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Online-Banking-Diebstahl - Erste Hilfe für den IT-Notfall

02.03.2015 | 11:09 Uhr |

Betrug beim Online-Shopping, Passwort geklaut, Handy verloren oder Festplatte defekt – was Sie bei solchen Katastrophen tun müssen, verraten hier die Experten für genau diese Notfälle.

Es hilft ungemein, wenn man im Unglücksfall die richtigen Tipps kennt und weiß, was als Erstes und was als Letztes zu tun ist. Darum haben wir die Experten gefragt, die jeden Tag mit Online-Diebstahl, Handy-Verlust und Festplatten-Crashs zu tun haben. Hier präsentieren wir Ihnen als Erstes die Experten-Tipps für den Schadensfall beim Online-Banking.

Diebstahl beim Online-Banking: Vorsorgen und richtig reagieren

Kriminelle können durch Diebstahl beim Online-Banking richtig viel Geld erbeuten. Entsprechend groß ist der Entwicklungsaufwand, den sie für Banking-Trojaner betreiben. So tauchen immer wieder Schädlinge auf, die vom Antivirenprogramm nicht entdeckt werden und sich im Browser des Opfers einnisten können. Von dort aus manipulieren sie eine Überweisung genau dann, wenn das Opfer die Daten zur Bank sendet. Auf dem PC-Bildschirm ist von der Manipulation, also dem neuen Empfänger und dem höheren Betrag, nichts zu erkennen. Dort bleiben die ursprünglichen Werte stehen.

Sicheres Online-Banking - mit diesen Tools

Gegen Banking-Trojaner: Mobile TANs und TAN-Generatoren

Schutz vor Banking-Trojanern, die eine Überweisung auf dem Weg zur Bank manipulieren, bieten mobile TANs oder TAN-Generatoren. Sie erhalten bei diesen Systemen die nötige Transaktionsnummer (TAN) entweder per SMS auf Ihr Handy (mobile TAN) oder von einen kleinem Gerät mit Display (TAN-Generator). Das Entscheidende dabei ist, dass zur TAN auch der Empfänger und der Betrag der Überweisung angezeigt werden. Hat eine Manipulation stattgefunden, kann man sie hier entdecken und den Vorgang abbrechen. Und Sie sollten hier auch besonders aufmerksam sein. Denn im August 2014 hat ein Gericht das Opfer eines Online-Banking-Diebstahls eine Mitschuld zugewiesen . Das Opfer hatte die veränderten Angaben am TAN-Generator nicht bemerkt. Das Urteil hatte zur Folge, dass der Bestohlene auf seinem Verlust sitzen blieb. Dennoch sind TAN-Generatoren grundsätzlich sehr sicher, da sie anders als etwa Android-Smartphones nicht von einem Virus befallen werden können. Einen Überblick über gängige TAN-Verfahrengibt es hier .

Interview: Expertenrat bei Diebstahl im Online-Banking

Kriminaloberkommissar Christoph Büchele
Vergrößern Kriminaloberkommissar Christoph Büchele

Kriminaloberkommissar Christoph Büchele des Kriminalfach­dezernats 12 bei der Polizei München ist auf Fälle von Computerbetrug wie dem Online-Banking spezialisiert und verrät, wie Sie richtig reagieren ( www.polizei.bayern.de ).

PC-WELT:   Ich entdecke in der Umsatzanzeige meines Online-Banking-Kontos eine hohe Abbuchung, die ich nicht veranlasst habe. Was tue ich als Erstes?

Büchele:  Wichtig ist, dass Sie bei einem Vorfall auf Ihrem Online-Banking-Konto möglichst schnell handeln und gleich Ihre Bank über die Überweisung informieren. Rufen Sie an, oder gehen Sie zu einer nahe gelegenen Filiale. Wenn erst wenig Zeit verstrichen ist, kann Ihre Bank das Geld vielleicht noch zurückholen. Zudem sollten Sie bei der Polizei eine Anzeige erstatten.

PC-WELT:   Zu welcher Polizei-Dienststelle gehe ich am besten?

Büchele:  Gehen Sie zu Ihrer lokalen Polizeidienststelle. Denn auch hier gilt, dass die Kollegen vor Ort Ihre Ansprechpartner für alle Fragen sind.

PC-WELT:   Muss ich meinen PC und mein Handy mitbringen, wenn ich zur Polizei gehe?

Büchele:  Trennen Sie Ihren PC vom Internet, aber lassen Sie ihn zu Hause. Sollten wir ihn für die Spurensicherung benötigen, melden wir uns in der Regel innerhalb von einer Woche bei Ihnen. Bis dahin sollten Sie nichts am PC verändern, also auch keine Virenreinigung starten. Ein Handy mit verdächtigen SMS-Nachrichten können Sie mitbringen. Wir machen dann einfach Fotos von den Nachrichten, und Sie können Ihr Handy behalten.

PC-WELT:   Was bleibt noch zu tun?

Büchele:  Wenn Sie Ihre Bank bisher nur telefonisch informiert haben, macht es Sinn, den Vorfall dort auch noch schriftlich zu melden. Dabei können Sie der Bank auch die Erlaubnis erteilen, relevante Daten des Falls an uns weiterzuleiten. Wenn wir den PC nicht oder nicht mehr zur Spurensicherung benötigen, können Sie ihn vom Virus befreien, etwa durch eine gründliche Neuinstallation von Windows, und wieder nutzen.

PC-WELT: Vielen Dank für Ihre Zeit.

Demnächst finden Sie auf pcwelt.de auch noch die Experten-Tipps zu diesen Themen:

Festplatten-Crash:  Es müssen nicht immer Kriminelle sein, die einem die Daten aus dem PC ziehen. Wer Pech hat, dem geht einfach die Festplatte kaputt. Wenn das letzte Backup zu lange zurück liegt, sind so auch die Daten weg. Expertenrat gibt es hier von Kroll-Ontrack, einem Spezialisten für die Datenrettung bei Hardware-Defekt und anderen Unglücksfällen.

Fake-Shops:  Zum Thema Betrug bei Fake-Shops berät eine Expertin der Verbraucherschutzzentrale Bayern. Bei dieser Masche haben die Opfer Waren im Internet bestellt, bezahlt – aber niemals erhalten. Für einfache Streitereien zwischen Internethändler und Käufer empfiehlt die Expertin zudem einen kostenlosen Online-Schlichter.

Passwortklau per Virus:  Ein Großteil der aktuellen PC-Schädlinge hat es auf die Log-in-Daten abgesehen, die auf einem PC gespeichert sind. Wir haben einen Experten vom Antivirenhersteller Eset gefragt, was die ersten Schritte sind, wenn man den Schädlingsbefall festgestellt hat.

Handy-Verlust:  Und zuletzt gibt es noch Hilfe, wenn Sie Ihr Smartphone verloren haben. Das Wichtigste in diesem Fall ist allerdings eine gute Vorsorge, also eine regelmäßige Datensicherung und die Installation eine Lokalisierungs-App. Diese hilft bei der Suche nach dem Handy. Infos zu diesen Apps bekommen Sie auch hier .

Video: Die unglaublichsten Sicherheitslücken im Internet
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