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Zoff in Azeroth

08.01.2008 | 09:55 Uhr |

Unter den neun Millionen Spielern von World of Warcraft bilden sich Interessengruppen. Derzeit fühlt sich eine vernachlässigt: die echten Rollenspieler.

Ganze 82 Kopien, "Realms" genannt, gibt es allein in Deutschland von der Fantasywelt Azeroth aus World of Warcraft. 14 davon tragen das Kürzel "RP" – Role Playing, zu Deutsch: Rollenspiel.

Nun ist World of Warcraft an sich schon ein Rollenspiel, in dem Spieler aus ihrem Ich in fremde Charaktere schlüpfen. Besonders ernst genommen wird das Konzept in RP-Realms wie "Nachtwache", "Silberne Hand" oder "Die Aldor".

Dort sollen die Spieler nicht nur wie Zwerge, Nachtelfen oder Gnome aussehen, sondern sich auch so verhalten. "Mit Emotes und gewählten Worten bringen wir uns ein, die Geschichte einer virtuellen Welt auszuschmücken", beschreibt der RP-Spieler Frank Kramp die Spielerfahrung. Für einen Teil der Spielerschaft ist das virtuelle Schauspiel der Hauptspaß am Fantasy- Abenteuer.

Der vergeht den Geschichtsfreunden mittlerweile zusehends. Weil sie ihre RP-Realms mit Nicht-Rollenspielern teilen müssen, kommt es häufig zu Reibereien.

Lol, Zaubertom
Die Spielbestimmungen von Blizzard sehen klare Regeln dafür vor, wie Charaktere aus RPServern zu heißen, zu sprechen und sich zu verhalten haben. Erlaubt sind nur mittelalterliche Namen, Unterhaltungen "OOC" ("out of character", aus der Rolle fallend) verboten. Wer als Tauren-Schamane spielt, soll auch wie ein Tauren-Schamane reden, möglichst in ganzen Sätzen und nicht über die Bundesliga-Partie vom Vortag.

Die Rollenspieler nervt, dass sich daran kaum jemand hält. »Unmengen an "Zaubertoms" und "Bratwursts" springen lol-end, rofl-end und "ey woah, phattes 2h-Schwert!" -grölend durch unsere Realms", fasst die Spielerin Lyniviel die Klagen im offiziellen Forum zusammen. Dort häufen sich seit Monaten die Geschichten über Störungen, Beleidigungen und digitale Randale.

Nackte Elfen
Für solche Verstöße sieht Blizzards Regelwerk zwar Sanktionen von der Zwangsumbenennung bis zur temporären Sperrung vor. Vor dem offiziellen Eingreifen aber verpflichtet die Firma ihre Kunden zur Selbsthilfe.

Wer Regelbrüche entdeckt, solle "fehlgeleitete Spieler verbal auffordern, ihr Verhalten zu beenden", heißt es in den Statuten. "Das läuft in den meisten Fällen ins Leere oder gleich auf Beleidigungen hinaus", seufzt die Rollenspielerin Carina Garber. Für einige Störenfriede ist die Empfindlichkeit der RP-Freunde sogar noch Einladung zur Provokation.

"Manche Nicht-RP-Spieler finden Gefallen daran, stundenlang Rollenspiel-Gruppen zu stören, indem sie nackt zwischen ihnen herumhüpfen", ärgert sich Daniel Sissenich. Handhabe gegen solche Regelbrecher besitzen nur die "Game Master" genannten, offiziellen Betreuer, die Blizzard zur Überwachung jedes Realms abstellt. Beschwerden an die Richtinstanz bleiben allerdings oft ohne Konsequenzen, wie Frank Kramp frustriert beschreibt: »Am nächsten Tag sehe ich den gleichen Spieler mit gleichem Namen weiter über mich lachen.«

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