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Open Suse 13.2: Das bietet die Distribution

10.03.2015 | 12:03 Uhr |

Lange war es still um Open Suse. Im November hat sich die Distribution nach knapp einem Jahr Entwicklungszeit mit Version 13.2 zurückgemeldet, die sich eine neue Optik verpasst hat und BTRFS zum Standard-Dateisystem macht.

Open Suse ist mit dem Ruf groß geworden, eine besonders anwenderfreundliche Distribution zu sein, da Suse Linux als eines der ersten Linux-Systeme über ein grafisches Installations-und Konfigurations-Tool verfügte. Den Rang als beliebteste Einsteiger-Distribution hat Open Suse an Ubuntu und Linux Mint abgeben müssen. Doch damit ändert Open Suse seine Rolle: Mit Yast ist das System zwar immer noch komfortabel zu konfigurieren, doch räumt Version 13.2 höheren Ansprüchen und experimentellen Funktionen mehr Raum ein. Zudem zeigt der Desktop jetzt einen Trend Richtung Gnome.

Chamäleon mit Ausdauer

Das Chamäleon, welches die Distribution seit ihren Anfängen als Logo ziert, erweist sich als erstaunlich zäh: Open Suse ist eine der dienstältesten Linux-Distributionen, und sie wechselte häufiger die Hände als jedes andere Linux-System: 2003 kaufte Novell die ursprünglich in Nürnberg ansässige Firma Suse Linux GmbH. 2011 ging es zum Netzwerkspezialisten Attachmate, den sich im September 2014 wiederum Micro Focus schnappte, um das eigene Mainframe-Geschäft auszubauen. Für das Team um Open Suse, das mehrere freie und unbezahlte Entwickler um einen Projektleiter in Festanstellung schart, änderte sich dadurch aber nicht viel. Open Suse 13.2 konnte Anfang November planmäßig erscheinen.

Andere Open-Source-Projekte hätten ähnliche Turbulenzen wohl nicht so gut überstanden, aber Open Suse blieb aufgrund einiger Besonderheiten: Erstens ist die Distribution Vorstufe für das kommerzielle Suse Enterprise Linux, das viele Pakete nach ausgiebiger Erprobung von Open Suse übernimmt und ebenfalls gerade in neuer Version erschien.

Zweitens ist Open Suse nach wie vor ein Sponsor vieler wichtiger Open-Source-Entwicklungen und schart einige Linux-Prominenz um sich wie den Kernel-Entwickler Greg Kroah-Hartman. Drittens ist das Konfigurations-Tool Yast unter den Linux-Distributionen immer noch eine einzigartige Administrationshilfe, wenn man sich an seine Eigenheiten gewöhnt hat.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 1/2015

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KDE und Gnome

Obwohl Open Suse mit seinem sorgfältig eingerichteten KDE 4.14.1 als Vorzeige-Distribution für diese Arbeitsumgebung gilt, gibt es als zweiten Hauptdesktop auch Gnome, das in der gerade erschienenen Version 3.14 enthalten ist. Open Suse 13.2 ist damit die erste große Distribution mit dem neuen Gnome 3.14 an Bord. Die Systemzentrale Yast ist in beiden Varianten enthalten. Unter der Oberfläche läuft wie im neuen Ubuntu der Linux-Kernel 3.16. Vorinstalliert sind Libre Office 4.3.1, ein aktueller Firefox, Kmail als Mailprogramm unter KDE, Evolution in der Gnome-Variante. In den Paketquellen stehen viele Standardanwendungen zum Nachrüsten über Yast oder den Paketmanager zypper auf der Kommandozeile bereit, wobei es aber viele Pakete abseits ausgetretener Pfade nur aus inoffiziellen Paketquellen aus dem Open-Suse-Build-Service gibt.

So klappt die Installation von OpenSUSE 13.2

BTRFS als Standard

Eine überraschende Änderung, die kurz vor der Fertigstellung der neuen Version für eine kleinere Kontroverse zwischen Entwicklern und Testern sorgte, ist der Wechsel zu BTRFS als Standard-Dateisystem. Auch das kommerzielle Suse Enterprise Linux (SLES) 12 bietet standardmäßig BTRFS an. In der letzten Version war BTRFS noch optional und musste in Yast bei der Installation explizit gewählt werden. Sieben Jahre Entwicklungszeit gingen schon ein in BTRFS, das als Nachfolger für Ext4 gehandelt wird und längst im Linux-Kernel verfügbar ist.

BTRFS ist Standard: Wird die automatische Partitionierung im Installationsprogramm Yast gewählt, legt Open Suse 13.2 für die Systempartition eine Reihe von BTRFS-Volumes an.
Vergrößern BTRFS ist Standard: Wird die automatische Partitionierung im Installationsprogramm Yast gewählt, legt Open Suse 13.2 für die Systempartition eine Reihe von BTRFS-Volumes an.

Beeindruckende Fähigkeiten wie Momentaufnahmen, Fehlerkorrektur, eingebaute Raid-Unterstützung, Größenänderungen von Partitionen im Handumdrehen und interne Defragmentierung machen BTRFS zum Multitalent unter den Dateisystemen. Jedoch litt BTRFS bis vor kurzem noch unter Kinderkrankheiten und vergleichsweise schlechter Leistung bei typischen Server-Aufgaben.

Es gibt daher berechtigte Zweifel, ob das Dateisystem reif ist für produktiv eingesetzte Systeme. Der frühe Wechsel ist gerade für das ansonsten konservative Open Suse ungewöhnlich. Um die Zweifel zu zerstreuen, hat sich BTRFS-Hauptentwickler Chris Mason mit seiner offiziellen Einschätzung eingeschaltet: BTRFS sei stabil genug für den produktiven Einsatz, befinde sich aber noch in intensiver Entwicklung. Einige Funktionen seien nicht problematisch, so die Autodefragmentierung, ferner Raid 5 und 6, interne Kompression sowie der Inode-Cache. Open Suse 13.2 deaktiviert deshalb die genannten Funktionen.

Eine andere BTRFS-Eigenschaft spielt dagegen eine prominente Rolle: Momentaufnahmen (Snapshots) sind seit Open Suse 12.1 mit dem Tool Snapper und dem grafischen Verwaltungswerkzeug Yast-Snapper auf BRTFS-Partitionen möglich. Sie erlauben es, auf Dateisystemebene den vorherigen Zustand des Systems oder einzelner Dateien wiederherzustellen. Die Technik erinnert an die Sicherungs-Software Time Machine unter Mac-OS X oder an die Wiederherstellungspunkte unter Windows. Sie nimmt nun unter Open Suse 13.2 einen wichtigen Platz ein.

Momentaufnahmen mit Snapper: Das Snapshot-Tool für BTRFS kann den aktuellen Zustand der Systempartition auf Dateisystemebene sichern und später wiederherstellen.
Vergrößern Momentaufnahmen mit Snapper: Das Snapshot-Tool für BTRFS kann den aktuellen Zustand der Systempartition auf Dateisystemebene sichern und später wiederherstellen.

Fazit: Hohe Ziele

Open Suse übernimmt ab 13.2 eine neue Rolle und spricht heute vor allem jene Anwender an, die ein sorgfältig vorkonfiguriertes KDE 4.14.1 oder Gnome 3.14 auf dem Desktop wünschen und schon über Linux-Kenntnisse verfügen. Eine ausgesprochen einsteigerfreundliche Distribution ist Open Suse nicht mehr, sondern wird mit dem früh adaptierten BTRFS zum Trendsetter, der einen Blick auf die Zukunft des Linux-Desktops erlaubt.

Open Suse 13.2:

Website: www.opensuse.org/de
Dokumentation: http://de.opensuse.org/Dokumentation

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