen im Linux-Kernel nicht ungewöhnlich: Auch der momentane Standard Ext4 hat nach seiner Vorstellung 2008 noch Verbesserungen seitens des Kernels erfahren.

Das Open-Suse-Chamäleon wird agiler

Der Sprung zu BTRFS zeigt die Neuausrichtung von Open Suse: Bekannt und beliebt wurde „Suse“ durch seinen klaren Aufbau und die vereinfachte Administration mit dem menügeführten Tool Yast. Dieses gibt es zwar auch in der aktuellen Version, aber heute steht Open Suse auch für kühnere Features. Nicht nur, weil sich das Interesse der Entwickler und Anwender gewandelt hat, sondern auch, weil Open Suse die Vorstufe der Server-Distribution SLES ist, die mit kommerziellem Support ausgestattet ist. Suse Linux hatte 2005 nach der Übernahme durch Novell das erfolgreiche Entwicklungsmodell von Red Hat kopiert, und Open Suse verhält sich zu SLES so, wie Fedora zu Red Hat Enterprise Linux steht: als offene Entwicklergemeinde mit Lust an mutigen Weiterentwicklungen, die nach Probezeit und Bugfixing oft in die besonders stabile Server-Version SLES wandern.

SLES ist nicht nur eine Option bei vielen Hosting-Angeboten, sondern hat auch eine prominente Rolle als Betriebssystem des Supercomputers Super MUC des Leibniz-Rechenzentrums in Garching bei München, der mit 18.432 Intel-Xeon-CPUs arbeitet und mit seinen 3,19 Peta-Flops auf Platz 14 der Superrechner-Weltrangliste liegt (Stand Dezember 2014).

Welches Linux ist das Richtige?

Die aktuelle Version 13.2 von Open Suse erschien im November 2014. So ist KDE, das weiterhin als Vorzeige-Desktop dieser Distribution gilt, schon in der Version KDE 4.14 enthalten, die auch Kubuntu 14.10 nutzt. Zum Vergleich: Fedora 21 bietet momentan erst KDE 4.13 in Paketquellen. Open Suse erneuert sich mit einer aufgefrischten, wenn auch schlichteren Optik.

Unter der Oberfläche läuft wie im neuen Ubuntu 14.10 der Linux-Kernel 3.16. Vorinstalliert sind Libre Office 4.3.1, ein aktueller Firefox sowie die typischen KDE-Programme. In den Paketquellen stehen viele Standard-Anwendungen zum Nachrüsten über Yast oder den Paketmanager zypper auf der Kommandozeile bereit, wobei es aber viele Pakete nur aus den inoffiziellen Paketquellen des Open-Suse-Build-Service gibt. Zielgruppe sind immer noch Anwender, die gerne mit dem grafischen Konfigurations- Tool Yast arbeiten. Mit seinen neuen Funktionen ist Open Suse aber insgesamt experimentierfreudiger geworden und bedient nicht mehr in erster Linie Linux-Anfänger. Das zeigte aber bereits der frühe Wechsel zum Init-System Systemd, mit dem Open Suse bereits zur Version 12.2 begann.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 2/2015

Themenschwerpunkte der neuen Linux-Welt 02/2015 sind Medien-Streaming und Perfekter Speicher.

Hardware-Voraussetzungen und Installation

Die 64-Bit-Version von Open Suse benötigt eine entsprechende CPU mit 64-Bit-Unterstützung und mindestens einem GB RAM. Die Desktop-Umgebung KDE kann mit Kwin aufwendige Effekte anzeigen, und dabei ist eine 3D-fähige Grafikkarte von Vorteil. Allerdings sind diese Effekte optional und lassen sich auch abschalten. Auf Festplatte installiert, benötigt das System mindestens fünf GB. Als Installationsassistent kommt das gewohnte Yast zum Einsatz, das sich äußerlich kaum geändert hat, aber im Hintergrund auf Ruby portiert wurde. Open Suse erkennt immer noch keine bereits installierten Linux-Systeme, dafür aber vorhandene Windows-Systeme. In jedem Fall kann der Yast-Installer aber andere Partitionen bei Bedarf verkleinern und neue anlegen. Der betreffende Punkt nennt sich „Expertenmodus Festplatte partitionieren“.

Installation von DVD oder USB-Stick: Auf eine DVD gebrannt, bootet Open Suse 13.2 beim Start des Rechners. Für PCs und Notebooks ohne optisches Laufwerk oder für die Installation im Uefi-Modus gibt es noch eine alternative Startmöglichkeit: Die Installation über einen mindestens einem GB großem USB-Stick. Eine passende Anleitung finden Sie auf der Homepage vom OpenSUSE .

Deutsche Sprachpakete nachrüsten

Open Suse liefert in seinen Live-Systemen generell keine deutschen Sprachpakete mit aus, um das System möglichst kompakt zu halten. Zwangsläufig liegt dann das fertig installierte System erst mal in Englisch vor, auch wenn Sie im Installationsprogramm „Deutsch“ ausgewählt haben. Open Suse 13.2 erfordert mehr Schritte als sein Vorgänger, bis es den Desktop in Deutsch präsentiert. Sie müssen die Sprachpakete erst über eine bestehende Internetverbindung mit dem Paketmanager nachrüsten. Öffnen Sie dazu ein Terminal und geben Sie den Installationsbefehl

sudo zypper in bundle-lang-kde-de kde4-l10n-de kde4-l10n-de-data  

ein. Danach geben Sie im gleichen Terminal die beiden Befehle

sudo zypper inr sudo zypper dup

ein, die zunächst die noch fehlenden Pakete für ein ausgewachsenes Open Suse installieren und dann das System auf den neuesten Stand bringen. Der Paketmanager muss dabei insgesamt rund 700 MB an Paketen herunterladen. Erst danach kann man Open Suse als komplett installiert und aktualisiert betrachten. Nach einem Neustart wird sich Open Suse mit komplett übersetzter Oberfläche melden.

KDE Plasma 5.1: Die neue Oberfläche ist zwar noch nicht komplett, aber mit einigen Abstrichen schon durchaus Desktop-tauglich. Die Installation ersetzt das vorhandene KDE 4.14.x.
Vergrößern KDE Plasma 5.1: Die neue Oberfläche ist zwar noch nicht komplett, aber mit einigen Abstrichen schon durchaus Desktop-tauglich. Die Installation ersetzt das vorhandene KDE 4.14.x.

Proprietäre Grafiktreiber für AMD und Nvidia

Wie andere Distributionen nutzt Open Suse standardmäßig nur Open-Source-Grafiktreiber für Karten von Nvidia und AMD/ATI. Die Installation der proprietären Treiber ist bei Open Suse nicht weiter kompliziert, denn für den Paketmanager von Yast gibt es für beide Hersteller ein eigenes Repository, dass Sie über die „1-Klick-Installation“ im Webbrowser aktivieren: Für Nvidia gehen Sie dazu auf diese Webseite und finden dort Schaltflächen für den aktuellen Nvidia-Standardtreiber und für die Legacy-Treiber, die alte Karten unterstützt. Für Karten von AMD/ATI ist die Nachrüstung des Catalyst-Treibers nicht nötig, wenn die Grafikkarte über den mitgelieferten Radeon-Treiber von Open Suse problemlos funktioniert. Es gibt für den proprietären Treiber aber inoffizielle Repositories mit fertigen Paketen, deren Installation unter https://de.opensuse.org/SDB:AMD/ATI-Grafik treiber gut dokumentiert ist.

Netzwerk: Host-Namen setzen und Ping reparieren

Während der Installation von Open Suse setzt Yast den Host-Namen des Systems automatisch auf „linux.site“. Um den Rechnernamen zu ändern, gehen Sie im Anwendungsmenü auf „Systemeinstellungen > Yast > Netzwerkgeräte > Netzwerkeinstellungen“. Dort angekommen, können Sie den Hinweis ignorieren, dass der Network- Manager für das Netzwerk zuständig ist. Wählen Sie oben den Reiter „Hostname/ DNS“, und tragen Sie dann den gewünschten Host-Namen in das gleichnamige Feld ein.

Danach ist ein Reboot empfehlenswert, damit alle Netzwerkkomponenten mit dem geänderten Host-Namen neu gestartet werden.

Auf einigen Systemen kommt es vor, dass der wichtige Befehl „ping“ nicht funktioniert und die Fehlermeldung „Operation noch permitted“ ausgibt. Dies liegt an falschen Attributen der Programmdatei „/usr/bin/ping“. Mit dem Kommando

sudo zypper install -f iputils  

beheben Sie das Problem, indem das Paket „iputils“, welches Ping enthält, nochmal neu installiert wird.

Die 10 wichtigsten Linux-Befehle

BTRFS: Backups mit Snapper

Eine neue Funktion des Dateisystems BTRFS sind Backups auf Dateisystemebene („Snapshots“), die sich schon ab Open Suse 12.1 testweise aktivieren ließen, aber erst jetzt als ausgreift gelten. BTRFS kann Verzeichnisse überwachen und bei Dateiänderungen wie in einer Versionsverwaltung eine Kopie des vorhe- rigen Zustands behalten. Die Besonderheit ist, dass ein Backup mit Snapper nur für Änderungen tatsächlichen Festplattenplatz verbraucht, denn unveränderte Dateien werden dabei nicht nochmal als Kopie angelegt. Zur Verwaltung der Snapshots bringt Open Suse sowohl das Konsolen-Tool Snapper wie auch ein grafisches Werkzeug für Yast mit.

Um Snapper für die erste Verwendung einzurichten, ist aber auch in Open Suse 13.2 erst einmal ein Ausflug in die Kommandozeile nötig: Die Konfiguration für das Root-Verzeichnis „/“ aktivieren Sie mit dem Befehl

sudo snapper create-config /  

in einem Terminal-Fenster. Open Suse 13.2 liefert ein Regelwerk für automatische Backups der Systemkonfiguration mit, was eine Systemwiederherstellung nach einem Konfigurationsfehler möglich macht. Snapper legt stündlich im Hintergrund einen Snapshot der Systemdateien an, außerdem nach dem Installieren oder Entfernen von Software- Paketen mittels Yast oder zypper. Allerdings behält Snapper aus Platzgründen nicht beliebig viele Snapshots, sondern begrenzt diese auf jeweils zehn stündliche, tägliche, monatliche und jährliche Snapshots. Um diese Regeln auch auf die Home-Verzeichnisse der Benutzer anzuwenden, die auf einer eigenen BTRFS-Partition liegen, erstellen Sie mit dem Kommando

sudo snapper -c home create-config /home  

eine neue Snapper-Konfiguration.

Einen grafischen Zugang zur Verwaltung von Snapshots bietet Yast unter „Verschiedenes > Snapper“. Sie sehen dort eine Übersicht der angelegten Snapshots. Wenn Sie Snapper auch für die Home-Verzeichnisse eingerichtet haben, dann können Sie unter „Aktuelle Konfiguration“ von „root“ zu „home“ wechseln, um die Schnappschüsse auf diesem Subvolumen zu sehen und zu verwalten. Ein Klick auf „Erzeugen“ erstellt einen neuen Schnappschuss. Die Schaltfläche „Änderungen anzeigen“ listet die Unterschiede zwischen dem momentanen Zustand und dem Zeitpunkt der Sicherung auf. Ein Verzeichnisbaum links lässt sich per Klick auf die Dreiecke ausklappen, und auf diesem Weg können Sie auch einzelne Dateien markieren und wiederherstellen.

KDE 5: Das neue Plasma 5 installieren

Mit Open Suse 13.2 ist auch das neue KDE in die Standard-Paketquellen aufgenommen worden und steht dort experimentierfreudigen Anwendern bereit, die einen Blick auf KDE Plasma 5 werfen möchten. Es müssen dabei einige Bibliotheken ausgetauscht werden, und die Installation ersetzt deshalb das vorhandene KDE 4.14.x. Der alte und der neue Desktop können nicht nebeneinander auf einem System laufen.

Zur Installation ist es lediglich nötig, das Metapaket „plasma5-session“ abzurufen – entweder unter „Yast > Software > Software installieren oder löschen“ oder in der Kommandozeile:

sudo zypper in plasma5-session  

Daraufhin schlägt der Paketmanager zur Konfliktlösung vor, KDE 4 zu deinstallieren, was Sie manuell bestätigen. Anschließend zieht das Metapaket alle weiteren Abhängigkeiten aus den Open-Suse-Repositories, und die Installation mit etwa 100 MB Umfang beginnt. Nach deren Abschluss können Sie den Rechner neu starten und werden von KDE Plasma 5.1 begrüßt.

Open Suse 13.2: Mehr Infos

Website: http://www.opensuse.org/de
Dokumentation: https://de.opensuse.org/Portal:Wiki

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