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Ohne Tastatur und Maus – Windows 8 auf mobilen Geräten

22.01.2014 | 09:56 Uhr |

Touch-Notebook, Hybrid-Gerät oder Detachable-Tablet: Die Gerätevielfalt macht die Auswahl nicht gerade einfach. PC-WELT bringt Ordnung in das Hardware-Chaos und erklärt, welche Geräte sich am besten für die Touch-Bedienung eignen.

Windows 8 wartet bekanntermaßen mit zwei Oberflächen auf: mit der klassischen Desktop-Ansicht und der Start-Oberfläche mit Apps, die für die Bedienung per Finger optimiert ist. Doch anders als beim Monitor auf dem Schreibtisch, wo die Steuerung mit der Hand wenig ergonomisch ist und die Arme schneller ermüden, eignen sich Notebooks mit Touch-Bildschirm sehr viel besser für die Bedienung mit den Fingern .

Hier liegen Tastatur und Bildschirm nah beieinander, man muss also nicht 60 bis 80 Zentimeter überbrücken, um die Art der Eingabe zu wechseln, sondern kann sehr schnell umgreifen. Zudem ist der Notebook-Monitor meist deutlich kleiner, so dass auch die Bewegungen auf der Touch-Oberfläche selbst viel kürzer ausfallen.

Alle neuen Touch-Notebooks eignen sich für Windows 8

Erfreulich ist, dass alle Notebooks mit Touch-Bildschirm, die unser Testcenter seit Erscheinen von Windows 8 erreichten, ein rahmenloses Display besitzen. Darauf lässt sich eine wichtige Fingerbewegung, nämlich das wichtige Hineinwischen vom Bildschirmrand, problemlos durchführen. So öffnet man beispielsweise die Charm-Leiste am rechten Bildschirmrand oder wechselt die Windows-Ansicht.

Test: Das beste Tablet mit Windows 8

Anders als bei manchen Touch-Monitoren für den Desktop-PC, die immer noch einen hervorstehenden und somit störenden Rahmen besitzen, haben die Notebook-Hersteller also mitgedacht. Ihre aktuellen Geräte sind somit uneingeschränkt auch für die Fingerbedienung geeignet.

Beim Notebook liegen Tastatur und Bildschirm nahe beieinander, das Umgreifen von der Tastatur auf das berührungsempfindliche Display ist also einfach und schnell erledigt.
Vergrößern Beim Notebook liegen Tastatur und Bildschirm nahe beieinander, das Umgreifen von der Tastatur auf das berührungsempfindliche Display ist also einfach und schnell erledigt.
© Acer

Yoga-Notebooks: Hybrid- und Convertable-Geräte

Optimal geeignet sind Notebooks – ausgestattet mit berührungsempfindlichen Bildschirmen im Klappdeckel – für die Touch-Bedienung dennoch nicht. Besser sind da „Hybrid“-Geräte, bei denen sich der Bildschirm flach stellen lässt. Diese auch Convertables genannten Notebooks eignen sich dank Tastatur sowohl für den Business-Einsatz als auch per Touch für die App-Steuerung.

Den erforderlichen Klapp-, Schwenk- oder Schiebemechanismus des Displays gestalten die Hersteller unterschiedlich: Bei den Lenovo-Geräten Yoga 11s und Yoga 13 lässt sich der Deckel um volle 360 Grad umklappen, so dass ein Tablet-artiges Gerät entsteht, wie Sie im PC-WELT-Video sehen. Acers Ultrabook Aspire S7 klappt den Bildschirmdeckel nur um 180 Grad auf, das Gerät liegt damit flach ausgeklappt auf dem Tisch.

Dells Notebook XPS 12 besitzt einen speziellen Displayrahmen, in dessen Mitte der eigentliche Bildschirm drehbar gelagert ist. Dadurch lässt sich das XPS 12 schnell vom Notebook- in den Tablet-Modus umstellen, wie unser Video illustriert. Vom Ergebnis ähnlich, aber mechanisch anders gestaltet Sony das Aufklappscharnier bei seinen Geräten Vaio Duo 11 bzw. 13. Nachteilig ist hier, dass das Display nur in einem festen Winkel aufstellbar ist. Beim Satellite-Notebook U920t von Toshiba lässt sich der Bildschirm im Deckel dagegen wie bei gewöhnlichen Notebook in jedem Winkel aufklappen.

Tablet-Modus: Das Hybrid-Notebook XPS 12 von Dell verfügt über einen Touch-Bildschirm, der sich über eine spezielle Rahmenkonstruktion flach auf das Notebook drehen lässt.
Vergrößern Tablet-Modus: Das Hybrid-Notebook XPS 12 von Dell verfügt über einen Touch-Bildschirm, der sich über eine spezielle Rahmenkonstruktion flach auf das Notebook drehen lässt.
© Dell

Tablets mit unterschiedlichen Tastaturkonzepten

Neben echten Notebooks und den Hybrid-Notebooks bilden die sogenannten „ Detachables “ eine weitere Geräteklasse: Dabei handelt es sich im Prinzip um Tablet-PCs, die sich dank (meist optionaler) Tastatur mit Aufstell- oder Ansteckmechanismus in ein Notebook verwandelt lassen. Ein solches Gerät ist auch das Microsoft Surface Pro bzw. der Nachfolger Pro 2, das ohne Tastatur mit 64 GByte Speicher knapp 800 Euro kostet, die Version mit doppeltem Speicher ist rund 100 Euro teurer. Ebenfalls etwa 100 Euro sind für die zusätzliche Tastatur „Type Cover“ zu veranschlagen.

Das Tablet bzw. Notebook Microsoft Surface Pro mit Windows 8 und einem Core-i-Prozessor von Intel kostet je nach Ausführung zwischen 800 und 1.000 Euro.
Vergrößern Das Tablet bzw. Notebook Microsoft Surface Pro mit Windows 8 und einem Core-i-Prozessor von Intel kostet je nach Ausführung zwischen 800 und 1.000 Euro.
© Microsoft

Unübersichtlich wird die Auswahl noch dadurch, dass die Geräte mit völlig unterschiedlicher Hardware aufwarten. Wie das genannte Surface Pro verfügen auch das Iconia W700 von Acer, das Transformer Book von Asus und das Aspire P3 von Acer über einen schnellen Core-i-Prozessor und Windows 8 in der 64-Bit-Variante.

Leistungsmäßig eine Stufe darunter ordnen sich die Detachables mit dem langsameren Atom-Prozessor und Windows 8 ein. Beispiele für diese Gerätekategorie, die es bereits ab 400 Euro gibt, sind das Asus Vivotab Smart ME400C , das Acer Iconia W510 , das Asus Vivotab TF810C , das Samsung Ativ Smart PC oder die beiden Lenovo-Geräte Ideatab Lynx und das Ideatab Miix 10. Diese Modelle mit Atom-CPU brauchen keine Kühlung, sind deshalb dünner als die stärkeren Core-Pendants und halten mit einer Akkuladung länger durch.

Allen bisher genannten Geräten gemeinsam ist das vollwertige Windows 8, auf dem sich wie gewohnt Programme installieren lassen. Das ist bei Geräten mit Windows RT und ARM-Prozessoren wie in Android-Smartphones und -Tablets völlig anders, hier ist man auf die vergleichsweise wenigen Apps aus Microsofts App Store beschränkt. Die normalen Windows-Programme laufen darauf nicht! Diesem Nachteil steht eine zum Teil extrem lange Akkulaufzeit von bis zu 15 Stunden entgegen.

Der Name ist Programm: Bei den Yoga-Notebooks von Lenovo lässt sich der Bildschirm um 360 Grad umklappen, die Geräte sind damit zusammengefaltet wie ein Tablet nutzbar.
Vergrößern Der Name ist Programm: Bei den Yoga-Notebooks von Lenovo lässt sich der Bildschirm um 360 Grad umklappen, die Geräte sind damit zusammengefaltet wie ein Tablet nutzbar.
© Lenovo

Zu den ARM-Geräten zählen das Microsoft Surface RT , das  Asus Vivotab RT , das Samsung Ativtab, das Dell XPS 10 und das Lenovo Ideapad Yoga 11 , mit fester Tastatur ebenfalls ein Hybrid-Notebook.

Allerdings kommt Windows RT bei den Käufern kaum an, die Folge sind zum Teil massive Preissenkungen . Das Microsoft Surface RT mit einer Preisempfehlung von 479 Euro gibt es inzwischen für weniger als 300 Euro. Das Yoga 11, Im März 2013 für 749 Euro auf den Markt gekommen, wird schon für 300 Euro verramscht. Das lohnt sich für die Hardware-Hersteller kaum, Samsung, Asus und Dell haben deshalb angekündigt, keine RT-Geräte mehr zu bauen. Die Zukunft von Windows RT ist also ungewiss.

Smarte Monitore als Alternative

Bisher gab es neben den Touch- und Hybrid-Notebooks nur die großen All-in-One-PCs mit 230-Volt-Netzanschluss einerseits und Tablets mit einer maximalen Bildschirmdiagonale von zehn Zoll andererseits. Doch in den vergangenen Monaten kamen erste tragbare Tablet-PCs mit einer Displaygröße bis zu 27 Zoll und eingebautem Akku hinzu. Genau darin liegt die Besonderheit: Man kann die „smarten Monitore“ mitnehmen und ohne Stromkabel auf dem Balkon oder im Garten nutzen.

Die meisten dieser Geräte (Asus Transformer AiO P1801, Dell XPS 18, HP Envy Rove 20, Lenovo Ideacentre Horizon 27, Sony Vaio Tab 20) zu Preisen zwischen 800 und 1.800 Euro laufen unter Windows 8, das ist aber keineswegs zwingend. Erste Android-Geräte wie das 22 Zoll große Acer DA220HQL zum Preis von ca. 350 Euro gibt es bereits, weitere sind angekündigt.

27 Zoll groß und rund 1.800 Euro teuer ist das „Riesen-Tablet“ Ideacentre Horizon 27 von Lenovo: einer der neuen All-in-One-PCs, der dank eingebautem Akku transportabel ist.
Vergrößern 27 Zoll groß und rund 1.800 Euro teuer ist das „Riesen-Tablet“ Ideacentre Horizon 27 von Lenovo: einer der neuen All-in-One-PCs, der dank eingebautem Akku transportabel ist.
© Lenovo

Fazit: Der Einsatzzweck ist entscheidend

Besser als der Desktop-PC eignen sich mobile Geräte für die Touch-Bedienung von Windows 8, weil hier die Ergonomie günstiger und das Wechseln zwischen Tastatur- und Bildschirmbedienung einfacher ist. Der Weisheit letzter Schluss ist ein gewöhnliches Notebook mit Touch-Display aber auch nicht, das beweisen die vielen Konzepte der Hybrid-Geräte: Sie lassen sich sowohl als Notebook und als Tablet verwenden. Allerdings sind echte Tablet-PCs deutlich schlanker und leichter. Wer den Tablet-Modus bevorzugt, sollte deshalb zu einem Detachable-Gerät mit ansteckbarer Tastatur greifen. Benötigt man das Tablet dagegen nur ab und zu, ist man mit einem Hybrid-Gerät besser bedient.

Deutlich zeigt sich der Kompromisscharakter auch in den Leistungsklassen: Liegt der Schwerpunkt auf der Notebook-Nutzung mit viel Leistung, empfiehlt sich ein Gerät mit Core-i-Prozessor. Deutlich langsamer sind die Modelle mit Atom-CPU, auf denen immerhin noch das richtige Windows läuft. Das abgespeckte Windows RT, auf dem sich die gewohnten Windows-Programme nicht installieren lassen, scheint dagegen zurzeit wenig Zukunft zu haben. Man kann sich dafür entscheiden, sollte das aber ganz bewusst tun.
Ganz auf die Tastatur zu verzichten, ist übrigens bei keinem der Windows-Geräte eine gute Idee. Denn der Schwerpunkt beim Microsoft Betriebssystem liegt – anders als bei Android oder iOS – eben auch im Allround- und Business-Einsatz. So wird selbst Windows RT mit einem vollwertigen Microsoft-Office 2013 (Word, Excel, Powerpoint und OneNote) ausgeliefert. Ohne Tastatur aber lassen sich die Programme nur sehr eingeschränkt verwenden.

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