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Open Suse 12.3 - Alle Neuerungen im Detail

14.06.2013 | 10:05 Uhr |

Das Linux für Einsteiger- auch in der neuen Version wird die Distribution ihrem Ruf wieder einmal gerecht. Dank UEFI und Secure Boot hat sie allerdings auch neue Tricks im Ärmel.

Nachdem die Vorgängerversion von Open Suse nur mit Ach und Krach sowie einiger Verspätung fertig wurde, hat der Entwicklungsprozess wieder zu alter Form zurückgefunden. Mit dem neuen Open Suse gibt es kleine Fortschritte und Aktualisierungen, aber wenig spektakuläre Baustellen. Dafür läuft die Weiterentwicklung mit einem neuen Team aber wieder rund und exakt im anvisierten Zeitrahmen. Diskussionen um eine veränderte Erscheinungsweise der beliebten Distribution sind damit vom Tisch. Zu den Neuerungen von Open Suse 12.3 gehört die Unterstützung von UEFI, Secure Boot und eine grundlegend neue Optik für KDE.
Software: Bewährtes statt Brandneues
Mit seiner Software-Auswahl wagt sich Open Suse nicht sehr weit vor und setzt stattdessen auf Bewährtes: Libre Office wird in der älteren Version 3.6 ausgeliefert, Digikam ist noch auf dem Stand 3.0. Als Musikverwaltung ist immerhin das neuste Amarok 2.7.0 mit von der Partie, und Firefox bekommt bei der ersten Aktualisierung über den Paketmanager gleich ein Update auf Version 20. Auf die KDE-eigene Büro-Software Calligra und den Webbrowser Reconq verzichtet Open Suse. Eine Besonderheit von Open Suse ist, dass bei der ersten Installation von Updates auch automatisch das Flash-Plug-in und die Unterstützung von MP3-Audiodateien über den Codec von Fluendo nachgerüstet werden, ohne dass der Anwender diese Pakete manuell auswählen muss.

Unter der Oberfläche läuft der Linux-Kernel 3.7 vom letzten Jahr, der aber immerhin schon verbesserte Stromsparfunktionen bietet, sowie grundlegend überarbeitete Unterstützung für Grafikchips von Intel, Nvidia und AMD. Ein pikantes Detail ist, dass My SQL nur als noch optionales Paket zur Verfügung steht, das standardmäßig gar nicht mehr installiert wird. Stattdessen kommt das alternative Datenbanksystem Maria DB zum Einsatz. Es unterstützt dieselben Funktion wie My SQL und dient als nahtloser Ersatz. Damit zeigt sich jetzt auch beim eher konservativen Open Suse, wie wenig freie Entwickler vom Umgang Oracles mit My SQL halten, dessen Weiterentwicklung weitgehend hinter geschlossenen Türen stattfindet.

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Desktop in dunklen Pastelltönen

Abgedunkelt: Der KDE-Desk- top von Open Suse kleidet sich jetzt in dunkle Pastell- töne. In den Systemein- stellungen gibt es aber auch weiterhin das typisch grüne Erscheinungsbild.
Vergrößern Abgedunkelt: Der KDE-Desk- top von Open Suse kleidet sich jetzt in dunkle Pastell- töne. In den Systemein- stellungen gibt es aber auch weiterhin das typisch grüne Erscheinungsbild.

Der KDE-Desktop sowie dessen zugehörige Programme sind auf dem Stand von KDE 4.10.0, das den Datei-Tracker Nepomuk stark überarbeitet hat und einen neuen Index-Prozess als Ersatz für das langsame Strigi mitbringt. Der neue Indexer erlaubt eine feinere Definition der zu durchsuchenden Dateien und verfügt über eine Aufräumfunktion für die Datenbank der Metadaten. Optische Reize bringt der Fenstermanager Kwin, der nun Aktionen wie Verkleinern und Vergrößern von Programmfenstern mit unaufdringlichen Animationen versieht. Und in den Einstellungen des Desktops gibt es die neue Option, in KDE-Programmen ein globales App-Menü am oberen Bildschirmrand zu verwenden. KDE in Open Suse 12.3 legt das gewohnte grüne Gewand ab und präsentiert sich in dunkleren Pastellfarben. Dies sieht zwar elegant aus, Schrift und Menü-Elemente sind aber auf spiegelnden Notebook-Bildschirmen nicht gut zu erkennen. Aber das traditionelle grau-grüne Thema gibt es weiterhin: Es steht Ihnen über „Systemeinstellungen > Erscheinungsbild der Arbeitsfläche“ und „Systemeinstellungen > Erscheinungsbild von Anwendungen“ zur Auswahl bereit.
Komfortable Installation von Heft-DVD und USB-Stick

Mit Yast auf die Festplatte: Das Installationsprogramm hat Open Suse 12.3 beibehalten. Dieser Assis- tent begleitet Sie durch die einzelnen Installations- schritte.
Vergrößern Mit Yast auf die Festplatte: Das Installationsprogramm hat Open Suse 12.3 beibehalten. Dieser Assis- tent begleitet Sie durch die einzelnen Installations- schritte.

Um Open Suse 12.3 zu nutzen, haben Sie mehrere Möglichkeiten zur Auswahl. Am einfachsten klappt jedoch das Brennen einer ISO-Datei auf eine DVD bzw. die Nutzung des KDE Desktops auf USB-Sticks (Bei PCs und Notebooks ohne optisches Laufwerk). Das Live-System mit KDE finden Sie als ISO-Datei „openSUSE-12.3-KDE-Live-i686.iso“ auf der Downloadseite von Open Suse . Die Größe des ISO-Images ist auf fast 1 GB angewachsen und passt damit nicht mehr auf eine CD, sondern nur noch auf DVDs und Sticks. Für die Übertragung auf einen boot-fähigen USB-Datenträger hilft das Programm Imagewriter, das sich in einem laufenden Open-Suse-System über den Paketmanager installieren lässt. Nicht geeignet ist dagegen das übliche Hilfsmittel Unetbootin, denn dieses Tool erstellt auf dem Stick für Open Suse keine Boot-Menüs.

Die Installation vom vorliegenden Live-System aus erfolgt immer im BIOS-Modus, da es sich um die 32-Bit-Variante handelt, um die beste Kompatibilität mit allen Systemen sicherzustellen. Wer die UEFI-Variante möchte, findet ein 64-Bit-Image auf der Open-Suse-Webseite zum Download.

Auf der Festplatte benötigt das System mindestens fünf GB freien Speicherplatz, und der Installer benötigt mindestens ein GB RAM. Die Entwickler empfehlen einen Prozessor ab Pentium 4. Als Installationsassistent kommt das gewohnte Yast zum Einsatz, das sich nicht geändert hat.

Open Suse erkennt dabei immer noch keine bereits installierten Linux-Systeme, dafür aber ein vorhandenes Windows-System. Dessen Partition können Sie, falls nötig, verkleinern, um Open Suse auf der dadurch enstehenden Partition zu installieren.

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Dem Netzwerk schnell auf die Sprünge helfen
Ein Problem, das sporadisch nach der Installation von Open Suse 12.3 auftritt, ist eine unvollständige Konfiguration der Netzwerkschnittstelle. Es kann es passieren, dass dann beim nächsten Start des Systems keine Netzwerkverbindung mehr steht. Dazu gibt auch das Network-Manager-Applet von KDE die Fehlermeldung aus, der zugehörige Dienst „NetworkManager“ würde nicht laufen.

Der Fehler ist schnell über Yast behoben: Gehen Sie über das Anwendungsmenü von KDE auf „Systemeinstellungen > Yast > System > Netzwerkeinstellungen > Globale Optionen“. Hier müssen Sie einen Haken vor „Benutzergesteuert mithilfe von NetworkManager“ setzen und die Änderungen übernehmen.

Sprachpakete: Deutsch für den Desktop
Auf der Live-CD von Open Suse sind aus Platzgründen keine deutschen Sprachpakete enthalten, und auch nach der Installation auf Festplatte ist das System zunächst in Englisch. Um den Desktop vollständig einzudeutschen, müssen Sie noch über eine Internetverbindung Pakete aus dem Software-Depot von Open Suse nachrüsten. Dies ist nicht weiter kompliziert, wenn man weiß, was zu tun ist: Öffnen Sie im Anwendungsmenü mit „Terminal“ ein Konsolenfenster und geben Sie dort den Befehl

sudo zypper inr

ein. Der Aufruf von sudo erfordert anschließend noch die Eingabe Ihres Passworts. Danach startet der Paketmanager zypper ein komplettes System-Update und installiert dabei auch ausstehende Sprachpakete nach.

Rechner-Identität im Netzwerk: Host-Namen anpassen

Wie soll der Rechner heißen? Um den Host-Namen nach der Installation zu ändern, gehen Sie in Yast auf die Netzwerkeinstel- lungen. Die Änderung wirkt sich auf mehrere Konfigurationsdateien aus.
Vergrößern Wie soll der Rechner heißen? Um den Host-Namen nach der Installation zu ändern, gehen Sie in Yast auf die Netzwerkeinstel- lungen. Die Änderung wirkt sich auf mehrere Konfigurationsdateien aus.

Der Host-Name eines Linux-Systems ist dessen Kennung im Netzwerk und die Identität, mit der sich der Rechner anderen Netzwerkteilnehmern vorstellt. Bei der Einrichtung von Open Suse aus dem Live-System verzichtet das Installationsprogramm darauf, nach einem gewünschten Host-Namen zu fragen. Stattdessen erstellt Open Suse selbst einen Namen nach dem Zufallsprinzip und trägt diesen an allen Stellen der Systemkonfiguration ein, die den Host-Namen verlangen. Der zufällig erstellte Name nach dem Schema „linux-[Zeichenkette]“ ist für die tägliche Arbeit und für die Bereitstellung von Server-Diensten im lokalen Netzwerk wenig hilfreich. Die Konfigurationsdatei für den Host-Namen ist bei Open Suse die Datei „/etc/HOSTNAME“. Anders als bei Linux-Distributionen mit weitgehend manueller Systemkonfiguration sollte bei Open Suse der Host-Name aber nicht direkt in der Datei eingetragen werden, da SuSEconfig als Hilfswerkzeug zahlreiche voneinander abhängige Konfigurationsdateien im Verzeichnis „/etc„ automatisch erstellt.

Der richtige Weg zum neuen Host-Namen führt über die zentralen Systemeinstellungen von Yast: Gehen Sie im Anwendungsmenü auf „Systemeinstellungen > Yast > Netzwerkgeräte > Netzwerkeinstellungen“. Dort gehen Sie auf „Hostname/DNS“ und tragen dann den Host-Namen im gleichnamigen Feld ein. Für einige Netzwerkanwendungen und Server-Dienste ist es wichtig, dass sich die Netzwerkschnittstelle auch selbst unter diesem Namen kennt. Für diese Option aktivieren Sie die Einstellungen „Hostnamen der Loopback-Adresse zuweisen“. Der Local Host ist mit der IP 127.0.0.2 (sic!) dann auch unter dem eingegebenen Host-Namen bekannt.

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Frisches Libre Office installieren

Libre Office 4.0: In den Standard-Paketquellen ist die neue Version noch nicht angekommen, aber ein zu- sätzliches Repository bietet eine stabile Vorabversion zum Nachrüsten über Yast.
Vergrößern Libre Office 4.0: In den Standard-Paketquellen ist die neue Version noch nicht angekommen, aber ein zu- sätzliches Repository bietet eine stabile Vorabversion zum Nachrüsten über Yast.

Mit Abstand die wichtigste Software für die tägliche Arbeit mit einem Linux-PC ist die Büro-Suite Libre Office. Das Programm hat mit Version 4.0 einen gehörigen Satz nach vorn gemacht, bietet bessere Kompatibilität mit Microsoft-Dateiformaten und verfügt endlich über eine ausgereifte Importfunktion für SVG-Dateien. Open Suse ist mit den offiziellen Paketen noch auf dem Stand von Libre Office 3.6, und in den Online-Repositories sind noch keine neueren Pakete angekommen. Diese können Sie aber über eine zusätzliche Paketquelle selbst installieren:

Gehen Sie im Browser auf LibreOffice und dann ganz unten auf „Zeige andere Versionen > openSUSE 12.3 > LibreOffice:Stable“. Daneben finden Sie den Link „1 Click Install“, über den Sie Yast starten und diese Paketquelle zur Installation auswählen. Bevor der Download beginnt, müssen Sie in der angezeigten Warnung von Yast zur Konfliktlösung den Austausch der vorinstallierten, älteren Libre-Office-Version wählen. Dies ist die erste Option im Dialog.

Proprietäre Grafiktreiber
Open Suse verwendet standardmäßig nur Open-Source-Grafiktreiber. Für Nvidia-Karten kommt beispielsweise der quelloffene Treiber Nouveau zum Einsatz, der eine clevere Nachkonstruktion des proprietären Nvidia-Treibers ist. Bessere 3D-Leistung gibt es aber mit dem Treiber des Herstellers. Die Installation der Software von Nvidia und AMD ist bei Open Suse nicht kompliziert, denn für den Paketmanager von Yast gibt es für beide Hersteller ein eigenes Repository, dass sich über die „1-Klick-Methode“ im Webbrowser aktivieren lässt: Für Nvidia gehen Sie dazu auf NVIDIA-Grafiktreiber:SDB:NVIDIA-Grafiktreiber und bei Karten von AMD auf AMD/ATI-Grafiktreiber:AMD/ATI-Grafiktreiber . Wenn AMD-Hardware über den mitgelieferten Radeon-Treiber von Open Suse problemlos funktioniert, ist die Nachrüstung des proprietären Catalyst-Treibers nicht nötig.

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KDE am Desktop ersetzen

Ganz in Gnome: Eine gleich- berechtigte Desktop-Umgebung neben KDE ist Gnome, das sich im laufenden System in Version 3.6 auch parallel zu KDE installieren lässt.
Vergrößern Ganz in Gnome: Eine gleich- berechtigte Desktop-Umgebung neben KDE ist Gnome, das sich im laufenden System in Version 3.6 auch parallel zu KDE installieren lässt.

Open Suse ist eine Vorzeige-Distribution für KDE. Seit den Tagen von Suse Linux ist diese Arbeitsumgebung der Standard-Desktop, und einige KDE-Entwickler standen auch nach der Übernahme von Novell noch in einer Festanstellung bei Suse. Mittlerweile hat sich der Schwerpunkt aber leicht verschoben, und KDE ist nur noch eine von mehreren Desktop-Umgebungen für Open Suse: Alternativ steht ein Live-System mit Gnome 3.6 zum Download auf OpenSUSE 12.3 bereit, um den Gnome-Desktop in Aktion zu sehen.

Daneben gibt es zur nachträglichen Installation aber auch die ressourcenschonenden Arbeitsumgebungen von XFCE oder LXDE.

Gnome: Gnome in Version 3.6 gibt es in den Standard-Paketquellen. Zur Installation gehen Sie in Yast auf „Software > Software installieren oder löschen“ und dann links oben im Menü „Anzeigen“ auf „Schemata“. In der Liste in der Seitenleiste können Sie nun die Einträge „GNOME Desktop-Umgebung“ und „GNOME Basissystem“ markieren.

XFCE: Auch den schlanken Xfce 4.10 bietet der Paketmanager zur Installation an. Die benötigten Schemata heißen „XFCE Base System“ und „XFCE-Desktop-Umgebung“.

LXDE: Für Rechner, die mit KDE und Gnome zu langsam sind, kommt vor allem LXDE als schlichte Alternative in Frage. Auch für diesen Desktop gibt es im Paketmanager ein vorbereitetes Schema mit dem Namen „LXDE Desktop Environment“.

Fazit: Open Suse besinnt sich auf seine Stärken

Welcher Desktop darf es sein? Sind mehrere Arbeits- umgebungen installiert, präsentiert der Display Manager unterhalb des Zahnrad-Symbols eine Liste der Desktops zur Auswahl.
Vergrößern Welcher Desktop darf es sein? Sind mehrere Arbeits- umgebungen installiert, präsentiert der Display Manager unterhalb des Zahnrad-Symbols eine Liste der Desktops zur Auswahl.

Open Suse hat in Sachen Entwicklungsgeschwindigkeit einen Gang zurückgeschaltet, was dem System nicht schlecht bekommt. Einen technischen Vorsprung oder deutliche Modernisierungen kann die Distribution zwar nicht bieten, aber darum geht es bei diesem System gar nicht mehr: Schließlich bekommen experimentierfreudige Anwendern mit Ubuntu und Fedora waghalsige Neuerungen und eigenwillige Sonderwege. Open Suse bedient Ein- und Umsteiger mit einem soliden Desktop-System, das sich durch grafische Hilfen wie Yast auszeichnet und auf große Überraschungen verzichtet.

Website: www.opensuse.org/de
Dokumentation: http://de.opensuse.org/Dokumentation

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