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Open Source im Unternehmen einsetzen

08.10.2015 | 08:30 Uhr |

Open Source ist im Business-Bereich mittlerweile weit verbreitet. Der Beitrag stellt aktuelle Lösungen und Einsatzmöglichkeiten in kleineren Unternehmen vor.

Nicht nur private Nutzer schwören auf Open-Source-Tools . Laut der „Trendstudie Open Source“ aus dem Jahre 2009 von Heise Open und der Wilken GmbH nutzen 83 Prozent der damals 1.300 befragten Firmen Open Source in unternehmenskritischen oder wichtigen Firmenbereichen. Die Zufriedenheit mit Open Source lag dabei im Durchschnitt deutlich über der Zufriedenheit mit kommerzieller Software. Es steht damit außer Frage, dass Open Source im Business-Umfeld mittlerweile weit verbreitet ist.

Dieser Beitrag soll einen Überblick über aktuelle Open-Source-Lösungen bieten und mögliche Einsatzzwecke für Gründer und kleine Unternehmen aufzeigen. Neben konkreten Empfehlungen werden Vor- und Nachteile sowie Hürden und Herausforderungen beim Einsatz von Open-Source-Software erläutert.

Einsatzzwecke von Open Source im Büro

Es gibt mittlerweile Bereiche, in denen kein Weg an Open Source vorbeiführt und wo man kommerzielle Alternativen mit der Lupe suchen muss. Gleichzeitig gibt es praktisch keinen Bereich, in denen es überhaupt keine Alternativen zu kommerziellen Produkten gibt. Dass man grundsätzlich bei Open Source kein einzelnes Softwarepaket nimmt, sondern viele Einzellösungen sinnvoll kombiniert, kann Fluch und Segen zugleich sein.

Zu den wichtigsten und häufig genutzten Lösungen gehören die Open-Source-Webserver Apache und Nginx, die zusammen einen Marktanteil von knapp 80 Prozent haben. Die zwei beliebtesten Datenbanken sind MySQL und PostgreSQL, und bei den Mailservern dominieren Sendmail, Postfix oder Exim. In diesem Bereich gibt es wenig nennenswerte Alternativen zu Open-Source-Produkten.

Im Bereich Firewall und Netzwerke kann man sich komplett für einen Anbieter wie Cisco entscheiden, der Produkte, Support und Schulungen aus einer Hand liefert. Im Open-Source-Bereich finden sich Produkte, die eine vergleichbare Leistungsfähigkeit liefern, jedoch keine eigene Marke besitzen.

PHP, Ruby on Rails, Python, Perl - die Webentwicklung ist fest in der Hand von Open Source. Für jede Programmiersprache findet man eine Vielzahl von Entwicklungstools.

Wordpress erschien zum ersten Mal im Jahr 2003. Aktuell besitzt Wordpress einen Marktanteil von über 70 Prozent der Blog- und CRM-Systeme weltweit. Doch auch die folgenden Plätze sind mit Joomla, Typo3, Drupal oder Prestoshop durch Open-Source-Software besetzt.

E-Commerce, Blog-Systeme und CMS wurden in wenigen Jahren von Open Source überrollt, und es gibt keinen anderen Bereich, der so fest in der Hand von Open Source ist.

Der erste Kontakt zu Open Source erfolgt meistens durch Firefox, Thunderbird oder andere Standardsoftware für Internet, E-Mail, Office oder PDF. Nachdem einzelne Programme durch Open Source ausgetauscht wurden, beginnt häufig die Suche nach weiteren kostenlosen Alternativen.

Auch über zehn Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Linux-Systems und der großen Begierde nach einem Mac haben alle Windows-Systeme zusammen immer noch einen Marktanteil von 90 Prozent bei den Desktop-Systemen.

Wenn man sich mit der Produktion von Podcasts oder Videobearbeitung vertraut macht, sollte man sich Audacity und Open Shot genauer anschauen. Zum Nulltarif bekommt man Multimedia-Produkte, die den teuren kommerziellen Produkten vom Funktionsumfang her durchaus ebenbürtig sind.

Wenn es um Big Data oder Cloud-Anwendungen geht, führt kein Weg an Linux vorbei. Innovationen wie „in-memory data“ oder „live kernel patching“ sind Erfindungen aus dem Open-Source-Bereich. Keine geschlossene Software oder Plattform kann die Flexibilität liefern, die notwendig ist, um sich individuell auf die Anforderungen einzustellen. SAP, Amazon, Google oder Facebook – alle großen Anbieter setzen bei großen Datenmengen auf Linux-basierte Serverlösungen.

Für eine gute Teamarbeit sind die unterstützenden Tools von größter Wichtigkeit. Pentaho und Sugar CRM sind leistungsfähige CRM-Systeme, die auch mehrere Hundert Benutzer erlauben. Mit Open Project, Zimbra, Kolab, Odoo, Owncloud, Seafile und vielen mehr gibt es eine große Auswahl an Collaboration- und Workflow-Tools mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Fähigkeiten. Die Herausforderung liegt hier eher darin, zu erkennen, welches Tool am besten die eigenen Bedürfnisse abbildet.

Vorteile von Open Source für Gründer

Die Trendstudie Open Source liefert viele Gründe für den Einsatz von Open Source. Je kleiner das Unternehmen, desto höher wird der Kostenvorteil durch die eingesparte Lizenzkosten gewertet. Neben diesem dominierenden Vorteil werden die offenen Standards, Vermeidung von Abhängigkeiten und die große Leistungsfähigkeit der Software angeführt. Open Source wird typischerweise als flexibel, zuverlässig und performant wahrgenommen.

Lesetipp: Open Source versus gekaufte Software

Nachteile und Herausforderungen von Open Source

Nicht immer sind Open-Source-Lösungen geeignet für den Firmeneinsatz. Gerade kleine Unternehmen kämpfen hauptsächlich mit drei Herausforderungen:

1. Externe Abhängigkeiten verhindern den Einsatz von Open Source. Das können beispielsweise Branchenlösungen sein, für die es keinen adäquaten Ersatz gibt oder die Situation, dass ein Kunde oder Lieferant ein gewisses Datenformat erwartet. So gehen etwa häufig Formatierungen verloren, wenn Open Office und Microsoft Office verwendet werden.

2. Für den sinnvollen Einsatz von Open Source wird Wissen, Erfahrung oder Fachpersonal benötigt. Gerade in kleinen Unternehmen ist jedoch häufig der Chef gleichzeitig der IT-Administrator. Wenn er keine Erfahrung mit Open Source hat, wird er auch nicht auf die Idee kommen, dass er hier groß einsparen kann. Und eine Vollzeitkraft für die IT zu beschäftigen, ist gerade in der Anfangsphase für kleine Unternehmen nicht möglich.

3. Die Mitarbeiter müssen die Software akzeptieren. Open Source mag noch so leistungsfähig sein - wenn die Umstellung für die Mitarbeiter zu groß ist, wird die Software mit großer Wahrscheinlichkeit abgelehnt werden. Zielführender ist eine Einführung auf Raten bzw. mit klar abgegrenztem Einsatzzweck.

Der Grundstein für eine zuverlässige Unternehmens-IT

In den letzten Jahren hat ein schleichender Prozess stattgefunden. Immer mehr Programme wie Firefox, Thunderbird oder Libre/Open Office haben sich einen festen Platz auf den Computern dieser Welt erobert. Gleichzeitig wächst der Marktanteil von Open Source im Bereich Server und Serverdienste. Open Source ist somit ein wichtiger Bestandteil von fast allen Firmen-ITs geworden. Die „Trendstudie Open Source“ zeigt deutlich, dass etablierte Unternehmen, die mehr Erfahrung mit Open-Source-Software machen, diese auch mehr und mehr einsetzen. Open-Source-Software spielt also eine immer wichtigere Rolle im Unternehmen und gleichzeitig steigt die Zufriedenheit mit der IT.

Gründer und kleine Unternehmen können besonders von Open Source profitieren. Kurzfristig kann man viele Lizenzkosten einsparen und langfristig eine zuverlässige IT-Infrastruktur aufbauen. Das funktioniert aber nur, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind: Der Chef bzw. der IT-Administrator muss ein Grundwissen haben und für Open Source offen sein. Gleichzeitig muss er für die individuellen Anforderungen im Unternehmen die richtige Software finden und eine gewisse Anlaufzeit akzeptieren.

Damit legen diese Unternehmer jedoch häufig den Grundstein für eine zuverlässige Unternehmens-IT.

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