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Nvidia Geforce FX

27.01.2003 | 11:36 Uhr |

Nvidia setzt alles auf eine Karte: Mit dem neuen Grafikchip Geforce FX will das Unternehmen unbedingt wieder auf den Tempo-Thron.

Nvidias Angriff auf die Spitzenposition von ATI verpufft weitgehend. Zwar ist der Geforce FX in den meisten Tests etwas schneller als die Radeon-9700-Pro-Karte. Angesichts der Tatsache, dass der Geforce FX aber mit deutlich schnellerem Chip- und Speichertakt läuft, hält der Radeon 9700 Pro noch gut mit - der Vorsprung der Geforce FX ist in den meisten Fällen nur gering. Hinzu kommt, dass die ersten Karten mit dem Geforce FX 5800 Ultra rund 150 bis 200 Euro teurer sein werden als Karten mit Radeon 9700 Pro: Dafür ist die Leistung des Nvidia-Chips enttäuschend.Wenn ATI demnächst den höhergetakteten R350-Chip herausbringt, der dann auch mit DDR-II-Speicher arbeitet, sollte ATI den alten Tempovorsprung wieder hergestellt haben.

ATI hatte letztes Jahr mit dem Radeon 9700 den ewigen Spitzenreiter Nvidia auf den zweiten Platz verwiesen. Auch die anderen ATI-Chips, die auf der R300 genannten Architektur basieren, überzeugten: Der Radeon 9700, 9500 Pro und 9500 schlugen die Nvidia-Angebote in der jeweiligen Preisklasse; vor allem mit eingeschalteter Kantenglättung - eine Option, die für Spieler immer wichtiger wird - zogen die ATI-Produkte weit an Nvidias Chips vorbei.Der Geforce FX soll das nun ändern. Dabei stand er anfänglich unter keinem guten Stern: Obwohl im November letzten Jahres angekündigt, verpasste Nvidia das Weihnachtsgeschäft. Schwierigkeiten bei der Fertigung des in 0,13-Mikrometer-Architektur hergestellten Chips verzögerten die Auslieferung an die Kartenhersteller.Doch nun ist er endlich da - der neuen Geforce FX. Zumindest in Form einer Referenzkarte von Nvidia. Ob er das Unternehmen wirklich an die Grafikspitze zurückbringt, erfahren Sie auf den folgenden Seiten.

Der Chip auf der von uns getesteten Karte wird als Geforce FX 5800 Ultra in den Handel kommen. Er besitzt 125 Millionen Transistoren - ATIs Radeon 9700 Pro verfügt über rund 107 Millionen. Die acht Pixelpipelines sind mit je einer Textureinheit bestückt. Ebenso wie der Konkurrent von ATI unterstützt der Geforce FX Vertex und Pixel Shader gemäß Version 2.0 und ist somit kompatibel zu Direct X 9 (DX9) - er übererfüllt sogar die DX9-Mindeststandards: Nvidia gibt den Shadern deshalb die Versionsnummer 2.0+. Der AGP-8x-Chip ist über einen 128 Bit breiten Speicherbus mit dem Grafikspeicher verbunden - als erster Hersteller setzt Nvidia hier DDR-II-RAM ein.

Unser Testexemplar kam mit 128 MB RAM, der mit 500 MHz taktete - also effektiv mit 1 GHz lief. Der Grafikchip arbeitete mit 500 MHz. Aufgrund der 0,13-Mikrometer-Architektur erreicht Nvidia also Taktraten, die weit über denen vom Radeon 9700 gewohnten 325 MHz (Chip) und 620 MHz (Speicher) liegen.Die Referenzkarte verfügte weiter über 1 VGA-, 1 DVI-I- und 1 TV-out-Anschluss sowie einen Stromanschluss für einen Festplatten-Stromstecker, über den die Karte sich direkt per Netzteil versorgen lässt - das kennt man schon vom Radeon 9700 (Pro): Damit ist sichergestellt, dass diese Hochleistungskarten nicht die Stromversorgung des AGP-Steckplatzes überfordern und das System destabilisieren.

Nvidia kühlt Chip und Speicher mit einer aufwendigen Lösung:Heatpipes leiten Abwärme zum Slotblech, der Lüfter saugt darüber Kühlluft an. Diese Lösung benötigt das neben der Grafikkarte liegende Slotblech, der Karten-Slot lässt sich also nicht für andere PCI-Karten nutzen.Damit der Lüfter den Anwender nicht dauernd mit lauter Hochgeschwindigkeit nervt, hat sich Nvidia "Silent Running" einfallen lassen. In 2D-Anwendungen ist die 3D-Logik des Chips weitgehend ausgeschaltet, daher läuft der Lüfter langsamer - laut Nvidia mit rund einem Viertel der üblichen Geschwindigkeit - und damit leiser. In der Praxis erwies sich aber selbst der Silent Modus als relativ laut. Und sobald man ein Spiel startete, prustete der Lüfter dann mit wirklich störender Lautstärke vor sich hin. Im Dauerbetrieb stellten wir außerdem fest, dass der Kühlkörper auf der Kartenrückseite recht heiß wurde.

Die von uns getestete Treiber-Version 42.63 bot zur Kantenglättung folgende Anti-Aliasing-Einstellungen:2x, Quincuncx, 4x, 4xS, 6xS und 8xS, wobei die letzten beiden neu sind. Bei anisotropischer Texturfilterung, die das Aussehen der Texturgrafiken optimiert, kann man zwischen 2x, 4x und 8x auswählen.

Karten soll es ab Ende Februar im Handel geben: Unter anderem Asus, A-Open, Gainward, Leadtek und MSI werden Produkte mit dem Geforce FX auf den Markt bringen. Die Preise sollen um 600 Euro liegen.

Zu den Tests:Beim Test mit 3D Mark 2001 SE gab es eine erste Enttäuschung: Geforce FX und Radeon 9700 Pro lagen in etwa gleich auf, der Radeon 9700 war sogar bis zu 5 Prozent schneller.Bei eingeschalteter Kantenglättung scheint Nvidia seine Hausaufgaben gemacht zu haben: Bisher brach das Tempo von Nvidia-Karten bei einer Auflösung von 1024 x768 Bildpunkten und eingeschalteter Kantenglättung um rund 50 Prozent ein. Der Geforce FX verliert dagegen mit 4fachem Anti-Aliasing nur etwa 15 Prozent. Bei höherer Auflösung bleibt er aber wieder hinter der Radeon 9700 Pro zurück.

3D Mark 2001 SE: 1024 x 768: Geforce FX: 12.240; Radeon 9700 Pro: 13.001

1600 x 1200: Geforce FX: 10.147; Radeon 9700 Pro: 10.192

1024 x 768 4xAA: Geforce FX: 10.365; Radeon Pro 9700: 9103

1600 x 1200 4xAA: Geforce FX: 5649; Radeon 9700 Pro: 6749

Codecreatures ist wie der 3D Mark2001 SE ein synthetischer Benchmark, beruht also nicht auf einem erhältlichen Spiel. Er nutzt aber intensiv Direct-X-8-Effekte und fordert so die Karte.Die Geforce-FX-Karte setzte sich hier gegen die Radeon-9700-Kollegin durch, war rund 10 Prozent schneller und bot eine bessere Bildqualität. Bei 1600 x 1200 Bildpunkten stürzte die Karte im Test ab.

Codecreatures: 1024 x 768: Geforce FX: 6875; Radeon 9700 Pro: 6266M; 1600x1200: Geforce FX: Absturz; Radeon 9700 Pro: 4558

Der klassische Open-GL-Benchmark Quake 3 fordert vor allem in niedrigen Auflösungen aktuelle Grafikkarten kaum noch. Hier ist die Geforce FX etwas schneller als die Radeon 9700 Pro. Interessanter sind die Ergebnisse mit eingeschalteter Kantenglättung: Die Geforce FX ist dabei maximal 10 Prozent schneller als das ATI-Produkt.

Quake 3: 1024 x 768 : Geforce FX: 222,6; Radeon 9700 Pro: 219,5

1600 x 1200 : Geforce FX: 198,8; Radeon 9700 Pro: 184,2

1024 x 768 4xAA: Geforce FX: 201,2; Radeon 9700 Pro: 195,0

1600 x 1200 4xAA: Geforce FX: 100,9; Radeon 9700 Pro: 91,9

Unreal Tournament 2003 ist an sich ein guter Benchmark, um die Leistung in aktuellen Spielen zu testen. Allerdings limitiert die CPU-Leistung selbst auf einem System mit 2,4-GHz-Prozessor die Möglichkeiten der Grafikchips: Deshalb liegen die Karten hier meist gleichauf.

Unreal Tournament 2003 Demo: 1024 x 768: Geforce FX: Flyby 154,8, Botmatch 53,1; Radeon 9700 Pro: Flyby 162,0; Botmatch 54,7

1600 x 1200: Geforce FX: Flyby 143,7; Botmatch 52,8; Radeon 9700 Pro: Flyby 117,8; Botmatch 54,4

Ausblick:Es sieht so aus, als könnte der Geforce FX selbst in künftigen Benchmarks, die intensiv auf Direct-X-9-Effekte setzen, am Radeon 9700 Pro nicht vorbeiziehen. Auch für Spiele, die erst in diesem oder nächstem Jahr erscheinen, scheint das ATI-Produkt ein höheres Potenzial zu haben.

Unser Testsystem:Pentium 4 2,4 GHz mit 512 MB DDR266-RAM. Den Geforce FX testeten wir mit dem Detonator-Treiber 42.63, die Karte mit Radeon 9700 Pro lief mit dem Catalyst-Treiber Version 3.0, Version 7.81.

Hersteller/Anbieter

Nvidia

Weblink

www.nvidia.com

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