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Smarte OBD-Hacks für jedes Auto: Fehlercodes & Tuning

27.07.2015 | 10:17 Uhr |

Im Wagen versteckt sich die OBD-Schnittstelle, die eine Vielzahl von Daten aufs Smartphone und den PC bringt. Fehlercodes auslesen, ein vollwertiger Bordcomputer als App und Chiptuning sind nur drei Beispiele.

Was machen Werkstatt und TÜV beim Autocheck als erstes? Richtig, sie schließen das Prüfgerät an. Damit verschaffen sich Mechaniker und Prüfer einen umfassenden Überblick über die Funktionen des Motors, der diversen Steuergeräte und Sicherheitseinrichtungen sowie über die Abgas- und Umwelteigenschaften. Zudem lässt sich so der Fehlerspeicher des Wagens auslesen, schließlich tritt nicht jeder Defekt permanent auf. Das hilft gegen den typischen Vorführeffekt, wenn beim Vorfahren in der Werkstatt plötzlich wieder alles einwandfrei funktioniert.

Wie wäre es denn, wenn Sie das alles selbst erledigen könnten und schon vorher wüssten, was eventuell kaputt ist und wo Probleme aufgetreten sind? Die Überraschungen bei der Rechnung für die Reparatur wären dann nicht mehr so groß.

Fühlen Sie Ihrem Auto selbst auf den OBD-Zahn!

Den Konjunktiv mit „wäre“ und „hätte“ können Sie getrost streichen: Machen Sie es ganz einfach selbst, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Alle seit 2001 in der EU zugelassenen Autos (Dieselfahrzeuge ab 2004) verfügen über die einheitliche, 16-polige Schnittstelle für die On Board Diagnose, kurz OBD 2. Diese Schnittstelle ist nicht nur bequem im Innenraum in der Nähe des Lenkrads zugänglich, sie liefert auch alle in der OBD-2-Norm definierten Daten, häufig darüber hinaus sogar noch viel mehr fahrzeug- und herstellerspezifische Details.

Schema der 16-poligen OBD-2-Schnittstelle, die in allen Fahrzeugen ab 2001 bzw. 2004 (Diesel) steckt, darüber ein etwa Streichholzschachtel-großer OBD-Bluetooth-Adapter.
Vergrößern Schema der 16-poligen OBD-2-Schnittstelle, die in allen Fahrzeugen ab 2001 bzw. 2004 (Diesel) steckt, darüber ein etwa Streichholzschachtel-großer OBD-Bluetooth-Adapter.

All dies lässt sich schon mit minimalen Kosten ab etwa zehn Euro realisieren, mehr kosten die beiden dafür erforderlichen Komponenten nicht. Zum einen benötigt man einen OBD-Adapter, also ein Stück Hardware, das die Signale aus dem Auto weitergibt. Das kann per Funk, also per Bluetooth oder WLAN, oder per USB-Anschluss erfolgen. Zum zweiten erfordert die sinnvolle Auswertung der Signale aus dem Auto eine Software fürs Smartphone oder für den PC.

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Die Funkadapter gibt es als Bluetooth- und als WLAN-Ausführung. Die Unterscheidung ist deshalb wichtig, weil die WLAN-Varianten meist nur im Ad-hoc-Modus ohne Access Point arbeiten, den Android aber erst nach dem Rooten unterstützt. Umgekehrt lassen sich viele der Bluetooth-Adapter wegen spezieller Profile nicht mit dem iPhone oder iPad koppeln. Android-Nutzer greifen deshalb besser gleich zum günstigeren Bluetooth-Modell, iOS-Anwender müssen für die WLAN-Variante etwas mehr ausgeben (ab ca. 20 Euro). Ab zehn Euro zu haben sind auch OBD-USB-Adapter für den PC, sie werden häufig auch unter der Bezeichnung „Scanner“ angeboten. Das von uns bestellte Billigmodell konnte allerdings bei weitem nicht mit allen Tools kommunizieren, das beiliegende Programm ScanTool.net erwies sich sogar als völlig unbrauchbar.

Die Händler bewerben ihre Adapter oft mit dem Zusatz „ELM 327“, die Bezeichnung geht auf einen bestimmten Chipsatz der kanadischen Firma ELM Electronics zurück. Ob die im Internet angebotenen Modelle wirklich den Originalchip oder einen lizensierten Nachbau beinhalten, sei dahingestellt. Bei unseren Versuchen mit mehreren Adaptern gab es jedenfalls keinerlei Probleme, nur beim Bluetooth-Pairing hakte es ab und an ein wenig.

Solche OBD-USB-Scanner dienen zur Übertragung zwischen OBD-2-Schnittstelle im Auto und dem PC. Eine geeignete Software übersetzt die Signale in aussagekräftige Informationen.
Vergrößern Solche OBD-USB-Scanner dienen zur Übertragung zwischen OBD-2-Schnittstelle im Auto und dem PC. Eine geeignete Software übersetzt die Signale in aussagekräftige Informationen.
© Aliexpress

OBD-2-Schnittstelle und OBD-2-Stecker: die Unterschiede

Festgelegt in der On Board Diagnose sind nur die abgas- und umweltbeeinflussenden Systeme. Dem legt der Gedanke zugrunde, dass ein Fahrzeug nicht nur bei Zulassung und Routineüberprüfung beispielsweise durch den TÜV alle Vorschriften einhalten muss, sondern immer. Deshalb ist im Kombiinstrument eine gelbe Motorkontrollleuchte integriert, im Englischen mit „Malfunction Indicator Light“ (MIL) bezeichnet. Bei OBD-spezifischen Fehlern leuchtet diese auf, zudem müssen die Fehler in einem Speicher festgehalten werden, damit man sie später auslesen kann.

Bordcomputer im Auto mit der Android App Torque Pro

Für all diese Funktionen und Protokolle werden zusammen mit Masse und 12-Volt-Zuführung jedoch nur neun der insgesamt 16 Pins der OBD-2-Schnittstellen benötigt, sieben bleiben also zunächst frei. Diese belegen die Hersteller in der Regel mit eigenen, spezifischen Signalen bzw. Steuerfunktionen. Das ist sinnvoll und praktisch, weil mit dem OBD-Stecker ohnehin eine stabile und zentral zugängliche Verbindung zum KFZ vorhanden ist – nur Teil der OBD-2-Spezifikation sind diese Sonderfunktionen eben nicht.

Aus diesem Grund lässt sich bei vielen KFZ über die OBD-2-Schnittstelle per Software beispielsweise das Steuergerät umprogrammieren, um durch Änderung bestimmter Parameter zur Motorsteuerung die Leistung zu erhöhen. Darüber hinaus können über die zusätzlichen, proprietär genutzten Pins des OBD-2-Steckers häufig weitere elektrische Komponenten wie Berganfahrassistent, Klimaautomatik, Navi, Entertainment-System und und und angepasst werden. Die Beispiele ließen sich fortsetzen. Sie sind aber hersteller- bzw. fahrzeugspezifisch und setzen folglich eine spezielle Software voraus.

Bordcomputer und Co.: Apps für Smartphone und Tablet

Doch zunächst zur Software für die originären OBD-Informationen. Bordcomputer gehören selbst in der automobilen Mittelklasse längst nicht zur Standardausstattung, doch viel mehr Informationen stellen Smartphone-Apps für ein paar Euro zur Verfügung. Absolutes Muss für Android-Anwender ist Torque Pro für 3,55 Euro. Die App zeigt so gut wie alles, vom aktuellen CO2-Ausstoß über die Position des Gaspedals bis zur Querbeschleunigung. Insbesondere die „Raw data“ zeigen eine schier unglaubliche Datenfülle, nicht zuletzt auch durch die geschickte Koppelung mit den Smartphone-Sensoren wie dem GPS-Chip für die Standortbestimmung und den Beschleunigungsmessern.

Nur ein Bruchteil der Motordaten, welche die Android-App Torque Pro über die OBD-2-Schnittstelle des Autos ausliest: links der Verbindungsstatus zum Adapter, rechts der Test des Sauerstoffsensors.
Vergrößern Nur ein Bruchteil der Motordaten, welche die Android-App Torque Pro über die OBD-2-Schnittstelle des Autos ausliest: links der Verbindungsstatus zum Adapter, rechts der Test des Sauerstoffsensors.

Darüber hinaus liest Torque Pro Defekte von Motor und Steuergerät inklusive der Fehlercodes aus. Meist findet man damit bereits durch eine Google-Suche die Ursache für den Defekt. Nett ist schließlich bei Dunkelheit die Option „Head-up-Display“ (HUD): Legt der Fahrer sein Smartphone oder Tablet vor sich auf das Armaturenbrett, sieht er die Daten der App im seitenverkehrten HUD-Modus korrekt in der Windschutzscheibe – sehr cool. Mehr zu Torque Pro lesen Sie hier .

Die gezielte Suche nach OBD-Anwendungen im Google-Playstore liefert weitere Treffer, unter anderem die Apps OBD Auto Arzt, OBD Car Doctor Pro, Dash Command, OBD Link, Scan Master Lite oder OBD Trouble Codes - OBDmax. Andere Applikationen sind sehr speziell, beispielsweise der Ecoshifter : Die App erinnert auf der Grundlage der OBD-Daten an das rechtzeitige Hoch- und Runterschalten, das ist alles.

Für iOS existiert ebenso ein vielfältiges Angebot an OBD-Apps, darunter die kostenlosen Applikationen OBD Car Doctor, iOBD2und Dash Command. Maßstab war lange Rev, doch die rund 40 Euro teure Software wird schon seit Jahren nicht mehr weiterentwickelt. Immerhin kann man sich über die kostenlose Lite-Version ein Bild von Rev machen. Hervorzuheben ist, dass fürs iPhone und iPad mehr hersteller-spezifischer Apps zu haben sind, z.B. iOBD2-BMW oder iOBD2-VAG und VCDS-Mobile (beide für VW, Audi, Skoda und Seat). Diese bieten Zugriff auch auf die proprietären Zusatz-Pins der OBD-2-Buchse und erlauben damit die Analyse weiterer Komponenten wie z.B. von Airbags, Klimaanlage, Vierradantrieb und so weiter.

DNT OBD 2 ist eine schicke App für iPhone und iPad mit vielen Möglichkeiten, allerdings setzt sie den OBD-Adapter des Herstellers voraus.
Vergrößern DNT OBD 2 ist eine schicke App für iPhone und iPad mit vielen Möglichkeiten, allerdings setzt sie den OBD-Adapter des Herstellers voraus.

Software für den PC bietet noch mehr Möglichkeiten
Hauptfunktion der OBD-Apps für Mobilgeräte ist die Anzeige der Motordaten in Echtzeit und die Fehlerdiagnose. Software für den PC geht teilweise darüber hinaus. Damit ist es im Prinzip möglich, selbst Daten an das Auto zu schicken und dort Einstellungen zu ändern oder neue Funktionen freizuschalten. Dies erfolgt wieder über die zusätzlichen, nicht vom OBD-2-Protokoll benötigten Pins der OBD-Buchse.

Günstiges Head up Display von Garmin zum Nachrüsten

Voraussetzung ist neben dem Analyseprogramm zum einen der schon genannte OBD-USB-Adapter sowie ein Notebook zum Anschließen im Auto. Bei der Software ist wieder zwischen OBD- und herstellerspezifischen Tools zu unterscheiden. Zur ersten Gruppe zählen EasyObdII , OBD Tester, Car Diagnostic Center , moDiag Ultimate und CarPort , zur zweiten FoCom (Ford), FiCom (Fiat, Alfa), PSA-Com (Citroen, Peugeot), BimCom (BMW, Mini), ToCom (Toyota) sowie CarPort VAG-Diagnose, VCDS, VAG-Com und WBH Diag (alle für VW, Audi, Skoda, Seat). Der OBD-Experte Florian Schäffer listet auf seiner Webseite weitere allgemeine OBD- und typenspezifische Programme auf. Diese richten sich preislich und hinsichtlich ihrer Funktionalität zum Teil allerdings an professionelle Anwender. Wegen der unterschiedlichen, in den Fahrzeugen verbauten Kommunikationssysteme muss man bei der Auswahl genau aufpassen, welche Software für welchen Wagen passt.

Wir haben die Hardware-/Software-Kombination „CP-Compact“ des Berliner Händlers Diamex für knapp 100 Euro ausprobiert. Sie ist speziell für Autos der VW-Gruppe konzipiert. Das Set beinhaltet neben der Vollversion von CarPort ein PC-USB-Interface. Beides ist schnell angeschlossen bzw. installiert und funktioniert auf Anhieb, das bei Bluetooth mitunter etwas mühevolle Koppeln entfällt hier. Die Software erlaubt, ein KFZ der VW-Gruppe (Audi, Seat, Skoda, VW) vorausgesetzt, das Auslesen sämtlicher Steuergeräte und herstellerspezifischer Fehler. Diese lassen sich zudem löschen, weitergehende Funktionen wie die Anpassung oder Neucodierung und ähnliches ist allerdings nur mit der Pro-Version möglich.

Allgemeiner für alle Fahrzeuge ist das mit ca. 40 Euro günstigere Set Diamex DX35, das ebenfalls einen USB-OBD-Adapter und das Windows-Programm moDiag Express umfasst, eine abgespeckte Variante von moDiag Expert. Das Express-Tool zeigt auf dem PC ähnlich viele Informationen wie Torque Pro auf Android-Geräten.

Die Software moDiag Express liegt dem günstigen OBD-2-Adapterset Diamex DX35 bei und zeigt wichtige Daten der On Board Diagnose. Auch das Auslesen von Fehlercodes ist möglich.
Vergrößern Die Software moDiag Express liegt dem günstigen OBD-2-Adapterset Diamex DX35 bei und zeigt wichtige Daten der On Board Diagnose. Auch das Auslesen von Fehlercodes ist möglich.

Fazit: Spaß und ernsthafte Hilfestellung

Zunächst bedeutet es einen Mordsspaß, auf dem Smartphone sämtliche Motordaten in Echtzeit zu sehen. Diesen Spaß gibt es schon ab zehn Euro, mehr kostet der Bluetooth-Adapter für die Verbindung von Handy und OBD-2-Schnittstelle im Auto nicht. Legt man weitere 3,55 Euro für die Android-App Torque Pro drauf, bekommt man noch viel mehr Informationen. Der integrierte Datenrecorder beispielsweise zeichnet die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit samt Position auf Google Maps auf.

Wo war das Auto wie schnell unterwegs? Die Kombination der Android-Apps Torque Pro und Google Maps zeigt die Geschwindigkeit für jeden Punkt der Fahrstrecke.
Vergrößern Wo war das Auto wie schnell unterwegs? Die Kombination der Android-Apps Torque Pro und Google Maps zeigt die Geschwindigkeit für jeden Punkt der Fahrstrecke.

Doch auch jenseits dieser Faszination ist das Auslesen der Daten nützlich, insbesondere das der (allgemeinen) OBD- und der herstellerspezifischen Fehlercodes. Dann kommt man bei einem Problem nicht völlig ahnungslos und unvorbereitet in die Werkstatt. Bastler können sich auf dieser Grundlage sogar selbst das passende Ersatzteil besorgen und einbauen.

Zum Schluss darf der Hinweis nicht fehlen, dass die billigen OBD-Adapter aus China natürlich kein deutsches Prüfzeichen haben. Man darf sie also (eigentlich) nicht auf öffentlichen Straßen benutzen...

Zum Schluss dürfen ein paar Anmerkungen zum Tuning des Autos (über die OBD-Buchse) nicht fehlen: Bis zu 30 Prozent mehr Leistung und bis zu 1,5 Liter/100 KM weniger Spritverbrauch: So oder so ähnlich lauten die Versprechen zahlreicher Chiptuner. Dabei sind drei Varianten zu unterscheiden: Beim klassischen Chiptuning wird das Steuergerät umprogrammiert, was sich – die Software, die für Fahrzeug und Motor passende Kennfelddatei, ein OBD-USB-Adapter sowie eine Portion Mut – sogar selbst bewerkstelligen lässt. Variante 2 wird über ein zusätzliches Steuergerät realisiert, das leistungssteigernd in das Motormanagement eingreift und das sich in aller Regel einfach an- und abstecken und damit ebenfalls selbst einfügen lässt. Drittens lässt sich der Speicherchip im Steuergerät tauschen.

Mal eben 110 PS mehr Leistung beim BMW X4 verspricht dieses Zusatzsteuergerät von Maxchip Chiptuning. Das Modul kostet weniger als 200 Euro.
Vergrößern Mal eben 110 PS mehr Leistung beim BMW X4 verspricht dieses Zusatzsteuergerät von Maxchip Chiptuning. Das Modul kostet weniger als 200 Euro.
© Maxchip

Grundsätzlich muss jede Leistungssteigerung abgenommen und in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden. Ohne die TÜV-Abnahme erlöschen Betriebserlaubnis und Versicherungsschutz, eventuell gehen zusätzlich Garantie bzw. Gewährleistungspflicht des Fahrzeugherstellers bzw. -händlers verloren. Ferner stellt sich die Frage nach der Haltbarkeit des Motors. Viele Chiptuner bzw. Hersteller von Zusatzgeräten geben eine einjährige Garantie auf die Motorfunktion und weitere Antriebskomponenten, hier sind allerdings die genauen Garantiebedingungen wichtig. Mehr Infos zum Chip-Tuning veröffentlicht der ADAC .

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