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Onedrive unter Linux: Mit Onedrive-d kein Problem!

05.10.2015 | 12:03 Uhr |

Ein inoffizieller Client erlaubt die ungewöhnliche Zweckgemeinschaft von Microsoft Onedrive und Linux, um auch außerhalb des Browsers auf den Cloud-Speicher zuzugreifen und Dateien synchron zu halten.

Für typische Linux- und Open-Source-Anwender ist Microsoft Onedrive sicher nicht die erste Wahl, zumal ein offizieller Linux-Client für diesen Cloud-Dienst fehlt. Aber der Datenaustausch mit Bekannten und Kollegen verlangt schon mal den Zugriff auf Onedrive via Linux. Und auch Microsoft Office Online , das im Browser auch unter Linux funktioniert, ist gut an Onedrive angebunden. Für gelegentlichen Zugriff auf Onedrive wird der webbasierte Zugang völlig ausreichen, um Dateien hoch- und herunterzuladen. Sollen ganze Verzeichnisstrukturen mit dem Cloud-Speicher abgeglichen werden, dann ist dieser manuelle Weg auf Dauer mühselig. Ein inoffizieller Linux-Client hilft: Das Open-Source-Projekt Onedrive-d ist eine Script-Sammlung für Linux-Systeme, die in Python 3 geschrieben ist und die Synchronisation eines ausgewählten Ordners mit Onedrive über dessen API ermöglicht.

Onedrive-d: Vorbereitung und Installation

Das Projekt Onedrive-d ist keine Eintagsfliege, sondern wird von seinem Entwickler bereits seit einem Jahr beständig verbessert. Der Quellcode liegt auf Github zum Download bereit und noch nicht in Form fertiger Pakete für Linux-Distributionen. Es gibt einige Einschränkungen, die es zu beachten gilt, bevor man sich an die Installation macht: Onedrive for Business verwendet eine andere API und wird bisher nicht unterstützt. Mit einem Proxy-Server kann Onedrive-d nicht umgehen. In der Version 1.1 vom Juni 2015 bietet Onedrive-d keine grafische Oberfläche zur Konfiguration – diese erfolgt komplett in der Kommandozeile, und die Installation über mehrere Schritte im Terminal ist anspruchsvoller als die Einrichtung über einen Paketmanager. Ein Installations-Script übernimmt aber die wichtigsten Handgriffe und rüstet auch noch einige zusätzliche Python-Module automatisch nach, falls diese auf dem Zielsystem noch nicht vorhanden sind.

Das Installations-Script arbeitet unter Debian , Ubuntu , Linux Mint sowie Fedora und erwartet, dass der Benutzer das Recht besitzt, Befehle mit „sudo“ auszuführen.

Installieren Sie in einem Terminal-Fenster zunächst das Kommandozeilen-Tool git für den bequemen Zugriff auf Github. In Debian und Ubuntu erledigt das der Befehl

sudo apt-get install git  

und in Fedora dieses Kommando:

sudo dnf install gcc git  

Der Rest der Installation ist unter allen drei Distributionen identisch. Mit dem Aufruf

git clone https://github.com/xybu/onedrive-d.git  

holen Sie den Quelltext von Onedrive-d, der im neuen Unterverzeichnis „onedrive-d“ gespeichert wird. Danach wechselt das Kommando

cd onedrive-d  

in das angelegte Verzeichnis, und der Befehl

./install.sh  

startet dort das mitgelieferte Installations-Script. Es überprüft, welche Pakete der Distribution noch fehlen, und installiert diese bei Bedarf über den Paketmanager nach.

Konfiguration: Mit Onedrive verbinden

Die gelungene Installation bestätigt das Installations-Script mit der Meldung „onedrive-d installed successfully“. Nun geht es zur Konfiguration des Clients. Diese starten Sie mit dem Kommando

onedrive-pref 

im Terminal-Fenster, um den Client mit dem Onedrive-Konto zu verbinden. Diese Konfiguration ist in vier Schritte unterteilt und nur einmal nötig.

1. Die Frage „Do you want to authorize […]“ bestätigen Sie mit „Y“. Anschließend zeigt das Konfigurationsscript eine Webadresse zu Onedrive an, die Sie mit der Maus markieren und mit einem Rechtsklick und „Kopieren“ in die Zwischenablage befördern. Öffnen Sie dann einen Browser, und fügen Sie Adresse in die Adresszeile ein. Auf der Seite von Onedrive melden Sie sich mit Ihrem Benutzerkonto an und erlauben Onedrive-d den Zugriff auf den Cloud-Speicher mit „Yes“. Die Seite lädt jetzt neu und zeigt ein leeres Browser-Fenster. Interessant ist aber nur die neue URL in der Adresszeile, die als Bestätigung gilt.

Kopieren Sie den Inhalt der Adresszeile wieder in die Zwischenablage, und gehen Sie zurück zum wartenden Konfigurations-Script im Terminal, in das Sie die neue Adresse einfügen und mit Return bestätigen.

2. Die Frage „Do you want to specify path“ beantworten Sie mit „Y“ und geben dann den Pfad zum lokalen Verzeichnis ein, das als Synchronisationsordner dienen soll. Standardmäßig arbeitet der Client mit dem Ordner „Onedrive“ im Home-Verzeichnis.

3. Dieser Schritt bietet lediglich an, Standardwerte für die Dateiübertragung zu verändern („numeric settings“). Da dies nicht nötig ist, überspringen Sie diese optionalen Einstellungen mit „n“.

4. Die letzte Abfrage „Do you want to edit the ignore liste file“ ist ebenfalls optional und bezieht sich auf eine Liste von Dateien, die der Client stets ignorieren soll. Die Liste enthält bereits Einträge für temporäre Dateien, „Thumbs.db“ und „Desktop.ini“, und Sie können diesen Schritt mit „n“ überspringen.

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Erster Start: Meldungen verfolgen

Für die erste Verwendung empfiehlt es sich, Ondrive-d mit der Ausgabe ausführlicher Meldungen aufzurufen. Dazu starten Sie den Client mit dem Befehl

onedrive-d start --debug  

im Terminal, das nun die Synchronisation von Onedrive-d anzeigt. Im lokalen Verzeichnis legt es alle Dateien und Ordner aus dem Cloud-Speicher ab. Kommen neue Dateien hinzu oder werden welche gelöscht, dann erfolgt ein Abgleich in beide Richtungen. Die Tastenkombination Strg-C schließt den Client im Debug-Modus wieder.

Im normalen Betriebsmodus arbeitet Onedrive-d still im Hintergrund. Dazu rufen Sie den Client mit

onedrive-d start  

auf und halten ihn mit

onedrive-d stop  

jederzeit an.

Automatischer Start mit dem Desktop

Damit der Client automatisch nach der Anmeldung startet, legen Sie mit der Desktop-Umgebung einen Autostart-Eintrag für Onedrive-d an. In Unity und Cinnamon starten Sie dazu die Session-Verwaltung mit dem Aufruf gnome-session-properties, den Sie im Ausführen Dialog (Alt-F2) oder im Terminal eingeben. In XFCE steht die Session-Verwaltung über xfce4-session- settings zur Verfügung, in Mate nennt sie sich mate-session-properties. In KDE verwenden Sie „Systemverwaltung -> Starten und Beenden“. In Gnome 3 ist keine Autostart-Verwaltung mehr enthalten.

Tipp: Neben Onedrive gibt es natürlich noch zahlreiche andere Cloud-Dienste für Linux. Wer sich unter den besten umschauen möchte, findet eine Auflistung in dieser Übersicht .

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