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28.08.2012, 10:13

Roland Freist

Android-Apps

Nie mehr tippen: Siri, Handwrite & Swype am Handy

Das Tippen auf dem Handy ist mühsam: Nur die Top-Geräte wie das iPhone 4S und das Samsung Galaxy S3 (im Bild) verfügen von Haus aus über einen Sprachassistenten. Doch der lässt sich nachinstallieren. ©Samsung

Eine Tastatur auf einem 3,5-Zoll-Touchscreen macht nur bedingt Sinn. Doch jedes Android-Smartphone lässt sich auch per Swype, Handwrite, Sprache oder sogar einem Siri-Pendant steuern.
Handys sind längst nicht mehr nur zum Telefonieren und Verschicken von Kurznachrichten da: Googeln, soziale Netzwerke, Navigieren, Musik hören, Schreiben und vieles mehr lässt sich mit den mobilen Mini-Computern erledigen. Denn um nichts anderes als kleine Rechner mit einem standardisierten Google-Betriebssystem handelt es sich ja bei Smartphones, auf denen sich wie beim PC unzählige Programme installieren lassen.
Um all diese Apps zu bedienen, sind Tastatureingaben und Fingergesten wie Tippen, Ziehen und Wischen erforderlich. Android bringt zu diesem Zweck zwar eine eigene, virtuelle Tastatur und auch eine Sprachsteuerung mit, über die sich viele Befehle einfach diktieren lassen. Trotzdem blicken viele Benutzer neidisch auf das iPhone 4S mit seinem allwissenden Assistenten Siri.
Ehemalige Besitzer eines Handheld-Rechners von Palm vermissen zudem oft die Möglichkeit, Buchstaben einfach mit dem Finger auf den Bildschirm zu schreiben. Wenn es schon eine virtuelle Tastatur sein muss, dann doch bitte eine, die etwas mehr Komfort bietet als die mitgelieferte des Android-Systems. Für alle diese Wünsche findet sich im Play Store passende Software.

Siri and Friends: alles im Play Store von Google

Apples Siri ist sowohl ein Assistent, der Fragen mithilfe des Internet beantwortet, als auch eine Sprachsteuerung. Die Möglichkeit zur Spracheingabe existiert auch in Android. Wenn sie auf Ihrem Smartphone nicht vorhanden ist und es mindestens mit Android 2.2 ausgerüstet ist, können Sie sie kostenlos aus dem Play Storeherunterladen und installieren.
Aktivieren Sie die Sprachsteuerung über das Mikrophon-Symbol und geben Sie anschließend einen der folgenden Befehle und eventuell noch einen Text ein. Dies sind die Befehle für die Funktionen, die Sie per Sprachsteuerung ausführen können:
Zum SMS verschicken: „Text senden an [Empfänger] [Nachricht]“ – Beispiel: „Text senden an Gerhard – Hallo Gerhard, wir treffen uns morgen auf der Hütte. Gruß Sonja“
Für die Routenplanung: „[Adresse/Stadt/Unternehmensname] navigieren“ – Beispiel: „Zur Kellerstraße München navigieren“
Für Anrufe bei Unternehmen und Geschäften: „[Unternehmensname] [Ort] anrufen“ – Beispiel: „Hofbräuhaus München anrufen“
Um Kontakte anzurufen: „[Name des Kontakts] [Telefonart] anrufen” – Beispiel: „Gerhard Klein anrufen“
Zum Anzeigen einer Karte: „Karte von [Adresse/Stadt]” – Beispiel: „Karte von Marienplatz München“
Um Websites aufzurufen: „[Website] anzeigen” – Beispiel: „pcwelt.de anzeigen“
Um Google zu durchsuchen: „[Suchanfrage]” – Beispiel: „Trailer Prometheus“

Siri auf jedem Android-Smartphone

Siri geht allerdings weit darüber hinaus und nimmt Anfragen jeder Art entgegen. Eine ähnliche Funktion bietet das Android-Geräte Galaxy S3 von Samsung mit S Voice. Bei englischsprachigen Anfragen greift die App wie Siri auf Wolfram Alpha zurück, bei deutschen Fragen verwendet es die Sprachsteuerung von Vlingo.
Die APK-Datei, also das Installationspaket von S Voice, wurde bereits vor Veröffentlichung des Galaxy S3 geleakt und steht heute auf zahlreichen Websites zum Download bereit. Um zu verhindern, dass von anderen Smartphones aus Anfragen an den Server für S Voice gestartet werden, baute Samsung in der Folge einen entsprechenden Filter ein. Dieser lässt sich aber umgehen, wenn man die Kennung Ihres Telefons bearbeitet – damit lässt sich S Voice auf jedem Smartphone mit Android 4.0 oder höher verwenden.
Das lässt sich beispielsweise mit einer App wie dem Root Explorer erledigen, indem man im Ordner „System“ die Datei build.prop mit einem Texteditor öffnet.  Das alles funktioniert nur auf gerooteten Geräten, wobei das Rooten eines Smartphones zum Verlust sämtlicher Daten führen kann. Wer das Risiko in Kauf nimmt, ändert die Kennung seines Telefons wie folgt: Die beiden Zeilen zum eigenen Smartphone editieren und in „ro.product.model=GT-I9300“ und „ro.product.device=GT-I9300“ abändern. Nach einem Reboot funktioniert dann S Voice auf jedem Smartphone mit Android 4.0.
Es gibt noch eine Reihe weiterer Siri-Konkurrenten für Android. Eine Bewertung von Vlingo, Skyvi und Speaktoit Assistant finden Sie hier, das Gleiche erledigt die neue AppAlicoid.

Tastatur-Alternativen: schneller mit Swype

Sobald man in Android auf eine Eingabezeile tippt oder in einen Texteditor, fährt die hauseigene virtuelle Tastatur hoch. Das Programm erfüllt zwar seinen Zweck, mehr jedoch auch nicht. Gute Alternativen sind Swype und SwiftKey 3.
Beide unterscheiden sich auf den ersten Blick nur wenig von der Android-Standardtastatur. Swype ist aber in der Lage, Wischgesten als Wörter zu identifizieren. Das Wort „und“ beispielsweise lässt sich eingeben, indem man einfach mit dem Finger vom „u“ über das „n“ bis zum „d“ fährt. Dahinter ergänzt die App selbsttätig ein Leerzeichen. Mit weiteren Gesten lassen sich Großbuchstaben erzeugen oder Satzteile in die Zwischenablage kopieren. Mit etwas Übung gehen Eingaben auf diese Weise erheblich schneller als durch Tippen mit dem Finger.
SwiftKey wiederum zeichnet sich durch seine Lernfähigkeit aus. Die Tastatur merkt sich, welche Wortkombinationen Sie häufig verwenden und schlägt die entsprechenden Begriffe automatisch vor. Außerdem wertet es auf Wunsch Beiträge auf Twitter und Facebook aus, um noch mehr über den Schreibstil des Autors in Erfahrung bringen und seine Vorschläge zu optimieren.
Handschrifterkennung Handwrite macht Tastatur überflüssig
Seit Juli 2012 bietet Google die Möglichkeit, seine Suchmaschine handschriftlich zu bestücken. Die Funktion läuft über den Browser, weshalb sie auch auf iPhones und Windows-Smartphones verfügbar ist. Tippen Sie nach Aufruf der Google-Startseite auf die Taste mit dem handschriftlichen „g“ links unten. Anschließend können Sie die Buchstaben Ihres Suchbegriffs einfach mit dem Finger auf das Display malen. Leerzeichen erzeugen Sie mit der entsprechenden Taste unten.
Eine weitere Option ist Graffiti. Graffiti überträgt die Handschrifterkennung der Palm-PDAs auf Android. Wer die Gesten für die einzelnen Buchstaben noch beherrscht, ist damit schneller als mit einer virtuellen Tastatur.
Wenn es lediglich darum geht, Notizen handschriftlich festzuhalten, ist auch die bereits getestete App Handwrite NoteFree eine gute Wahl. Eine kostenpflichtige Alternative ist schließlich PenReader von ParagonSoftware. Insgesamt ist das Angebot in diesem Bereich jedoch eher dünn: Denn eine funktionierende Handschrifterkennung ist technisch sehr anspruchsvoll ist und vor allem auf Tablet-PCs gefragt. Die jedoch sind von Haus aus damit ausgestattet.
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