Online-Sicherheit

Vorsicht vor Download-Fallen im Internet

Donnerstag, 02.08.2012 | 07:09 von Christian Remse
Vorsicht vor Download-Fallen im Internet
Vergrößern Vorsicht vor Download-Fallen im Internet
© istockphoto.com/Jirsak
Mit fiesen Tricks jubelt so manche Freeware dem Anwender bei der Installation eine Shareware oder eine Toolbar mit unter. PC-WELT zeigt was dahinter steckt und wie Sie diese Fallen umgehen.
Laden Sie sich eine Freeware aus dem Internet und führen die Setup-Datei aus, installieren Sie in etlichen Fällen nicht nur die gewünschte Ziel-Datei, sondern auch nervige Dreingaben wie eine Toolbar. Diese unnötige Huckepack-Software verstopft nicht nur den Browser, sondern ändert ohne Ihre Zustimmung sogar grundlegende Einstellungen.

Methoden der Software-Mafia

Hersteller von Huckepack-Software bezahlen Programmierer, etwa von kostenlosen Brennprogramme, Antiviren-Tools oder Video-Konverter viel Geld, um diese lästigen Zusatzprogramme ahnungslosen Nutzern unterzujubeln. Je bekannter und beliebter die Downloads sind, desto teurer wird das Einbinden der Dreingaben. Das Ziel der Hersteller: Möglichst viele Kunden an ihre Zusatzprogramme zu binden, um sich somit auf dem Markt gegenüber Konkurrenten zu behaupten.

Ask Toolbar drängt sich während der Installation
auf
Vergrößern Ask Toolbar drängt sich während der Installation auf

Aufdringliche Toolbar macht sich im Browser breit

Möchten Sie das kostenlose Brennprogramm wie ImgBurn ab Version 2.5.1.0 installieren und führen dazu die EXE-Datei aus, erscheint während der Installations-Routine ein Dialogfenster, das Ihnen die Ask-Toolbar aufschwatzen möchte. Vorsicht: Die Routine setzt standardmäßig ein Häkchen neben „Install the Ask Toolbar“. Sollten Sie diesen Zwischenschritt übersehen und wie gewohnt auf „Next“ (in deutschsprachigen Installations-Routine als „Weiter“ bezeichnet) klicken, um den Vorgang schnellstmöglich zu beenden, erscheint die Toolbar im Browser und müllt diesen zu. Die Ask Toolbar bietet Funktionen, die zum einen vollkommen unnötig sind und zum anderen den Nutzer in seiner Suchfreiheit einschränken. Eingebettete Links zu Facebook oder Youtube können Sie genau so gut durch Browser-Lesezeichen ersetzen und dadurch nicht nur die Übersicht der Browser-Oberfläche wahren, sondern zudem Ressourcen sparen und folglich die Leistung des Browsers erhalten. Die Suchleiste in der Ask Toolbar beschränkt Ihre Anfragen wahlweise auf die Suchmaschinen Ask.com oder Microsoft Bing und grenzt somit andere Suchmaschinen wie Yahoo oder Google aus. Nutzen Sie stattdessen die beispielsweise in Firefox integrierte Suchleiste, können Sie per Mausklick deutlich mehr Suchmaschinen nutzen und dadurch gegebenenfalls weitreichendere Ergebnisse erzielen. Ein weiteres Problem sind die veränderten Grundeinstellungen. Bleibt das Häkchen neben „Make Ask.com my browser home page und new tabs page“ während der Installations-Routine gesetzt, tauscht der Browser Ihre ursprüngliche eingerichtete Homepage durch Ask.com beziehungsweise Bing.com aus und bringt somit Ihre bevorzugten Nutzereinstellungen durcheinander.

Die Funmood-Toolbar ist noch hinterhältiger als die von
Ask.com
Vergrößern Die Funmood-Toolbar ist noch hinterhältiger als die von Ask.com

Hinweis: Die Ask Toolbar ist bei weitem nicht die einzige aufdringliche Zusatz-Software. Installieren Sie beispielsweise den FreemakeVideo Converter , jubelt Ihnen der Installations-Assistent standardmäßig die vollkommen unnötige, dafür äußerst nervige Funmoods-Toolbar unter. Selbst wenn Sie im entsprechenden Dialogfenster von der werbeunterstützten Option „Quick installation (ad-supported)“ zu „Parameters settings (Advanced)“ wechseln, müssen Sie erst das Häkchen neben „Install Funmoods toolbar“ entfernen, um nicht anschließend die Toolbar zu installieren und Ihren Browser mit störenden Emoticons und anderem Müll zu übersähen.

Ohne Ask Toolbar keinen WebGuard
Vergrößern Ohne Ask Toolbar keinen WebGuard

Toolbar wird zum Zwang

Bemerken Sie den hinterhältigen Zwischenschritt während der Installations-Routine und entscheiden sich gegen die Ask Toolbar, verweigern Ihnen  so manche Downloads in diesem Fall ihren vollen Funktionsumfang. Beispiel: Möchten Sie die prominente und beliebte Gratis-Antiviren-Software Avira Free Antivirus installieren und Ihren PC über den bislang nur in der kostenpflichtigen Version enthaltenen sowie cleveren WebGuard schützen, müssen zwangsweise auch die Ask Toolbar installieren – kommen Sie der Aufforderung nicht nach, bleibt der WebGuard der Installation fern. Über die Einnahmen von Ask.com finanziert Avira dieses an sich kostenpflichtige Tool. Aber auch der Suchmaschinen-Betreiber nimmt bares Geld ein, da er die von Ihnen gestellten Suchanfragen auswertet und die entnommenen Nutzerdaten verkauft.

Unter Huckepack-Programmen befinden sich sogar
Browser
Vergrößern Unter Huckepack-Programmen befinden sich sogar Browser

Es musst nicht immer eine Toolbar sein

Neben Toolbars jubeln Ihnen Downloads auch andere ungewollte Zusatzprogramme unter. Installieren Sie beispielsweise das kostenloseSystem-Säuberungs-Tool CCleaner – auch bekannt als Crap Cleaner – ab Version 3.00 und übersehen die entsprechenden Kontrollhäkchen, erweitert die Routine Ihre Software-Sammlung auf der Festplatte um den Browser Google Chrome. An sich handelt es sich dabei um einen Ressourcen-sparenden und somit guten Browser. Doch: Sollten Sie sich bereits mit einem anderen Browser wie etwa dem Firefox angefreundet haben und können daher auf einen weiteren verzichten, nervt es gewaltig, Google Chrome auf diese hinterhältige Weise untergejubelt zu bekommen. Ähnlich wie bei der Ask Toolbar oder der Funmood Toolbar sind die Häkchen hier standardmäßig gesetzt und müssen daher während der Installations-Routine manuell entfernt werden. Verpassen Sie diesen Moment, installiert sich nicht nur Google Chrome, sondern wird zudem zum Standard-Browser.

Toolbar über den Add-on-Manager im Browser
deaktivieren
Vergrößern Toolbar über den Add-on-Manager im Browser deaktivieren

Unerwünschte Zusatz-Software loswerden

Da mittlerweile zahlreiche Tools derartige Huckepack-Programme installieren, ist ein wachsames Auge der beste Schutz vor unerwünschten Dreingaben. Es empfiehlt sich daher, die Angaben jedes Dialogfensters während der Installations-Routine genau durchzulesen und gegebenenfalls Häkchen, die lästige Toolbars und andere Zusatz-Software installieren, per Mausklick zu entfernen. Hat sich erst einmal eine dieser lästigen Dreingaben auf Ihrem System eingenistet, können Sie diese über den Systemsteuerungs-Punkt „Programme“ unter Windows 7 oder Windows Vista per Mausklick allerdings problemlos wieder deinstallieren. Nutzen Sie ein Netbooks, finden Sie die entsprechende Option unter Windows XP, indem Sie auf „Start“, „Einstellungen“, „Systemsteuerung“ und zuletzt auf „Software“ klicken und anschließend die Toolbar entfernen. Da Browser wie der Internet Explorer Toolbars auch als Add-on listen, können Sie diese Zusatz-Software alternativ über Add-on-Verwaltung deaktivieren. Diese finden Sie im Internet Explorer unter dem Menüpunkt „Extras“. Markieren Sie im Add-on-Manager die zu deaktivierende Toolbar und bestätigen Sie per Mausklick auf die Schaltfläche „Entfernen“, verschwindet sie von der Browser-Oberfläche.

Donnerstag, 02.08.2012 | 07:09 von Christian Remse
Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (7)
  • gruftchaos 09:25 | 31.07.2012

    Da regen sich Leute auf, die bei Facebook ihre privatesten Daten dem gesamten Netz freigeben Bravo Persönlich freue ich mich darüber, dass man inzwieschen recht problemlos einen PC komplett mit Freeware betreiben kann. Ein wenig lesen was man sich installiert, ist ein geringer Preis dafür, dass man kein Geld mehr für ein Office-, Brenn-, Photo-, Grafik-, Audiobearbeitungsprogramm ect. ect. ausgeben muß. Wem das zuviel Arbeit ist, soll dann doch Geld dafür ausgeben, es wird niemand gezwungen kostenlose Alternativen zu verwenden.

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  • guepewi 11:37 | 30.07.2012

    Bei einer Installation sollte man unbedingt immer "Benutzer bedingt" installieren und nie "Express". Dann verringert sich die Gefahr deutlich, Ungewolltes einzufangen. @ copps Es gibt auch Leute, die aus reiner Freude programmieren oder eine Seite mit freier Software ins Netz stellen, ohne durch Werbung zu verdienen. Ich denke da vielleicht an http://freesoftpage.de[/url

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  • copps 10:08 | 30.07.2012

    Ja, so ist das nun mal bei Freeware. wovon sollen sich denn die Leute ernähren, die die Software schreiben, diese obendrein noch warten und dann noch ServiceAntwort kostenlos dazu machen? Glaubt Ihr Freewarefans, die haben alle eine reiche Oma? Oder arbeitet Ihr gar auch umsonst, verschenkt Eure Arbeitskraft ? Hat sich bei Avira schon jemand mal bedankt, für die Freewareversion? meckern über AddOns ist einfach , sich bedanken für ein Geschenk, gehört in der heutigen Zeit wohl nicht mehr zum guten Benehmen ? Oder gehört Ihr gar zu denen die diese Software im Büro und nicht nur privat benutzen? Wolfgang Porcher

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  • P.A.C.O. 10:03 | 30.07.2012

    Wenn ich mir den Text vom TO durchlese, wäre das von ihm auch etwas viel verlangt.

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  • Eric March 09:34 | 30.07.2012

    Ihr werdet doch gefragt ob ihr die Bar wollt oder nicht. Es ist eure rein persönliche Dummheit das nicht abzuwählen. Wer immer nur OK klickt braucht sich m.E. nach über gar nichts zu wundern und verdient allen Ärger. Dass er nix draus lernt ist noch viel erbärmlicher. Also sind weder PCWelt noch Chip noch Avast schuld; Letzerer muss durch Werbung hinzuverdienen, schließlich wollt ihr für lau eine professionellen Schutz den ihr auch bekommt. (Dass mir da was untergejubelt werden finde ich auch nicht toll; aber so sind die Zeiten nun mal. Da muss ich drauf reagieren.) Eric March

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