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Neuer Vertrag, alter Router

Keine Chance dem Router-Zwang!

11.01.2013 | 11:55 Uhr |

Viele DSL-Anbieter versuchen ihren Kunden vorzuschreiben, welchen Router sie zu verwenden haben. Wir erklären, warum das so ist und wie Sie Ihren alten behalten.

Update 11.1.2013: In einem aktuellen Informationsschreiben teilt die Regulierungsbehörde mit, dass sie keine rechtlichen Handhabe gegen die Praxis der Internetprovider sieht, den Internetzugang mit der Nutzung eines vorgegebenen Routers zu koppeln. In diesem Artikel erläutern wir, was es mit dem Router-Zwang auf sich hat und was Sie dagegen tun können.

Niemand lässt sich gerne zu etwas zwingen. Das interessiert einige Anbieter von Internetanschlüssen jedoch herzlich wenig. Wer zum Beispiel den DSL-Tarif „Classic“ von Vodafone buchen will, muss den angebotenen WLAN-Router „Easy  Box“ zwangsweise dazubestellen. Ebenso wie bei vielen anderen Anbietern gibt es keine Möglichkeit, den Router aus der Bestellung herauszunehmen, wenn man schon einen eigenen besitzt. Da der Preis der Easybox mit rund 25 Euro moderat ist, könnte man die Zwangslieferung noch verschmerzen und das Päckchen einfach beiseitelegen. Doch wer das tut und stattdessen seinen eigenen Router anschließt, wird bei der Einrichtung an einer entscheidenden Stelle hängenbleiben: nämlich bei der Eingabe der Benutzerdaten für den Internetzugang und gegebenenfalls beim Eingeben der entsprechenden Daten für die Telefonverbindung. Diese sind im Vodafone-Begrüßungsschreiben nämlich nicht aufgeführt. Stattdessen findet sich dort lediglich ein „Modem-  Installationscode“. Dieser lässt sich nur in die Easybox eingeben und bewirkt, dass sie sich die Zugangsdaten von Vodafone holt und selbstständig einträgt. Selbst nach erfolgter Einrichtung lassen sich die Daten nicht auf normalem Wege aus dem Menü des Routers auslesen.

Ohne Router-Bestellung kein DSL: Bei Vodafone müssen Sie
immer den hauseigenen Router mitbestellen, egal, ob Sie bereits
einen eigenen besitzen oder nicht.
Vergrößern Ohne Router-Bestellung kein DSL: Bei Vodafone müssen Sie immer den hauseigenen Router mitbestellen, egal, ob Sie bereits einen eigenen besitzen oder nicht.

Installationscode statt Benutzerdaten

Die Idee, dem Kunden einen kurzen, handlichen Installationscode mitzuteilen, ist prinzipiell gesehen gut. Zahlenkombination eingeben, kurz warten und anschließend sofort lossurfen und telefonieren. Einfacher geht’s nicht. Technisch läuft diese vollautomatische Konfiguration des Routers über ein spezielles Protokoll namens TR-069. Letzteres funktioniert unabhängig von der DSL-Internetverbindung. Lediglich das DSL-Signal muss vorhanden sein.

Die automatische Einrichtung bekommt stärkere Bedeutung dadurch, dass DSL-Provider aus Kostengründen die Telefonie-Option immer öfter nicht mehr über das klassische Telefonnetz anbieten, sondern per VoIP (Voice over IP) über den DSL-Zugang. Die VoIP-Einrichtung könnte manchen Einsteiger schnell überfordern, vor allem wenn mehrere Rufnummern zum Anschluss gehören. Aus diesem Grund ist die automatische Konfiguration eine tolle Sache.

Weniger toll ist es allerdings, wenn der Anbieter dem Kunden ausschließlich den Installationscode mitteilt und nicht auch zusätzlich die detaillierten Zugangsdaten. Denn ohne diese Daten lässt sich ein alternativer Router nicht einrichten.

Tipp: Diese geheimen Router-Einstellungen sollten Sie kennen

Warum überhaupt der Router-Zwang?

Stellt sich die Frage, warum immer mehr Provider so erpicht darauf sind, ihren Kunden bestimmte (Modem-) Router vorzuschreiben. Der entscheidende Grund dafür lautet: Sie wollen Support-Kosten sparen. Die manuelle Konfiguration eines „Fremd-Routers“ ist fehleranfälliger als die automatische Konfiguration über einen Installationscode. Entsprechend häufiger würden sich Anwender alternativer Router an der Hotline des Providers melden. Darüber hinaus kostet es natürlich Geld, Support-Mitarbeiter auf Dutzende von verschiedenen Router-Typen zu schulen. Hinzu kommt, dass die Provider in ihren hauseigenen Routern Diagnose-Schnittstellen eingerichtet haben, auf die Hotline-Mitarbeiter im Support-Fall zugreifen können, um ein bestehendes Problem einzugrenzen. Bei Fremd-Routern können sie das nicht.

Der Ausweg aus dem Dilemma ist eigentlich ganz einfach: Die Provider könnten dem Kunden neben dem Installationscode auch sämtliche Zugangsdaten mitteilen, verbunden mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass keinerlei Support für Router von Drittherstellern geleistet wird. In der Praxis würden aber viele Nutzer von eigenen Routern im Problemfall wahrscheinlich trotzdem die Hotline des Providers kontaktieren.

Bundesnetzagentur gegen Router-Zwang

Juristisch gesehen ist ein Router-Zwang eigentlich gar nicht erlaubt. Denn laut „Gesetz über Funkanlagen und Telekommunikationseinrichtungen“ (FTEG) hat jeder Kunde das Recht der Wahlfreiheit („Anschlussrecht“). Im Gesetzestext heißt es dazu in §11 Absatz 3: „Betreiber öffentlicher Telekommunikationsnetze (etwa Provider, Anm. d. Red.) dürfen den Anschluss von Telekommunikationsendeinrichtungen (beispielsweise DSL-Router mit Modem, Anm. d. Red.) an die entsprechende Schnittstelle (zum Beispiel Telefonanschluss, Anm. d. Red.) aus technischen Gründen nicht verweigern, wenn die Endeinrichtungen die geltenden grundlegenden Anforderungen erfüllen.“

Sicherheits-Check: Den Router absichern

Somit wäre jeder Kunde frei bei der Auswahl seines Endgeräts. Da sich aber sowohl DSL- als auch VoIP-Zugänge lediglich mit Hilfe der entsprechenden Zugangsdaten nutzen lassen, müsste der entsprechende Provider sie eigentlich für seine Kunden freigeben.

Im Forum von O2 („Alice-DSL“) ist zu diesem Thema eine lebhafte Diskussion entbrannt . Mehrere Forenmitglieder berichten darin darüber, dass sie sowohl O2 als auch die Bundesnetzagentur per E-Mail auf das Problem hingewiesen haben. Die Bundesnetzagentur habe demnach gemäß des Gesetzestextes geantwortet, dass Kunden das Recht hätten, ihre Anschlüsse auch mit anderen tauglichen Endgeräten zu nutzen und dass daher Provider laut FTEG dazu verpflichtet seien, alle Zugangsdaten an ihre Kunden herauszugeben.

O2 beruft sich in seinen Antworten einerseits darauf, dass das Unternehmen die Zugangsdaten „aus Sicherheitsgründen“ nicht veröffentlichen möchte. Andererseits stellt es sich auf den Standpunkt, dass der Netzabschluss nicht die Telefondose sei, sondern der vom Provider zur Verfügung gestellte Router. Und an den könne man ja beliebige Endgeräte anschließen. Anfang Juli wurde einem der Forennutzer mitgeteilt, dass aktuell ein Fachreferat der Bundesnetzagentur zum Thema „Boxenzwang“ Anhörungen bei den betroffenen Firmen durchführe. Wann eine Entscheidung dazu fällt, ist noch nicht bekannt.

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